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Die Welt · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Article
Bismarck und die Taufe
Date
1898-08-12
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 32 Seite 11 tapfer und ließ alle diese Zumuthungen unbeachtet. Als ihm dann Fürst Bismarck selbst seine Ernennung zum Legationsrath überbrachte, gratulierte er ihm mit den Worten: „Wir haben Sie ja als tapferen Mann kennen gelernt." Die Jervish Pub liration Society of America, welche die Aufgabe hat, die Kenntnis der jüdischen Religion, Literatur und Geschichte unter beit Juden der Vereinigten Staaten durch geeignete Schriften zu verbreiten, hat bereits über 110.000 Bände veröffentlicht. Die Gesellschaft will dem Mangel an guten Schriftstellern, die über jüdische Gegenstände schreiben, abhelfen. Jüdische Spiele. Im Standardtheater in London wird nächste Woche ein Cyclus „jüdischer Spiele" gegeben. Das erste Drama, welches zur Aufführung kommt, trägt den Titel: „Zola, der Wahrheitssucher." Correspiudkvzeu. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Dem „Kurjer Lwowski" sendet man aus B r o d y eine Besprechung des Rechenschaftsberichtes des dortigen Gymnasiums. Nach dem Rechenschaftsberichte war die Anzahl der Schüler im abgelaufenen Schuljahre 481; der Confeffion nach waren 137 römisch-katholischer, 121 griechischkatholischer und 223 mosaischer Consession. Nach Nationalitäten gerechnet: 205 Polen, 116 Ruthenen und 160 Deutsche! Und der Correspondent kann die Verwunderung nicht unterdrücken, woher denn nach Brody so viele Angehörige der deutschen Nationalität gekommen sieien? Uns nimmt diese Fruchtbarkeit des Deutschthums in Brody nicht Wunder. Wir wißen sehr gut und auch die Herren vom „Kurjer Lwowski" werden es wiffen, mit welcher Entrüstung die Schulbehörden Galiziens sich dagegen wehren, dass die jüdischen Schüler unter der Rubrik „Nationalität" das Wort „jüdisch" vermerken. Wir erinnern nur an die vorjährigen Ereigniffe an den hiesigen Schulen, wo man den jüdischen Schülern derart ausgesüllte Nationale zurückwies und sie zu einem Recurs an die Statthalterei zwang. Wenn also die Juden genöthigt werden, eine andere Nationalität als die ihrige zu bezeichnen, dann muss man rs ihnen auch überlaßen, für welche sie sich entscheiden wollen. Uebrigens sollte der „Kurjer' Lwowski" doch wißen, dass deutsche Sprache und Sitte in Brody von jeher eine besondere Pflegestätte gefunden haben. Frankreich. Paris, 10. August. Der Appellgerichtshof prüfte heute die Berufung Zola's gegen das am 9, Juli d. I. gefällte Urtheil wegen der Verleumdung der drei Experten im Schreibfache, Couard, Varinard und Belhomme. Zola war nicht - erschienen. Das Urtheil des Appellhofes e r h ö h t die Gefängnisstrafe auf einen Monat und lautet weiters auf 2000 Francs - Geldstrafe und Zahlung von 10.000 Francs als Schadenersatz an jeden der drei Sachverständigen. Das Urtheil enthält nichts über die Anwendung des Strafaufschubgesetzes. „N. Fr. Pr." Algier. Vergangene Woche giengen zwei Rabbiner in das Schlachthaus, um eine Schechita-Frage zu erledigen. Bald war das Haus von 500 Raufbolden umringt, und als die Erwarteten heraustraten, zwang man sie zu rufen: „Hoch Drumont, hoch Rogis, nieder mit den Juden." rJe\vish World1". England. London, 5. August. Der Streit zwischen den beiden zionistischen Parteien Englands hat das Gute gehabt, dass er die Lust reinigte und Thatsachen, die dem Publikum Jahre hindurch verborgen blieben, ans Licht brachte. Wenn es auch hie und da zu einem Abfall gekommen ist, so zeigt doch gerade die Heftigkeit des Gegensatzes den Ernst, von dem beiden Parteien beseelt sind. Ich für meine Person bin zufrieden und glaube, alle Zionisten werden es sein, zu wißen, dass England am nächsten Congress durch 15 bis 20 Delegierte vertreten sein wird, und dass unsere Bewegung auch in außenstehenden Kreisen das lebhafteste Jntereße findet. Bon allen Seiten verspricht man sich, nach Erscheinen des Bankprospectes im größtmöglichen Maßstabe an dem Unternehmen zu betheiligen. Ein Zionist schreibt mir: Ein halbes Dutzend Vorlesungen in Nordengland würden tausende Zionisten auf unsere Seite bringen. — Noch etwas hat sich ereignet, etwas Unvorhergesehenes. Etwas, worüber ich Ihnen nicht tragisch kommen will, weil die Bewegung über allen Personen steht und selbst die Führer ihr nur folgen. Ereignet hat sich nämlich die Veröffentlichung eines Briefes aus der Feder Col. Goldsmid's im Jewish Clironicle. Hier der Wortlaut: „Ich bin für eine solche Reorganisation der Chovevi Zion, durch welche viele ernstdenkende, ihrer Raße in Treue und Liebe ergebene Juden der Bewegung, die sie bisher mit scheelen Augen beobachteten, gewonnen werden könnten. Sie stoßen sich in erster Reihe an dem Hauptziel unserer Gesellschaft: „Förderung der nationalen Idee in Israel." Ich selber habe diesen Punkt immer in den Vordergrund gestellt. Aber die Wurzeln meines Nationalismus sind nicht dieselben, wie die des politischen Zionismus. Der politische Zionismus erschöpft sich in der Hofstmng, für die unterdrückten Theile unseres Volkes ein rechtlich gesichertes Heim zu erlangen. Zugegeben, dass dieses Ziel ein wünschenswertes sei. Ader die treibende Kraft ist einzig und allein die Selbsterhaltung. Worin unterscheidet sich denn der politische Zionismus von irgend einer anderen nationalen oder socialistischen Bewegung? Selbst wenn es ihm gelingt, einen der Türkei tributären jüdischen Staat zu gründen, so wäre doch dessen Einfluss nach außen unendlich gering, und es ist mehr als zweifelhaft, ob er ftir diejenigen, zu deren Wohl er gegründet werden soll, auch wirklich einen Segen bedeuten und ob er nicht an inneren Zwistigkeiten sich verbluten würde. Ein jüdischer Staat auf Grundlage der, von den politischen Zionisten befürworteten Priucipien wäre die nationale Idee minus das nationale Ideal. Hat Israel um deßentwillen die Verfolgungen der Jahrhunderte erduldet? An welchem Punkte des (Staats)planes kommt die Allmacht zum Vorschein? Wird sie nicht durch die Bank überflüssig gemacht? Wird die Bank Macht genug haben zu helfen? Erfüllt das Zion der politischen Zionisten den Traum der alten Propheten? Nein! Das Zion des nationalen Ideals ist kein bloßes Asyl für die Declassierten unserer Rasse, sondern eine Gründung zu Gunsten des Menschheitsgeistes. Erst müßen wir für unsere Mission vollkommen tauglich sein, dann dürfen wir hoffen, unser Endziel zu erreichen. Die nationale Idee ohne das nationale Ideal gleicht der Frucht, die an den Ufern des todten Meeres gedeiht: von außen schön, verwandelt sie sich im Munde zu Asche. Ich persönlich würde daher ftoh sein, wenn das Hauptziel der Chovevi Zion fixiert würde als: „Förderung des nationalen Ideals", an Stelle der nationalen Idee: denn vor Realisirung des Ideals kann die Idee nicht zur unerschütterlichen Thatsache werden. Und da das Ideal die Idee in sich begreift, so würde die beabsichtigte Substitution uns nicht nur keinen echten Zionisten entfremden, sondern sogar die entftemdeten Sympathien der Besten unserer Raße dazu gewinnen. Die Förderung des Handwerkes und der Industrie in Palästina könnte dann durch eine gewisse Abändernng unseres Programmes das zweite Ziel der Association bilden. — Wenn sie richtig geleitet wird, kann die zionistische Bewegung diejenige sein, welche den mächtigsten geistigen Einfluss im Judenthum ausübt. Eine so wundervolle Gelegenheit darf nicht versäumt und der Zionismus nicht durch Mangel an richtiger Führung auf Triebsand geleitet werden."

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