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Die Welt · 1898-08-05 · 31 (5.8.1898) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
31 (5.8.1898)
Article
Die zionistische Frage [Rezension]
Date
1898-08-05
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 31 „Pk^Wdc Seite 15 wir wollen uns selbst nicht quälen, indem wir uns diese Summe von Verdrehungen, Entstellungen und bewussten Unwahrheiten wieder vorführen. Um so freudiger muss man aber überrascht sein, wenn man ein Büchlein in die Hand bekommt, das, wenn auch stellenweise oppositionell, im ganzen doch objectiv gehal- „Der Zionismus", sagt Dr. Hirsch, »das muss Freund und Feind zugeben, ist auf ferne treibenden Motive hin betrachtet, eine so durchaus edle und humane, von so großer und warmer Bruderliebe getragene Bewegung, dass es wahrlich unedel, unbrüderlich, ja unjüdisch wäre, der zionistischen Frage einfach aus dem Wege zu gehen, vor dem Zionismus in den Schmollwinkel des selbstherrlichen Philosemitismus sich zurückziehen, gegen den Antisemitismus die Fäuste in der Tasche zu ballen und über einen LLsungsversuch der Judenfrage, weil er von Juden ausgeht, den Stab zu brechen." Das sind starke aber richtige Worte. Und doch sind sie dem Vortragenden noch nicht stark genug und er fährt fort: .. die Sache selbst bleibt darum nicht weniger ernst und edel, denn sie ist die Sache der Selbsthilfe, der Selbstbefreiung und des jüdischen Selbstbewusstseins. Wir alle lieben Zion, so wir nur das Judenthum lieben, und weil wir das Judenthum lieben, lieben wir die Juden, alle, die für das Judenthum dulden und leiden, darum achten wir jeden Versuch, jeden ernsten Willen, der diese Leiden lindern, bannen und tilgen mochte." Und nun beweist Dr. Hirsch, dass der Zionismus kein Phantasiewerk schwärmerisch veranlagter Menschen oder gar ein Zeitproduct des modernen Antisemitismus wäre, und zeigt uns die große Reihe edler Zionisten von Ezechiel und dem heldenmüthigen Bar Kochba bis zu uns zum 48er Moses Hess und dem englischen Staatsmann Benjamin d'Jsraeli. Und wie praktisch und durchaus nicht utopistisch Moses Hess zum Beispiel über den Zionismus dachte, beweist uns der Autor an einem Citate aus „Rom und Jerusalem". „Palästina soll unsere noch größere Zukunst werden, denn die Interessen des Welthandels und der Politik werden zur Gründung von Comptoirs und Ansiedelungen auf der Straße nach Indien und China drängen. Und dieser Zionismus „ist nicht das Kind einer Augenblicksstimmung, ist nicht die romantische Laune verbissener Stockjuden, idealistischer Träumer oder ehrgeiziger Journalisten, die gerne einmat Minister sein möchten, sondern der rothe Faden, die latente Kraft, das p«!pe»uvm mobile der jüdischen Volks- und Religionsgeschichte, der Traum und die Sehnsucht der jüdischen Massen, die auf Alles, auf Brod und Bildung, auf Rang und Stellung, auf das ganze Danaergeschenk der Emancipation, gern und leicht verzichten, wenn sie dabei nicht Juden bleiben können, aber auch die Hoffnung und Sehnsucht vieler moderner, gebildeter Juden, die den Eintritt in die christliche Gesellschaft, in Aemter und Würden, in Ruhe und Behagen sich nicht erschleichen oder gar erheucheln können, auch nicht wollen." Wir können nicht mehr citieren, denn der ganze erste Theil des Vortrages ist ein begeisternder Aufruf für den Zionismus. Kritischer sieht allerdings der zweite aus. Dr. Hirsch kann die jüdische Nationalität nur in religiös gefärbten Sitten und Gebräuchen finden, ihm ist die jüdische Nationalität nichts anderes als eine gewiss» ethische Solidarität. Wir wollen uns mit dieser Auffüllung begnügen, denn der Schlusssatz unserer Argumentation lautet ja: Zur vollen Entwickelung und Auslebung ihrer Nationalität brauchen die Juden ein gemeinsames Territorium. Dass aber selbst dieses ethische Solidarrtätsgefühl ein genügend flaues Band ist, beweist Dr. Hirsch selbst, indem er an anderer Stelle von den Juden im Osten spricht, die noch tief in der alten jüdischen Nationalität stecken und deren einzige gebildete Sprache die hebräische Sprache ist. Die staatsrechtliche Seste der Zionsidee ist ihm aber die bedenklichste und gegen diese versucht er zu polemisieren, aber in einer vornehmen und maßvollen, wenn auch nicht überzeugenden Weise. „Es ist klar, dass mit einer noch so großen Masse, die der modernen Cultur völlig baar ist, die wenig Bauern, wenig Arbeiter aufzuweisen hat, wenn sie auch reich an religiösen und moralischen Intelligenzen ist, weder ein Ackerbaunoch ein Industrie-, noch überhaupt ein Culturstaat im modernen Sinne einzurichten wäre." Das sind Behauptungen und Vermuthungen, die ebenso oft widerlegt wurden, als sie austauchten. Wir brauchen bei dieser Gelegenheit das Bekannte nicht zu wiederholen. Leb. Bürtzrrrinlauf. Am Ende deö Jahrhunderts. Rückschau auf 100 Jahre geistiger Entwicklung. Band III. Herausgegeben von Dr. Paul Born st ein: Juden und Judcnthum im nenuzchnten Jahrhundert. Von Dr. S. Bernfeld. Berlin 1808 Verlag von Siegfried Cronbach. Palästina, Land und Leute. Reiseschilderungen von W. Bambus. Berlin 1808. Verlag Siegfried Cronbach. Israel Berlin: „D ie Haushaltung der Ge sei ls ch a f t". Bern 1808. Von demselben: „8t eue Gedanken über die Entstehung der Familie und der Religio n". Bern 1898. Im Verlage I. Ehrenpreis, Lemberg ist erschienen: „Der amerikanisch-spanische Krieg" ^Jargon), nebst Bildern aus der Geschichte der Juden in Spanien. Dr. Gustav Dalmanu: „Christenthum und Judenthum". Leipzig 1898. Feuilleton. Die Goldschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Friedrich Fürst Wrede. (13. Fortsetzung.) Mit überlegenem Lächeln entwickelte der junge Schriftgelehrte die Theorie, dass es nur zweierlei Menschen gäbe, solche mit starken und solche mit schwachen Seelen. Zu den ersten zähle seine Lisi. An ihr würde er nicht nur eine feste stütze finden, sondern auch durch eine Bereinigung einen höheren Grad der Vollkommenheit erreichen, was doch die Ausgabe unseres Erdenwallens sei. „Dn", meinte David trocken, „das ist aber gar nicht christlich gedacht!" „Wieso?" fragte Karl-Raphael erstaunt. „Ich kann mich erinnern, etwas Aehnliches in der Lehre des Surja gelesen zu haben. Nun aber wurde der Vetter ernstlich böse. Wie man dergleichen vermengen könne! Das hieße, das Lallen eines blindes mit der Sprache eines gereiften Mannes vergleichen! David jedoch schnitt lachend den Faden seiner heiligen Entrüstung ab. „Karl!" rief er. „ich begreife Dich nicht! Was brauchst Dn den ganzen Krimskrams von schwachen und starken Seelen? Da nimm Dir ein Beispiel an Deinem künftigen Schwager — dem Georg! Glaubst Du, der würde sich mit solchem Zeug abgeben? Fiele ihm gar nicht ein! Ist es einmal bei ihm so weit, so wird er einfach den Kopf seines Liebchens zwischen seine beiden Hände nehmen — ihr fest in die Augen blicken und rufen: Mädel — ich bin Dir gut! Und damit basta! Siehst Du, aus solcher Werbung entsteht dann eine gesunde Race!" »Ja!" gab Karl-Raphael zu, über des Vetters Derbheit lächelnd. „Aber man muss vorerst doch erwägen, ob eine Ehe dem Himmel wohlgefällig ist!" Paperlapa! polterte der Doctor. „Alle Engel und Heiligen in Ehren! Aber wenn auf der Erde zwei Menschen in heißer Liebe zu einander entbrannt sind — so ist das des Höchsten Wille, und der übrige Himmel hat nichts anderes zu thun. als seinen Segen dazu zu geben!" Wer weiß zu welchen Lästerungen der böse David noch gereizt worden wäre, wenn sie nicht inzwischen das Ziel ihrer Wanderung erreicht hätten. Lisi und die Eltern begrüßten den Doctor im Borgärtchen und nahmen stolz seine wohlgemeinten Glückwünsche

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