Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 32 (12.8.1898)
- Article
- [Ohne Titel] / E. R.
- Date
- 1898-08-12
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 32. Seite 7 gegen das Opfer. So hasst der Wucherer den, den er zum Bettler gemacht, so ist der Arzt dem Krüppel gram, dem er das Bein schlecht eingerichtet hat, so grollt der Besitzer des verlotterten Bergwerks den Waisen der verunglückten Grubenarbeiter, — so sind die Völker den Juden feind. Auch aus Frankfurt a. M. wurden zahlreiche jüdische Hausierer, größtentheils galizischer Herkunft, ausgewiesen. Der Gendarmerie cordon steht nicht nur an der ungarischen Grenze, er erstreckt sich auch bis an den Main; ja bis an die englische und sogar bis an die amerikanische Küste kann man die Uniformen verfolgen. Der jüdische Auswanderer besitzt eine Fähigkeit, die sich mancher Feldherr vergebens gewünscht hat, er kann Armeen aus dem Boden stampfen. Wo der jüdische Proletarier seinen Fuß hinsetzt, wächst ein gewappneter Mamr hervor, der dem Fremdling verlässliche Informationen für eine schleunige Heimreise ertheilt. Bleib' in der Heimat und hungere redlich! * Dieses Zurückjagen in einen begrenzten Hungerrayon, das Verhindern, der Auswanderung bedeutet einen gewaltthätigen Eingriff in die obersten Rechte des Kampfes um's Dasein. Die Ortsveränderung ist vielleicht das wichtigste, das wirksamste Mittel im Daseinskämpfe. Wenn ein Weideplatz einem Thier nichts bietet, so muss es einen anderen aufsuchen dürfen, wenn es nicht zugrunde gehen soll. Dieses Recht, das jedem Stück Vieh zugestanden wird, wird dem Juden verweigert. Der jüdische Proletarier wird dadurch auf das Entwicklungsstadium der Pflanze zurückgeworfen, die sich von ihrem Geburtsorte, und' mag er auch noch so dürr und trocken sein, nicht fortbewegen, keine neuen Lebensbedingungen aufsuchen kann. Dass die höheren Lebewesen ihren Aufenthaltsort wechseln können, das unterscheidet sie von der Pflanze. Und ein großer Theil unserer sogenannten Culturerrungenschaften, die Verkehrsmittel, laufen darauf hinaus, die Kluft zwischen Pflanze und Mensch immer breiter zu machen, die Ortsverändernng möglichst zu erleichtern. Die Berbefferung und Verfeinerung der Bewegungsorgane ist die markanteste Richtung, in der die Entwicklung der Lebewesen vor sich geht, und alle Etappen, die auf dieser Linie bis herauf zur Dampfmaschine zurückgelcgt wurden, sind für den jüdischen Proletarier einfach ausgeschallet. Er ist durch einen unfreiwilligen Atavismus immer noch Pflanze, die in einem bestimmten Kreise darben muss, und das'Einzige, was von den Culturerrungenschaften für den armen Juden abgefallen ist, ist der Gendarm. E. R. Dir jüdische folomalM. (Mittheilungen des Bankcomitös.) Vom 12. August angefangen sind alle Zuschriften und Anmeldungen an Herrn D. Wolffsohn nach Basel zu richten. Die genaue Adreffe ist: Bureau des Zionistencongresses für Herrn D. Wolffsohn, Basel (Schweiz). Der Baukeinlauf wächst jetzt von Tag zu Tag. Jede Post bringt einen Stoß Briefe und Anweisungen von nah und fern. Die Verlegung der Bankconferenz nach Basel auf den 25. August hat die Zustimmung sämmtlicher Teilnehmer gefunden. Da die meisten auch den Congress besuchen wollten, wäre die Reise Mitte des Monats nach Köln und Ende des Monats nach Basel ein zu empfindlicher Zeitverlust gewesen. Durch die zehntägige Verschiebung der Conferenz ist dem abgeholfen worden. Wir geben hier eine kurze Uebersicht der vom 2. August bis 7. August eingelaufenen Subscriptionen. Am 2. August: Fünf Listen aus Russland mit Zeichnungen von 30 bis 300 Shares. Am 3. August: Dr. W. in Berlin 200 Shares, Mohilew 200, Sebastopol 297, Kaidanow 31, Zgierz 200, Schaulen 118, Berlin 29, Czortkow 40, Tschernigow 59, Lomzo 212, Golowonewsk 36. Am 4. August: 14.208 Shares aus Russland, ferner 1021 ans verschiedenen Orten. Am 5. August: Galatz 14.000, Cairo 57, Wilna 1816, Czestochowa 500, Grodno 764 und aus zwei Nebenorten 213, Jaffy 1512, Pitesti 234, Kamenetz 285, Nowo Radomsk 273, Frankfurt a. M. 100, Memel 96, Gorki 41, Ananiew 64 Shares und noch eine Menge kleinerer Zeichnungen. Am 6. August: Dwinsk 1510 und aus einigen Nebenorten 600, Krakau 234, Piatra 125, Minsk 113, Krotoschin 34, Kalisch 118, Smiela 150, Tripoli 25, Demjewka 62, Bjelgorod 58, Sinkow 10, Bendzin 41, Kowno 1500, Simferopol 642, Gorodischze 100, Uschoniew 22, Warschau 2892, Bucarest 1126 Shares, nebst vielen kleineren. Am 7. August: Propoisk 48, Mindzyrea 132, Radom 304, Brest 1906, Kiel 99, Pitrokow 379, Grajewo 47, Kolno 50, Sgurei 70, Lodz 34.520, Braila 9127, Zaleszyki 53, Reni 81, Bialystok 652, Horodic 63, Wilkowisk 45, Schumla 24, Jamboli 17 u. s. w. In vielen Briefen, welche die Subscriptionen begleiten, wird geschrieben, dass sich die Zeichnungen noch vielfach vergrößern werden, sobald erst der definitive Prospect, die Namen der Directoren und Berwaltungsräthe kundgemacht sein werden. Das ist selbstverständlich. Dem provisorischen Bankcomitä oblag zunächst die Aufgabe, die allgemeine Stimmung, die sich etwa für das Bankproject finden ließe, festzustellen. Dieser Aufgabe glaubt das Bankcomitö schon bisher entsprochen zu haben und wird sie noch in den Wochen, die uns noch vom Congresse trennen, erfüllen. Die bisherige Subscription hatte und hat aber, wie unseren Gesinnungsgenossen bekannt ist, noch einen anderen Zweck. Es ist uns durchaus nicht darum zu thun gewesen, irgendeine Bank zu gründen. Eine zionistische Bank soll und muss es sein. Nun würde es aber nicht genügen, dass nur diejenigen Zionisten wären, welche die Bank ins Leben rufen. Auch die Besitzer der Actien müssen soviel als möglich den Grundsätzen unserer Bewegung anhängen, sonst könnte die Zionistische Verwaltung eines Tages durch eine General-Versammlung entfernt werden, und das für die nationale Bewegung geschaffene Instrument geriethe in andere Hände. Darum sollte unsere, zunächst nur durch die Parteipresse lancierte Subscriptivn die Theilnahme der Zionisten an der Bank Hervorrufen. — Es wird unter anderem auch von der Bankconferenz in Basel festgesetzt werden, welche Vorrechte den Subscribenten, die sich bis dahin gemeldet haben, einzuräumen sind. Wien. Herr Dr. Leopold Kahn berichtet: In den letzten Tagen sind weitere Subscriptionen eingelangt: Aus Krakau (Herr Schönwetter, B. N. Spira und Adolf Spira), aus Tarnow (A. Schwager), aus Radautz (Rabbiner Simon S ch a p i r a), Lai'icut (S. Tannenbau nt), Rohatyn (S. M e l z e r), Ottynia (David S o f e r), Raab (Rudolf B a ck), Olmütz (Oberingenieur Lau und Herr Braun), Brzezany (M. W. M a i b l u m), Zaleszczyki (S. Rosenblatt), Czortkow (A. Schwarz jun.), Kalusz (Ch. Winkler), Sereth (Dr. I. Wenkendorf), Kolomea (I. B r e t t l e r), Constantinopel (I. B a n m g a r t e n), Diakovar (Leopold E p st e i n), Orsova (Eugen K ü n st l e r), Fiume (Emil Schwarzkopf), Breka (Santo S. Alkalay). Be-