Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 30 (29.7.1898)
- Article
- [Ohne Titel] / E. R.
- Date
- 1898-07-29
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 4 s*ty*r Skt. 30 dieser „mancher" wird schließlich zum Schluffe gelangen, dass solche Menschen entschieden stark zurückgeblieben sind. Und die Cultur hat doch wirklich seit der Zerstörung Jerusalems so ungeheuere Fortschritte aufzuweisen. Um nur ein naheliegendes Beispiel herauszugreifen: Mit welchen umständlichen Scherereien war damals die Zerstörung einer Stadt verbunden! Diese rührend primitiven Hilfsmittel! Wenn jemand einem modernen Feldherrn zumuthen wollte, er solle eine Festung mit Belagerungsthürmen, Sturmböcken, Wurfmaschinen, und Sturmleitern nehmen, so würde der empfindliche Feldherr in der ersten Aufwallung um den Irrenarzt telephonieren. Ah, solch foffilen Mummenschanz hat die heutige Cultur nicht mehr nöthig. Heute fährt man einfach auf einen in der Nähe der Festung gelegenen Hügel, von >em aus man an unbewölkten Tagen eine schöne Aussicht genießt, und wenn es wirklich zufällig ein. unbewölkter Tag ist, so richtet man die mitgebrachten Kanonen möglichst genau auf die Gebäude der Stadt, wobei man den größeren Häusern vor den kleineren den Vorzug gibt. Dann schießt man mit Vermeidung jedes überflüffigen Rauches. Und in der kürzesten Zeit ist die Stadt dem Erdboden gleich. Und wer hat diese flinken Dienste geleistet? Niemand anderer, als die moderne Cultur. Oder was für unsägliche Schwierigkeiten hatte ein römischer Soldat zu überwinden, ehe er in eine belagerte Stadt die Brandfackel schleudern konnte! Nur die Mühe, mit der das Beschaffen von Feuer verbunden war! Heute kaust sich der galizische Bauer, der auf den Errungenschaften der modernen Cultur fußt, einfach ein Schächtelchen „Schwedische", und mit einem einzigen, winzigen Hölzchen steckt er im Handumdrehen eine jüdische Riesenfabrik in Brand. Der neunte Ab bedeutet für die Juden den Zwangseintritt in eine Gesellschaft, in der ein semitisches Rassenmerkmal als ein gröblicher Etiquettefehler betrachtet wird. Und diese Gesellschaft ist zudem eine von jenen Gesellschaften, in der man durch einen Etiquettefehler einfach unmöglich wird. Sie verzecht uns alles, nur nicht den Verstoß, dass unsere Ahnen damals am 9. Ab zu den Vertheidigern Jerusalems gehört haben. Die Herren lächeln überlegen, die Damen rümpfen die Nase. Es muss nun anerkannt werden, dass die Juden nicht von allem Anfang das beneidenswerte Naturell besaßen, das Missfallen der Gesellschaft mit stoischem Gleichmuth oder gar mit innerem Wohlbehagen zu ertragen, sondern dass sie sich weidlich mühten, die rauhen Sitten des Ostens abzulegen. Und als sie alle Umgangsformen, ja selbst die steifften Förmlichkeiten, die hierzulande gang und gäbe sind, angenommen «hatten, da mussten sie merken, dass der Hauptverstoß gegen den üblichen „guten Ton" den Juden angeboren ist. Die Herren lächelten wieder, die Damen rümpften noch immer die Nase. Da kam den Juden ein grimmiger Zorn gegen den thörichten Firlefanz, und sie schleuderten die Maskerade in den Winkel. Und sie lachen über die Herren und Damen. Aber immer, wenn der neunte Ab ins Land zieht, dann sehnen sich die Juden hinaus aus dieser Gesellschaft des blöden Hasses und der durchsichtigen Lüge und sie rufen nach einem Eiland, wo ein ehrlicher gesunder Anstandscodex herrscht, und wo man nicht mehr geächtet wird, weil die Ahnen bei der Zerstörung Jerusalems geblutet haben. E. R. 'Ä* pt Mische ColosmUmLk. (Mittheilungen des Bankcomites.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Herrn D. Wolffsohn, Köln a. Rh., zu richten. Wir werden nunmehr die Angaben der einzelnen Orte, aus welchen Subscriptionsanmeldungen entlaufen, sistreren. Viele unserer Correspondenten senden zugleich mit den Anmeldungen ausführliche Stimmungsberichte, die für uns von Wert sind, aber nicht zur Veröffentlichung geeignet erscheinen. Die Einsendung der Listen hat bis spätestens 5. August zu erfolgen. Der Zeitpunkt der Bauquier-Conferenz ist festgesetzt. Am 12. und 13. August werden sich die Finanzleute, die an der Gründung der jüdischen Colonialbank theilzunehmen berufen sind, in Köln versammeln. Der Entwurf des Bankprospectes wird von den Rechtsanwälten Dr. Bodenheimer in Köln und Dr. Schauer in Mainz ausgearbeitet. * * Der Conferenz wird auch ein hervorragender holländischer Banquier beiwohnen. Das Bankcomite wird dem Baseler Congreffe in einem umfaffenden Berichte von seiner gethanen Arbeit Rechenschaft ablegen. An diesen Bericht soll sich die förmliche Gründung der Bank anschließen. Herr Dr. Leopold Kahn berichtet: Im Laufe dieser Woche sind weitere Subscriptionen von sammelnden Gesinnungsgenoffen eingelangt und zwar: aus Fiume (Herr Emil Schwarzkopf), aus Sadagora (Zionsverein), Horodenka (Samuel Jnngermann), Neusiedl (Dr. O e st e r r e i ch e r), Brünn (Dr. Schreier, Herr Faßt und Herr Max H ü ck l), Diakovar (Leopold E p st e i n), Constantinopel (Jaques Baumgarten) und mehreren anderen Orten, über welche jedoch noch nicht berichtet werden kann, weil die einen mit den Anzahlungsbeträgen an die Tepotstelle, die anderen mit der Einsendung der Originalscheine noch im Rückstände sind. Herr Dr. Kahn ersucht daher theils zur Vereinfachung des Dienstes, theils zur Ersparung von Porti, die sämmtlichen Gesinnungsgenossen, gleichzeitig mit den Beträgen auch die gefertigten Scheine an die Bankfirma I. & A. Brecher, IX., Lichten st ein st ratze Nr. 2 möglich st r'a s ch einzusenden, und werden die betreffenden Herren sodann die Bestätigungen durch den Bankreferenten zugesendet erhalten. Auch wird dadurch die Schwierigkeit umgangen, dass sich die Depotstelle bei Geldsendungen, mit welchen ein Verzeichnis nicht mitgeschickt wurde, erst mit dem Referenten ins Einvernehmen setzen musste, um die einzelnen Bestätigungen ans die Namen der Zeichner ausstellen zu können. Wegen weiterer Subscrip tioss ch ein e, Bekanntmachungen und Instructionen, wollen sich die Gesinnungsgenoffen nach wie vor a n H e r r n Dr. Leopold Kahn, HofundGerichtsadvocaten in Wien, U., Obere Donaustraße 47 wenden. Das gilt insbesondere von den vielen Zionsvereinen, die sich bisher noch nicht an der Bankangelegenheit betheiligten, was geradezu Staunen erregen muss, nachdem es sich ja um eine Institution handelt, welche zur Realisierung jenes Zweckes zu dienen hat, den doch alle Zionsvereine als ihr Endziel und den Grund ihres Bestandes ansehen. M Die argentinischen Greuel. Von Dr. S. Werner. Die Herren Dr. Sonnenfeld und Dr. Schwarzfeld senden uns folgende Richtigstellung: Paris, 20. Juli 1898. Geehrte Redaction der „Welt", Wien. Unter dem Titel „Die argentinischen Greuel" veröffentlichten Sie in den Nummern 26, 27 und 28 Ihres geschätzten