Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 32 (12.8.1898)
- Article
- London / J. de H.
- Date
- 1898-08-12
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 ^lC^WdC Nr 32 Die Wahrheit zu sagen, begreife weder ich, noch andere Leute, die ich Gelegenheit hatte zu befragen, was Col. Goldsniid unter seinem nationalen Ideal versteht. Jnwiefernc ist das nationale Ideal mehr als die nationale Idee? Vom Jahre 1890 angefangen bis in die letzte Zeit hinein hat Col. Goldsmid in öffentlichen und privaten Aeußerungen sich für die Gründung eines autonomen jüdischen Staates ausgesprochen und deutlich erklärt, dass diese Idee nicht für eine weit entfernte Zukunft, sondern schon für den nächsten oder nächstnächsten Tag Geltung habe. Ich will nicht auf die Vorträge zurückgreifen, welche Col. Goldsmid in der ersten Hälfte der gegenwärtigen Decade in den englischen Provinzen gehalten hat. Er lese nur seine Rede bei der Londoner Conferenz, und habe sodann die Güte, seinen Brief zu erklären. Offenbar kennt er seine eigene Meinung nicht mehr. Er spielt das Ideal gegen die Idee aus (englisch idea und ideal), und merkt nicht, dass seine Opposition nicht dem „l" gilt, welches die Idee zu wenig hat, sondern dem Worte „national", welches sie zuviel hat. Genug davon! Col. Goldsmid hat die Organisation, welche er mit so großer Mühe aufbauen geholfen hat, schwer erschüttert. Die Kräfte werden so versplittert, glücklicherweise nur für kurze Zeit. Denn sie werden sich wieder um die alte Fahne schaaren. Nur wird dann der Fahnenträger ein neuer Mann sein. J. de H. Die Miyische Kmcgmg. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Ko k e s ch, HofnnL Gcrichts-Advocatcn in Wie», I., Singerstratze 25, z» senden. Gurahumora. Ans Anregung des Herrn H. Schieber fand am 22. Juli eine Versammlung statt,~ die die Gründung eines Zionsvereines zum Zwecke hatte. Herr L. Taubes referierte über die Lage der Juden und den gegenwärtigen Stand der^ zionisttschen Bewegung. Die Versammlung beschloß die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe. Pitesci (Rumänien). Vor Kurzem wurde hier ein Verein ..Erez Israel“ auf Grund des Baseler Programmes gegründet. Herr Dr. I. A l b e n a u hielt bei der Constituierung des Vereines im Tempel eine schwungvolle Rede. In Dr. Albeanu, der einst ein eifriger Kämpfer für Assimilationsbestrebungen war, hat die zionistischePartei ein tüchtiges Mitglied errungen. Nach ihm sprach HerrAd l er und setzte in klaren Worten die Ziele und Bestrebungen des Zionismus auseinander. Einen tiefen Eindruck machte auf die Versammelten die Rede des Herrn Adolf N e tz l e r, die sich mit der Schilderung der Lage der Juden in der ganzen Welt befasste. Es wurde hierauf ein Comite mit Dr. Albeanu an der Spitze eingesetzt. Eine bei der Versammlung eingeleitete Subscription ergab eine Zeichnung von etwa 130 Shares der jüdischen Colonialbank; circa 300 Francs wurden an Schekel gesammelt. Slatina (Rum.) In unserer kleinen Stadt, die von kaum mehr als 30 jüdischen Familien bewohnt wird, ist dank den Bemühungen der Herren Braunstein, Nadler und Goldenstein ein Zionsverein gegründet worden. Alle Mitglieder entrichteten den Schekel; das Ergebnis der Subscription für die jüdische Eolonialbank ist bis jetzt 73 Shars. „Hajoetz" Köln. Hier fand vor kurzem eine Sitzung des Centralcomites der zionistischen Vereinigung fürDeutschland statt, zu der außerdem eine Anzahl von Vertrauensmännern hinzugezogen worden war. Es waren ungefähr 23 Personen aus verschiedenen . Städten Deutschlands zugegen. Aus der Tagesordnung stand insbesondere die Frage, welche Stellung die deutschen Zionisten gegenüber dem Vorgehen des Rabbinerverbandes einzunehmen haben und ferner, welche Anträge die Vereinigung dem zweiten Baseler Congress unterbreiten wolle. Ueber den ersten Punkt enspann sich eine lebhafte Debatte. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung darüber unverhohlenen Ausdruck, durch welche unwürdigen Kniffe sich die Leiter des Verbandes die Zustimmung desselben zu der von ihnen erlassenen Resolution sicherten, und dass sie selbst die bewusste Verdrehung des zionistischen Programmes nicht scheuten, um die unwahre Behauptung der Resolution aufrecht erhalten zu können. Dem Antrag des Vorsitzenden, Rechtsanwaltes Dr. Bodenheimer, entsprechend wurde beschlossen, rabbinische Gutachten angesehener, gesetztreuer Gelehrten einzuholen, ob der Standpunkt des deutschen Rabbinerverbandes den Quellen des jüdischen'Gesetzes und der Tradition entspräche oder nich'. Die beiden Berliner Ortsgruppen stellten verschiedene Anträge, welche dem Congress übermittelt werden sollten, insbesondere bezüglich der Stellungnahme zur Colonisation und den diese fördernden Vereinen. Gs ergab sich eine völlige Uebereinstimmung dersämmtlichen Anwesenden darin, dass die Colonisation Palästinas als eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung unseres Zieles zu betrachten und daher in jeder Form von uns als Zionisten zu unterstützen sei, dass aber die Frage, wie und in welcher Weise die zionistische Partei als solche die Colonisation betreiben solle, erst auf dem Congress nach Rücksprache mit den Vertretern der übrigen Landesorganisationen mit Nutzen erörtert werden könne: die bezüglichen Anträge wurden, daher bis zu dem auf dem Congrcss zu constituierenden Delegiertentag deutscher Zionisten vertagt. Zwei Anträge des Herrn Schach, welche die Organisation des Schekels und die Bildung von Culturcommissionen betreffen, wurden einer stebengliedrigen Commission zur Berathuna und Beschlussfassung übertragen, und wurden in der von der Commission .vorgeschlagenen Fassung angenommen. Bei Eröffnung der Sitzung hatte der Vorsitzende mit warmen Worten unserer verstorbenen Führer S ch a p i r a und Mobile w e r gedacht. Auf dem Congress dürften die deutschen Zionisten durch circa 30 Delegierte vertreten sein. Bialystock. Der verstorbene Gaon Samuel Mohilewer ließ in seinem Nachlasse viele bedeutende Manuscripte zurück. Seine Bescheidenheit hinderte ihn daran, sie zu seinen Lebzeiten zu veröffentlichen. Mohilewer hinterließ aber kein Vermögen, seine Einkünfte benützte er bekanntlich, um den Armen seiner Gemeinde beistehen zu können. Es ist aber eine Ehrenpflicht, die Arbeiten des großen Rabbis der Oepentlichkeit zu übergeben. Die „Chowewei Zion" haben ein Comite gebildet aus den Herren: I. Chasanowitz, L. Rosenthal, A. Horoöischz, S. Rosenthal, N. Zabludomsui, A. Schapiro, S. R. Nabinovitz, W. Gluskin, I. Goldberg, welches das Bild Mohilewers vervielfältigen will, um so die Kosten der Drucklegung hereinzubringen. Die Bilder werden mit einem Zeichen versehen sein, das demnächst bekanntgegeben wird. Es ergeht an alle Zionisten die Aufforderung, nur dieses Bild zu kaufen, nachdem sich die Speculation bereits der Sache bemächtigt hat. L Dkreinsulch richten. Olmütz. Am 26. Juli veranstaltete die Ferialverbindung „Geulah" anlässlich des „Tischa-Beab" eine Gedenkfeier, bei der cand. jur. Egon Zweig die Festrede hielt. In derselben wies er auf die nationale Bedeutung dieses Trauertages hin, an dem der letzte Rest jüdischer Freiheit dahingerafft wurde. Dolina. Die Wahlen in den Zionsverein ergaben folgendes Resultat: Dr. Alexander Rubin, L. Turteltaub, Dr. D. Buchheim, S. Weinreb, L. Litwak, A. Turteltaub, Moses Weinberg, B. Perlmutter, B. Weinreb. Czcruowitz. Der Verein „Z i o n" veranstaltete am Trostes- Samstag nach Tischa-Beab eine Volksversammlung, bei der das Mitglied der akademischen Verbindung „Zephirah", stud. jur. L. Presser, einen interessanten, geistvollen Vortrag, der sich „Zions Tröste betitelt, hielt. Der Vortrag wurde überaus beifällig ausgenommen. Hierauf referierte Dr. Ebner über die Colonialbank, und fand die Idee derselben bei den Anwesenden lebhaften Anklang. Aus dem .,lewish Chronicle“. Einen netten Commentar zu Mr. Prags, von unserem Blatte bereits mitgetheilten Worten: „Die „Federation" liefere den englischen Zionismus an das Wiener Comite aus", liefert ein an den „Jewish Chronicle“ gerichteter Brief S. Levy's, in welchem es heißt: „... Wie weit verdient noch die „Chovevi Zion Association“ die Unterstützung ihrer Mitglieder? Eine Gesellschaft, welche ihre Anerkennung der jüdischen Nationalität stolz' in die Welt hinaustrompetet: welche bei allen Gelegenheiten die jüdische Flagge hisst und ein lebhaftes Gefühl für jüdischen Patriotismus hervorzurufen gewusst hat, — verlässt jetzr ihre Grundlage. Wir erreichen die Antiklimar, wenn unsere Führer sich damit zufrieden geben, das Losungswort aus Paris zu erhalten und sich in dem zurückstrahlenden Glanze der Rothschild'schen großartigen Experimente zu sonnen. Wieviele von den palästinensischen Colonien verdanken denn ihre Gründung englischer Munisicenz?" ' In der „OLrette Lausanne" veröffentlichte Ilia Grünberg am 20. Juli einen Artikel über die zionistische Bewegung, welchen das Blatt an leitender Stelle brachte. Der Artikel ist mit großer Sachkenntnis und rühmenswerter Objectivität geschrieben. — Es ist erfreulich, dass die Schweizer Presse die Sympathie, welche sie im Vorjahre dem Congresse bewies, auch