Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Article
- Jablunkau (Schlesien) [Nachricht]
- Date
- 1898-08-05
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 Jablunkan (Schlesien). Vor einigen Tagen starb unser Gesinnungsgenosse Cultusvorstand Moritz Frankl- Der Verstorbene erwies sich jederzeit als eifriger Verfechter der zionistischen Idee, die er auf jede Weise zu fordern suchte. rrobruisk (Russlands Unser Verein hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Leon L o s i n s k r>, ein verdienstvoller Zionist, Begründer des hiesigen zionistischen Vereines und langjähriger Schriftführer desselben, ist am Sonntag, 17. Juli nach langem schweren Leiden im 35. Lebensjahre aus dem Leben geschieden. Der zionistische Verein war zum Leichenbegängnis vollzählig erschienen. Am Grabe sprach der zionistische Prediger D i s k i n. In der zum Angedenken des Verblichenen einberufenen Generalversammlung würdigte Herr S Alexandrow in längerer Rede die Verdienste Läon Losinskys um den Zionismus. Es sprach noch Herr Prediger Diskin über die Colonialbank, für die der Verstorbene noch in den letzten Tagen seines Lebens thätig war. Zum Schriftführer des 500 Mitglieder zählenden Vereines würde Dr. B. Katzenelensohn gewählt. Cincinnati. Die in Amerika erscheinenden zahlreichen Jargonblätter sind fast alle der Zionsbewegung sehr gewogen, nur vier derselben, nämlich die „Jüdische Gazetten" (englisch und deutsch), der „Ha-Iwri“ (hebräisch), der „American Israelite“ (englisch) und die „Deborah" (deutsch), sind theils von vornherein, 'theils erst in der Neuzeit als Gegner des Zionismus aufgetreten. Kürzlich blies dieses gleichwertige Quartett dem Zionismus einen Todtenmarsch, gestützt auf eine frei erfundene Aeußerung des türkischen Gesandten zu Washington, welcher gesagt haben soll, wenn die Zionisten noch länger ihre jetzige Agitation fortsetzten, würde ihnen kein Nutzen, den im ottomanischen Reich wohnenden Juden aber vielleicht Schaden daraus erwachsen. In der am 3. Juli stattgehabten Generalversammlung der Eincinnatier „Ohawe Zion" forderte unser Präsident die Mitglieder auf, zionsfeindliche Blätter nicht mehr zu lesen. Das sollte überall so gehalten werden, dann würden diese Gegner rasch sich in Förderer verwandeln, denn bei ihnen handelt es sich um Dollar und Cents, sehen sie dieses ihr Ideal beeinträchtigt, werden sie zahm oder auch wild, je nachdem. S. H. CorrchlmdkUM. O esterreich-Ungarn. SBicit, In der „Wiener Allgemeinen Zeitung" vom 4. August verzapft ein Artikelschreiber seine Weisheit über die gegenwärtige Lage der Inden in Galizien. Der Artikel ist so eminent thöricht, dass es nicht der Mühe wert ist, näher auf ihn einzngehen. Damit unsere Leser aber auch wisien, wohinaus der Artikelschreiber will, führen wir nur folgende Sätze an: „Die jüdischen Mitglieder des Polenclubs kennen eben die Verhältnisse in Galizien genau, viel genauer wohl, als die Persönlichkeiten, die, gewiss aus edlen Motiven, ihre Angriffe gegen jene Politiker richten.Und die jüdischen Mitglieder des Polenclubs, die doch gewiss die Interessen ihrer Glaubensgenossen nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten trachten, haben nach unserer Ansicht klug gehandelt, als sic dem Wort des Fürsten Bismarck folgten: non movere“. Schließlich bringt der Politiker der „W. A. Z." einige artige Berlänmdungen gegen die Zionisten vor. — Wir Zionisten sind weder im Solde anrüchiger Capitalisten, noch in dem einer Bank. Wir haben weder zu der Regierung noch zu irgend welcher Gruppe von Finanzgrößen oder beutelüsternen Politikern Beziehungen. Wir haben daher keine Ursache, die Lage der Juden in so rosigem Lichte zu sehen wie gewisie „Kenner" Galiziens und seiner Corruption. Wien. Unsere Cultusgemeinde gehört zu den nobelsten Arbeitgebern. Sie lässt — den Gemeindemitgliedern alles bieten, damit nur die Herren Seelsorger ihre arg strapazierte Kehle wieder restaurieren können, die durch das andauernde Ja sagen — denn zu den Gläubigen haben sie nicht soviel gesprochen — hart mitgenommen wird. Auch der Speisetract soll bei diesen Hütern Israels nicht ganz in Ordnung sein. Sie schlucken so viel herunter, um ein Aemrchen zu bekommen oder zu behalten, dass man ihnen das gerne glauben darf. So darf man sich auch nicht wundern, dass selbst am Tischabeab die Gläubigen im Großen und Ganzen ohne ihre Hirten die Klagelieder recitieren mussten, während die Herren Rabbiner sich lieber um die balsamischen Lüfte der verschiedenen Sommerftischen als um den Fall Jerusalems bekümmerten. Vielleicht wussten sie, dass sie den Herren vom Cultusvorstande damit einen Gefallen erwiesen, wenn sie diesem „altmodischen Braucht nicht durch ihre Anwesenheit einen officiell jüdischen Anstrich gaben. Es sind treue Diener ihrer Herren, die Wiener Rabbiner. Das ist eine Beruhigung. Sie werden auch anderen Herren ebenso folgen, wie ihren jetzigen. Vielleicht ist das sogar gut für die Wiener Judenschaft. Wojnilow. Unsere Masuren wollten nicht ruhig bleiben, wo man sich doch so leicht Ruhm und andere nützliche Sachen holen kann. Sie beschlossen, loszuschlagen. Unser Pfarrer, ein 80jühriger Mann, hielt sie jedoch zurück. Er schilderte ihnen das Verwerfliche ihres Vorhabens und bat sie, nicht den Geistlichen in ihm zu sehen, sondern den alten, erfahrenen Mann, der die Juden genau kennen gelernt. Und die Juden seien nicht schlechter, als die anderen Völker. Diese Worte wirkten, und der Sonntag gieng ungestört vorüber. Rumänien. Bukarest. Die „Steana Dunari“ bringt aus der Feder des Vasile Kogolniceanu,, eines Sohnes des bekannten rumänischen Staatsmannes MichailKogolniceanu, einen bemerkenswerten Aufsatz „Der Zionismus". Er anerkennt den Zionismus als eine große Bewegung, der die Existenzberechtigung nicht mehr abgesprochen werden kann. Trotzdem ist er ein Gegner des Zionismus, aus patriotischen Gründen. Er fordert die rumänischen Staatsmänner auf, die Wichtigkeit des Zionismus zu begreifen und empfiehlt ihnen alle patriotischen Mittel anzuwenden, um die Juden von ihrem Entschlüsse abzubringen. „DieRumänen, welche wissen, dass die Juden die besten Freunde im Lande sind, haben die Verpflichtung, die Juden mit offenen Armen aufzunehmen, die Schulen zu öffnen und ihnen Vertrauen in die Verwaltung einzuflößen. Wenn dies nicht geschieht, werden viele Juden das Opfer ihrer Verirrung sein. Das Land wird aber gezwungen sein, Griechen, Bulgaren und andere Bestien anfzunehmen, welche, nachdem sie das Land ausgesogen und lächerlich gemacht haben werden, unter dem Schutze ihrer Gesandten in ihr Land zurückkehren werden, wohin die Rumänen ihre Rente und das Einkommen ihrer Güter ihnen schicken werden." Frankreich. Paris. Anlässlich der Nationalseier des 14. Juli wurden mehrere Juden zu Officreren der Ehrenlegion ernannt. Ferner liegt die Freudenbotschaft vor, dass Herr Salamon Snbpräfecl in Joul bleibt, Herr Weill zum Subpräfecten in Meaux ernannt, und Herr (5 ahen zum Regierungscommiffär in Verdun befördert worden ist. Die französischen Abwehrjuden müssen sich beträchtlich freuen. Für diese komischen Mathematiker ist ja die hohe Ehrung, mit der Einzelne bedacht werden, mathematisch gleichwertig mit den niederen Schmähungen und Bedrohungen, die sich auf „die Masse" vertheilen. Und zwei gleiche Größen mit verschiedenen Vorzeichen heben einander nach allen Regeln auf. Damit die Rechnung stimme, muss nur gesetzt werden: 1 Nvtabler -- 1000 Dutzendmenschen. Dies geschehen, mögen sie nur weiter in Algier die Juden morden, in Marseille und Toulouse die jüdischen Kaufläden plündern, in Paris: ,.Mort aux juifs!“