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Die Welt · 1898-07-22 · 29 (22.7.1898) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
29 (22.7.1898)
Article
London
Date
1898-07-22
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 J*Owar Nr. 29 halbe Versammlung war auf seiner Seite. Im East-End aber gährt es schon seit vielen Jahren, und diesmal ist es ganz besonders ärgerlich. Die angeregte Frage erfordert eine neuerliche Discussion auf klarer Grundlage. E r st e n s ist es in dieser Zeit der Meiuungsverworrenheiten für die Allgemeinheit nothwendig, über das Wesen des Judenthums zu conferieren und sich schlüssig zu werden; ferner über die Erziehung, welche das Kind zu einem guten Juden machen kann. Dann erst kommt die pädagogische Frage: wie das Kind zu unterrichten sei, an die Reihe. Mittlerweile herrscht da nichts als Confusiou. Der East-End verlangt etwas und erlangt es durch Opfer. Das West-End billigt das Opfer und verdammt seinen Zweck. Und das ist das Geschäftstalent einer Gesellschaft von Geschäftsleuten! Bombay, 26. Mai. Schon im vergangenen Jahre war die „Bene Israel"-Gemeinde aufgefordert worden, Delegierte zum Congress zu entsenden. Es kam aber leider nicht dazu. Heuer aber soll auf Anregung einiger Freunde ein Congress abgehalten werden, der über zionistische Fragen beratheu wird. Höchstwahrscheinlich wird Professor Haffkine, der während seines Aufenthaltes in England ein sehr thätiger Zionist war, den Vorsitz beim Congress übernehmen. („Jewish World"). llrmnsnndirittitfn. Wien. Bereits zum drittenmale veranstaltete die akademische Verbindung „Libanon ia" am 2". v M. in Rudolfsheim einen Bereinsabend, der gleich den früheren sehr zahlreich besucht war und von dem lebhaften Interesse zeugte, das die dortigen jüdischen Bürger der Sache des Zionismus entgegenbringen. Außer den Vertretern des Cultusvorstandes waren die Vorstände des Bethausvereines, des Vereines „Maskil el dol" und der „Chewra Kadisohali" erschienen. Vom Rabbiner Herrn Dr. I. W o l s war ein Entschuldigungsschreiben mit einer warmen Begrüßung der Verbindung eingelaufen. Gespannt folgte die zahlreiche Zuhörerschaft den Ausführungen der Festredner Frey und Beer, und der lebhafte Beifall, der ihre Ausführungen lohnte, gab Zeugnis davon, dass das Publicum den Zionismus und seine Tendenzen wohl verstanden und gebilligt habe. Zu der nun folgenden lebhaften Discussion ergriffen das Wort Herr Dr. Bar ach und Herr Dr. Fried mann, von denen der letztere ganz besonders scharf als Gegner' des Zionismus auftrat. Durch diese Rede veranlasst, drückten die Herren N e u f e l d , Vorstand des Unterstützungsvereines, und Stern, Vorstand der ..Lhenra Kadischah", mit geradezu begeisterten Worten den Zionisten ihre Anerkennung und Bewunderung aus und wiesen mit Nachdruck daraus hin, welch hohe Bedeutung der Zionismus für das Judenthum habe. Die Ausführungen des Herrn Dr. Barach und Herrn Dr. Friedmann wurden in treffender Weise vom Referenten widerlegt, und unter lebhaftem Beisalle der Versammelten erklärten nun die beiden Herren, dem Zionismus ihre Förderung angedeihcn zu lassen. Zum Schluffe fand folgende Resolution Annahme: „Die anlässlich eines Vereinsabendes der akademischen Verbindung „Libanonia" in Herlingcrs Restauration versammelten Männer und Frauen erblicken im Zionismus die einzige Abhilfe gegen die Erniedrigung des jüdischen Volkes, die einzige Rettung vor schmählichem und qualvollem Untergange. Sie senden den zu Basel versammelten Vertretern des jüdischen Volkes ihre innigsten und herzlichsten Glückwünsche. Möge ihre selbstlose Arbeit für Judas Ehre und Wohlergehen von bestem Erfolge gekrönt sein, möge sie dem geknechteten jüdischen Volke die heißersehnte Befreiung bringen." Loschitz. Der Ferialverband jüdischer Akademiker „Severitas" veranstaltet am Juli in Mähr.-Schönberg einen Discussionsabend über „Die Lage der Juden" und „2! ationalismus und Zionismus". & ZeitslhriftklllmWlru. Rabbiner Dr. Adolf Kurrein in Teplitz, dessen Jüdische Chronik wir zu wiederholtenmalen zu erwähnen Gelegenheit hatten, bringt im Julihefte dieser Monatsschrift seinen Lesern einige inlcressante Artikel, wie „Die populärwissenschaftliche Darstellung der Ethik des Judenthums" von Dr. I. I. U n a e r, „Johann Gotfried Seume" von Dr. Adolf B i a ch, die Besprechung des Programmes des zweiten Eongreffes und der Colonialbank und einen Bericht über den Aufzug der Zionisten von Cincinnatti am D e w e y t a g. Die bedeutendste Publication dieses Heftes aber stammt aus der Feder Dr. Kurreins selber. Es ist eine Besprechung der Organisationsversuche im Judenthum. Hiebei kommt Dr. Kurrein auf den Zionismus zu sprechen, von dem er beiläufig folgendes sagt: Der einzige.Verein, welcher in der Gegenwart eine Bedeutung und Berechtigung hat, ein Volksbund genannt werden kann und nicht für einige Vorsteherplätze großer Herren ins Leben gerufen wurde und eben darum eine Zukunft für sich hat, ja dem die Zukunft des jüdischen Volkes gehört, weil er das ganze jüdische Volk oder das jüdische Volk ihn absorbieren muss, das ist der Z i o n i st e n - V e r e i n. Der Zionismus ist die Zukunft des Judenthums, denn ihm gehört die Stimme, das Fühlen und Empfinden des Volkes, weil er klar und deutlich heraussagt, was er ist und was er will. Es ist der erste Verein in der Neuzeit, der den Muth hat zu sagen: Wir bilden einen Verein der Juden für die Juden. Nicht unter der nichtssagenden, verwässerten Flagge der Humanität soll ferner das dem Scheitern nahe Schifflein des Judenthums, vorsichtig, nach allen Seiten auslugend, alle möglichen Klippen zu umschiffen bemüht, seine Fahrt auf dem Geschichts- und Weltmeere versuchen; mit gehißter blau-weißer jüdischer Flagge versucht der Zionismus seinen Gang nach dem Ziele, welches Geschichte, Nationalität und Gerechtigkeit dem jüdischen Volke zuweist. Die seit dem Ende des alten Ghetto nicht mehr gehörte, ja unerhörte Sprache, das seit dem Hinausstürmen der Juden in die Freiheit nicht mehr möglich gehaltene, nicht mehr gesprochene Wort: Wir wollen Juden, nur Juden, nichts als Juden sein, rief bei den Spitzen und Häuptern, ja bei den Cultusvorstehern, bei Würdenträgern der jüdischen Religion, bei solchen, die den Juden ihr ganzes Amt, ihre Würde und ihr Ansehen verdanken, und selbst bei Rabbinern, die schon läng st mit Zion imSiddur und noch früher mit Zion im Geiste gebrochen hatten, ein langanhaltendes Kopsschütteln hervor, und die sämmtlichen Namen- und Auch-Juden, die von der Judennoth bisher nicht stark gedrückt waren, stießen alsbald den theologischen und nicht theologischen Schrei aus: Haben denn die Juden irgend welche Berechtigung, Juden, nationale Juden zu sein, als Juden sich zu fühlen, sich Juden zu nennen? Haben wir nicht genug daran, dass unfere Feinde uns so nennen oder schimpfen, und sind wir nicht froh, wenn sie daran vergessen, was wollen wir sie noch daran erinnern und uns selber so nennen? Sind die Juden nicht längst in den Deutschen, Czechen, Magyaren, Polen, Franzosen, Engländern u. s. w. aufgegangen und freuen sich nicht alle, ihrem Vaterlands und seinen Nationalitäten anzugehören, und da sollen sie mit eincmmale ausscheiden und die interessanten und uninteressanten Natiönchen um eines bereichern? Abgesehen davon, dass es sich um ein freiwilliges Ausscheiden gar nicht handelt, dass das Ausgeschiedenwerden vollzogene Thatsache ist, gibt die Antwort auf Berechtigung des Zionismus nicht die Meinung unserer Großen und Reichen, nicht die unserer Schein-Führer und auch nicht der Protest gewisser Rabbiner; die Antwort aus die Frage, ob der Zionismus berechtigt sei oder nicht, hat das Volk sich selber gegeben. Kein Verein, kein Bund, keine Gemeinschaft, die bisher und zum ei st künstlich ins Leben gerufen wurde, hat so schnell, so mächtig, so begeistert, so t hatkräftig die Menge, das Volk für sich g ewonneu, als die zionistische Bewegung. Herzl und Nordau Habens nicht gethan. Das lag im Herzen, in der Seele des jüdischen Volkes, schwebte in seiner Atmosphäre, und Herz! und Nordau haben nur das erlösende Wort gefunden und ausgesprochen. Der Zionismus erscheint nunmehr den Juden als die Eorrcctur des großen Fehlers der Juden seit ihrer Emancipation, durch welche viele vom Judesein sich emancipiert hielten. Glaubt jemand noch immer nicht, dass der Zionismus eine Berechtigung habe, so blicke man ganz objeetiv, ohne Vorurtheil, ohne Zorn und ohne Liebe, auf die Wunder, die der Zionismus seit zwei Jahren seit Herzls Judenstaat verrichtet hat. Männer und Frauen, welche längst dem Judenthume entfremdet waren, nennen sich mit Stolz Juden und Zionisten. Und welche Umwandlung hat der Zionismus in die Jugend gebracht! Man lese doch so viele Predigten der Rabbiner, so viele Leitartikel jüdischer Zeitungen, in welchen bittere Klage geführt wurde, dass unsere ganze gebildete Zukunft, die ganze studierende Jugend dem Judenthume nicht angehöre, fremd und kalt ihm gegenüberstehe, und wie begeistert, wie entschlossen steht heute allenthalben nicht allein an den Hochschulen, schon an den Gymnasien eine zionistische Jugend da, eine Jugend, die stolz ist, Juden zu sein! .... Das muss der Neid selbst dem Zionismus lassen, zu organisieren versteht er, wie bis jetzt kein jüdischer Verein und kein Verband. Welch wunderbare Rede hielt der unvergessliche und

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