Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 30 (29.7.1898)
- Article
- London
- Date
- 1898-07-29
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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9h& 30 Seite 13 täten angenommen würden, welche die Zukunst der „Chovevi Zion“ betreffen, und dass schließlich die Tents aufgefordert wetden sollten, ihre Meinung über diese Resolutionen abzugeben. Als gewähltes berathendes Mitglied des erwähnten Comites habe ich die Tents von der Thalsache zu verständigen, dass ich ein entschiedener Gegner des Berichtes bin — welcher nach meiner Ueberzeugung die Zionisten nicht einigen, sondern, im. Gegentheil, in unvereinbare Lager spalten wird. Nach meiner Meinung hätte das Föderationscomite eine Reorganisation der „Chovevi Zion“ empfehlen, nicht aber eine Organisation schaffen sollen, die keine Fühlung mit den einflussreichen, continentalen Körperschaften unterhält, Körperschaften, welche bereits praktische Beweise ihrer Liebe zu Zion gegeben haben. Trotz meiner Erwählung zum berathenden Mitglied des Comite, hat dieses meine Meinung erst dann eingeholt, als e s z u spät war. Auf diese Weise ist der Zweck der Conferenz vereitelt worden." Gleichzeitig theilte Colonel Goldsmid dem Secretär der „English Zionist Federation“, Mr. Greenberg, seinen Austritt aus dem Comite und aus der Föderation mit und begründete diesen Schritt damit,, dass der veröffentlichte Comitebericht sowohl den Minoritätsbericht, als auch seine (Goldsmid's) Missbilligung des Comiteberichtes mit Stillschweigen übergangen habe. Beiden Behauptungen trat Mr. Greenberg entgegen. In einem, an Colonel Goldsmid gerichteten Schreiben stellte er fest: dass, erstens, der angeblich unterdrückte Minoritätsbeschluss nicht gegen den veröffentlichten, sondern gegen einen vorhergegangenen, später aber zurückgezogenen Comitebericht eingebracht worden sei. Zweitens, dass Colonel Goldsmid trotz wied erholter^Aufford erungen des Comites sich geweigert habe, an dem Berichte mitzuarbeiten, respective seine Vorschläge zu demselben zu erstatten. — Noch eingehender widerlegte Mr. Herbert Bentwich in einem Schreiben an den Secretär der „Chovevi Zion“ die von Colonel Goldsmid erhobenen Vorwürfe. Er constatierte insbesondere, dass der Föderationsplan er st einen vollen Monat nach seiner ersten Bekanntgabe an Colonel Goldsund und mit Zustimmung des Vertrauensmannes Colonel Godsmid's beim Comite veröffentlicht worden sei. Uebrigens sei die zionistische Bewegung s ch o n z u st a r k, um dadurch in chrem Werke aufgehalten zu werden, dass eine einzelne Person oder selbst eine einzelne Gesellschaft sich von der gemeinsamen Arbeit zurückziehe. Zum Schluffe zeigt Mr. Bentwich an, dass er seine Stelle als Bicepräsident der „Chovevi Zion Association“ und als Leiter des „Western Tent“ niederlege. Von unserem Correspondenten erhalten wir folgende Mitcheilungen über die Angelegenheit: „London, 21. Juli. — Ich erfahre soeben, dass die morgige Nummer des „I. Chr." eine Reihe von Briefen (gemeint sind die oben mitgetheilten. A. d. R.) enthalten wird, aus denen hervorgeht, dass im Lager der englischen Zionisten eine Spaltung eingerreten ist. Ich leugne nicht, dass eine solche Spaltung existiert, versichere aber, dass es sich bloß um eine Personenfrage handelt. Ich glaube, die „Welt" vorläufig mit den Details dieses Gezänkes verschonen zu sollen. Zweifellos werden unsere geschäftigen Gegner in den antizionijtischen Zeitungen Capital aus der Sache schlagen. (Diese Prophezechung ist, nach der uns vorliegenden letzten Stummer des „I. Chr." zu schließen, bereits eingetroffen. A. d. R.) Trotzdem ist die Sache nicht zu ernst zu nehmen. Sie wäre es, wenn eine Spaltung der Parteien vorläge. Ich constatiere aber — nicht bloß als Ihr Correspond ent, sondern als ein Mann, der der Bewegung viel Zeit widmet — dass die Minorität nicht, wie angegeben wird, 500 Personen betragt, sondern wahrscheinlich kaum halb soviel. All' das Geschrei wird nur bewirken, dass sich die Hauptmasse der Zionisten zu energischer Thätigkeit zusammenschließt, und dass die englischen Delegierten des zweiten Baseler Congreffes eine noch zuverlässigere Macht hinter sich wiffen werden, als zur Zeit des ersten Congreffes. Es ist sogar gut, dass das Marionettenspiel, welches vergangenes Jahr in Berlin und Paris beliebt ward, ein Ende hat. Doch wir wollen nicht den Fehler begehen, schmutzige Wäsche in der Oeffentlichkeit zu waschen. Wir haben der Bewegung zu dienen, im Uebrigen aber uns um Personen nicht" zu kümmern. Das verlangt der Sinn des Föderationsplanes, für welchen die gegenwärtigen Verwicklungen nichts bedeuten, als — vorüberziehende Wolken! Neremsmchnchten. Wien. Der Verein zionistischer Arbeiter und Privatangestellter „A ch w a h" veranstaltet Samstag den 30. d. um 8 Uhr Abends im Restaurant Breuer, IL, kleine Schiffgasse 8 eine öffentliche Vereinsversammlung. Auf der Tagesordnung sind: i. „Die jüdisch en Arbeiter und der II. Baseler C-ongress", Referent: Salomon Rubin st ein. 2. „V om g alizisch en Kriegss ch au platz", Referent: Dr. S. R. L a n d a u. — Gäste herzlich willkommen. Stauislau. In den Ausschuss des Vereines „Gre z Israel" wurden in der Generalversammlung vom 19. Juli gewählt : Dr. S. Schur, H. Broch, I. Landy, Dr. Bacher, iur. cand. Herrscher, iur. cand. Monds chein, Brenner, Bleiman, Almer, Lebensart, Arnold W., Arnold J. L., Herzog, Pfeffer, Schönfeld, Gottlieb, Paukler, Zweig. Mschrifienrundschall. — Die russischen Rabbiner beabsichtigen, ein eigenes Blatt unter dem Titel „Htftnsgah" herauszugeben und mit der Redaction Herrn Rabbiner Hillel Cohen-Trevisch aus Wilna zu betrauen. — Im Juniheft der russischen Monatsschrift „Obrasowauje" (Bildung) ist ein Artikel „Ueber den Bücherhandel bei den Juden", aus der Feder des nicht unbekannten russischen und russischjüdischen Schriftstellers N. Pruschanski, erschienen. Es beginnt mit einer kurzen Schilderung, welche Bedeutung das Buch in den Augen des ,,am-asöver~ (das Volk des Buches) hat. Bei den Juden wird jedes gedruckte Wort als ein Heiligthum betrachtet. Aus diesem Grunde ist es begreiflich, warum der Bücherverkauf in den Synagogen zugelayen wurde. Es besteht aber ein wesentlicher Unterschied zwischen den Büchern, die vor 30—40 Jahren und denen, welche jetzt verkauft werden. Damals sind zum Verkauf nur Bücher religiösen Inhaltes zugelassen worden. Jetzt dagegen finden wir auf dem Büchertische auch profane Bücher, die mit der Religion nichts Gemeinsames haben, Bücher, die nur die Sache der Bildung befördern. Ferner gibt er eine kurze Schilderung der wandernden Buchhändler, die in jedem entlegenen Krähwinkel zu sehen sind. Auch die Lage der neuhebräischen Schriftsteller hat sich im Lause der Zeit anders gestaltet. Vor Jahren war der jüdische Autor genöthigt, an die Thüre der Reichen zu pochen, damit, er imstande wäre, sein Werk erscheinen zu lassen. Jetzt, seit dem Aufschwünge der neuhebräischen Literatur, seitdem die Perlagsanstalten „Tuschija" und „Achiasaf" gegründet wurden, ist auch die Lage der Schriftsteller gebessert worden. Früher fühlten sich alle berufenzuSchriftstellern. Jetzt dagegen sind Schriftsteller entstanden, die einer beliebigen europäischen Literatur zur Ehre gereichen können. Dank diesen Perlagsanstalten ist eine neue lebenskräftige und lebensfähige Literatur ins Leben gerufen worden. Außer den originellen Werken, die nicht ohne Bedeutung sind, existieren Uebersetzungen aus den meisten europäischen Literaturen. So sind z. B. die Werke Turgenjews, Tolstois, Lord Byrons, Heines, Börnes, Molieres, Gontscharows, Korolenkos, Karns (Geschichte der ft. Revolution), Verlier (Geschichte der Erde), Lipper (Kulturgeschichte der Menschheit) u. v. a. erschienen. (Wie bereits „Tuschija" angekündigt hat, sollen bald Hauptmanns und Hirschfelds Werke in hebräischer Uebersetzung erscheinen. Der Schreiber des Artikels bewundert den raschen Aufschwung der neuhebräischen Literatur, wie die zweck- und zielbewusste Organisation der Berlagsanstalten. Jedenfalls ist das Erscheinen dieses Artikels zu begrüßen. Es ist zum erstenmale der Versuch gemacht worden, dem russischen Lesepublikum Kenntnis von der neuhebräischen Literatur beizubringen. Bis jetzt war die Existenz derselben für den russischen Leser eine terra incognita. Ist es doch unlängst in einer der bedeutendsten russischen Zeitschriften (Russkoje Bogatstwo) den