Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-07-29 · 30 (29.7.1898) · p. 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
30 (29.7.1898)
Article
Deutsche Politik in Palästina
Date
1898-07-29
Page
7 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315773-3361510--07186-3361621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 30. JPIt^WdC Seite 7 gebracht. Eine Folge der Unterwürfigkeit Frankreichs unter Russland ist bekanntlich die, dass die Franzosen den Uebergriffen der Russisch-Orthodoxen in Jerusalem nicht mehr entgegentreten, sondern die Dinge nach dem Wunsche der Rufien gehen lassen. Auf diese Weise ist das französische Protectorat über die „heiligen Orte" ganz von selbst beseitigt; eine andere Macht braucht deshalb keinen Schritt zu thun. Unzutreffend ist es, wenn gesagt wird, Frankreich stütze sein Schutzrecht weder auf ein Gesetz, noch auf einen Staatsvertrag, sondern lediglich auf die Tradition. Die Franzosen führen ihre Ansprüche bis zum Jahre 1535 zurück, in welchem König Franz I. namens der Mächte mit dem türkischen Sultan Soliman einen Vertrag abschloss, der den Christen das Recht zum Reisen im ottomanischen Reiche und gewiffe andere Rechte, z. B. die Ausübung ihres Cultus, zugestand. Auch in den späteren Verhandlungen mit den Sultanen waren die französischen Könige die Wortführer der christlichen Mächte; so bildete sich das französische Protectorat aus, allerdings in der Form einer Traditton. Eine andere Gestalt erhielt es durch den Berliner Congress von 1878; im Artikel 62 des damaligen Berttages heißt es: „Die von Frankreich über die „h-iligen Orte" erworbenen Rechte werden ausdrücklich aufrechterhalten und an dem stntus quo der „heiligen Orte" soll keine Aenderung eintteten." Kein Geringerer als Fürst Bismarck selbst hatte diesen Antrag auf dem Congreffe unterstützt, weil man deutscherseits Frankreich zeigen wollte, dass man seinen Rechten nirgends zu nahe tteten wollte. Seitdem sind allerdings in den politischen Verhältnissen der Mächte große Aenderungen erfolgt; das französische Protectoratsrecht ist innerlich zerfallen und niemand kann es neu beleben. „Schlesische Zeitung", Breslau. Deutsches Capital in d e r T ü r k e i. Uebcr diesen interessanten Punkt berichtet der Constantinopeler Correspondcnt der „Now. Wremja" einen längeren Artikel, dem wir folgendes entirehmen: Im Leben des heutigen Orient erscheint als eine der bedeutendsten Verändcrnngcn der Einfluss Deutschlands auf allen Gebieten des ottomanischen Reiches. Dieser Einfluss beschränkt sich nicht allein auf die Reorganisation der Armee: Deutsche sind in der inneren Berumltung thätig, sie beherrschen zum großen Theile das Uuterrichtswesen, den Handel und die Eisenbahnen. Alles das ist vor unseren Augen in den letzten zwanzig Jahren vor sich gegangen. Ende der Siebziger-Jahre kaufte ein deutsches Consortium unter Führung der Deutschen Bank und Bleichröders von einer belgisch-französischen Gesellschaft die kleine Eisenbahnlinie Haidar—Jsmid, 1887 war die Bahn Haidar-Pascha — Angora fertig. Kurz daraus erfolgte der Besuch Kaiser Wilhelms beim Sultan, welcher die Lage der Deutschen in der Türkei noch besserte und neuen Zufluss deutschen Geldes veranlasste. 1894-—1895 begann die Arbeit am Bau der Bahn Eskischehir—Konija, zur selben Zeit waren alle Actien der auatvli schen Eisenbahn in den Händen der Deutschen Bank. Tie Bewegungen der thcssalischen Armee im letzten Kriege fanden ans den Linien Angora—Jsmid und Konija-Jsmid statt. Wau' Bestellungen von Kanonen, Gewehren und Patronen erfolgten nach Deutschland. Zu diesen Erfolgen hat mit am meisten beigetragen die glückliche Wahl der Linie von Constantinopel nach Angora und Konija. Für den Handel bedeutet diese Bahn die Hauptarterie, die nach Constantinopel die heimischen Prodnete führt.' Außerdem haben die Deutschen durch ihre Handelsagenten beinahe ganz Anatolien für sich gewonnen. Um auch die einheimische Handelswelt für sich zu gewinnen, haben die Deutschen folgendes cingefnhrt: An acht Eisenbahnstationen sind Musteranlagen für feines Obst u. a. gemacht. Junge Stämmchen, Samen :c. werden auf Credit den Landlcuten verabfolgt. Getreide, Ackcrgcräthe. Maschinen werden auch auf diese Weise verkauft. Seit 1887 haben die Deutschen die Conceffion für die Linie nach Cäsarea. Die Coucurrenz englischer und' französischbelgischer Gesellschaften hat aber den Bau bis jetzt verhindert. Die Reise Kaiser Wilhelms im Herbst wird wohl aber diese Schwierigkeiten beseitigen. Dann bleibt nur noch die lebte Etappe nach Bagdad übrig, die Entfernung beträgt 2900 Kilometer. Dann wird der Zweck erreicht sein. Letztere Linie wird eine große Aenderung im Welthandel herbeiführen,' denn sie eröffnet einen kurzen, geraden,^ trockenen Weg von Europa nach Indien. Aus all diesem kann man die Lage der Deutschen in der Türkei ersehen. Dabei ist das nur als Anfangsstadium anzusehen. Uebervölkerung und Capitalsüberfluss heißt die Deutschen ins Ausland gehen, nach China oder nach Japan. Uns Ruffen ist das wenig erfreulich. Wir wissen, wie theucr die deutsche Culturträgerschaft ist. Die Schuld der Türkei wächst in jedem Jahr. In unserem Interesse wäre eine ruhige Entwicklung der Türkei. Die Deutschen aber beuten das Land aus. „Die Welt am Montag". Berlin. Tribüne. Verehrter Herr Redacteur! Bei allen Parteien ift es eingeführt, dass sie an einem bestimmten Tage für ihre Ideen und Forderungen demonstrieren. So die Socialdemokraten am I. Mai, die Friedensfreunde am 21-. April. Noch mehr als für alle anderen Parteien würde sich dcis fiir die zionistische empfehlen. An einem Tage sollten sich die Zionisten überall, wo sich solche befinden mögen und in welcher Anzahl immer, versammeln und erklären, dass fle die Lösung der Judenftage einzig und allein in der zionistischen Idee erblicken. Als besonders geeignet hiezu würde sich der >'> Ab empfehlen. Dieser Tag war bekanntlich feit altersher unserem Volke ein nationaler Festtag. Zwei Wochen vor dem Congress würde es eine moralische Unterstützung von sehr großer Bedeutung für denselben ausmachen. Sechs Tage nach" dem Trauertage „tischn beaw" würde es ausdrücken, dass wir um den Verlust unserer Selbständigkeit und Freiheit nicht blos trauern, sondern auch gewillt sind, dieselben wieder zu gewinnen. Rach den Demonstrationsversammlungen können Feste im Freien veranstaltet werden, wie dies in alten Zeiten zu geschehen pflegte. Ich glaube, dass dieser Vorschlag es verdient, in Erwägung gezogen zu werden. Hochachtungsvoll Lemberg, 15. Mai 1898. E. M. Lsind Für die geplünderten galizischen Juden Herrn Dr. Alexander Mintz bis 26. Juli zugekommen: Von I. W. N e g er, Sophia, Ergebnis einer Sammlung «Ingenieur Deutsch I" Frcs., Dr. Feuerstein 1» Frcs. 10, V. Hamburg 10 Frcs. 4<>, I. Wu'-in i F äwinger 3 Frcs., I. Ad. Rege ~ -- . Dr. Frcs..' I. W. 3 Frcs., L. Klein I Frcs., "M irocsnik 1 Frcs., Dr. Biller 2 Frcs.. I. Abramovics 10 Frcs., Ad. Eisenschreiber 5 Frcs., R. Eisenberg 1 Frcs., M. Schutzmann 2 Frcs., N. Jaches 3 Frcs., I. Jvio 2 Frcs.» <>i Frcs. 6') 29 fl. 4-0 kr. «Gesammtsumme bereits ausgewiesen.) Henrik F r e n k e l. Lodz, Ergebnis einer Sammlung*! 31 R. 75 Kp. — 4-0 fl. ö. W. Meier L ö w y, Jaremcze, 50 kr.N Al. D a n i e l, Marienbad, Sammlung einer Spielgesellschaft 100 fl. ö. W.; M. Feldstein, Warschau, Ergebnis einer Sammlung 133 R. — n;9 fl. 10 kr ö. W. *); N. Lackenbacher, Wien, 5 fl.; Ignaz Wohl, Triest, I fl.; David Kopelowicz, Lodz, Ergebnis einer Sammlung 00 R. — 125 fl. 4-8 kr. *): Gregor 8outu;, Spende aus der jüdischen Arbeiterstadl Pinsk in Russland unter dem Motto „1,'union tnit ln Force" (Moses A. 2 out te 32 fl., Dr. Alex. M. L o u r i e 25 fl., Josef Halpern 25 fl., Moses I. E l i a s b e r g 12 fl. 05 kr., Gregor Souri« 9 fl., - Jdel Lourie 7 fl. 00 kr., M. M. Soloweitzyk 5 fl., L.Berger 1 fl.) 117 fl. 25 kr; Verein „B n e i Z i o n“, C-zorckow, 5 fl.; Theodor Deutsch, Mährisch-Ostrau, Sammlung Ostrauer zionistischer Studenten, 115 fl. 80 kr.; Cultusv orstand N e u b i d s ch e w, Galizien, 30 fl; Max Moll st einer, Berlin, 5 fl 88 kr.; Rudolf Glücklich, Olmütz, Sammlung der Mitschüler, 11 fl. 50 kr.; Dr. B. Zauderer, Travnik, Bosnien 10 fl.; Mois L o e b l, Sammlung der Gemeinde Eiwanowitz *. Anmerkung der Redaction: Der Namensausweis Spender folgt in der nächsten Nummer der „Welt".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.