Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Article
- Paris
- Date
- 1898-08-05
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 31 jPk$WdT Seite 13 Wir würden den französischen Juden gerne zu ihren Erfolgen gratulieren, brieflich sogar! Wir unterlassen es aber. Nicht, weil sie eine Ironie dahinter vermuthen könnten, sondern um sie vor französischen Beschimpfungen zu bewahren. Wir wiffen nämlich, dass es französische Postbeamte gibt, die an Juden gerichtete Briefe mit Subadressen versehen, deren Bestandtheile im antisemitischen Schimpfwörter-Lexikon nachznlesen sind. Italien. Rom, 22. Juli. Die rOpinione“ bringt in ihrer Freitagsnummer einen sehr sympathischen Artikel über die palästinensischen Colonien. Baron Albert F r a n ch e t t i, der bekannte Componist, hat eine neue Oper, in welcher der deutsch-französische Krieg behandelt wird, fast fertiggestellt. England. London. Ueber die von uns bereits gemeldete Haltung des Colonel Goldsmid und eines Theiles der „Chovevi Zion" schreibt der „Iewish Wor ld" . . . Wir sind nicht übermäßig erstaunt über die Thatsache, dass gewisie „Chovevi Zion" keine Lust haben, ihre alte Position aufzugeben. Diejenigen, deren Hingebung der Sache und nichts anderem gilt, haben es für möglich gefunden, ihre Bestrebungen in den Hauptstrom der Volksbewegung zu leiten. Die andern bleiben bei ihrer alten Arbeitsweise, in welcher die besten Absichten und ein im Verhältnis geringer Nutzen einander begegnen. Die Personenfragen, die da mitspielen, lassen wir hübsch aus dem Spiel, ihre Bedeutung soll nicht künstlich gesteigert werden. Der Zionismus braucht sich nicht über die Secession von Leuten zu grämen, die nicht in Reih' und Glied bleiben können und die jedes Scherflein, das sie beitragen, mit einem unnöthigen Commentar beschweren. Freilich, Abzeichen und Orden hat der Zionismus nicht zu vergeben, das überlässt er der Heilsarmee. Er, als große Bewegung, saugt naturgemäß die kleineren auf. Die „Chovevi Zion" sollten sich die Frage vorlegen, ob die Fortsetzung der Colouisation ohne entsprechende Garantien auch nur der kleinsten Anstrengung wert ist. Jeder Tag kann das Ende einer solchen Colonisationsmethode bringen. Man darf der Asiociation zugcstehen, höhere Dinge vorbereitet zu haben. Ihre Vertreter haben bei der englisch-zionistischen Conferenz gewisie bindende Resolutionen angenommen. Wer nunmehr den Versuch wagt, diese Resolutionen auf directem oder indirectem Wege abzuschütteln, gerätst in eine unleidliche Position — Der Zionismus verdankt den englischen Juden sehr wenig, sehr viel weniger als unseren Brüderir jenseits des Canals. Glücklicher — oder unglücklicher — Weise schreitet der Zionismus vorwärts, auch ohne die Unterstützung des englischen Zionistenlagers. Uns kränkt nur, dassder erste Versuch, unsere Berdienstqnote zu erhöhen, auf Widerstand stößt, dank jenen Leuten, die unfähig sind, das Hauptziel ins Auge zu fasten und die Nebenfragen — daneben zu lassen. London. Mr. I. Prag, der Vice-Präsident der „Chovevi Zion Association" richtete an den Secretär der Association, Dr. Hirsch, einen langathmigen Brief, in welchem er seinen Widerstand gegen den Plan des Federationscomitos erklären zu sollen glaubt. Der Plan ist hauptsächlich deshalb für ihn unannehmbar, weil er die Asiociation, diese gewiss sehr verdienstvolle Körperschaft, mir gebundenen, nein! mit gesesielten Händen und Füßen dem Wiener Comit6 ausliefert. Vor allem aber könne er es.nicht, zugeben, dass eine einzelne Körperschaft nichts sollte thun dürfen, was der Gesammtbewegung schaden könnte. In seinen weiteren Ausführungen sucht er die Art der geplanten Geschäftsführung der Englrsh Zionist Federation herabzusetzen. Geradezu kindlich sind die Ausführungen, die er sich über den Schekel leistet. Er schließt mit der Zuversicht, dass die Chovevi Zion Association ihre Unabhängigkeit bewahren werde. Wie die Sache sichauch verhalte, er, M. Prag in Person, wolle die praktische Arbeit nicht der unpraktischen Federation übergeben. Ob sich diese wird darüber trösten können, ist bis zur Stunde noch nicht bekannt. London. Colonel Goldsmid ist zum Präsidenten der Chovevi Zion Association“ wiedergewäh l t worden. Herr B. Ritter wurde zum Vertreter der Association bei der, für den 26. August d. I. festgesetzten Borconferenz, in welcher Colonisationsfragen besprochen werden sollen, bestimmt. Das Western Tent der Chovevi Zion lehnte in einer Resolution den Federationsplan ab und beschloss Fortsetzung der Colouisation. Dagegen erklärte das Portsmouth Tent, dass es den Plan mit Begeisterung annehme und sprach den. Wunsch aus, dass die Headquarters in loyaler Verständigung mit der neuen Federation Delegierte zum Baseler Congress entsenden, widrigenfalls sich die Zionisten von Portsmouth der Federation affiliieren würden. Die Resolution spricht ferner die Ueberzeugung aus, dass die gegenwärtige Lage der Juden die Anerkennung der Nationalidee erfordere, weshalb die von Colonel Goldsmid und Herrn Prag eingenommene Haltung beklagenswert sei. Bombay, 8. Juli. Hier wurde eine „Jüdische historische Gesellschaft für Indien" gegründet. Der Eröffnnngsredner versichert, dass sich in Cochin, Bombay, Presidency, Tirah und an den Grenzen historische Untersuchungen und Nachforschungen verlohnen würden. Amerika. Chicago. Aus der jüdischen Colonie Woodbine in New- Jersey wurden, wie die ^Hapis^oh“ berichtet, zwanzig Colonistenfamilien entfernt, weil sie nicht einmal die Zinsen der auf ihren Besitzungen .lastenden Schulden zu zahlen imstande waren. „Diese Colonie — bemerkt die ^.Hapisaoh“ — wurde mit enormen Geldmitteln aus dem Fonde des Baron Hirsch' gegründet und diente eine lange Zeit den amerikanischen Blättern als Beweis dafür, dassdieJuden nichtnöthig hätten,P a lästina aufzusuchen. Uns war es längst kein Geheimnis, dass diese Colonie am wenigsten für den Ackerbau, der zum Zwecke ihrer Gründung gedient hatte, geeignet ist, da die Colonisten alle möglichen anderen Berufe aufsuchen mussten, um nicht zu verhungern. Trotzdem wusste die englisch-jüdische Presse Amerikas anders zu berichten.Einer jüdischen Coloniesation in den Vereinigten Staaten stehen viele Hindernisse im Wege, die wir nächstens erörtern wollen." 15. W Neremsmchrichteu. Brünn. Samstag den 23. Juli fand eine Versammlung des hiesigen Einzelvereines des Verbandes „Z i o n" statt, in welcher Herr Dr. Leopold Kahn als Delegierter des Verbandes die Rede hielt. Auf Grund der Tradition und Gesetzeslehre des jüdischen Volkes, die dem Redner nicht wie einem Wiener Advocaten, sondern wie einem tüchtigen Rabbiner geläufig sind, wies der Redner nach, wie wenig das alte Kulturvolk der Juden Grund hat, „sich an die Rockschöße anderer Völker zu hängen, andere Nationen um ein bischen Nationalität anzuschnorren und die eigene Nationalität zu verleugnen". Der Zionismus, der sogar nach der Meinung mancher Gegner eine Wohlrhat für die elenden Massen des Volkes ist, kann überdies auch noch jenem menschenunwürdigen Treiben der Assimilation ein Ende machen, indem er auch den in der Diaspora verbleibenden wohlhabenden Juden einen festen Halt bieten und ihre Achtung bei den Stationen, unter denen sie bleiben wollen, Herstellen wird. Zum Schluffe forderte der Redner die Anwesenden zur Betheiligung an der Subscription der jüdischen Nationalbank auf und seine glänzende Rede, die das Publikum begeisterte, war von Erfolg begleitet. Am Sonntag, dem 24. veranstaltete der Verein zionistischer Handelsangestellter „Emunah" zu Ehren der Wiener Gäste, des Herrn Dr Kahn und des Secretärs des Verbandes Herrn Berkowicz ein Gartenfest, bei dem Herr cand. jur. S a i o Deutsch eine gelungene Festrede hielt. Mach ihm ergriff Herr Dr. Kahn das Wort und hielt vor der im Garten unter freiem