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Die Welt · 1898-08-12 · 32 (12.8.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
32 (12.8.1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-08-12
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Nr. 32 richte über Subscriptionen langten ein: aus Czernowitz (Dr.,»den Anforderungen des Zeitgeistes Zurückbleiben zu sollen und Ebner), Kimpolung (Dr. Za lose er) und mehreren auderensMberreichten nun ihrerseits dem hiesigen Polizeipräsidium^einc or m_ca ' Bittschrift, worin um die Ausweisung der zahlreichen hier aniaingcn Orten. — Auch mehrten sich rn letzterer Zeit ersreulrcherweise galizischen Juden nachgesucki wird? , ' die Zeichnungen seitens einzelner Gesinnungsgenossen aus solchen Orten, in welchen sich keine Sammler befinden. Diese Herren, welche der nationalen Aufrichtung und Selbsthilfe so zugethan sind, dass sie sich selbst betheiligen, sollten in den betreffenden Orten mit anderen jüdischfühlenden Stammesgenoffen in Berührung treten und die Idee der Betheiligung an der jüdischen Colonialbank weiterpropagieren und realisieren. Die Herren Gesinnungsgenoffen, welche bisher Sammlungen geleitet, ohne jedoch Bericht erstattet oder die Subscriptionen cingesendet zu haben, werden ersucht, dies bald zu thun, die Sammlungen jedoch nach Thunlichkeit weiter fortzusetzen; insbesondere werden die Zionsvereine und deren Functionäre im Jntereffe der nationalen Sache gebeten, trotz der für derlei Unternehmungen ungünstigen Saison, in der Thätigkeit nicht zu erlahmen und es möglichst dahin zu bringen, dass wir in Oesterreich-Ungarn nicht hinter den connationalen Gesinnungsgenoffen in anderen Ländern zurückstehen. Bei den Sammlungen und Einladungen zur Zeichnung von Antheilen ist der Gesichtspunkt nicht aus dem Auge zu lasten und hervorzukehren, dass es sich bei Zeichnungen von Actien der Colonialbank durchaus nicht um eine Schenkung handelt, sondern um die Unterstützung eines Unternehmens, welches nebst den höheren Zielen auch dem Privatintereffe des Antheilsbesitzers dient, indem dieselbe außer einer soliden Anlage auch sonstige Chancen einer guten Verzinsung und Erhöhung des Capitalwertes bieten soll. Es ist leider nothwendig, dies besonders zu betonen, weil diesbezüglich vielfach Jrrthümer und Missverständnisse unterlaufen. Wegen Instructionen, Prospecten und Subscriptionsscheinen möge man sich nach wie vor für Oesterreich-Ungarn an den Bankreferenten Herrn Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichts- Advocat in Wien, II., Obere Donau st raße 47, wenden. Die Beträge und gefertigtenScheine wolle man gleichzeitig an die Bankfirma I. LA. Brecher,Wien, IX., Liechten ft ein st raße 2 richten, von welcher jedem Einzelnen Bestätigungen durch den Bankreserenten werden zugesendet werden. Bon den vielen charakteristischen Einzelzügen, die für die Volksthümlichkeit der Sache sprechen, sei unter anderem erwähnt. dass mehrere Subscriptionen neben dem gewöhnlichen Datum noch dieses trugen: „Im ersten Jahre des Baseler Congreffes." — In Zbaraz hat sich ein Sparverein kleiner Mädchen im Alter von etwa zwölf Jahren unter dem Namen ,. Benoth Israel" gebildet und zehn Shares der Colowalbank gezeichnet. & Frankfurter Judenausweisungcn. Frankfurt a. M., 3. August 1SUS. Ich klage an. Entartete Söhne meines Volkes fordere ich vor die Schranken. Weß ich sie zeihe, ist ein Verbrechen, wofür es gar keine Milderungsgründe gibt, eine schwere Versündigung gegen die höchsten, weil einfachsten Gebote der Natur, gegen die heiligsten Regungen der Menschenbrust: ich bezichtige sie, wider ihr eigenes Fleisch gewüthet, ihre eigenen Brüder verrathen zu haben . . . Der Thatbestand ist folgender: Es haben sich unter den hiesigen reichen Juden einzelne Subjecte der niedrigsten und verächtlichsten Sorte gefunden, die, Feiglinge von Natur, plötzlich ihr trauriges Müthchen entdeckten und es an ihren armen galizischen Brüdern zu kühlen beschlossen. Als nun dort in der fernen halbasiatischen Provinz Oesterreichs polnische Bauern- und Bürgerhorden sich mit der Wuth und dem unbändigen Grimm eines entfesselten Raubthiers auf unsere Volksgenossen warfen, plündernd und raubend, sengend und brennend, da glaubten auch die erwähnten Frankfurter Unholde nicht hinter Ich erzähle keinen Schauderroman. Was ich berichte, ist ein stadtbekanntes sogenanntes „offenes Geheimnis", das heute bereits die Spatzen von den Giebeln der Synagogendächer herabpfeifen, und woraus die Polizeibehörde selbst durchaus kein Hehl macht... Und das Traurigste, wenngleich Selbstverständlichste an der ganzen Sache ist, dass sich die Polizei nicht viel bitten liess und dem Ansuchen der „Glaubensgenossen" Folge gab. Und so wurden denn bisher — in einem Zeiträume von 3 bis 4 Wochen — mehr als fünfzig galizisch-jüdische Familien und Einzelpersonen von hier ausgewiesen. Bettelarme und wohlhabende Personen — Schnorrer, Hausierer, Handwerker und Kaufleute, zum Theil solche, die schon acht bis zehn Jahre hier etabliert sind, sich eines ausgedehnten Kirndenkreises erfreuen und zu mäßigem Wohlstand gelangt sind — alle, alle sind vom gleichen Schicksal betroffen worden. Weitere Ausweisungen stehen täglich, stündlich bevor. Dabei richtet sich, wie die Fama wissen will, die Bubenthat der sauberen Angeber, die sich per nefas, aber leider zu unserer Schmach den Ehrennamen Juden beilegen, nicht so sehr gegen die bemitleidenswürdigen Schnorrer — diese sind ihnen sogar als geeignete Objecte für die Befriedigung ihrer Großmannssucht und ihrer chronischen „Humanitats"-Anwandlungen, sowie als Blitzableiter für ihre jeweiligen üblen Launen höchst willkommen — als vielmehr gegen die besser situierten Kleinhändler und Gewerbetreibenden :c., die den Process der Reichwerdung dieser ' ehrenwerthen Denunciantensippe hemmen und verlangsamen . . . Kennzeichnend genug für diese Auswürflinge unserer Nation, für den schmutzigen, ekligen Bodensatz der Judenheit, der sich, wie man sieht, auch in unserer schonen Mainstadt in erklecklicher Menge vorfindet. Und da wage es noch der oder jener zionistische Schwarzseher, die absolute Antisemitenlongkeit Frankfurts in Zweifel zu ziehen. Wahrhaftig, die Judenfresssucht des waschechtesten Radau- Ahlwardtianers ist noch der reinste Philosemitismus gegenüber dem Schurkenstreiche einzelner hiesiger — Juden. Nun, Herr Rabbiner Dr. H o r o w i tz, hatten Sie nicht recht, als Sie uns in Ihrem famosen Referate, das die Quadratur des Zirkels, die „Tödtung" des Zionismus, zum Zwecke hatte, vorwarfen, wir könnten nur schimpfen und seien grob? . . . _ Z—1. S ehr g eehrter Herr Redacteur! Eben war ich im Begriffe, Ihnen von den hiesigen Ausweisungen zu berichten, als Sie mich mit der Zusendung des Ihnen zugekommenen Frankfurter Brieses überraschten. Nein! Ganz richtig ist der Bericht nicht: Ihr Berichterstatter kennt das Elend nur zum kleinsten Thell, ein Elend, das mir, ich gestehe es Ihnen, mehr Thränen entlockt hat, als der vor drei Wochen erfolgte Tod meiner Schwester. Nicht ö0 Familien sind ausgewiesen, sondern Hunderte von Familien, und die Ausweisungen dauern noch immer fort, es hat den Anschein, als müssten alle hier ansässigen osteuropäischen Juden.aus Frankfurt hinaus. Bon Hunderten Beispiele einige! Auf der Allerheiligenstraße geht nachts um 11 Uhr ein abgehärmtes, jüdisches Weib und weint. Auf meine Frage, was ihr fehle, schluchzt sie: „ausgewiesen" und das eine Wort sagte mir alles. Sechs kleine Kinderchen, der Mann todt, eine alte Mutter, die in ihrem elenden Dorfe von galizischen Bauern halb todt geschlagen wurde, kein Geld, keine Hilfe, wohin? Meine weinende Frau und ich' gaben nach Kräften Almosen und trösteten die Unglückliche unter Versprechung unserer weiteren r-.Hilfe. — In mein Bureau tritt ein einfaches, aber sauber gekleidetes jüdisches Weib. „Ich bin ausgewiesen, habe drei kleine Kinder im Alter von 18 Monaten bis zu 5 Jahren, keinen Ernährer mehr und keine Mittel." „Eine andere jüdische Frau, der Noth und Trübsal aus dem Antlitz schauten, klagt mir, sie habe 10 Kinder, deren einzige Ernährerin sie ist, denn ihr Mann liegt schwerkrank darnieder, auch sie und ihre ganze Familie muss fort. Die Thränen der Frauen sind jedoch lange nicht so entsetzlich, als das stoische Achselzucken der Männer und deren verzweifelte Blicke. Da stehen sie in meiner Wohnung, bis auf die Straße, Familienväter und junge Leute, Hausierer und Gelehrte. Die Scenen, die sich da avspielen, werden m r wohl immerdar unvergesslich bleiben. Von dem hiesigen kön. Polizei-Präsidium ergehen die Ausweisungen, doch die Veranlasser sind nicht etwa galizische Bauernhorden, oder plündernde Kosaken, noch ist es Ahlwardt und sein Anhang, sondern, es sträubt sich meine Feder, es zu schreiben und

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