Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Article
- Breslau [Nachricht]
- Date
- 1898-07-22
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Wr 29 gung, Pros. Schapira und Rabbi Mohilewer, und wies auf die brutalen Verfolgungen unserer galizischen Stammesbrüder hin, deren Schicksal neben der Judennoth aller anderen Länder auf die Losung der Judenfrage im Sinne der zionistischen Weltanschauung hindränge. Der Redner des Abends, Dr. med. Earl Jeremias, suchte in circa einstündiger Rede die nationale, religiöse und sociale Grundlage des Zionismus klarzulegen und definierte als Ziel und Zweck der Bewegung die Beseitigung der physischen, geistigen und moralischen Judennoth. In der lebhaften Discussion erweckte besonderes Interesse das Eingreifen des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Rosenthal, der die edlen Motive der jungen Bewegung und ihre günstige Rückwirkung auf die Indolenz der gebildeten Juden hervorhob; er bezeichnete gegenüber unserem deutschen Baterlande Palästina als unser Mutterland; die Durchführbarkeit der letzten Ziele jedoch erklärte er für illusorisch und mahnte die Leiter zur Mäßigung. Er schloß, von lautem Beifall unterbrochen, mit den Worten: „In dem Zionis mus ist ein großerund edlerKernvorhanden; ich schätze dieMänner, die sich diesen großen, idealen Bestrebungen zuwenden; aber ich persönlich kann mich dem Zionismus nicht anschließen, in der Form, wie er von den gegenwärtigen Führern vertreten wird. Aber ich wünsche ihm Heil und Glück und hoffe auch, dass er Erfolg finde; denn es ist das Gute, was er anstrebt, und das Gute wird den Sieg finden. " — Herr Weinbaum bekannte sich als radicaler Antizionist, bekämpfte die „Utopie" eines jüdischen Staates, und fragte, was der Zionismus denn eigentlich schon geleistet hatte. Die gebürende Erwiderung wurde ihm zutheil von den Herren Doctor Jeremias, Dr. Kalmus und Dr. Finkel. Die geistreiche und schwungvolle Rede des letzteren erregte besondere Beifallsstürme. — Eine vom zionistischen Comite vorgelegte Begrüßungsadresse an den zweiten Baseler Congress wurde von 7>> Anwesenden unterzeichnet, es erfolgten eine Anzahl Beitrittserklärungen zur zionistischen Vereinigung für Deutschland. Zürich. Die hiesige zionistische Ortsgruppe versammelte sich am 2. Juli. Die Versammlung wurde vom Ortspräsidenten Herrn Dr. Farbstein eröffnet, der mit warmen Worten der Verdienste der kürzlich verstorbenen Zionisten Schapira, Mohilewer und Dasilcwsky gedachte. Daraus folgte ein Referat des Vorsitzenden über die bisherige Entwicklung des Zionismus und den zweiten Zionistencongress. Als Delegierter zum Congress ist Dr. Farbstein, in den Vorstand der Ortsgruppe sind die Herren Dr. Farbstein, F. Weil, I. Horn, I. Kohn und stud. jur. A. Mamelok gewählt worden. Unsere Ortsgruppe gewinnt täglich neue Anhänger und gedenkt nach dem Congress ihre Thätigkeit im Dienste unserer erhabenen Idee in großem Mafistabe zu entfalten, so dass wir jetzt schon sagen können, es dauert nicht mehr lange, und dann haben wir alle Juden in der Schweiz für unsere Idee gewonnen. Constanza (Rumänien!. Dank den eifrigen Bemühungen der Herren Samuel H. Cohn und M. Bauer ist hier ein Zionsoerein gegründet worden, dessen Mitgliederzahl im Verhältnis zur kleinen jüdischen Gemeinde eine erfreuliche ist. Es wurden Schekel in der Höhe von circa 300 Francs gesammelt und mehr als 2ä<, Shars der jüdischen Colonialbank gezeichnet. Dieser Verein hat bewirkt, dass auch die hiesige Jugend unter Mitwirkung der Herren B e r k o w i t s ch, C h a s a n und Schwär zZeinen Verein gegründet hat, der ebenfalls eine rege Thätigkeit in -schekelsammlung und Subscriptionen für die Colonialbank entfaltet. Auf dem Boden des Baseler Programmes stehend propagiert dieser Verein die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache unter der Jugend und bemüht sich eine Quelle für die Mittel zur Bestreitung des Unterrichtes durch eine Erhöhung des Fleischpreises um lo Bani per .Kilo zu schaffen, was als freiwillige Steuer gerne entrichtet wird. „Hajoetz". Ka lisch. Dank der Wirksamkeit des Herrn Dr. Zucker constituierte sich hier eine zionistische Ortsgruppe, die 1ä0 Mitglieder zählt. Derselben gehören auch sehr viele conservative Juden au. Der Verein steht strenge auf der Basis des Baseler Programmes. Die Mitglieder haben alle den Schekel entrichtet und betheiligen sich auch eifrig an der Banksubscription. Besondere Verdienste um unsere Sache erwarben sich: H. S olnik, S. W e l t s m a n n, L. M. C o h n und A. S. R e i n. ~ M. Kr. Kowcl (Gouv. Wolhynien). Auch in unserem Städtchen, dessen große jüdische Bevölkerung das Los mit den Juden in dem ganzen Ansieolungsrayon theilt, hat die neue Phase der jüdischen Geschichte, die durch den Zionismus inauguriert wurde, zu den Erscheinungen geführt, wie sie überall constatierr wurden. Einmüthig finden sich das geistliche Oberhaupt der Gemeinde, der chassidische Rabbiner, der „aufgeklärte" Arzt und der arme Kleingewerbetreibende. Verstummt sind die gegenseitigen Anwürfe, und einträchtig geht man an die Arbeit. Und interessant und merkwürdig ist, dass die armen, gedrückten Massen selbst die Idee des Zionismus aufgegriffen. Die ersten Versammlungen fanden in den kleinen Bethäufern statt. In vier Versammlungen, die am 3., 4., 6. und 11. April d. I. in hiesigen Synagogen stattgefunden hatten und von Tausenden besucht waren, wurden die Hauptbestrebungen des Zionismus auseinandergesetzt und die Bedeutung des I. und 2. Baseler Congresses hervorgehoben. Es wurde in unserer kleinen Stadt eine zionistische Vereinigung gegründet, die bereits in den ersten Tagen 383 Mitglieder zählte. An Schekelgeldern wurden in kürzester Zeit 374 Rubel gesammelt. Und so wissen wir. dass auch wir in die zionistische Bewegung eingetreten sind, und dass wir durch die gleichen Bestrebungen mit den Zionisten der ganzen Welt ein unzertrennliches Ganzes bilden. Präsident unserer Vereinigung ist der hiesige praktische Arzt, Dr. F e i n st e i n. B. Judkewitsch. Manchester. Die zionistische Agitation rührt sich lebhaft. Hier sind drei Gesellschaften in Thätigkeit. I. „D orsch ei Zion"' S. Rubinstein, Präsident, M. P i w a r n i k, Schatzmeister, M. Sortmann, Secretär. Die „Dorschei Zion" besitzen eine gute hebräische Bibliothek und bemühen sich um die Stockung der nationalen Idee. II. Die Abtheilung „M a n ch e st e r" des Makkabäer-Ordens, ebenfalls zionistisch. III. Die „Manchester Zion Association“ auf dem Boden des Baseler Congresses. In der letzten Versammlung wurde Herr E. Massel znm Präsidenten für die nächsten zwölf Monate gewählt. Die Herren Sortmann und Robinson Vicepräsidenten, Mr. Jakobs, Schatzmeister; ferner in die Verwaltung S. C l o f f, S. R u b i n st e i n, L e w y und Danziger. Am 4. Juni wurde in der rumänischen Synagoge ein zionistisches Meeting abgehalten, am 12. Juni in der Brodyer Synagoge, wo Rev. Äahron Silvester, Mrs. Lewi, Massel, Meyers und Rubinson über den Zionismus im allgemeinen und die Colonialbank im besonderen sprachen. Beide Meetings hatten großen Erfolg. Rabbi D a g u tz k i und Rabbi Jaffa sprachen unlängst über den verewigten Rabbi Mohilewer. Rabbi Reines Cohen wird demnächst in seiner eigenen Synagoge einen Vortrag über Zionismus halten. Leeds. In einer zahlreich besuchten Versammlung, die von dem hiesigen „C h o w e w e Zion" veranstaltet wurde, hielt Mr. Gullarow aus London eine Rede, nach welcher folgende von Mr. Raskin eingebrachte Resolution einstimmig gefasst wurde: 1. Die Versammlung anerkennt den Zionismus als die einzig mögliche Lösung der Judenfrage. 2. Die Versammlung beschließt, mit allen rechtlichen Mitteln für die Verwirklichung der zionistischen Idee Propaganda zu machen. 3. Die Versammlung erklärt es für nothwendig, den nächsten Baseler Zionistencongress durch Delegierte zu beschicken und sich den dort zu fassenden Beschlüssen unterzuordnen. Nach diesem Meeting fand auch eine Plenarversammlung im Locale der Talmud-Thora statt, bei welcher neue Mitglieder ihren Eintritt in den Verein anmeldeten und zugleich Shares der jüdischen Colinialbank zeichneten. „Expr\ Johannesburg. Die hiesige „Transvaal Zionist, Association” hielt jüngst ihre constituierende Versammlung ab, bei der auch die Statute,: eingehend discutiert wurden Die angesehensten Bürger erschienen, darunter Mr. w. G o l d r e i ch, der auch den Vorsitz führte, die Revs. Jsaacs und W ass er z u g u. s. f. Die Zionsvereine von Roodepoort, Randfontein und Balmoral waren durch Specialdelcgierte vertreten. Nachdem die Versammlung vom Vorsitzenden eröffnet und begrüßt wurde, ergriff Mr. I o f f a von Roodepoort das Wort, um zu erklären, dass die übrigen Vereine Transvaals sich mit dem hiesigen Vereine zu einem Verband zusammenschließen wollen. Allein er wolle wissen, wie sich dieser Verein zum Baseler Programm stelle. Der Vorsitzende erklärte hierauf, dass sich der Verein selbstverständlich der zionistischen Organisation anschließe und den besten Beweis hiefür bilde der 8 4 der Statuten, wo für jedes Mitglied eine Schekelabgabc von einem Shilling vorgeschrieben ist. Im Uebrigen könne sich der Verein nicht binden lassen. Mr. Abrahams und mehrere andere Redner wiesen darauf hin, dass die eigentliche Aufgabe des Vereines die Agitation für den Zionismus bilde, und zwar parallel mit der zionistischen Bewegung in Europa. „Johannesburg kann nicht führen, es muss folgen, und was wir hier zu thun haben, ist die Agitation für die große Sache des nationalen Judenthums." Auch die Frage der Wiederbelebung der hebräischen Sprache wurde von mehreren Rednern gestreift und von der Versammlung mit Zustimmung ausgenommen. Dann wurde der Vereinsausschuss gewählt. Bemerkt sei noch, dass die Vereinsstatuten im § 10 folgende Bestimmung enthalten: „Für den Fall der Gründung einer Colonialbank ist der Ausschuss berechtigt, das Vereinsvermögen in Shares anzulegen." O esterreich-Ungarn. Wien. Die „Leipziger Illustrierte" hat die wahre Ursache der Judenkrawalle in Galizien herausgesunden.