Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Article
- Die Goldschilds
- Date
- 1898-08-05
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Nr. 31 entgegen. Gevrg war trotz des festlichen Tages nicht anwesend. Die Weinberge konnten in .dieser Jahreszeit seine umsichtige Sorge nicht entbehren. Natürlich drehte sich das Gespräch ausschließlich um die Zukunft der Verlobten. 7 Allerlei Pläne wurden entworfen. Die Zeit verflog dabei so rasch, dass niemand glauben wollte, die Stunde des Aufbruches habe bereits geschlagen. Karl-Raphael Mst es sich nicht nehmen, David bis in das Städtchen, wo der' Wagen harrte, das Geleite zu geben. ' Während er wärmere Kleider anlegte, blieb der Doctormit Lisi allein im Bvrgärtchen. .,Sie sind mir aber wirklich nicht böse, dass ich Ihrem Vetter mein Jawort gegeben?" fragte das Mädchen. „Weshalb sollte ich Ihnen böse sein?" entgeguete David. „Wenn wir aber nun über diesen Gegenstand verhandeln — fo antworten Sie mir ehrlich auf eine ehrliche Frage. Wie Sie wissen, entstammt Karl-Raphael einer jüdischen Familie, Sie sind ein frommes und religiöses Mädchen, haben Sie denn diesbezüglich keine Bedenken?" Die Lisi nickte ernsthaft. „Freilich," erklärte sie freimüthig, „einen Ungetansten könnte ich nicht heiraten. Aber Karl-Raphael ist ja ein Christ wie ich. Vielleicht sogar ein besserer — hat der Herr Pfarrer gesagt". David schwieg eine Weile. Er riss ein rothes Blatt vom weinbewachsenen Gartenzaune und zerriss cs langsam in kleine Stückchen. „Mit dem Glauben ist es nicht abgethan," Huber dann an. „Es gibt Leute, die Ihrem Manne seine Abstammung nicht vergessen werden, Auch Sie, liebe Lisi, werden erfahren, was es heißt, einen jüdischen Namen zu tragen." „Aber Herr Doctor'." rief das Mädchen in ehrlicher Entrüstung. „Wie können Sie so etwas glauben! Karl-Raphael ist ja so ein lieber, guter MenschWenn ich ein Bedenken habe, so ist es das, ihn dem Kloster abwendig gemacht zu haben." „Nun diese Sünde können Sie getrost auf sich nehmen," lachte der Redacteur. „Ich kenne ihn. Er hätte einen schlechten Mönch abgegeben; vielleicht gelingt es Ihnen, einen leidlichen Gatten aus ihm zu machen." Hier wurde das Gespräch durch den Vetter unterbrochen, der marschbereit aus der Thüre trat. Der Weg in das Städtchen führte an dem Weinberge, in dem Georg arbeitete, vorüber. Schon von weitem sahen die Goldschilds seine hohe und breite Gestalt sich zwischen den Weinstöcken bewegen. Als auch er ihrer ansichtig wurde, ließ er die Arbeit einen Augenblick ruhen und trat an den Wegrand. „Immer fleißig, Georg," rief der Doctor. „Ja freilich," lachte der junge Hauer, sich den Schweiß von der Stirne trocknend. „Rackern muss sich der Mensch." Alan sah es ihm an, dass er seine Freude an der Arbeit hatte. Er reichte dem Doctor die starke, arbeitsgewohnte Hand. Trotzdem er sie früher an der blauen Schürze abgetrockuet, waren noch kleine Schollen daran kleben geblieben, und David fühlte wie die feuchte, lebenswarme Faust die Körnchen Erde in seine Haut drückte. Er erkundigte sich nach den Einzelnheiren der Arbeit. Georg gab die gewünschte Aufklärung und meinte dann schlicht: „Sie sollten ganz bei uns bleiben, Herr Doctor, wenn Ihnen das Geschäft so gut gefällt."' Unten im Thale läuteten friedlich die Abendglocken. Dr. David gedachte der tollen, leidenschaftlichen Sehnsucht nach einer Heimat, die ihn neulich während der Fahrt durch die schlafende Landschaft ergriffen. Er brauchte nur den Rath dieses großen Burschen zu befolgen, um seinen Traum zu verwirkichen. Man verlangte nicht einmal von ihm, dass er wie Karl-Raphael ein Glied der Familie werde. Er konnte seinen Glauben, seine Sitten beibehalten. Nur die Arbeit musste er theilen — mit der Kraft seiner Muskeln der Erde seinen Unterhalt abringen. Weshalb zauderte er — weshalb überlegte er? Er konnte nicht — konnte nicht! Das Stärkste und Kräftigste in ihm war seine Jntell gurz: die musste er bcthätigen können — oder zugrunde gehen. So verlockend das stille, friedliche Landleben ihm auch erschien, er war sich darüber klar, dass es ihm nicht gefromnit hätte. Bald hätte ihn der Unfrieden wieder aus der einsamen, rebenumrankten Hütte 'hinausgetrieben in den fortschrittschwangeren Dunstkreis der' Stadt, wo die unerbittliche Schlacht der Geister geschlagen wurde. Er liebte und achtete diese gesunden, beschränkten Menschen, mit den arbeitsgewohnten, starken Gliedern und einfachen Seelen. Aber seine Neigung glich der eines Vaters. In ihrem tiefsten Grunde lag der Gedanke des Lenkers verborgen. Zu seinem eigenen Entsetzen sah er Plötzlich im Geiste wieder seinen Vetter Jsak vor sich stehen, wie er den nackten, misshandelten Arm gegen Himmel erhoben, die Lehre verkündete: Nnr dem Klugen und Starken hat Schern boruch hu die Welt geschenkt. (Fortsetzung folgt.) Gesinnungsgenossen! Wir bereiten für die nächste Zeit Agitationsnummern vor, die in zehntausend Exemplaren versendet werden sollen. Wir ersuchen unsere Freunde, uns umgehend geeignete Adressen mit möglichst genauer Angabe der Straße und Hausnummer oder — bei kleineren Orten — der letzten Post mitzutheilen. Die A d m i n i st r a t i 0 n der „Welt." Lritstastr» der Rkdartion. Dr. F. in Zepce. Besten Dank. R. <£$♦ Lodz. Besten Dank für Ihre Benachrichtigung. Ihrem Wunsche können wir leider nicht Nachkommen, sonst hätten wir allwöchentlich ganze Spalten mit solchen Berichten zu füllen. Die eine Warnung wird hoffentlich genügen. I. L. Howscha, Skudy. Besten Dank für die Anregung und für freundliche Bemühungen. Protokoll ist im „Bureau des Zionistencongrcsses" erhältlich. Acht Vereine, Bucnos-Ayres. Besten Dank. Fünf freisinnige Zionisten, Frankfurt a. M. Besten Dank. N. M. Sch.. Husi. Besten Dank für das Gedicht, das wir leider nicht bringen können. Die Anfrage vom Juni haben wir nicht erhalten. Dr. Alfred C. Mülhausen. Besten Dank. Ihre Anregung soll erwogen werden. Zionisten beim Gartenfest, Brünn. Herzlichsten Dank und Gruß. N. 2622, Perm. Hebräisch: Tagblatt „Hazesirah", Warschau, Wochenblatt „Hazewi", Jerusalem Jargon: Zweimal wöchentlich „Hajoetz", Bukarest. Ph. Türke!, Bcyrouth. Verlag „Tuschijah", Warschau. Sehr geeignet ist das Buch: ..More hiijclodim“. Semitische und arische Zionisten, Freiburg i. Br. Herzlichsten Dank und Gruß. A. Horn, Brzezany. Bedauerlich, entzieht sich aber unserer Jngerenz. Jul. Sch., Krakau. Dem Bankcomitä übersendet. M. S. u»d I.' S., Botuschani. Seien Sie unbesorgt, auch diese Leute werden sich uns anschließen. M. H K. Wurde dem Comite übergeben. H. Sch., Krotoschiu. Besten Dank. L. I., Heidelberg. Diese Frage wird der (Kongress selbst entscheiden. Aba Pincles, Horodenka. „N a h i d a N e m y". Josef Pr., Lemberg. Besten Dank, aber nicht geeignet. & Herausgeber: P. Daschsnrr. Berantrv. Red.: Dr. Sicgrn. Wrrnrr. Buchdruckerei „Industrie" (S. Bergmann). VIIL, Schlösse!«. > I