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Die Welt · 1898-08-05 · 31 (5.8.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
31 (5.8.1898)
Article
[Ohne Titel] / E. R.
Date
1898-08-05
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seche b Orden der Ehrenlegion bald aus dem letzten Knopfloch Der Nationalrath der französischen Arbeiterpartei, der späterhin einmal aus marxistischem Fuße zu leben gedenkt, hat jetzt den Borsatz gefasst, dem Capitain Dreyfus mit jener kühlen Reserve zu begegnen, auf die er als Angehöriger der Ausbeuterclasse Anspruch erheben dürfe. Im übrigen aber ließ sich der Nationalrath der französischen Socialisten zu der Concession herbei, „es möge das politisierende und tintenklexende Bürgcrthum sich über die Unschuld oder Schuld eines Generalstabshauptmannes weiterhin katzbalgen." — Der Strike, den die französischen Socialisten dem Generalstabshauptmann ankündigen, hat gewiss in mancher Hinsicht seine Berechtigung. Während ungezählte Masten von dem Genüsse der Teufelsinsel ausgeschlosten sind, monopolisiert Dreyfus die Productionsmittel dieses reizenden Ländchens in der habsüchtigsten Weise und ist auf Grund seiner Rastenprivilegien im Vollbesitze von Rechten, die dem übrigen Theile der heutigen Gesellschaft durchaus versagt sind. Der Geueralstabshanprmann sitzt als fauler Müßiggänger auf seinem unbeweglichen Privateigenthum, und während andere für ihn arbeiten, nährt er sich von dem Profit des Unternehmens, an dessen Spitze er steht. Der Generalstabshruptmann beschäftigt sich ausschließlich mit Rauchen und Schlafen, während die verknechteten Wächter, die bei ihm angestellt sind, bei einer 24stnndigen Arbeitszeit unter dem Drucke der heutigen Gesellschaftsordnung zu seufzen haben. Ohne Zweifel, der Fluch des Privateigenthums und der Rasten- und Clastenprivilegien tritt in der Astaire Dreyfus grell zutage, und die französischen Socialisten ziehen nur die Consequenzen aus ihren heiligsten Principien, wenn sie sich von dem Generalstabshauptmann abwenden. Es scheint, dass die Juden jeden, der sich ihnen anschließt, mit ihrem fatalen'Schicksal inficieren. Zola hat sich auf die Seite der Juden gestellt, und ehe er sich's versieht, muss er die traditionelle Lebensweise der Juden führen und von Land zu Land irren. Er hat sich eine kleine Weile bei den Zelten Israels ausgehalten, und schon nach wenigen Wochen haben ihn dre Juden mit ihrem unvergänglichsten Nationalgnt belehnt, mit dem Wanderstab. Die unfreiwillige Reiselust, von der sich die Juden nie freizumachen vermochten, ist plötzlich auch in Zola erwacht. Er hat sich der Firma „Israel" associiert und reist nun für sie. Denn man ist nicht ungestraft „Judenknecht." Esterhazy, der mit einer Serpentinentänzerin das gemeinsam hat, dass er immer in einem neuen, sonderbaren Lichte erscheint, tanzt schon wieder auf einem neuen Bulcan. Wenn man ihn bei dieser Beschäftigung näher betrachtet, so muss uran sich sagen, dass man ihm vieles abzubitten habe. Nach allem, was über den Uhlanen bisher in die Oeffentlichkeit drang, musste man ihn für einen geldgierigen Egoisten halten, der alles, was nicht sein eigen Fleisch und Blut ist, ohne Erbarmen ausplündert und ruiniert. Jetzt zeigt sich, dass man ihm mit dieser Kritik bitter Unrecht gethan habe, denn er hat auch gegen 36.000 Francs, die feinem leiblichen Cousin gehörten, keine schwächlichen Familienrücksichten an den Tag gelegt. Die Schuljugend hat jetzt Ferien. Während der nichtjüdischen Jugend bereits die verschiedensten Annehmlichkeiten und Genüsse beschieden sind, beschäftigt sich mit der jüdischen Jugend die antisemitische Presse. Man untersucht die Schüler der verschiedenen Unterrichtsanstalten und macht die besorgniserregende Entdeckung, dass die Inden an einem übermäßig entwickelten Bildungsdurste zu leiden haben und sich auch nicht enthalten können, bei der Stillung ihres Triebes tiefer ins Glas zu schauen, als es dem Percentverhältnis der jüdischen Bevölkerung entspräche. Die Antisemiten mahnen zur Mäßi- Rr. 31 gung, zur Selbstbeherrschung. In ihrem Temperenzlcreifcr erklären sie sich sogar bereit, dem Uebel durch Errichtung confessioneller Unterrichtssanatorien zu steuern. Das Ideal einer confessionellen Schule, wie sich's die Antisemiten Vörstetten, wäre wohl die Eintheilung, dass in dem einen Theile der Schulen nur Nichtjuden Unterricht ertheilt wird, und in den anderen, für die Juden bestimmten Anstalten überhaupt kein Unterricht ertheilt wird. E. R. K Die jüdische ColoumUumk. (Mittheilungen des Bankcomitös.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Herrn D. Wolffsohn, Köln a. Rh., zu richten. Die Vertrauensmänner, welche die Subscriptionsscheine erhalten und die Resultate noch nicht abgeliefert haben, werden dringend ersucht, die Subscriptionslisten unverzüglich nach Köln zu schicken, da man diese Listen für die Bankconferenz benöthigt. Das vom zionistischen Actionscomite eingesetzte Bankcomitö kann ohne jede Ueberschwänglichkeit erklären, dass die bisherige Subscription die Erwartungen übertroffen hat. Um was handelt es sich bei dieser Subscription zunächst? Um die Feststellung, ob in weiten Kreisen des jüdischen Volkes die J>ee einer solchen nationalen Bankgründnng Anklang finden werde. Durch bloße Zustimmungskundgebungen, unverbindliche Erklärungen konnte dieser Zweck natürlich nicht in einer ernsten Weise erreicht werden. Darum wurde für die Subscription die Unterlage einer zehnpercentigen Anzahlung verlangt. Das Comite erließ nur eine einfache Bekanntmachung, in der zwar gesagt wurde, welcher Art die zu gründende jüdische Colonialbank sein solle. Aber das geschah nur in großen Umrissen, ohne Rechnungsdetails, ohne Angaben über die voraussichtliche Rentabilität des Unternehmens. Die Bekanntmachung war nur eine Proclamation, kein Prospect. Sie hatte auch bisher nicht den üblichen bankmäßigen Charakter, wurde ohne Zeitungsinscrate betrieben; nur die Blätter 1kz zionistischen Bewegung verzeichnet»! die Thatsache des erfolgten Aufrufes. Und auf diese anspruchslose Verlautbarung hin begann sofort in allen Ländern der Welt die Zeichnung der Colonialbank-Shares. Das, was sonst mit allerlei Kunststückchen versucht und nicht immer erreicht zu werden Pflegt, nämlich die Betheiligung des großen Pnblicnms, stellte sich hier auf eine völlig ungezwungene Weife ein. Kleine Leute drängten'sich überall heran, um ihre Ersparnisse in dem nationalen Unternehmen anzulegeu. Die bevorstehende Gründung der jüdischen Colonialbank ist mit einem Worte sofort populär geworden. Populär nicht etwa nur in einer Stadt, in einem Bezirk oder Land, sondern in allen Ländern, wohin die Kunde zu den Juden gedrungen ist. Taist heute eine Thatsache, deren sprechende Ziffern der Bankconferenz und dem Co^qresse vorliegen werden. Man braucht nur die Anmeldungen, die von Tag zu Tug einlaufen, zu überblicken, um darin eine merkwürdige Art von Volksabstimmung zu erkennen. Die Ergebnisse der kleinen Lrie sind noch charakteristischer, als die der großen Orte; kleine Nester, die man gar nicht kennt, schicken Anmeldungen von Share-. Sv sind in der abgelaufenen Woche Subscriptionen gekvmw.eu aus: Osmina (30), Lefitschef (70), Jalta (160), Minkowzi (22), Korelitsch (45), Zichron Jacob die fünfte Sendung (4im, Vaslui (332), Kanew (74), Grajewo (253), Miropol (R' , Bendery (302), Dubnov (26), Augustow (100), Suwalki (1 Sosniza (123), Biten (26), Stenanzi (129), Plonsk Pereststepina (33), Galveston Amerika (123) und noch viele andere kleine Listen.

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