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Die Welt · 1898-08-05 · 31 (5.8.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
31 (5.8.1898)
Article
Zur Schaffung eines Wirtschaftsprogrammes
Date
1898-08-05
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seile 10 Nr. 31 Sache, denn es wäre uns nicht angenehm, wenn mir sehr oft lesen müssten, dass die Kolonisten das große Publicum — wenn auch indirect — anbetteln, wie dies in einem Reiseberichte eines europäischen Geistlichen geschehen, der die Adreye der hilfsbedürftigen, russischen Auswanderer in einer unbewohnten Gegend Palästinas bekunntgab, damit edle Menschenfreunde ihnen Unterstützung zukommen ließen. Bei der Regeneration des volkswirtschaftlichen Lebens können wir überhaupt der Abstellung des Chalukawesens und der hiermit verbundenen Bettelei nicht entrathen. Wir müssen das vorhandene Menschenmaterial sichten und das Arbeitsfähige vom Hinfälligen scheiden. Eine gediegene, von selbstlosen Händen geleitete Armenpflege, gute, von gebildeten und opferfreudigen Europäern und Europäerinnen geleitete Schulen und Erziehungsanstalten, die Erweckung der Schaffensfreudigkeit in der jüngeren Generation, die Ausscheidung der der Besserung widerstehenden, verderbten socialen Elemente aus dem gesellschaftlichen Verbände und die strenge Handhabung der Volkserziehung sind die Mittel, welche von den Creatoren des neuen Israel nicht außer Acht gelassen werden dürfen, denn wir müssen bedenken, dass unser großer Lehrer Moses, um die Folgen einer sehr kurzen Sclaverei auszumerzen, trotz aller göttlichen Wunder auf das Aussterben seiner Generation in der Wüste angewiesen war, während wir den durch zweitausendjährigen Druck gezeitigten socialen Gebrechen gegenüberstehen. Und da es unsere Pflicht ist, den Boden zu kennen, auf dem wir das junge Reis eines neuen Bolksthums pflanzen wollen, kann ich nicht genug betonen, dass allen programmmäßig vorzunehmenden Maßnahmen eine fachgemäße Landesaufnahme vorhergehen möge, welche uns die Basis zu dem weiteren Erschließungsprogramme dieses Landes bieten soll. Einige Vorschläge will ich, soweit hierzu meine geringen Kenntnisse der Verhältnisse ausreichen, demnächst zu entwerfen suchen. B u d a p e st, im Juli. Hochachtungsvoll Michael Vajda, Beamter der Bndapcstcr Handels- und Gewerbekammer. psMlär-mfftnschafiliihr Amd schau. Ucber die Verbreitung des Fcrnsprechwesens in den bis jetzt dieser Errungenschaft der Neuzeit gewonnenen Ländern der Erde hat vor kurzem eine amerikanische Revue eine interesiante statistische Feststellung gemacht. Nach dieser stehen in der Zahl der gegenwärtig in Benutzung befindlichen Fernsprechapparate die Vereinigten Staaten mit 00^.000 Fernsprechern an der Spitze. In zweiter Linie soll Deutschland mit 340.000 folgen. Darauf kommen England mit 75.000 und Schweden mit 50 000 Apparaten, Frankreich mit 35.000 steht der kleinen Schweiz mit 30.000 nicht viel voran. Die Zahlen gehen dann herunter auf 20.000 für -Oesterreich, 18.000 für Russland, 10.000 für Norwegen, 15.000 für Dänemark, 14 000 für Italien, 12.000 für Spanien und dieselbe Anzahl für Holland. Belgien weist 11.000 Apparate auf, Ungarn 10.000. In den übrigen Ländern ist der Fernsprechverkehr nicht so bedeutend. Irland besitzt an Apparaten 6000, Japan 350', Kuba 2500: in Australien, Ostindien, Portugal und Luxemburg befinden sich je 2000 Fernsprecher. Das Kapland hat 600 und Rumänien 400 Apparate. Bulgarien und Tunis benutzen je 3o0, Angola und Eochinchina je 200 Fernsprecher. Verkehr in London. London besitzt neben seinen als Ringbahnen angelegten Untergrundbahnen noch verschiedene andere Eisenbahnlinien, die ganz oder theilweise dem Stadtverkehr dienen. Auf diesen verschiedenen Eisenbahnlinien wurden im letzten Jahre insgesammt nicht weniger als 401 Millionen Menschen befördert. Dazu kommen nun noch 172 Millionen Menschen, die mit den 1!52 Wagen der Omnibus-Gesellschaft, und ferner noch rund 150 Millionen Menschen, die mit den 1378 Wagen der Straßenbahn-Gesellschaft befördert worden sind. Außerdem beförderten aber die anderen Omnibus-Gesellschaften noch rund. 158 Millionen Menschen, so dass sich die Gesammtzahl der im letzten Jahre beförderten Personen auf 881 Millionen beläuft. Welch ungeheurer Verkehr in London herrscht, wird auch noch dadurch illustriert, dass nicht weniger als 12.401 Droschken vorhanden sind. Der Schifffahrtcanal von der Ostsee zum Schwarze» Meer. Die Entrvürfe für den 16-0 Kilometer langen Canal, welchen die russische Regierung zu bauen beschlossen hat, sind nun ausgearbeitet worden. Der Canal wird eine Breite von 65 Metern und eine Tiefe von 8'/2 Metern erhalten, um die größten Ueberseedampfer aufnehmen und auch für die Durchfahrt der Panzerschiffe genügen zu können. Der Canal wird bei Riga beginnen und bis Cherson am Schwarzen Meere reichen. Es müssen 200 Kllometer künstlich hergestellt werden, zu den übrigen 1400 Kilometern wird das natürliche Bett der Flüffe Dünci, Beresina und Dnjepr benützt. Nebst den Häfen von Riga und Cherson, an deren Vergrößerung bereits gearbeitet wird, werden noch -sechzehn Häfen von Bedeutung am Canal liegen. Die Bedeutung des neuen Schiffsweges soll noch durch Abzweigungen erhöht werden, wodurch viele Städte mit Eisenbahnen in das Canalsystem einbezogen werden sollen. Die Gesammtkosten werden aus 400 Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sollen in fünf Jahren vollendet sein; das Werk wird an fünf verschiedenen Stellen gleichzeitig in Angriff genommen werden. Holz wird heute zu den verschiedenartigsten Zwecken verwendet. Alle möglichen Papiere, Leder, Seide, Segel, Gasröhren. Baumwolle werden daraus fabriciert, ja sogar Kanonenrohre. Die hiermit angestellten Versuche, die natürlich wieder in Amerika gemacht werden, haben ganz gute Erfolge erzielt. Die Herstellung von Papier aus Holzstoff wie aus Cellulose ist schon alt. Ebenso bekannt dürfte auch die Herstellung von Seide aus Holzcellulosc sein. Eine neuere Erfindung sind Holzstoffziegel, die sich durch besondere Leichtigkeit und Elastizität bei einem sehr billigen Preis auszeichnen. Ebenso wird jetzt ein dem natürlichen Leder täuschend ähnliches Celluloseleder hergestellt, das wasserdicht und dauerhaft ist. Schließlich stellte der Amerikaner Mitchel aus Holz auch Baumwolle dar. Das Verfahren ist zwar ein ziemlich compliciertes: man hat aber recht befriedigende Resultate erzielt. Den aus künstlichen Baumwollfäden gefertigten Stoffen sagt man eine fast ebenso große Dauerhaftigkeit wie wirklichem Baumwollstoff nach. Da der Stoff aber viel billiger ist, ist zu erwarten, dass er der Baumwolle erhebliche Concurrenz machen wird. Weltchronik. Antisemitismus in England. (BideNr.29 die „Welt"). Exempel [V. Der ,,.J. W." bringt (in einem Schreiben au den Herausgeber) mehrere Fälle, in denen Juden bei Provinzialgerichtshöfen in einer sehr parteiischen Weise behandelt wurden. Es wird zum Beispiel von einem Richter erzählt, der, wenn ein Jude mit einer Wechselklage vor ihn kommt, „leider nur wenig Zeit hat." J. \Y. stellt den Antrag, eine Sammlung einzuleiten, von deren Erträgnis jener ehrenwerte Richter eine längere Reise nach Frankreich oder Oesterreich bestreiten könnte, ivo man dergleichen Talente zu schätzen wiffe. — Nur Geduld! Bald kommt die Zeit, da der antisemitische Richter auch in der Heimat Carriöre machen wird. Exempel V. Unlängst hielt Rev. I. Douglas Lord in der Liverpooler Cathedrale eine Predigt. Infolge eines Gedankenganges, den wir bereits aus vielfachen Ausführungen unseres hochverehrten Freundes, Rev. Hechler, kennen und dem wir die Anerkennung des ehrlich ausgesprochenen Standpunktes zollen, fand der Redner in der gegenwärtigen Lage der Juden einerseits, dem wachsenden Ansehen des heiligen Landes und der zionistischen Bewegung anderseits, höchst beachtenswerte Momente. „Kein Zweifel, wir haben dieser Bewegung gegen über gewisse Pflichten. Und doch sehen wir in vielen christlichen Ländern den Judenhass noch immer an der Arbeit. Selbst in diesem Lande, wo die guten Gei st er der Toleranz und Nächstenliebe vorherrschen, stößt der Jude sehr oft aus Hass und An fein düng. Das ist ein Factum, das nicht weggeleugnet werden kann, das uns aber auch nicht Wunder nehmen darf. Ter Jude gehört einer anderen Nationalität an, und insbesondere der englische Jude kommt sehr oft aus einem fremden Vater land und spricht eine fremde Sprache. Seine Religion erschwert durch ihre Exclusivität die Möglichkeit einer Affimilation. Ter Engländer von heute ist das Product einer jahrhundertlangeu Geschichte — dasselbe gilt vom Juden. Nur dass die Geschichte nicht auf beiden Seiten die gleiche ist. Auf der jüdischen Seite ist sie eine Chronik von Verfolgungen und Metzeleien. Und heute? Heute ist ausgesprochene Armut das ausgesprochene Charakteristikon der jüdischen Mafien." Exempel V ist besonders lehrreich und wird denn „Jewish Chvonicle“ zum Studium empfohlen. Der „J. Clir." bestreitet nämlich in seiner Besprechung des Interviews, welches Dr. Herzl vor einiger Zeit einem Mitarbeiter des rYouK-

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