Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Article
- Ein Appell an die "Jewish Colonisation Association"
- Date
- 1898-07-22
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315742-3315772-3361351--07101-3361445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 29 Seite 11 stallen. Diese Petition hatte überraschenderweise zur Folge, dass mit Unterstützung der „J. C A.“ nicht die armen Jerusalemer Handwerker, sondern — die „Ahawath Zion Society“ (London) sich in Zypern festsetzen konnte! Der Pariser Antisemitismus. Der Berliner „Confectionär" berichtet: „Aus Paris wird uns gemeldet, dass innerhalb der letzten 6 Wochen 90 kleinere und größere Detail-, Mode- und Putzwarenfirmen die Zahlungen eingestellt haben. Das schlechte Fremdengeschäft, die Abwesenheit der Amerikaner, sowie die gesammte geschäftliche Situation, schlechtes Wetter rc. sind die Ursachen dieser Schwierigkeiten. Man klagt in Paris im allgemeinen sehr über das Geschäft. Bekannte Engros-Firmen der Kleiderstoff- und Seidenwaren- Branche haben erklärt, dass sie seit Jahren nicht ein so schlechtes Frühjahrs- resp. Sommergeschäft gemacht haben, wie in diesem Jahre. Ferner wird uns noch eine andere Thatsache mitgetheill, die bezeichnend für die augenblicklich in Paris herrschenden Berhältniffe ist und die wohl auch zur ungünstigen Lage des Geschäftes beiträgt. Der ^Zon Marche“ und der „Printemps“ haben dem jetzt in Frankreich herrschenden allmächtigen Antisemitismus das Opfer bringen müssen, ihre israelittschen Angestellten zu entlassen. Der ,,Louveu hat sich zu einer gleichen Concession an den Antisemitismus nicht entschließen können, — er hat den Vortheil davon! Auch von Doucet wird erzählt, dass er keine Israeliten mehr beschäftigt. — Bor Jahren hätte man dergleichen Vorfälle in Paris für unmöglich gehalten, in demselben Paris, welches sich mit Stolz stets „la Lurniere-4, die Stadt der Erleuchtung, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nannte, das sich einst einbildete, an der Spitze der Civilisation zu stehen! 'Tempi passati! Personalnaihricht. Unsere Gesinnungsgenossen, die Herren Heinrich Siegfried Loebl und Samuel Wassermann, begehen am 22. Juli ihre Promotion zu Doctoren der Medicin. & Me simiMche Bewegung. Spende» für zionistische Zwecke sind an Herr»Dr. O. Ko k e s ch, Hofnnd Gerichts-Advocatcn in Wien» I., Singerftraßc 25, z» senden. Wien. Das Actionscomit« erhielt folgende Zuschrift: Verehrliches Ac t i o n s c o nt i t 6 Wien. Sehr geehrte Herren! Die am 29. Mai 1898 in Liberty Hall in New-Jork stattgehabte Convention des Verbandes der Zionistenvereine har über Antrag des Delegaten Dr. Michael Singer folgende Resolution einstimmig und ohne jegliche Debatte angenommen: In Anbetracht dessen, dass das Actionscomitä in Wien vom ersten Baseler Congress zur Verwirklichung unserer hohen Ziele eingesetzt worden ist und seiner schwierigen Aufgabe nur dann gerecht werden kann, wenn es die bedingungslose Unterstützung aller Gesinnungsgenoffen hat, spricht die Convention ihr Bedauern und ihre Missbilligung über die perfiden Angriffe aus, welche das Comitö in letzterer Zeit zu erdulden hatte und beschließt, dem Actionscomitö in Wien das volle Vertrauen der Convention auszusprechen. Indem wir diesem Beschlüsse der Convention mit aufrichtigem Vergnügen Ausdruck verleihen, zeichnen wir in vorzüglicher Ächtung und mit Zionsgruß Dr. P h. Klei n, Dr. Michael Singer, Präsident des Verbandes. General-Secretär. Davis F r i e r s ch, Viccpräpdent. Die Zionisten von Rhode Island sprechen ebenfalls in einer Zuschrift dem Actionscomits ihr Vertrauen aus und missbilligen aufs schärfste die Angriffe des Dr. Kaminka. Auch von anderen zionistischen Vereinen Amerikas sind dem Actionscomit« Vertrauenskundgebungen zugekommen. Brunn. Samstag den 2. d. M. hielt der Verein zionistischer Handelsangestellter „Emunah" seine Gründungsfeier im Altbrünner Bräuhause ab. Die Sympathien die dem Vereine entgegengebracht werden, wurden durch den zahlreichen Besuch der Feier auss Beste bekundet. Die Versammlung wurde durch den Obmann des Vereines Herrn Berth. T i n t n e r eröffnet. Hierauf ergriff Vereinsmitglied Herr H i ck l das Wort zur Festrede, in welcher er das Programm des'Vereines entwickelte und in klarer Weise darthat, wie nothwendig für den jüdischen Handelsangestellten eine eigene Organisation und der Anschluss an die zionistische Partei sei. Stürmischer Beifall lohnte dem Sprecher für seine trefflichen Ausführungen. Aus den Toast, den Vereinsmitglied Herr Rosenzweig ausbrachte, erwiderten Herr Professor Grünseld für den Einzelverband des Vereines Zion in Brünn, welcher in kurzer aber begeisterter Rede den neuen Verein in seiner Thätigkeit sortzusahren aneiferte, ferner Herr Arth. Stricker von der jüd. acad. Verbindung Berit äs, Herr Bogath von der jüd. acad. Verbindung K a d i m a h, Herr Frucht von der jüd. acad. Ferial-Verbindung A s t r a, Herr Munk von der jüd. acad. Verbindung Unit a s. Es wurde auch eine Collecte für die durch die Unruhen betroffenen galizischen Juden eingeleitet, welche ein günstiges Ergebnis auswies. - Gaya Am 9. d. M. veranstaltete die akad. Verbindung „Jvria" eine zionistische Versammlung. — Nach Eröffnung derselben durch den Vorsitzenden Herrn Dr. F. Rosenfeld, referierte Herr caml. iur. E. Krasny über die Stellung der Juden zu den einzelnen politischen Parteien, wies insbesondere darauf hin, dass die Juden von der socialdemokratischen Partei ebensowenig zu erwarten haben, wie von den anderen Parteirichtungen. Ein angeblicher Vertreter der Socialdemokrarie wurde unter großem Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft von Herrn Doctor L. Poborski glänzend widerlegt. — Den gleichen stürmischen Beifall ernteten noch die Herren ini*. D. Nacher und iur. A. Haus m ann. ~ " Es bedurfte nur einerk urzen Aufforderung von Seite des Vorsitzenden zur Gründung einer zionistischen Ortsgruppe, und alles drängte herbei, um durch Unterzeichnung der ausiiegenden Bogen die Beitrittserklärung abzugeben, und auch hier zeigte sich die schöne Erscheinung, dass unsere jüdischen Frauen und Mädchen die ersten sind, welche sich der neuen Bewegung anschließen. Stoch lange nach Schluss der Versammlung discuticrten die Alten in kleinen Gruppen. Herr Mar S i e b e n s ch e i n, dessen großen Bemühungen das Zustandekommen des Abends zu danken ist, wird schon in den nächsten Tagen eine constituierende Versammlung der neuen Ortsgruppe einberufen, in welcher die Wahl der Vorstehung und Annahme der Statuten erfolgen wird. Unter unseren Gegnern wurde derjenige, welcher gerade die discutierbarsten Einwendungen gegen den Zionismus vorbrachte, Herr L. Pollak. durch die Debatte soweit bekehrt, dass er nicht nur sofort der neuen Ortsgruppe beitral, sondern auch seine thätige Unterstützung zur Verbreitung des Zionismus versprach. " x. >1. Czcrnowitz. Die so würdig verlaufene Zionistenconferen; in Kolomea ist für den Zionismus in der Bukowina von großer Bedeutung gewesen, weil bei dieser Gelegenheit die Delegierten der zahlreichen Vereine der Bukowina zum erstenmale miteinander in innige Fühlung getreten sind. Dank der regen Agitation, die von der Centrale'dcs Landes von Czcrnowitz aus besorgt wurde, sind in relativ kurzer Zeit seit dem ersten Baseler Congresse die Zionsvereine wie die Pilze aus dem Boden geschossen Wir haben Vereine in Sadagora, Bojan, Ctorczyrctz, in Bcrhometh, Zastawna, Wama, Fundulmoldowi, Kimpolung, Gurahomora, Dorna-Watra, Ruff-Banilla, Fcumosa u. v. a. Die Delegierten dieser Vereine sind am 28. Juni in Kolomea unter dem Vorsitze des Mitgliedes des Actionscomitäs. Dr. Mayer Ebner, als des Vertrauensmannes für die Bukowina zu einer Conserenz zusammengetreten und haben den von ihm skizzierten Entwurf zu den Staturen eines Landesverbandes aller Vereine in der Bukowina einstimmig genehmigt. Die definitive Constituierung erfolgt im Monat October d I In das provisorische Comita wurden gewählt die Herren: EH- Melzer (Czcrnowitz), Obmann, AdvocatTr Zaloscer (Kimpolung), Viceobmann, Dr. Mayer Ebner (Secrelär). und als Beirälhe die Herren Dr. Philipp Menczel (Czcrnowitz) und Dr. Jacob Ko mm er (Storozynetzst Berlin. Die Berliner zionistische Vereinigung hielt am Mittwoch den 22. v. M. in den Räumen des „Münchener Hof" eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der Herr Dr. Joseph in warm empfundenen, zu Herzen gehenden Worten des verstorbenen Rabbiners Samuel Mohilewer gedachte und seine große Bedeutung für den Zionismus wie für das ganze jüdische Volk hervorhob. Nachher fand eine Discussion über verschiedene den Zionismus berührende Fragen statt, an der sich eine große Anzahl der 'Anwesenden lebhaft berheiligte. Breslau. Am Montag, 4. Juli, fand in Breslau die erste öffentliche Zionistenversammlung statt, die von nahezu 2-»:> Personen, darunter zahlreichen Damen, besucht war. Der Vorsitzende. Dr. iho'I. Kalm u s, begrüßte die Versammelten, feierte das Gdächrnis der jüngst verstorbenen Führer der zionistischen Bewe-