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Die Welt · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Article
[Kommentar] / Izr.
Date
1898-08-12
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 32 j*#w<r Seite 13 Heuer so offen bekundet. Wir nehmen deshalb mit Vergnügen von diesem Artikel Act. „Kadimah" nennt sich eine in französischer Sprache erscheinende Halbmonatsschrift, welche von einer Gruppe jüdischer Studenten in Paris herausgegeben wird. Die uns vorliegende zweite Nummer der „Kadimah", welche als Organ für die nationale Emancipation des jüdischen Volkes bezeichnet wird, präsentiert sich mit einer Reihe ganz vorzüglich geschriebener Aufsätze ihren Lesern. Als informativ heben wir besonders die Wochenschau und die Besprechung der Fortschritte der zionistischen Bewegung hervor. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die „Kadimah", wenn sie weiter in dieser Weise redigiert wird, ein für die zionistische Bewegung außerordentlich schätzenswertes Organ sein wird. Wir hoffen, dass auch die materielle Unterstützung dem übrigens sehr billigen Journale nicht fehlen wird. Die Redaction und Administration des Blattes befindet sich in Paris, 4, rue de Vaugirard. Der Lodzer „Rozwöj“ brachte vor einigen Tagen einen Artikel unter dem Titel „Die Zionisten", welcher in sehr sachlicher Weise und mit großem Verständnis die zionistische Bewegung besprach und in vielen Kreisen die wohlverdiente Beachtung fand. BücherweU. „Widerspricht der Zionismus unserer Religion?" von Dr. H. Salomonsohn. Herausgegeben im Aufträge der Berliner Ortsgruppen der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", Berlin 1898. Die Antwort, welche „Nein" lautet, finden wir, bevor wir die kleine Schrift gelesen, schon aus der Rückseite des Tirelblattes in einem Motto, welches lautet: „Möge mich Gott erleben lassen, unter denjenigen zu sein, die Jerusalem bewohnt machen, und nicht unter jenen, die es in der Verödung lassen, um so Israels Golus zu verlängern." Wenn dieser fromme Wunsch auch von keinem geringeren als Rabbi Moses Sopher herrührt, dessen Religiosität nicht einmal von den frömmsten unter den Protestrabbinern bezweifelt werden dürste, so würde dieses Citat aus "“Slp nHu» Tmt wenig beweisen und als frommer Wunsch eines Einzelnen zu bettachten sein, wenn nicht das kleine Büchlein über eine große Anzahl von Argumenten verfügen würde, welche den klaren Beweis liefern, dass Rabbi Moses Sopher nicht anders gedacht und gebetet habe, als seine Vorgänger, die Lehrer und Stützen der jüd. Tradition, zu allen Zeiten. Diese Argumente aus Bibel, Talmud, Sohar und der ganzen mittelalterlichen Responsenliteratur, die bis in unsere Zeit hineinreicht, sind den Lesern dieser Zeitschrift zum Theil bereits bekannt, enthalten aber viel Neues, das die Broschüre als ein ausgezeichnetes Agitationsmittel empfiehlt. Jeder wahrhaft fromme Jude, der, nach Anhörung der Protestrabbiner, diese Schrift zur Hand nimmt, muss sich staunend mit dem Verfasser fragen: „Haben Gesetzeslehrer und Agadisten, Grammatiker und Exegeten, Denker und Dichter, haben sie alle den Geist unserer Religion, den Geist unserer Thora und unserer Propheten, den Geist unseres Volkes und seiner Hoffnungen verkannt?... Und sind die zahlreichen Leuchten Israels, die Ende des vorigen und im Anfänge dieses Jahrhunderts mit dem ganzen Feuereifer echter und rechter Juden eingetreten sind für Bestrebungen, die sich mit den unscrigen (den zionistischen) decken — sind sie alle Ketzer. . . sind sie alle verdammenswerte Ungläubige?" M. B. Ä Bücherrinlauf. „Emporgepeitscht". Von P. R. O. W i ck e b o r n e. Zürich 1898. Verlags-Magazin I. Schabelitz. Juliheft des nbirr-!- "DaS Ziou.Vlatt'l", 1. Heft, Odessa, enthält eine Reihe von Aussätzen und Gedichten (Jargon) zionistischen Inhaltes, darunter Beiträge von den bekannten zionistischen Schriftstellern Lilienblum, J affe und vielen anderen. Die Schrift ist zur Agitatton sehr geeignet. V. Jahresbericht der Jsrael.-Theol. Lehranstalt in Wien. Als Einleitung: Prof. Dr. D. H. Müller: „Strophen und Responsionen", neue Beiträge. 1898. Vergleichende Studien zur Stellung der Frau im Alterthum. Erster Band: „Die Frau im Talmud" von Dr. N. Klug mann, Wien 1898. E3*t2*pu?n Sammlung älterer Midraschim, von Tr. L. G r ü n h u t. Jerusalem 5658. & Feuilleton. „Ich bitt' Sie, Berger, hören Sie auf! Wie Sie so lächeln, weiß man wirklich nicht, ob das den Tod oder das Leben bedeutet. Weiß der Teufel, was an Ihnen mich jetzt wieder an Heine erinnert. Und ich denke, cs wird doch besser sein —" Leben. Drei kleine Judengeschichten. Von Salo Deutsch. I. Einer. Am Hauptthor des Krankenhauses standen zwei junge Leute. „Also, lieber Berger," sagte der große blonde Mann zu dem kleineren, brünetten, „Sie wissen, ich habe Sie während der ganzen Zeit, dass sie bei uns auf der Abtheilung lagen, nicht darnach gefragt, warum Sie's eigentlich gethan haben. Ich könnte Ihnen jetzt sagen, dass ich's ohnedies weiß — aber ich will nicht so geschmacklos sein. Sie zum Widerspruch oder zur Bestättgung zu reizen. Hier ist auch nicht der Platz zu Erötterungen. Ich bitte Sie, versprechen Sie mir jetzt nur, dass Sie sich ruhig in einen Wagen setzen, dass Sie zuhause zwei Stunden schlafen und dass ich Sie am Abend im Winterbierhaus treffe. Es ist nur, weil ich Sie heut Abend bitten will, mit mir Bruderschaft zu ttinken. Also abgemacht — ja? Sie fahren nach Hause — oder vielmehr — nach Hause — ich weiß nicht — Sie wohnen wohl bei —" „Aber Doctor, so sagen Sie's doch nur ganz ruhig heraus! Sie fürchten, dass ich allein wohne. Und Sie möchten gerne wiffen, ob ich nicht vielleicht noch so eine kleine Pistole zur Hand habe wie die, welche man bei mir gefunden hat. Also ja — ich habe wirklich noch eine. Aber erschrecken Sie nicht. Man darf mich schon ohne Furcht, dass wir was anstellen, mit der jungen Dame allein lassen .. .. „ „Nein, Doctor, Sie können mich ganz ruhig nachhause fahren laffen. Mein Ehrenwort, wenn's auf mich allein ankommt, will ich in drei Stunden noch unter den Lebenden weilen. Für Dynamitbomben und einstürzende Häuser kann ich natürlich nicht garantieren — ebensowenig für Dachziegel, die an der Fallsucht leiden. Sie sehen, wenn man nachsichtig ist, kann man sogar sagen, dass ich witzig bin. Aber — ernsthaft gesprochen — ich glaube, so was thut man nur einmal. Ich will mich nicht wieder blamieren und danebenschießen. Sehen Sie, Doctor, ich glaubte so ruhig und sicher zu sein, als ich vor dem Spiegel stand. Merkwürdig, dass so ettvas einen doch noch so sehr aufregt. Und dann bin ich ja auch kein solcher Leuteschinder. Ich werd' mich doch nicht gleich wieder bei euch einbringen lassen, nachdem ihr euch eben erst sechs Wochen mit mir abgeplagt habt. Und dann — er sprach plötzlich wienerisch — schaun's, eigentlich is es ja doch a Schand, wegen an Mädel." „Also doch?" „Na ja. natürlich! Na, na. losseu's nur! Ich weiß ja, was Sie fragen wollen. Ich Hab' Ihnen ja schon gesagt. Sie können ganz ruhig fragen: Wie man so was thun kann? Mein Gott — weiß man's denn? Und muss man's denn wissen? — Soll man denn wirklich immer sagen können, warum? — Man m u s s einfach. — Da gibt's kein warum. — Und wenn Sie just eine Erklärung wollen: man thut vielleicht Manches, weil man keinen Grund hat, etwas Anderes

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