Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 31 (5.8.1898)
- Article
- Antisemitismus in England
- Date
- 1898-08-05
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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jatovwr Seite 11 sjhc. 31 Israel“ gcrvährte, das Vorhandensein und die Möglichkeit eines englischen Anttsemttisnius. Wahrscheinlich aber kennt der christliche Priester seine Christen besser, als das jüdische Blatt seine In. . ich wollte sagen, die Christen seines Landes kennt. Eine Erzählung Dr. Nordaus. Der „Jewish WorM“ kündigt seinen Lesern eine Erzählung Dr. Nordau's an. Die Veröffentlichung soll in einem Monat beginnen und in Fortsetzungen erfolgen. Max Nordaus neues Drama „Doctor Kohn", bürgerliches Trauerspiel in vier Aufzügen, wird im October dieses Jahres im Berlage von Hofmann & Co. in Berlin zur Ausgabe gelangen. In Peyrehorade (bei Bayonue) fand unlängst eine ergreifende Ceremonie statt. Nach Vertreibung der Juden aus Spanien fanden mehrere jüdische Familien hier Zuflucht. Sie gründeten eine kleine Gemeinde, die bis zur Zeit der französischen Revolution blühte, von da ab jedoch stetig abnahm. Schließlich blieb kein männliches Mitglied der Gemeinde übrig. Dieser Tage kamen Mitglieder der Bayonner Gemeinde nach Peyrehorade. Sie hielten hier den letzten Gottesdienst und überführten, nach einem Besuche des Friedhofes, die Thorarollen der ausgestorbenen Gemeinde in den Tempel der eigenen, blühenden. Bernard Lazare gedenkt, wie das „Berl. Tageblatt" berichtet, auf dem ersten internationalen Studentencongress, der in der zweiten Hälfte des September in Turin stattsinden soll,- die Beseitigung des Duells in allen civilisierten Ländern anzuregen. Die „Liberalität" der verschiedenen Kirchen Amerikas im Verkehr untereinander geht bekanntlich sehr weit. Dass ein jüdischer Prediger sich in der Kirche hören lässt, gehört keines-, wegs zu den Seltenheiten. Eine Hand wäscht dir andere, und eine New-Uvrker Synagogen-Gemeinde war vor einiger Zeit so freundlich, ihr Gotteshaus zur Zeit der christlichen Ostern ,herzuleihen." Komischer Weise enthielt das Evangelium des betreffenden Tages den Satz: „Sie werden Euch aus der Synagoge weisen." Ein antisemitischer Magnat. Aus der Feder des ungarischen. Grafen Robert Zselensky ist unter dem Titel ^.4 socialisnms eilen“ („Gegner des Socialismus") eine Schrift erschienen, worin der scharfsinnige Nachweis versucht wird, dass an der ganzen Nothlage des Proletariats ausschließlich die Juden schuld sind. Der „Jcwish Chroniclc" über die argentinischen Colonien Ein Correspondent des „I. Chr." in Buenvs-Ayres weist die gegen die Verwaltung gerichteten Vorwürfe zurück. Er gibt zu, dass die Colonisten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, behauptet aber, dass sie die Hauptschuld an ihrer traurigen Lage selbst ttügen. Sie denken nicht daran, der Gesellschaft ihre Schulden abzuzahlen. Diese bettagen von 600 Pf. St. bis 1400 Pf. St., wobei der Preis des ihnen überlassenen Bodens mit eingeschloffen ist, und können in 20 Jahresraten gettlgt werden. Während der siebenjährigen Thätigkeit der Gesellschaft sind aber nicht einmal die Kosten einer einzigen Jnstallatton zurückgezahlt worden. Tie Colonisten wiffen eben, dass sie von der Gesellschaft nichts zu befürchten haben. Auch die den Colonisten zugestandene Selbstverwaltung har zu schweren Missbräuchen Anlass gegeben. Um nicht zur Schuldenzahlnng angehalten zu werden, bestechen die Colonisten den Inspektor, welcher den Wert der Ernten abzuschätzen hat. Im allgemeinen haben die Colonisten wenig Neigung zum Ackerbau und entziehen sich demselben bei der erstbesten Gelegenheit. Trotz aller dieser Missstände glaubt der Correspondent den argentinischen Colonien eine hoffungsvolle Zukunft prophezeien zu dürfen. Aus Belgien. Am 17. Juli veranstaltete in Brüssel der E uch a r i st i s ch e C o n g r e s s unter Theilnahme vieler inländischer und ausländischer Cardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe eine glänzende Procession zur Erinnerung an die von Juden im Jahre 1370 gestohlene Hostie, die zu bluten begonnen haben soll. Damals wurden zahlreiche Juden verbrannt und unmenschliche Grausamkeiten verübt. Die liberale Preffe protestierte besonders gegen die Betheiligung des Militärs. Der Renegat. Die »Jugend" citiert folgenden, sehr bekannt klingenden Dialog: — Wir lassen hier keinen Neger ein. Aber ich bin ja kein Neger. — Sehen Sie doch in den Spiegel, Sie sind doch kohlschwarz l Well! Aber ich bin aus der äthiopischen Raffe ausgetteten. Die Affaire Dreyfus auf dem Perlflusse. In einem Reisebrief aus Ostasien berichtet Paul Goldmann, Correspondent der „Franks. Zeitg.", von einem Gespräche, das er auf dem Perlflusse mit einem Eingeborenen über die Affaire Dreyfus geführt habe. Der Eingeborene zeigte sich -wohlunterrichtet. Selbst tief in China beschäftigen sich die Genlüther mit dem Schicksale des unglücklichen Deportierten. & We Wmftischc Ücivrgimy. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herr»Dr. O. Ko k csch, Hofnnd Gcrichts-Advocatc» in Wien. Singcrstraßc 25, z« senden. Mähr-Tchvnberg. Die Ferialverbindung ..Sovcritas" veranstaltete am 23. Juli in unserer Stadt eine Agitationsvcrsammlung, zu der vom Eultusvorstand der Tempel zur Verfügung gestellt wurde. Der Eultusvorstand Herr Jacob Stern begrüßte in herzlicher Weise die Vertreter der Ferialverbindung „Sevcritas“ aus Loschrtz. Dann folgten die Vorträge des eami. ined. Otto Ehrenfest: Der Nationalismus und seine Bedeutung, des cund. jur. Emil Hirsch: Die Lage der Juden in den einzelnen Ländern und die bisherigen Lösungsmethoden der Judenfrage, unn des cand. med. I ac. Schiller: Der Zionismus. Abends fand eine Damenkneipe statt, die in animirtester Weise verlief. Lemberg. 30. Juli. Diesen Sabbath sprach im Locale des hiesigen Vereines ..Dorsche Sohlöm Ziou‘% vor einer zahlreichen Zuhörerschaft der hier zufällig anwesende, allgemein bekannte zionistische Volksredner Herr Löbel Taubes. Leider konnte, da alles ganz unerwartet kam, eine Massenversammlung im eigentlichen Sinne nicht stattfinden. Der Fweck seiner mehr als zweistündigen Rede war, diejenigen Mitglieder, die den Zionismus noch nicht genau kennen, über das Wesen desselben zu informieren und sie zur Theilnahme an dieserJdee zu veranlassen. Seine Ausführungen über das Verhältnis des Zionismus zur Orthodoxie, über den bevorstehenden Congress, über die Colonialbank und endlich über das Verhältnis des poliitschen zum praktischen Zionismus wurden mit wohlverdientem reichem Beifall belohnt. E. Vroby. Am 28. Juli veranstalteten die jüdischen Abiturienten unserer Stadt in dem großen Musikvereinssaal eine Tische-beab- Feier. Eine Vorlesung des Abiturienten Ochser: „Der b. Ab in der jüdischen Geschichte" eröffnete die Feier. Daraus folgten deutsche und hebräische, dem Ernste des Tages entsprechende Declamaiionen. Ein Chor unter dem tüchtigen Dirigenten I. M. Folger trug Trauergesänge vor. Am Schluffe hielt der Abiturient Schenker die Tendenzrede. Er skizzierte die Entwicklung einer jüdischen Nation, indem er daraus das richtige Verständnis für die Fest- oder Trauertage folgerte „Am!>. Äb muffen wir Buße thun, da wir unserer Vorfahren nicht würdig sind, indem wir ihr Erbe nicht treu bewahrt haben." Voryslaw. Am 26. Juli fand hier im Bethause des Vereines ..Biker Chol im“ eine große Versammlung statt, in der blarna^id m'kolomea Herr Weber über „Die Organisation der Juden" referierte. Der Vortrag, der vom talmudischen Standpunkte ausgieng, wurde von dem zahlreich versammelten Publikum mit großem, Beifalle ausgenommen.