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Die Welt · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Article
Das Neschomoh-Licht [Rezension]
Date
1898-07-15
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 JPkOWC Nr. 28 des Makrokosmos, bei der Schöpfung des Mikrokosmos und bei der Schöpfung der diesen beiden Welten die Krone aufsetzenden, ihnen erst Sinn und Inhalt gebenden Thora leuchten lässt. Diese drei Lichter bedeuten, rvie der Verfasser sinnig darthut, die Güte und Liebe Gottes zu den Geschöpfen und die unausgesetzte Aufforderung zur unentwegten Dankbarkeit dafür; Gott ruft in ihnen und durch sie seinem Volke zu: „Licht für Licht". Die Allgüte Gottes spricht auch aus dem Seelenlichte, welches zu Häupten des Todten angezündet wird, der nach Vollendung seines irdischen Lebenswandels in das ewige Gottesreich der Wahrheit und des Friedens eingeht. Wie Gott bei der Schöpfung der vergänglichen Welt ein Licht als Zeichen seiner Güte und Liebe anzündete, so leuchtet uns auch an der Pforte des Todes ein Gotteslicht zum Zeichen, dass Gottes Liebe uns auch im Tode nicht verlässt. Das Seelenlicht mahnt aber auch die Hinterbliebenen zur Dankbarkeit für die Segnungen, die sie aus der Hand der Entschlafenen empfangen haben: es ist eine Mahnung an die Kinder, dass sie die Erbschaft der Eltern antreten, das von diesen in ihrem Busen angezündete Licht Gottes und der Religion sortbrennen lassen. wenn auch das Lebenslicht derselben erloschen ist. In einer Zeit wie der unserigen, in welcher „wohl noch in den meisten Häusern das Neschomoh-Licht angezündet, aber den Neschomoh-Lichtern die Neschomoh, die jüdische Seele und der jüdische Geist fehlt", ist Kurreins treffliche Abhandlung vollkommen actuell und sie kann nicht warm genug empfohlen werden. Bücherrinlauf. „A n unsere Sch w e st e rn in Z i o n", ein Apell an jüdische Töchter, von Schalom Aleichem. Warschau, 1898. "biTIY Festschrift zum Regierungsjubiläum :c. I. H. G e lbard. Drohobycz, 1898. XmrrSlp von demselben, Kolomea, 5692. Rechtsschutz der Zeitungs- und Bücher-Titcl. Von Dr. jur. Werner Brandts. Berlin, 1898. Verlag von Franz Lip perheide. Feuilleton. Wandertage *). Von H. Hork-Steiner. Branuschweig. Die alte zerfallene Burg Dankwarderode und der bronzene Löwe, der erste deutsche Erzguss aus der Zeit Heinrichs des Löwen in Braunschweig, sie bringen mir eine schöne Erinnerung. Dort habe ich vor etwa zwanzig Jahren in dem Redacteur einer hervorragenden deutschen Zeitschrift, einem Manne, der das ganze deutsche Schristthnm kennt wie wenige sonst und der die Literatur mit dem Blicke des großen Kenners übersieht, einen Juden entdeckt; einen Juden, der mit der ganzen Zähigkeit unseres Stammes an seinem Judenthume festhält. Ich habe bei ihm von einem und dem anderen gelernt. Trotzdem stehen wir in zwei Lagern, die fast gegnerisch werden sollen, und wünschen doch beide nichts anderes als das Heil unserer Brüder. Ein großes Weh quillt ob dieses Streites in meinem Herzen auf, ob der Verleumdung und der Lügen, die sich breit machen, ob des Uebelwollens, mit dem mau gegen unsere Führer und Freunde kämpft, ob der Uneinigkeit, die uns Juden von jeher gespalten hat und welche die Ergebniffe unserer Arbeit niederringt und hohe Menschen in den Schmutz ziehen möchte.- Die alte Burg hat mail nach alten Plänen vo'ständig wieder aufgerichtet. Der erzene Löwe blickt nicht mehr auf Ruinen, und in mir wird bei diesem Anblicke ei.ie Sehnsucht wach. Wenn es doch gelingen möchte, die Ruinen unserer Heimat, unseres Heiligthums aufzurichten und anszubauen, gleich der Burg Tai kwarderode zu Braunschweig. Nicht nur der moralische Wunsch, die Geknechteten der Freiheit zuznführcn, nicht nur die Hoffnung, unsere Nachkommen politisch zu sichern, nein auch die hohe ästhetisch: Freude, das in den Staub getretene Schöne wieder zu errichtm, erklärt den Traum des Zionisten. Die Bewunderung des hier Geschaffenen und die Hoffnung ans die Zukunft, sie prägen sich wohl in meinem Gesichte sehr deutlich aus, denn ein vorübergehender Herr, an den ich eine kurze Frage richte, gesellt sich mir in fteundlicher Weise und gibt über alle Restaurierungen sachliche Auskunft. In diesem zufällig gefundenen Begleiter sah ich bald den Juden und wieder hatte ich in Braunschweig, in dieser alten und denkwürdigen Stadt, ganz zufällig einen Juden voll tiefer Empfindung für das Judenthum getroffen. Mein Begleiter hat mit seiner Frau Palästina besucht und die Verhältnisse unserer Brüder dort studiert, wollie im Vorjahre sogar den Kongress in Basel *) Viele Rr. 25, II. Jahrg. 1898. besuchen, aber der Rabbiner hat ihn abgeredet, und das ist schade. Es handelt sich nicht nur um einen einflussreichen, hervorragenden Geschäftsmann, der abwendig gemacht wurde, sondern auch um einen charaktervollen Bekenner des Judenthnms. Es wurde mir nicht schwer, ihm zu beweisen, dass die Herren Rabbiner entweder über uns falsch informiert sind oder falsch informiert sein wollen, dass sie eine Unklugheit begehen, wenn sie sich unserer Bewegung feindselig gegenüb erstellen, dass es bei aller Liebe zum Deutschthum und zum Deutschen Reiche ein Verbrechen bedeutet, diese Nengeburt des Judenthums unterdrücken zu wollen. Und wenn auch eine Stunde des zufälligen Beisammenseins nicht genügt, um aus einem Gegner einen Freund der Bewegung zu machen — die wissentlichen und unwissentlichen Unwahrheiten, mit denen man uns zu schädigen sucht, sie werden an dem Ohre dieses Mannes von jetzt ab wirkungslos verhallen, und wer weiß, was die Zukunft Was immer sie aber auch bringen mag. der Zionismus hat mit seiner Kraft eine Stunde lang zwei Männer vereinigt, die sich früher nie gesehen, nie gekannt — und es war eine weihevolle Stunde, deren Wirkung sich nie ganz verflüchtigen wird. Frankfurt a. M. Ich suche die Jndengaffe in Frankfurt, den schmalen Raum, in dem große Geister und mächtige Finanzbarone emporwuchsen. Ich suche die Judengaffe, in der die überzeugungstreuen Juden von den Horden der Flagellanten und Kreuzfahrer hingeschlachtet wurden und in der einer oer größten Assimilanten dieses Jahrhunderts, Ludwig Baruch, zur Welt gekommen ist. Ich suche die Judengasse und finde die — Börnegasse. So wurde Ludwig Baruch, der unter dem Namen Börne berühmt geworden ist, in seiner Vaterstadt für alle Zeiten mit der Judengaffe verquickt, mit der Judengaffe, die er mit aller Kraft seines genialen Geistes abzuschürteln suchte. Gegenüber dem Geburtshause der Rothschilds blinkt das Schaufenster eines kleinen Buchladens, und hinter der Scheibe sehe ich ein bescheidenes Bild. Es sind weit über hundert Köpfe auf diesem Papier vereinigt, darunter mein eigener. Umringt ist dieses Bild von allen denen, die uns in dieser Bewegung theuer geworden sind, von allen unseren Freunden und Brüdern, und so ernst sie blicken, die Theilnehmer des ersten Zionistencongresses, es liegt ein fteundlicher Schimmer über dem Bilde, ein Hoffnungsstrahl. Man fühlt sich beim Anblick dieser treuen Herzen stark und geborgen! Das können selbst einige kleben läufer nicht ändern. Dieses kleine Blatt wird sich weiten, immer größer werden und immer mehr und glänzendere Namen aufne.qnen

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