Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 29 (22.7.1898)
- Article
- Quer durch Afrika
- Date
- 1898-07-22
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 jatowc Nr 29 Auf der Strecke zwischen dem Tanganjika und dem Victoriasee erwartet er die größten Schwierigkeiten, die aber wohl durch Zuhilfenahme der an Ort und Stelle zu findenden Träger überwunden werden könnten. Falls die Macht der Derwische im October gebrochen würde, glaubt die Expedition im nächsten Frühjahr von Uganda abqehen und im Herbst nach einer Reise von achtzehn Monaten in Kairo eintreffen zu können. Heber die Kartoffclkrankhcitcn. Die Kartoffelernte Preußens belief fich 1896 auf rund 400 Millionen Centner von ungefähr 2 Millionen Hektar Anbaufläche, das ist nicht viel weniger als ein Viertel der gesammten Weltproduction, die sich im Mittel der Jahre 1885—89 auf ca. 1750 Millionen Eentner jährlich stellte. Hannover lieferte 1896 davon annähernd 24 Millionen Centner von 120.( 00 Hektar Anbaufläche. Unter jenen 400 Millionen Centnern waren über 9 Procent kranke Knollen, was für das Jahr 1896 einen Ausfall von rund 37 Millionen Centner macht. Daraus ergibt sich die wirtschaftliche Bedeutung der Krankheiten dieser wichtigen Kulturpflanze zur Genüge. Sieht man von den mancherlei Jnsektenschäden an Kraut und Knollen ab, so bleiben neben einigen minder wichtigen (Kräuselkrankheit, Stengelfäule, Pockenflecken der Blätter, Schorf und Pocken der Knolle» in der Hauptsache drei bemerkenswerre als die Hauptkrankheiten (Kraütfäule, Fleckigwerden der Knollen, Knollenfäule), denen auch fast ausschließlich der jährliche Ernteverlust entspringt. K Weltchronik. Englischer Antisemitismus. Einzelne Anzeichen der „vorübergehenden Zeirkrankheit" werden auch in England sichtbar. Wir stellen sie in kurzer Darstellung nebeneinander: Exempel I. Der „Standart" befürchtet, dass viele Juden aus Galizien, wo sie wie „Kaninchen" gehetzt werden, nach England kommen könnten, „wo wir bereits genug Juden haben." Exempel II. Aus einem an den Herausgeber des „Jewish World" gerichteten Briefe, deffen Absender sich als „Jude — und Engländer" unterzeichnet, erfährt man, dass die „Metropolitan Association for Befriending Young Sewants“, eine Gesellschaft, die auf jüdische Geldleistungen durchaus nicht verzichtet, ihren Schützlingen nicht erlaubt, in jüdischen Häusern Dienst zu nehmen. Das geschieht „im Jntereffe der Dienstmädchen"! Exempel III. Die berüchtigte Fremdenbill gieug letzten Dienstag bei der dritten Lesung im Oberhause durch. Lord Herries' Antrag, in Punkt 3 der Bill die Worte „mittellosen Personen" (wird die Einwanderung verwehrt), zu streichen, wurde mit 86 Stimmen gegen 36 Stimmen abgelehnt. Die Juden in Järnaiea. Ein Correspondent des „Gleaner", eines in Jamaica erscheinenden Localblattes, hat in L a c o v i a, einer kleinen Negerstadt, einen jüdischen Friedhof entdeckt. Derselbe liegt auf der Hauptstraße, die von Santa-Cruz nach Black River führt, und ist 150 Jahre alt. Trotzdem ist er selbst den ältesten Einwohnern unbekannt, und sie waren über die Entdeckung außer sich vor Staunen. Es gelang, 8 Grabsteine zu finden und so zu reinigen, dass die Inschriften deutlich lesbar wurden. Es sind durchwegs portugiesische Namen. Das Datum der ältesten Inschriften differiert von dem der jüngsten um 55 Jahre. Im selben Artikel finden wir noch folgende intereffante Bemerkungen: Die ersten Juden kamen im Jahre 1508 nach Jamaica. Am 31. März 1663 kamen aus S. M. Schiff „Great Guest" 6 Juden aus London, die eine reiche Ladung mitbrachteu. Palästinensische Colonien. Ein Correspondent, der die Colonien aus eigener Anschauung kennt, theilt interessante Details über das Leben der Ansiedler mit: Heuer betrug der „Osher" (eine Regierungstaxe, welche die Farmer zu zahlen haben und welche von der Regierung an den Meistbietenden verpachtet wird) bereits 25.000 Piaster, für R o s ch P i n a h, um 8000 Piaster mehr, als im 'Borjahre. Der Grund der Erhöhung ist nicht etwa der, dass man eine besonders günstige Lese zu erwarten hat. Werden doch die Trauben, der Hauptertrag von Rosch Pinah, erst in 2 Monaten reif! Die Sache ist einfach die, dass die Licitationshändler den Preis des Osher in die Höhe trieben, um von dem neuen Administrator der Colonie ein Bakschisch dafür zu erreichen, dass sie vom Anbot zurücktreten. Dem Administrator ist eben kein Opfer zu groß um zu verhindern, dass ein Fremder den Osher einsammle. M i s ch m a r h a j a r d e n hat 3000 Frcs. für die Erlaubnis zu zahlen, ein Paar Ställe und Häuser zu bauen. In M e t u l e verspricht die Tabakernte einen sehr guten Ertrag. „J. W.u liebet Osear Strausi, den eben ernannten Gesandten der Bereinigten Staaten Nordamerikas am türkischen Hofe, schreibt die officiöse türkische „Correspondance de l’Est“, diese Ernennung sei in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben, dass Strauß Jude sei. Der Jude Strauß sei dem türkischen Hofe willkommener als etwa ein christlicher Gesandter. Bei dieser Gelegenheit bemerkt das Blatt, dass auch der Chef des marineärztlichen Officierscorps, ebenso wie der Leibarzt des Sultans für Augenkrankheiten Juden seien. Der Swazi-Aufftand hat den Juden Gelegenheit gegeben, sich ganz besonders auszuzeichnen. Das Contigent, welches sie zu den Freiwilligen stellten, war größer, als der Percentsatz der jüdischen Bevölkerung erfordert hätte. Lieutenant A. Kantor von der Florida-Truppe führt die jüdische Abtheilung, die an dem Feldzug theilnimmt. Archäologischer Fnnd. Profeffor Schiel hat in den Ruinen von Sippara (bei Babylon) eine Tafel gefunden, welche 500 Jahre vor Moses zurückdatiert und einen Bericht von der Sintflut liefert. Die Uebereinstimmung mit der Erzählung der Genesis ist vollkommen. Zwei jüdische Advoeatinnen. Wir werden mit Bezug aus unsere Notiz vom 3. Juni aufmerksam gemacht, dass der Name der einen Dame Rosalia Loew (nicht Loer) lautet. Dieselbe ist eine Enkelin des bekannten Szegediner Rabbiners Dr. Leopold Loew. Jüdische Jndnstrie-Schule.Man beabsichtigt in London die Errichtung einer Industrie-Schule für jüdische Knaben. Die Anstalt soll für 60 bis 80 Schüler Platz haben. Die Kosten werden auf 10.000 Pf. veranschlagt. Dass eine solche Schule einem wirklichen Bedürfnis abzuhelfen hätte, beweist der Umstand, dass in den letzten Monaten viele jüdische Kinder sich vergebens um die Aufnahme in einer der bestehenden Industrie-Schulen beworben haben. Eine Geschichte der sephardischen Juden. Marquis H o y o s, bis vor kurzer Zeit spanischer Gesandter in Wien, hat eine Geschichte der sephardischen Juden vollendet. Die Arbeit enthält eine Fülle von Details und ist das Resultat jahrelanger Mühen. Der Marquis hat sehr oft den Wiener türkischen Tempel in der Circusgasse besucht, um die Musik, den Ritus und die intereffanten Traditionen der türkischen Gemeinde an Ort und Stelle zu studieren. ... April, Mai, Juden, Juli re. so heißt es im Kalender des Wiener antisemitischen „Deutsch. Bolksbl.". Das Blatt hat es so weit gebracht, dass es bereits antisemitische Druckfehlerkobolde besitzt, die hinter dem unschuldigsten Worte etwas Jüdisches wittern. Der verblüffte Leser findet folgendes Telegramm: „Berlin. 30. Juden. Der Börsencourier meint, dass die Aussicht auf eine Verständigung in Oesterreich sich gebessert hat." Der Friedenseon gross. Die allgemeine Friedensgesellschaft der Bereinigten Staaten von Amerika, hat die Abhaltung eines Friedenscongreffes in Jerusalem für den Anfang dieses neuen Jahrhunderts beschloffen. Sr. Majestät der Sultan hat bereits seine Einwilligung dazu gegeden. Ein Comite wurde beauftragt, die nöthien Vorkehrungen zu treffen. Ein Appell an die „Jewish Kolonisation Association.“ 41 Jerusalemer Handwerker beschreiben in einem Briese au den I. W. ihre elende Lage. Sie haben keine Mittel sich aufzuhelfen und wenden sich dieserhalb an die “0. A.“ — Der Erfolg dieses Appells lässt sich aus folgendem vorausberechnen: Unlängst wandten dieselben Handwerker sich an die Königin mir der Bitte, ihre Ansiedlung auf Cypern zu ge-