Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 30 (29.7.1898)
- Article
- Telegraphie ohne Draht
- Date
- 1898-07-29
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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jMWm einer Station jux andern schwingen, werden ans der Empfangsstation von einem Drahtsystem aufgefangen, das in beträchtlicher Höhe über dem Erdboden aufgestellt werden muss. Je großer die Entfernung zwischen den beiden Stationen ist, um so höher muss das Drahtsystem der Empfangsstation aufgestellt sein. Automobile« im Jahre 185«. Bereits m der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, also vor 250 Jahren, sah man in Holland einen sich ohne Hilfe von Pferden fortbewegenden Wagen; er gehörte dem Prinzen von Oranien. Dieser Wagen besaß ein Gestell aus viereckigen Segeln und wurde wie ein Schiff dirigiert; der Kutscher, also in diesem Fall der Steuermann, saß vorn, um mit einem Leitrade dem Wagen die Richtung zu geben. Nach einer Angabe aus der damaligen Zeit konnte dieses Automobile mit 28 Personen belastet werden und in zwei Stunden die Strecke von Scheveningen bis Putten, 14 Meilen, durchfahren. Die nämlichen Angaben besagen auch, dass die Gesandten von Deutschland, Frarckreich, England und Dänemark mit diesem geflügelten Wagen gereist wären, der allgemein Bewunderung erregte Ta iudess der Wind auf den Fahrwegen ein zu unzuverlässiger Leiter mar, so wurde dies Automobile bald aufgegeben und später als Wagen für Pferde umgebaut. Ananas. Die Eultur und die Entwicklung dieser kostbaren Fruchtpflanze, von dem Stecklingsstadium bis zur völligen Reife der Frucht, veranschaulichte auf der vorjährigen Hamburger Gartenbau-Ausstellung ein Ananas-Treibhaus, welches eine getreue Nachbildung der auf den Azoreninseln im Gebrauche befindlichen Treibhäuser war; ermöglicht es doch das günstige Klima dieser Inseln, dass zu jeder Zeit eine Ernte gezeitigt werden kann. Die Ausfuhr von Ancmasfnichten von den Azoren, auf. welchen eine ausgedehnte Treibhauscultur vorhanden, beträgt jährlich über eine Million Früchte. Diese wandern auf den Londoner Markt und von dort auf alle größeren europäischen Märkte. Eine Ursache des vorzüglichen Gedeihens der Ananas dürfte wohl die besonders präparierte Erde sein, der man sich auf den Azoren bedient. Sie wird dadurch gewonnen, dass man das auf den Bergen wachsende Heidekraut mitsammt der an seinen Wurzeln haftenden Erde in Haufen setzt und zur Zersetzung gelangen lässt. Der dadurch entstehende torfmullähnliche Stoff hat eine außerordentliche Aufnahmefähigkeit für Walser- und Dungstoye, deren die Ananaspflanze in großen Mengen bedarf; auch fördern seine physikalischen Eigenschaften die Wurzelentwicklung in der günstigsten Weise. Die Anangsfrüchte lassen sich längere Zeit recht gut aufbewahren; man hüllt sie sorgfältig in Papier, welches an beiden Enden festgcbunden wird, und bewahrt sie an einem kühlen, luftigen Orte auf, wo sie sich im Sommer 3—4 Wochen, im Winter 6 Wochen gut erhalten. Die Eultur der Ananas könnte den palästinensichen Colouistcn einen nennenswerten Nebenertrag abwerfen, würden sie ja in den in den meisten Staaten bestehenden palästinensischen Handelsgesellschaften zahlreiche Absatzstellen besitzen. So betrug nach dem zweiten Quartalsberichte des „Handelsmuseum" im Jahre 1897 die Ausfuhr der Anguri (Melonen) aus Palästina l'.0^0 Frcs. und frischer Obstsorten 21.500 Frcs. in dem genannten Quartal. Dabei drückten den Export die politischen Verhältniffe in der Türken und zu Beginn des griechisch-türkischen Krieges stockte förmlich der Verkehr. Im Jahre 189.', betrug der Export über Jaffa Orangen 1,500 000 Frcs, Obst 225.0 0 Frcs. Weltchrouik. Dora B. Montefiore veröffentlicht im Mai-Juni- Heft des „Shafts" ein schönes Gedicht: V o i c e s (Stimmen). Die Dichterin hört im Verklingen des Tages die Stimmen der unterdrückten Arbeitermasien, der niedergebaltenen Frauenseelen und dann Dann hör' die Stimme ich Alt-Israels, Sie singt von Land und Heim. Die Nationen Rührt sie mit Macht. Ja, Zions nackten Fels Bekleidet sie mit sehnenden Visionen. Stimme von Israel, sag': Grüßt du den kommenden Tag? Sie rust und lockt: Mach' dich vom Goluth los, Dn Volk, so treu im Glauben deiner Väter. Noch liebst du deiner Mutter heil'gen Schoß, Noch sehnt sich nach Jerusalem der Beter. Wieder die Harfe klingt, Hoffnung ist neubeschwingt! I» Saloniki sind 22 jüdische Familien aus Larissa angekommen, die sich hier Niederlagen wollen, um den Verfolgungen der griechischen Bevölkerung zu entgehen. Es sind tüchtige Arbeiter, die ihr Brot schon finden werden; einstweilen erhielten sie von der jüdischen Gemeinde eine kleine Geldunterstützung und von dem reichen Mohammedaner Mustapha Arif Effendi freie Wohnungen in seinen Häusern. Die Flüchtlinge erzählen, dass in Lariffa kürzlich wieder durch eine Bande von Bauern die jüdischen Läden geplündert wurden und dass die Polizei erst einschritt, als bereits großer Schaden angerichtet war. Die jüdischen Kaufleute halten daher ihre Läden geschloffen, und die Stadt ist viel lebloser, wie zur Zeit, als türkische Truppen dieselbe besetzt hielten. Die griechischen Behörden nehmen vielfach Partei gegen die Juden. (U. Wchsch.). Benjamin Disraelis Wappenschild. Lord Beaconsfield führte, als er den englischen Adel erhielt, ein Wappen, das er sich auf folgende Weise verschafft haben soll. Aus dem alten jüdischen Friedhof in Prag, so wird gemeldet, schmückt ein Wappenschild den Grabstein, unter welchem ein Jude ruht, der sich während des dreißigjährigen Krieges auszeichnete. Als die Stadt vom Schwedenkönig Gustav Adolph belagert wurde, warb dieser Jude eine Compagnie seiner Glaubensgenoffen an und zeichnete sich an deren Spitze derart durch persönliche Tapferkeit aus, dass der Kaiser ihn adelte. Bei seinem Tode wurde sein Wappen auf dem Grabstein eingegraben. Als Benjamin Disraeli Earl of Beaconsfield wurde, reiste ein Attache der britischen Gesandtschaft in Wien nach Prag, ließ das Wappen copiereu und sandte es nach England, wo der englische Ministerpräsident es aunahm. (Franks. Ztg.) , Germanische Turner. Zu dem in Hamburg abgehattencn ne..uten deutschen Tnrnscste haben auch die Ungarn über aus Hamburg ergangene Einladung einige Turngenoffen augcmeldct und sich gleichzeitig durch ihren Sccrerär an den Ostmark-Turngau mit dem Ersuchen gewendet, den ungarischen Turnern die Benützung des Sonderzuges von Wien aus zu gestatten. Der Turnrath des Ostmark-Gaues hat nun dieses Ersuchen mit der verletzenden Motivierung abgelehnt, dass der Ostmark-Turngau einerseits selbst genug Theilnehmer stelle und zum Sonderzuge nur Deutsche und Personen arischer Abstammung, also nicht Juden zulaffe. In Berlin ergiengen sich die auf der Fahrt nach Hamburg begriffenen deutschvolklichen Turner aus Oesterreich auf ihrem Marsche durch das Centrum der Stadt in beleidigenden Bemerkungen gegen jüdische Kaufleute, die vor den Thüren ihrer Läden den Zug ansahen. Die Freuden eines jüdischen Kohlenhändlers. Der Kohlenhändler Leopold Guttmann in Wien hatte sich jüngst vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Leopoldstadt wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu verantworten, weil er seinen Zughund auf einen jungen Burschen gehetzt hatte. Der Angeklagte erzählte: Herr Richter, was ich infolge der antisemitischen Bewegung ausstehen muss, kann ich hier nicht schildern. Jeden Tag muss ich bei meinem Geschäfte neue Fensterscheiben einschneiden laffen, denn die Bursche kommen haufenweise angerückt und unter antisemitischen Schimpfworten werfen sie meine Fenster ein. Wenn meine Frau mit dem Kinde bei der Thür sitzt, ist das Wort „Saujüdin" noch das harmloseste, das sie zu hören bekommt. Damals hat mir der Bursche „Saujud' elender", ins Geschäft gerufen und ich bin nachgerannt, um ihn zur Rede zu stellen. Der Hund ist mir dabei nachgelaufen und hat den Buben umgeworfen. Der Richter verurtheilte Guttmann zu 3 Gulden Geldstrafe mit der Begründung, dass darin eine strafbare Handlung liege, indem Guttmann den Hund nicht zurückrief. Als mildernd waren die Aufregung infolge der Provocation durch den Burschen angenommen. Strafpredigt am Grabe. Jüngst starb in Bistritz der Beamte der Kis-Demeterer Dampffäge Adolf Kermmy. Bei der