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Die Welt · 1898-08-19 · 33 (19.8.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
33 (19.8.1898)
Article
[Ohne Titel] / E. R.
Date
1898-08-19
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 33. jPHOWdC Seite 7 vom 11. August, die sich stark mit jüdischen Verhältnisien beschäftigt. Schon im ersten sogenannten Leitartikel ist von Juden die Rede, allerdings in sehr verschwiegener Weise. Nur der Kenner merkt, dass das typische Judenblatt auch aus dem Leitartikel hervorlugt. Es werden die galizischen Ausnahmsmaßregeln besprochen. Die ersten Zeilen klingen, abgesehen von der etwas melancholischen Tonart, noch so ziemlich normal, aber plötzlich — in der siebenten Zeile — wird der Schriftsteller von einer verhängnisvollen Gedächtnisschwäche überrascht; er kann sich trotz des angestrengtesten Nachdenkens nicht mehr an die Ereignisie erinnern, welche der Verhängung der Ansnahmsmaßregeln vorangiengen, und erklärt mit jener unheimlichen Bestimmtheit, wie sie solchen psychischen Zuständen eigen ist, dass die Ausnahmsverfügungen „niemals nothwendig waren, heute aber nicht einen Schatten von Berechtigung besitzen", und während der Beklagenswerte weiterschreibt, verschlimmert sich sssin Zustand immer mehr und mehr, er bildet sich ein, dass es für die Ausnahmsmaßregeln „keinen Grund gab", und schließlich kommt der Arme in ein Stadium, wo er mit aller Energie erklärt, dass „auch nicht ein Schatten von Grund für seine (des Ausnahmszustandes) Verhängung gegeben war".-Es ist wirklich sehr traurig, was einem Menschen alles passieren kann! Bor wenigen Wochen erst hat der Berfasier des Leitartikels, der doch gewiss sonst ein recht begabter Mensch ist, in allen Zeitungen über die galizischen Judenexceffe die weitschweifigsten Berichte gelesen, er selbst hat vielleicht darüber geschrieben, und heute hat er all sein Denken so sehr in den stillen Lethestrom versenkt, dass er sich nicht mehr an den kleinsten, ausgeraubten Juden erinnern kann, ja er bietet uns sogar den erschütternden Anblick eines Mannes, der der Ansicht huldigt, dass in Galizien zwei Schatten fehlen: „Ein Schatten von Grund" und ein „Schatten von Berechtigung". In dem, was es weise verschweigt, zeigt sich das Judenblatt. Judenblätter — in des Wortes trauriger Bedeutung — sind deshalb so benannt, weil sie möglichst bestrebt sind, nichts über Juden und Jüdenthum zu schreiben. Es ist eine Art Jucus u non lucendo“. Und dieses Bestreben ist umso stärker, je mehr Juden in der Redaction sitzen. Aus der mehr oder minder großen Scheu, mit der ein „Judcnblatt" dem Worte „Jud" ausweicht, kann man ziemlich genau die Zahl der jüdischen Redactionsmitglieder bestimmen. So lässt der judenreine Leitartikel der „Arbeiterzeitung" auf eine stark israelitische Redactionsstube schließen. Das erwähnte Morgenblatt bietet für einen solchen Schluss auch noch einen zweiten Anhaltspunkt. Es enthält eine Capucinade, die ihre etwas verrostete Spitze gegen jene Juden wendet, die nicht so viel Schamgefühl besitzen, um ihr Judenthum zu verstecken, und die sich so sehr gegen die Intentionen der „Arbeiterzeitung" vergehen, dass sie Leitartikel schreiben, in denen das Wort „Jud" nicht nur nicht peinlich vermieden, sondern sogar mebr als einmal erwähnt wird. Die „Arbeiterzeitung" liest den Zionisten — sie möge uns den jüdischen Ausdruck verzeihen — die Leviten. Warum die Species jüdischer Socialisten, wie sie in der Redaction der „Arbeiterzeitung" gedeiht, antizionistisch ist? Es k ist das nicht auf ein Gebrechen des Zionismus, sondern auf ein Gebrechen jener Species zurückzuführen. Denn es gibt im Menschenleben Augenblicke, wo sich auch der classenbewussteste Jude, soweit es ihm seine Abneigung gegen jedwedes Gigerlrhum gestattet, waschen und kämmen muss, und bei dieser Gelegenheit zeigt ihm der Spiegel ein Panorama, das so einem jüdischen Socialisten tödlich verhasst ist, eine jüdische Physiognomie. Er hasst diese Physiognomie, die ein Product'östlicher Gefilde ist, denn sie hat sich gegen ihn gar nicht brav aufgeführt. Wo immer er sich bewegt hat, ist er sozusagen über stinr eigene Physiognomie gestolpert, allerorts hat man ihm Kin Judenthum unter die Nase gerieben, so dass ihm dieses Verkehrshindernis nach und nach sehr unangenehm wurde. Aber was nützt das? Der Mensch kann an der Nase, die ihm ein missgünstiges Schicksal in die Wiege gelegt, nicht rütteln: und wenn man auch noch so steif und fest auf irgend einem Manifeste steht, so liegt doch nur sehr wenig Trost in der Erwägung, dass man nicht allein eine solche fatale Physiognomie als Privateigenthum mit sich herumträgt, sondern dass seit geraumer Zeit eine BerAesellschaftlichung dieses Gutes in weiteren Kreisen durchgeführt ist. So entschloss sich denn der jüdische Socialist, alles, was mit seiner Physiognomie znsainmenhängt, gleichfalls zu Haffen: die weiteren Kreise, die Juden heit, die östlichen Gefilde, Zion, sich selbst, die nicht judcnrcincn Leitartikel. Aus Widerwillen gegen sich selbst ist er Antizionist. Jawohl, die Arbeiterzeitungsjuden haben sich in ihrer semitischen Haut von jeher sehr unbehaglich gefühlt und deshalb haben sie seinerzeit einen kleinen Verkleidungsscherz aufgeführt. Mit dem Kriegsgeschrei „Rette sich, wer kann!" haben sie sich von Zion verabschiedet und sind unter einen riesigem Kalabrcserhut gekrochen. Denn sie wollen nichts Geringeres, als ihre altjüdische Nase im Schatten der Hutkrämpen verstecken. Dazu gehören freilich sehr breite Krämpen. Nicht immer haben die Juden, die vor ihrem rothen Fetisch andächtig auf dem Bauch liegen, das Glück, bloß verlacht zu werden. Vom Verlachen zum Verachten ist nur ein Tritt, und Paffanten von der Gilde der Antisemiten lassen es an solchen Tritten nicht fehlen. Aber wenn die Fetischanbeter durch derartige Attaquen auf edlere Organe in ihrer Andacht gestört werden, dann setzen sie sich furchtbar zur Wehr. Sie springen auf und stoßen den fanatischen Schlachtruf aus, dass sie den Antisemitismus nicht „ernst nehmen", dann erheben sie die schwieligen Arbeiterfäuste, ziehen den Schlapphut über die Ohren und erklären, dass es den Juden jetzt gewiss nicht ärger gehe als seinerzeit in Aegypten. — Doch am furchtbarsten sind sie, wenn in Galizien Judenexceffe ausbrechen. Da bekommen sie sofort einen Anfall von Gedächtnisschwäche, und nach Art der Tobenden, welche leere Gläser und Töpfe zerbrechen, zerbrechen sie sich den Kopf, warum der Ausnahmszustand in Galizien eingeführt wurde. Ja, die rothen Fetischdiener aus dem Morgenlande lasten nicht mit sich spaffen. Wir haben über die Kalabreserjuden, die ihre Nase verzweifelt in einem Strauß rother Nelken vergraben, selten gelacht. Die armen jüdischen Judenfeinde! Aengstlich schauern sie zusammen, wenn man das Wort „Jud" nennt, stündlich hadern sie mit dem Schicksal, weil es so ungalaut war, ihnen die Bürde des Judenthums aufznladen, sie leben mit sich im steten Zwiespalt, weil ihnen der Jude, den sie so gerne los sein möchten, dennoch in allen Knochen steckt, immer sind sie auf der Flucht vor sich selbst — und darum haben wir den Armen, deren ganzes Leben eine roth drapierte Lüge ist, unser Mitleid nie versagt. Und sie können auch fernerbin darauf rechnen. Zum Schluffe noch eine Richtigstellung: Die „Arbeiterzeitung" hat diese wohlgelungene Probe ihrer Frechheit und Rüpelhaftigkeit in der Rubrik „Tagesneuigkeiten" zum Besten gegeben. Das kann nur ein Druckfehler sein. Denn die „Arbeiterzeitung" wird doch nicht ihre allbekannten Eigenschaften dem Publikum als „Neuigkeiten" auftischen wollen. E. R. ZS Die jüdische Colomalbank. (Mittheilungen des Bankcomites.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Herrn D. Wolffsohn nach Basel zu richten. Die genaue Adresse

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