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Die Welt · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Article
Sehr geehrter Herr Redacteur!
Date
1898-08-12
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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-Kr. 32 PcOwar Schamröthe steigt mir in's Gesicht: die Hauptveranlasser waren Juden, hiesige Juden', Frankfurter Juden, soweit sie noch den Namen Juden, ja den Namen Mensch verdienen. Man muss sich aber auch fragen, was haben unsere unglücklichen Brüder denn eigentlich verbrochen, dass sie den kaum iv-ggelegten Wanderstab wieder ergreifen müssen, um eine, wenn auch kümmerliche Existenz mit einer ungewissen Zukunst zu vertauschen. Es sind wahrlich nicht die paar armen Schnorrer, die schon durch das obligate Schildchen, „Mitglied des Armenvereins" an den Thüren unserer hiesigen reichen Glaubensgenossen verscheucht werden und noch viel weniger ist es der Concurrenzkampf des Erwerbes, denn die Ausgewiesenen, soweit sie nicht dem Gelehrten- oder Handwerkerstand angehören, sind zum überwiegend größten Theil Hausierer. In Preußen erhalten sie nicht einmal einen Wandergewerbeschein, sie gehen daher die Woche über nach den süddeutschen Staaten und sie bringen factisch Millionen nach Frankfurt und dieses Geld geben sie einzig und allein hier aus. Durch die Ausweisungen sind unsere jüdischen Bäcker, Metzger nnd Handwerker in erster Linie geschädigt, und in diesen Kreisen macht sich gegen die Ausweisung eine tiefe Erbitterung geltend, denn dort befürchtet man den empfindlichen Verlust einer guten, kaufkräftigen Kundschaft. In Wirklichkeit bemühen sich viese Geschäftsleute auch um Zurücknahme der getroffenen Maßregeln. Diese beiden Gründe müssen also wegfallen, es kueibt mithin nur eine Annahme übrig, unsere Denuncianten können den Anblick von Menschen nicht ertragen, denen man schon an der Kleidung den Juden ansieht, sie schämen sich ihrer, hier liegt der Kernpunkt! Unsere entnervten Missions- und Assimilationskrüppel können den Anblick der erzväterlichen Gestalten nicht ertragen. Interessant ist noch die Haltung der hiesigen Zeitungen. Wir haben hier Judenblatter pur excellenc, aber für alles sind diese Judenblätter, nur nicht für die Juden. Außer einem einfachen Spottgedicht in einem hiesigen Blättchen, habe ich in einer Tageszeitung eine kleine, fingerbreite Notiz gelesen, die die Ausweisungen einfach registrierte: der in Mainz erscheinende „Israelit" schwieg ych bis heute hartnäckig aus; wenn hier die orgeldrehenden Italiener oder mausesallenhandelnde Slovaken ausgewiesen würden, wollte ich einmal das Zetergeschrei anhören, wie diese Blätter mit Humanität u. s. w. um sich werfen würden. Zurückweisen muss ich ganz entschieden den Vorwurf, als sei unzere politische Behörde besonders antisemitisch. Der Herr Polizeisecrelär H., dem das Ressort der Ausweisungen untersteht, sagte mir: „Ich bin kein Antisemit, die Leute dauern mich, aber ihre einheimischen Glaubensgenossen haben sich an uns gewandt, damit wir Maßnahmen gegen die ausländischen Juden treffen sollten, infolgedessen müssen wir die Frankfurter Juden schützen, die beiden Herren Polizeicommissäre der am meisten von den Ausweisungen betroffenen Reviere, die Herren Sch. u. F. haben mir theilweise mit anderen Worten daslelbe erklärt. Antisemitisch, ich wiederhole, es, ist unsere Behörde nicht, sondern die von Ihrem Herrn Berichterstatter Z.gekennzeichnete Sippe. Seit drei Wochen habe ich für ca. 50 Ausgewiesene mündlich und schriftlich bei der Behörde die Zurücknahme der Ausweisungen zu erlangen gesucht, ebensoviel und noch mehr unser wackerer Gesinnungsgenosse, das Vorstandsmitglied Hugo Steinberg. Beim Schreiben dieses Briefes kommt ein Familienvater von i> Kindern mit Thränen der Freude in den Augen zu mir und sagte: Sie haben sich Olom liabo (den Himmel) verdient, meine 'Ausweisung ist zurückgenommen, ich darf hier bleiben. Eine jung verheiratete hochschwangere Frau macht mir dieselbe, mich selbst beglückende Mittheilung. Seit 2 oder 3 Tagen geben sich nun auch von der frommen Gemeinde dahier einflussreiche Männer her. die bestrebt sind, die Zurücknahme der Ausweisungen von der Behörde zu erbitten. Möge ihr edles Thun von Erfolg gekrönt sein und Gottes reicher Lohn sie beglücken. _ H. B. Für die geplünderten galizischen Juden sind Herrn Tr. Alexander Mintz bis 3. 'August zugckommcn: Von D. Racher, Ustron, als Ergebnis einer Sammlung der „Jvria" (Adolf Datlner 2 fl.. Dt. S t e i n h a u e r 2 fl., Leopold Fischer 1 fl. 50 kr., Simon Flach 5o fr., 'Adolf Windholz 50 kr., B. Hechler 50 kr., David 9t a ch e r 50 fr 7 fl. 50 Er. Dr. Josef Felisc als Ergebnis einer Sammlung in der israelitischen Eultusgemeinde in Kralup a. Moldau 37 fl. 50 kr., 2. I. S a ch s in Dwinsk als Ergebnis einer Sammlung (S. I. 2 ach s 50 Frcs., Gitel Sachs 25 Frcs., Albert Sachs io Frcs., Rosine Sachs 5 Frcs., Jsak Sachs 5 Frcs, der kleine begeisterte Zionist Gymnasiast James Sachs, unter dem Motto: „Hoch Herz!! Hoch Zion!" 5 Frcs.) l 00 Frcs. -•= iß fl. SO kr.; Si S. 'zu Belgrad 25 fl.; D. Wolffsohn, Köln a. Rh., 50 Mark -- 20 fl. 38 fr.: stud. jur. R. M., Berlin, 50 Mark — 20 fl. 38 kr.: M. I. Z. 2 fl.: Abel S u ch e st o w, Podbuz. als Ergebnis einer Sammlung (Josef und Aron Wahl 55 kr., Ernestine und Toni Ehr mann 50 kr., Rosa Leitner 30 kr., Abel Suche stow 25 kr.) 1 fl. ß> fr.; Scheb. Safrin, Monasterzyska l fl.; Benj. S a f r i n, Monasterznska 1 fl.: Jo len Friedm a n n, Zepce Bosnien, 3 fl. 50 kr.; Dr. Vierer, L-ofia. als Ergebnis einer Sammlung des Club „Serubabel" (M. Grünberg für ..Bocieta di ar-incultuia Zion-, Schumla, 3 Frcs., Sigmund, Kien, 2 Frcs.. Anton We.ismann 2, ab 25 Ets.) ß Frcs. 75 3 fl. 22 kr.; Samuel Dub, Ludwikowska, I fl.: Eultusvorstand in Radnitz Iß fl. 30 kr.; Eultusvorstand in Wojnilöw, Ergebnis einer Sammlung (Sabbatai Singer 25 kr., Israel W e i ß b r a u n 50 kr.. E. Singer 15 kr., Samuel Arn o ld 10 kr., H. A r n o l d 10 kr., Berl Graubart I fl., Simon Z i t r o n 1 fl., Moses Reiß 25 kr., Samson R e d i s ch 20 kr., E. Kraushaar lO kr., Michael Jampel 50 kr. Samuel Singer .50 kr.. Eh. D. Grünberg 2o kr., Meier, Feuer 2o kr.. Jakob G r ü n b e r g 25 kr., Baruch S ch e i n e r 25 kr., N. Herschberg 25 kr., Moses Singer 20 kr., Abraham Gruß 10 kr.. Benjamin Hoch 10 kr.) 6 fl. 3 kr.: Lehrling s-J ugend in Kiew 100 Rubel — I2ßfl. Summe 333 fl. 70 kr., hiezu der frühere Ausweis von 2398 fl. 51 kr — 2732 fl. 21 fr. Für die Familie des Jacob Hagel in Stryzow sind Herrn Dr. Alexander Mintz zugekommen: 3 fl. Moriz B l e i e r, Pilsen: hiezu der frühere Ausweis von 10 fl. 88 kr. — 22 fl. 88 kr. Behufs Bertheilung der für die geplünderten galizischen Juden gesammelten Gelder begab sich Herr Tr. D. Kokes cd, Hofünd Gerichts-Advocat in Wien, vorigen Monat nach Galizien. Am 24. v. M. wurde durch Herrn Dr. K o k e s ch in Jaslo unter Mithilfe eines aus dem dortigen Rabbiner- und dem dortigen Cultusvorstande, ferner Herrn Dr. A. Korn Häuser, Advocat in Jaslo und weiteren 18 Vertrauensmännern bestehenden Eomit.-s die Höhe des den Aermsten und Bedürftigsten zugefügten Schadens' ermittelt; es erhielten sohin 22 Familien Beträge von 15 fl. bis 1>-0 fl., zusammen den Betrag per >522 fl. ö W. zugewiesen. Zur Bertheilung der weiters einlaufenden Spenden wurde ein Comit^, mit Herrn Dr. A. Kornhäuser an der Spitze, gebildet, welchem seither noch 102 fl. von Wien aus übermittelt wurden. Am 25. v. M. organisierte Herr Dr. K o k e s ch die Vertheilung der Spenden in Reu-Sandec; dortselbst unterstützte ihn ein aus dem Rabbiner, dem Eultusvorstande, Herren Advocaten Dr. David. Dr. Leo und Dr. Bernh. Silbermann in Reu- Sandec und mehreren anderen Vertrauensmännern bestehendes Comite. Zur Bertheilung gelangten > 100 fl. an 32 Familien und zwar in Theilbeträgen von 10 bis 10) fl.; mit der Bertheilung wurde Herr Dr. David betraut. Bereits in Summe ausgewiesen in Nummer 30: Sammlung des Herrn Henryk Frenkel: H. Frenke l, Frl. Regina Frenk e l, 'Frl P. und T. L a s k i, Frl. July S t e n i n g, Frl. Regina Liege, M. I a b l o n k a, Samuel K a v i, Michael P i n k u s, A. K o n a r § f i, Gustav Rozenthal, L e w i, Samuel B e st e rm a n n, Michael H o r i n s o h n, Samuel Danzinger, Jakob Felix, Rafael Liege, A. Rozenthal, D. S a r n a, L. B i r n b a u m, A. 99! i r s k i, I. P r u s z p ck i, S. K a tz e nellenbogen, Jan Landau, Gregor B a r a s ch, Jakob L i b r a ch, Wilhelm S i e f f, je l Rubel; Frl. Lobcl, S. B est e r m a n n, I. H a r i n s o h n, M. Frenkel, I. Gicksmann, I. R o w a k, M. S k o t t, 9l. K o l t o n s k i, F. Kollo n s k i, M. M a r g u l i e s, I. H i r s ch b e r g. St. Rubin- . st e i n, I. K o n a v s k i, je '>0 Kopeken; Akselrad 23 Kopeken. Summe 31 Rubel 7-. Kopeken. Sammlung des Herrn T. Kopelowicz: D. Kopelom i c z, A. B a l t e r. Eh. Winter, A. P a t e r s o h n, M. S. Rappaport, 9t. K o p e l, L. E p st e i n, A. K a h a n. M. W i t k i n d, M. Ch. L e m a ch, G. B e s k i n, S. S i l b e rst^e i n. S. H o r o d i s ch z, X. 'A. Z., G. S. P o n i s o w s k i, T- Rosenblatt, M. Wigdor schick, L. Goldberg, H. S i l b e r b l a t t, S. Gutentag, K. B i r n z w e i g, M. R u n d st e i n, I. G r o ß l e i t, I. A. R o z a n s k i, H. Weiß, Hirschberg. B. Lewinsohn. L. Liebenst e i n, Dr. I. E l a s s o h n, I. M i n tz, K. Königsberg, M. Krzep i cki, Dr. B. Urbach, Dr. Z. Fried b erg, je 1 Rubel. F. E l l e n t u ch, .55 Kop. M.M arkiewicz, M.B rondn i a k o w s k i, L. 9R a r k o w i c, G. Staub, I. Buchsbaum, H. Gotthels, I. Lubinski, M. Fränkenberg, 'A. Glaser, B. Frank, B. Schwarz, T. W i n t e r, Stör ch, 9k. E i t i n g o n, R. B e s k i n, A. M a r g u l i e s, M. Laute n, je 50 Kopeken. I. H u r w i tz, S. Klotz, A. Moskowicz, K. L. Weiß, R. Hotnikow, S. G eserski, A. Schal ük in, H. Brande, I. W e i n r e i ch, K. Schumacher, 9k. R., L i b m a n o w i c z, A. R a f t a l i, T r e s ch c z a n s k i, I. K r i n k i n, S. B c n g c l s d o r f. R 9! o-

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