Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 33 (19.8.1898)
- Article
- Fahrstraßen für Luftschiffe
- Date
- 1898-08-19
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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- Avignon 2× ep/1047822
- Tunis 1× ep/1048155
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JMtyikc Gerte 9 wenn das Fahrzeug sich nicht zu hoch über die Erde erhebt; um denselben Weg umgekehrt zurückzulegen, müsste das Luftschiss in höheren, vom Nordwestpassat beherrschten Schichten der Atmosphäre bleiben. Da sich die Gürtel der Passate mit dem Gange der Sonne verschieben, so würden die Luftsahrstraßen fteilich nur in kleineren Erdstrichen das ganze Jahr hindurch unverändert benutzbar bleiben, sich sonst aber ebenfalls nach der Jahreszeit nordbeziehungsweise südwärts verlegen. Le Dantec denkt ferner an den sogenannten „Aliz.'^ der mit großer Beständigkeit von Nordost her über die saharische Wüste weht, man könnte ihn benutzen, um schnell und verhältnismäßig gesahr- und mühelos von Nordafrika, etwa von Tunis oder Tripolis aus zum Tsadsee zu gelangen. Der Südostmonsum, der während des Sommers nach Asien hineinweht, würde Luftschisse zu sonst unersteiglichen Höhen des Himalaya tragen und mit ihnen etwa das Material zur Errichtung von Wetter« ober Sternwarten. Die Benutzung der beständigen Winde wird für die Lustschiffahrt ebenso von Bedeutung werden müssen, wie es die Benutzung der Meeresströmungen, um die sich der amerikanische Capitän Maury ein unsterbliches Verdienst erworben hat, für die Oceanschiffahrt geworden ist. Durch die Benutzung der Meeresströmungen verkürzte sich der Seeweg von Nerv-Bock nach Kalifornien um Südafrika herum von 180 auf 100 Tage, die Weltumschiffung von -50 Tagen aus 41,, Monate. Eine elektrische Kleinbahn in Kamerun soll zur Ausführung kommen. Sie beginnt zwischen Edea am Sanaga (Lom) und dem Kamerungebirge. Bon der Hauptbahn werden Zweigbahnen nach den in dem gebirgigen Gelände zerstreut umherliegenden Plantagen abgeleitet, als Endstation ist der am Fuße des Gebirges gelegene Ort Viktoria bestimmt. Er liegt mit seinem bereits berühmten Versuchsgarten für Plantagenbau und seinen weit ausgedehnten bedeutenden Cacaopflanzungen unmittelbar an einer Meeresbucht. Diese soll zum Hasen ausaebaut werden, was wegen ihrer von der Natur sehr begünstigten Lage außer sonstigen vielen Vorzügen mir Aufwendung von verhältnismäßig wenig Kosten geschehen kann. Der Plantagenbau hat sich am Kamerungebirge in der letzten Zeit ganz gewaltig entwickelt, und da man jetzt die unumstößlichsten Beweise hat, dass glänzende Ergebnisse geliefert werden, so hat man sich aus diesen Gründen zum Bau der betreffenden Kleinbahn mit elektrischem Betrieb entschlossen. Wkltchrmik. Wie mart sich einen „^ckrff'ar" verschafft. Noch bevor man in den Synagogen zu blasen begonnen, hat sich heuer die Temperatur abgekühlt. Im Grunde genommen, trennen uns aber nur noch wenige Tage von dem Schofarblasen. Dieser Umstand machte vorige Woche in einem preußisch-schlesischen Städtchen den dortigen Juden große Sorge, woher sie einen Schosar hernehmcn sollen. Sie gicngen darum die benachbarte galizischc Jndengemeinde O. an, sie möge einen Schosar für die herannahenden „furchtbaren Tage" herleihen. Die galizische Gemeinde wollte auch den Glaubensgenossen damit zuhilfe kommen; leider aber wurde an der Grenze für ein solches Instrument Zoll verlangt. Man beratschlagte lange hin und her, ohne einen Ausweg zu finden: endlich kam die Kunde von der Sache auch an das älteste Gemeindemitglied. Gegen eine kleine Belohnung erklärte sich dasselbe imstande, den Schosar durch den preußischen Zoll zu bringen. Mit einigen ihn stützenden Begleitern machte er sich ans den Weg, wobei er zur Bestürzung der klebrigen den Schosar offen in der Hand trug. So kam man an die Grenze. „Haben Sie etwas Zollbares?" fragte die Wache. „Was sagen Sie?" entgegnete der alte Moses, und setzte das Horn als Hörrohr an das Ohr. Die Wache ließ ihn ruhig passieren, und so gelangte der Schosar unverzollt an den Ort seiner Bestimmung. sUng. Wochenschr.) Ein autisimniisches Pferd. Eine Correspondenz meldet dem „Berl. Tgbl." : „Ein antisemitisches Pferd" befindet sich auf einem Landeigenthum in der Nähe von Sundsvoll in Schweden. Es ist ein kleiner kastanienbrauner Wallach aus Schoonen, kräftig und leistungsfähig und dabei doch von gemüthlichem, menschenliebendem Temperament. Doch eine Schwäche hat der Wallach. Er kann den Namen „Baruch" nicht hören. Wenn man ihm dieses aus den apokryphischen Büchern wohlbekannte hebräische Wort zurannt, schlägt er mit solcher Kraft aus, dass die Funken stieben. Diese Antipathie soll aus jenen Tagen datieren, da der Wallach als lustiges Fohlen auf der Weide hcrumsprang; denn da war unter den weniger freundlichen Pferdewärtern einer, der den ominösen Namen trug. Hört der Wallach jetzt das Wort „Baruch", so erinnert er sich sofort seines Peinigers und schlägt aus. Er ist somit ein ausgeprägter Aiüiiemit. Schade, dass er nicht in Frankreich lebt, dort würde er jetzt zweifellos zum Paradepserd des Generalstabschef avancieren oder könnte gar, nach dem berühmten Vorbild des „Jncinatus", des Leibpserdes des Kaisers Caligula, wenn nicht zum Conful, so doch wenigstens zum Kriegsminister ausgerufen werden." Die Lücken, welche die Bewohner Nordböhmens in ihrer antisemitischen Ausbildung aufweisen, sollen jetzt ausgefüllt werden. Bisher waren die Nordböhmen größtentheils deutschnational-antisemitisch, während die christlichsocialen Fächer des Antisemitismus nur mangelhaft gepflegt wurden. Ein christlichsociales Blatt „Neuer freier Generalanzeiger" wird es sich nun angelegen sein lassen, diesem Uebelstande abzuhelfcn. Ein Tvmpelffreit. In Avignon war nach einer Meldung des „ .Jewish World14 das Gerücht verbreitet, dass die jüdische Synagoge nicdergerissen und der Gemeinde als Ersatz ein Kirchenplatz zur Erbauung eines neuen Gotteshauses angeboten werden solle. Daraufhin veröffentlichte ein Geistlicher im „Journal du Midi14 einen geharnischten Protest gegen die besagte „Profanation". Der Rabbiner von Avignon, Mr. Jules Bauer, ertheilte dem würdigen Priester in demselben Blatte eine tüchtige Lection. Das FremdenstLuergLletz in .Amerika. Ter oberste Gerichtshof von P e n n s y l v a n i c n hat, wie der „.1 e\v. Kxpon.“ berichtet, das Fremdenstenergcsetz, welches Einwanderern eine besondere Abgabe auserlegt, „als uncoustitutionell" und als ein tadelnswertes Beispiel von Classengesetzgebuug verworfen. Die Curorie inr Kaukasus dürfen, nach einer neuerlichen amtlichen Verlautbarung, von Juden nur nach eingeholter specieller Erlaubnis ausgesucht werden. Da eine solche Erlaubnis nur mit großen Geldopfern zu erlangen ist, haben diese Curorte im gegenwärtigen Sommer sehr wenig jüdische Besucher gehabt, was die dortigen Geschäftsleute und Hoteliers lebhaft beklagen. ,,J- W.“ Mr. I. Zangwill ist im Begriffe, eine Reise nach den vereinigten Staaten zu unternehmen, wo er im Herbste einen Cyclus von Vorlesungen abhalten will. Ein Euriosum. Der Schwager des Capitän Dreyfus, Mr. Hadamard, ist zum Docenten an der Pariser Hochschule der Wiffenschasten und gleichzeitig zum Officier der Ehrenlegion ernannt worden. „-1. W.*4 Consumvcreme jnc Vertilgung der Juden werden seit einiger Zeit in manchen Gegenden Ungarns ans Anregung und unter kräftiger Mithilfe der „Volkspartei" ins Leben gerufen. Die Juden der Comitate Eisenburg und Oedenburg wissen davon mehr zu erzählen, als ihnen lieb ist. Heute wollen wir das Wirken eines solchen, vom Klerus in Berzevicze (Com. Säros) ins Leben gerufenen Vereines beleuchten, der feine Warenartikel vom Geistlichen weihen lässt und die Christen mit allen möglichen kirchlichen Strafen bedroht, wenn sie es wagen sollten, bei einem Juden zu kaufen. Der dortige katholische Geistliche hat letzthin diesem Consnmvereine auch das Ausschanksrecht zu verschaffen gewusst, wodurch nicht nur die genugsam besteuerte Bürgerschaft, sondern auch die öffentliche Moral empfindlich geschädigt wird. Der Ausschank der Getränke erfolgt nämlich am Sonntag den ganzen Tag hindurch im Hofe der Kirche, wobei der Geistliche die Rolle des Kellners spielt. Damit das Geschäft einen Aufschwung nehme, hat der ehrwürdige Herr im Hofe der Kirche einen Raum fürs Kegelschieben freigemacht, wo es ganz besonders am Sonntag vor und nach dem Gottesdienste lustig hergeht.