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Die Welt · 1898-07-29 · 30 (29.7.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
30 (29.7.1898)
Article
Strafpredigt am Grabe
Date
1898-07-29
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 j*£xwar 'Jtr. 30 Beerdigung hielt der Rabbiner an seinem Grabe eine Predigt, in welcher er das den religiösen Satzungen nicht entsprechende Betragen des Verstorbenen einer scharfen Kritik unterzog. Dies erregte so sehr das Missfallen der anwesenden Leidtragenden, dass sie den Rabbiner zwangen, seine Rede zu unterbrechen. Cin „Plagiat" Dr. Luegers. Ein Londoner Leser schreibt der „Franks. Ztg." : Geehrter Herr Redacteur. In der Franks. Ztg." schreibt Ihr Wiener h-Correspondent in Bezug auf den Schulkinderfestzug, dass der Gemeinderath bezw. Dr. Lueger das Verdienst der Originalität dieser Veranstaltung für sich in Anspruch nehmen dürfe. Denr muss ich jedoch widersprechen, denn horribile oder inirabile dictu hat Dr. Lueger nach „semitischem" Vorbild gehandelt, indem bei dem ersten Jubiläum der Königin Victoria im Jahre 1887 Sir Edward Lawton (Jude), der bekannte Eigenthümcr und Herausgeber des ..Daily Telegraph“, auf seine Kosten die ärmeren Londoner 'Schulkinder in den Hyde-Park einlud, wo sie mit Erfrischungen tractiert wurden; außerdem erhielt jedes Kind einen thönernen Trinkbecher (Mug) zum Andenken. Sie wurden auch von der Königin und der königliches Familie besichtigt und riesen Hoch „aus Leibeskräften". Mit der „Originalität" des Wiener Festes ist es also nicht weit her. Die Antrittsrede des Reetors. Der Professor der Theologie in Halle, Dr. Kautzsch, hat sein Rectorat mit einer antisemitischen Agitationsrede angetreten, die ein allseitiges, berechtigtes Aussehen hervorrief. Todesfall. Einer unserer eifrigsten Gesinnungsgenossen, Herr c.uid. phil. Moses Sterne r, ist vorige Woche in Lenkberg einem Lungenleiden erlegen. Mit Sterirer haben die galizischcn Zionisten einen ihrer tüchtigsten Mitarbeiter verloren, der, ohne in der Oeffentlichkeit sich bemerkbar zu machen, zur Verbreitung des zionistischen Gedankens sowohl durch seine beliebte Persönlichkeit als durch seinen praktischen Sinn viel beigetragen hat. Im letzten Jahre wirkte der Verblichene für den Zionismus in Cairo, wo er sich zur Heilung seines Leidens aufhielt. Friede seinem Andenken. B. <£inc Palästinareise. Die heiße Sehnsucht nach dem Heiligen Lande unserer Väter, die in jedem jüdischen Herzen glüht, hat in der mächtig um sich greifenden zionistischen Bewegung einen Funken gesunden, der sie zur hellen Flamme an fachte. Die Sehnsucht nach dem Heiligen Lande, die nun durch achtzehn Jahrhunderte in dem trotz aller Verfolgung seinen Idealen treu gebliebenen Volke fortlebt, regt wieder zu Palästinarcisen an. Den Glaubens- und Gesünuingsgenossen ist Gelegenheit geboten, die kommenden hohen Feiertage im Lande unserer Väter zu verbringen, den heiligen, mit unserem Blute, mit unseren Thräneu geweihten Boden zu betreten, die Stätten unserer glorreichen Vergangenheit zu besichtigen und angesichts der Ruinen des heiligen Tempels die altchrwürdigen Gebete mit doppelter Inbrunst zu verrichten. Ein kleiner Kreis für ihre Stammesgenossen begeisterter Männer hat sich zusammengethan, genaue Kenner des Heiligen Landes sind es, die sich der schweren, mühevollen Mission unterzogen, eine von Wien ausgehende Gesellschaftsreise nach Palästina zu veranstalten und durch Erwirkung mäßiger Preise die Betheiligung an derselben jedem auch nur halbwegs Bemittelten zu ermöglichen. Es ist eine Ehrensache für jeden Juden, eine Ehrensache für die zahlreichen Anhänger der zionistischen Bewegung, das Zustandekommen dieses s e l b st losen Unternehmens zu ermöglichen. Niöge jeder in seinem Kreise dahin wirken, dass dieser Pilgerzug durch massenhafte Betheiligung sich zu einer imposanten Manifestation unserer Zionsidee gestalte! Sicherheitsmaßnahmen in Ungarn. In den an Galizien angrenzenden Bezirken musste zur Zeit der galizischen Judenexcesse die Gendarmerie bedeutend verstärkt werden, weil in vielen Orten antisemitische Unruhen befürchtet wurden. Cin czechifcher Bürgermeister. Vor Kurzem fand im böhmischen Dörfe der Prager Ausstellung einePalacky Feier statt, bei der der Bürgermeister von Prag, Podlipny, eine Festrede hielt, die von Ausfällen gegen die Juden strotzte. Podlipny war es bekanntlich, der durch seine mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen den Plünderern der jüdischen Kaufgewölbe seinerzeit einen breiten Spielraum ließ. Personalnachricht. Mittwoch den 27. Juli d. I. fand die Promotion des. Fräuleins Rosa Lupu zum Doctor der Medicin und Chirurgie an der Universität in Jassy (Rumänien i statt. Fräulein Lupu ist der erste jüdische weibliche Doctor in Rumänien. & Me ziorMche Bewegung. Spenden für zionistifche Zwecke - sind an Herrn Dr. O. Kokesch, Hofnud Gerichts-Advocatcn in Wien. I., Singer straße 25, zu senden. Olmütz. Trotz ängstlicher Gegenvorstellungen kündigte der „Zion" durch öffentlichen Anschlag ern Gartenfest für den 3. Juli an und über 400 Personen, viele von auswärts, erfüllten den städtischen Brauhausgarten. Aus dem reichen Programm wurden besonders die Quartette des neugebildeten Vereinschores beiubeli. Zionistische Gedenkmünzen und der köstliche Palästinawein fanden unter anderem starken Absatz, so dass sich ein beträchtlicher Reingewinn ergab. Auch begann die Zeichnung für die Bank. Ter Beweis, dass sich die Juden gesellschaftlich selbst genügen können, ist glänzend erbracht. Neu-Sandec. Der Zionismus hat einen seiner wackersten Kämpfer verloren. Simon Ros enwasser, einer der Gründer unserer Ortsgruppe, ist verschieden. Die Gemeinde wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Grzymatöw. Der hier seit drei Monaten bestehende „Dorsche Zion-Verein" hielt am 20. v M. eine zahlreich besuchte Versammlung ab, bei welcher die Schekelsammlung vorgenommen und dem Lemberger Centralvereine „Zion" abgeführl wurde. Herr Sam. Margulies, dem die Constituierung unseres Vereines zu verdanken ist, hielt einen kurzen, aber kernigen Vortrag über die Bedeutung des Zionismus, verbunden mit einem warmen Nachrufezu Ehren des großen Rabbiners Herrn Samuel M o h i l e w e r. Seine Rede fand allgemeinen Beifall. B. Freud. Nadworna. Der Verein „Zion" veranstaltete für die verstorbenen Zionskämpfer Prof. Dr. Schapira und Rabbiner Samuel M o h i l e w e r eine Trauerfeier, die in erhebender Weise verlief. Es sprachen H. Jekel und B- I.- Harz. Drohobycz. Der Verein ..Z i o n" beklagt den Verlust seine-' Mitgliedes Elieser Oberländer, der mit zu den kräftigsten Stützen unserer Bewegung gehörte. Kimpolnng. Am I*. Juli fand in der Synagoge ein zio nistischer Vortragsabend statt, zu dem Herr L. Taubes ans Kolomea als Referent erschienen war. In seiner Rede besprach er hauptsächlich das Wesen der Schekelsammlung und die Bedeutung der Bank. In der folgenden Discussion sprachen die Herren Dr. Zaloszer, Landesberg und R e i n h o l d. Dwinsk «Russland,. Am io. Juli fand in der großen Sn nagoge für den verstorbenen Rabbi Samuel M o h i l e w e r eine Trauerfeier statt, der über 2000 Personen beiwohnten. Rabbiner R a t n e r gab eine kurze llebersicht über das Leben und Wirken Mohilewers. Herr Melamed sprach über die Stellung Rabbi Samuels zum politischen Zionismus, den der Verstorbene förderte mit allen seinen Kräften, und der in ihm auch eine seiner kräftigsten Stützen verlor. Herr Zodikow richtete an die Vcr sammlung einen Appell, unbeirrt durch fremde Beeinflussungen, einig nnd treu zusammenstehen im Kampfe um das gemeinfame Ziel. Sofia. Die aschkenasische Gemeinde beschloss zur Förderung der hebräischen Sprache eine „Talmud Tora" zu begründen. 70« das provisorische Comitä wurden die Herren H. Jakobsohn. M. Weiß, I. I v i o, I. G o l d st e i n gewählt. Berlin. Am 26. Juni d. I. fand Hierselbst eine Sitzung der zweiten Ortsgruppe der „Zionistischen Vereinigung inr Deutschland" statt behufs Wahl von zwei Delegierten zum Baseler Congress. Der Vertrauensmann, Herr Bambus, constatierl, dass die Versammlung auf dem Boden des Baseler Programms stehe und von den zahlreich erschienenen' Anwesenden der Schekel gezahlt sei. Er erstattete sodann den Bericht über die Thätigteu der Gruppe, aus dem hervorgeht, dass lebhafte Agitation durch Broschüren und Flugblätter getrieben wird, die Gruppe schnell anwächst und eine Reihe zweckdienlicher Anträge seitens der Gruppe dem Congresse unterbreitet werden sollen. Dieselben sind

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