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Die Welt · 1898-08-05 · 31 (5.8.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
31 (5.8.1898)
Article
Brünn [Nachricht] / Iz.
Date
1898-08-05
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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«Seite 14 \»tr. 31 Himmel versammelten großen Menschenmenge einen gediegenen Vortrag über die jüdisch-nationale Idee und die zionistische Bewegung. Die zahlreichen Besucher des Festes beiderlei Geschlech es lauschten voll Begeisterung den Ausführungen des Redners. Waren es ja Worte, die vom Herzen kamen und zum Herzen giengen, Worte, die so ganz anders klingen als manche übliche Predigt, die sie sonst zu hören bekommen. UnzLhligemale wurde der Redner von anhaltenden Leifaüsbezeugungen unterbrochen und zum Schlüsse lohnte ihn ein minutenlang dauernder Applaus; auch Zeichnungen von Shares der jüdischen Colonialbank fanden statt. Die Mitglieder der „Emunah" trugen Stiefmütterchen im Knopfloch, ein Abzeichen, dem die wackeren jungen Zionisten doppelte Bedeutung beimessen. Es erinnert sie einerseits an die stiefmütterliche Behandlung, die ihrem Volke allerorts zutheil wird, anderseits soll an den „gelben Fleck" nicht vergessen werden, den unsere Vorfahren einst tragen mussten. So erhebt Jungisrael stolz fein Haupt, indem es den gelben Fleck nicht verleugnet und aller Welt zuruft: „Ja, wir sind Juden!" Um das Gelingen der beiden Veranstaltungen haben sich Herr Dr. Schreier als Präses des Vereines „Zion" und Herr Hickl als Präses der „Emunah" besondere Verd.enste erworben. Meine Kinder erblickten hier das Licht der Welt und kennen nur diese Umgebung." Er wies auf die grauen Felsen, auf die ehrwürdigen Bäume, auf den Brunnen aus der Patriarchenzeit. „Das sind die Bilder ihrer Heimat. Nur die zwei Aeltesten erinnern sich wie im Traume an Amerika. Wenn die Mutter den Kleinen Märchen erzählt und die Zauberpaläste schildert, erklären die älteren Jungen den kleineren: Das ist dort hinter der Sturmseite Wir kennen diese großen Paläste, so groß wie die Berge." „Werden Sie nicht von den Beduinen belästigt?" „Nein, gegenwärtig sind die Straßen ganz sicher. Die Beduinen zogen sich hinter den Jordan zurück. Nur wenige sind hier geblieben und leben von Almosen. Wir leben ganz ruhig hier neben diesem Brunnen, zu dem unsere Ahnen ihre Schafherden trieben. Und jeden Morgen beim Erwachen sage ich mir selbst: Daheim! ... Und wie sonderbar hört sich dieses Wort an.: es klingt in ihm, wie Musik. Daheim! Nicht wahr, das kommt Ihnen sonderbar vor, ein so simpler, gewöhnlicher Satz: idj! bin daheim.. . Aber Sie sprechen ihn von der Kindheit an aus, und ich begann ihn mit 4~> Jahren hervorzustammeln." „Ihre Pferde sind fertig, Sir," kündete die kleine Fee mit dem Goldyaare. Ich verlasse diese grünende Oase, wo die Quelle der ganzen Lebensfreude in den Worten liegt: „Ich bin daheimA. W o l f. ZeitschnstkllNtlldschM. Herr A. di S. C u r i e l, der Leiter der Monatsschrift „'I Corriere Israelitico“ bringt seinen Lesern im Juni- und Julihefte eine Reihe interestanter Artikel. Wir heben besonders hervor „über die rabbinischen Studien" von Prof. Guglielmo L a t t e s, die gewandte Uebersetzung des Gasterartike^s aus der „Welt", den Artikel „Hebräer und Antisemiten" aus der Zeitung „Ephimeris". Im Juliheft wird auch ein Artikel gegen den Zionismus gebracht, auf welchen die Redaction des „Corr. Israelitic-o". wie fte sagt, die Antwort nicht schuldig bleiben wird. Ueber die zionistische Bewegung wird in beiden Heften eine Reihe von Daten mitgetheilt. Die jetzt endlich in Fluss gekommene italienisch-zionistische Bewegung wird der Monatsschrift gewiss reichen und dankbaren Stoff für die nächsten Publicattonen liefern, umsomehr, da zum diesjährigen Congrepe auch Zionisten aus Italien kommen werden. Der in Rydney < Neu- Süd-Wales) erschcincnde „Jewijh Standard" stellte sich in den Dienst des zionistischen Programms. Der „Odetzky Listok" bringt aus der Feder seines Specialberichterstatters, des Herrn W. D o r o s ch e w i t s ch, der gegenwärtig Palästina bereist, folgendes interessante Gespräch mit einem jüdischen Colonisten, Sacharias, der einen kleinen Gasthos in der Umgebung von Jerusalem besitzt. Der Berichterstatter wurde zuerst von der Tochter des Besitzers empfangen. „Man konnte sie für die Fee dieser Berge halten, eine Fee mit goldenem Haar und kornblumenblauen Augen, aus denen die Schalkhaftigkeit und Lachlust sprachen. Mit einem Lächeln wendete sie sich zu mir und fragte mich in englischer Sprache, was mir gefällig wäre. „Ich mochte frühstücken." „Hier?" „Ja, wenn es nur geht." „Gewiss. Alle Reisenden machen hier Halt und frühstücken unter diesem alten Baum. Aber sie müssen entschuldigen, Sir, Sie werden nur Kaltes zu essen bekommen, da wir jetzt Feiertage haben und kein Feuer machen dürfen." Meine kleine Engländerin entpuppte sich also als Jüdin. Bald kam auch der Vater. „Ich horte, dass bei uns ein Reisender aus Russland ist und kam. Ihnen einen Willkommgruß zu entbieten." „Also sind Sie auch aus Russland?" „Ich?" Er lächelte mit dem etwas wehmüthigen Lächeln seines Stammes. „Ich komme von der ganzen Welt... . Ich bin in Rumänien geboren, lebte in Oesterreich und Frankreich, suchte mein Glück in Amerika und kam hieher. Mag ich sterben, die Kinder werden aber im Lande der Väter auswachsen." „Ja, ich wanderte auch nicht wenig herum. Ich sah die Juden überall zu Gast. Sie sind der erste Jude, der mich daheim bei sich empfängt." Sacharias lächelte wiederum mit seinem traurigen Lächeln. „Zuhause? Wir richten uns erst ein. Wir kehren von einer weiten, weiten Reise zurück. Uebrigens, ich bin hier daheim! Der vorletzte „Hamagid" bringt einen Artikel als „offenen Brief an Achad haam", den der Autor im Namen vieler russischer Gesinnungsgenossen zeichnet. In scharfen Worten wendet sich derselbe gegen diejenigen, die deur Zionismus damit zu dienen vermeinen, wenn sie unnöthigerweise Zwiespalt im zionistischen Lager Hervorrufen wollen, und macht diese für ein eventuelles Misslingen des Einheitszieles, das der Congress offenbar anstrebt, verantwortlich. Nicht als Theore-iker in literarischen Fragen wendet sich der Autor an Achad haam: er wolle nur seine eigene und seiner Gesinnungsgenossen Meinung kundgeben, die als gehorsame einfache Soldaten im Dienste der nationalen Sache jenem geistigen Führer nur so weit folgen wollen, als er den Willen bekunde „zu pflanz:n und zu bauen" nicht aber „zu vernichten und zu zerstören", nur wenn er Einigung, nicht aber Zwiespalt und Zerfahrenheit, zu säen bestrebt sei. B. & BücherweU. Der Bann. Von Dr. Simon Mandl. Brünn, B. Epstein, 181)8, Octav. Die vorliegende Studie ist ein intereffanter Beitrag zum mosaisch-rabbinischen Strafrecht und füllt eine von der einschlägigen Literatur übrig gelassene Lücke aus, indem sie die dogmatische und theoretische Seite des Gegenstandes an der Hand der Bibel und der rabbinischen Literatur nach Gebür berücksichtigt. Ich kann indes nicht umhin, über einen Satz in dieser Abhandlung mein höchstes Befremden auszusprechen. Es ist mir geradezu ein Rächsel, wie der Verfasser behaupten kann: „Wie es rein directen Gebot zum Glauben an das unendlich Absolute im attes Testament gibt, ebenso' fehlt auch naturgemäß darin jede Strafe gegen etwarge Unbotmäßige ihm gegenüber" (S. 20). Fordert nicht etwa das erste der zehn Geboie in entschiedenster Werse den Glauben an ein einig-einziges, übersinnliches Wesen und droht es den Ungläubigen nicht zugleich mit einer Strafe, indem es sortfährt : „Du sollst dich vor ihnen nicht bücken und sie nicht gottesdienstlich verehren, denn ich der Ewige dein Gott, bin ein eifervoller Gott, der das Verbrechen der Väter ahndet an Kindern, dem dritten und vierten Geschlecht?" Gott legt Segen und Fluch in die Hände seines Volkes, je nachdem es ihn liebt und ihm dient mtt ganzem Herzen und ganzer Seele, oder ihm untreu wird und anderen Göttern nachhängr, und er fpecificiert den Lohn und die Strafe. Die zionistische Frage. (Vortrag, gehalten im Centralvereine zur Pflege jüdischer Angelegenheiten von Dr. Isidor H i r s ch, Rabbiner in Prag-Karolinenthal). Es sind noch nicht drei Jahre her, dass der „Judenstaat" erschien, und schon k«nn man von einer förmlichen Judenstaatliteratur sprechen. Das Schweigen, das ein mächtiges Erstaunen über die ungewohnte und doch so stürmisch fortschreitende Bewegung und die Vorsicht und Ungewissheit, wohin diese Bewegung steuern und wozu sie eS bringen könnte, unseren Rabbinern und Literaten auferlegt hatte, weicht nun allmälig einer manchmal nichtsweniger als angenehme« Beredsanckeit. Was in sogenannten Broschüren und Borttägen über den Zionismus geleistet wurde, ist männiglich bekannt, und

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