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Die Welt · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Article
Paris
Date
1898-07-15
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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'jtt. 23 Paris. Aus einem, wahrscheinlich von einem Officier, an die „Auror e" gerichteten Briefe geht hervor, dass D u Paty de Clam einige Tage nach Dreyfus' Degradierung sich zn einigen Freunden äußerte, er habe trotz aller Anstrengungen kein directes oder indirectes Geständnis von Dreyfus erlangen können. „Trotzdem." fügte der Wackere hinzn, „bin ich von feiner Schuld fest überzeugt'." Paris. Wie der „Radical" mittheilt, wurde am ö. Juli dem Ministerpräsidenten Brisson ein neuer Beweis geliefert, dass Esterhazy das Bordereau geschrieben, und dass er der Berräther sei. Picquart hat an den Ministerpräsidenten Brisson ein Schreiben gerichtet, worin er sich erbittet, den Beweis zu führen, dass die von Cavaignac in der Kammer verlesenen Schriftstücke, die die Schuld Dreyfus' beweisen sollen, rheils Fälschungen sind, theils sich auf Dreyfus überhaupt nicht beziehen. Der Ministerräth beschloss, die strafgerichtliche Verfolgung gegen Picquart und gegen den Advocaten L e b l o i s einzulerten. Gegen Picquart wird die Klage erhoben, er habe geheime Actenstücke, welche die Sicherheit des Staates berühren, unberechtigten Personen zugänglich gemacht. Die gerichtliche Verfolgung Leblois' erfolgt wegen Mitschuld an diesem Delict. Picquart und Leblois werden sich vor dem Civilgericht gegen diese schwere Anschuldigung verantworten. Im „Siecle" schreibt M. Charles F e r z a c: Am Tage nach der Executionsparade hörte Ferzac und ein zweiter Zeuge, der bereit ist, vor Gericht darüber auszusagen, den Capitän Lebrun-Renault erklären, er habe von Dreyfus weder ein Geständnis, noch etwas, was einem Geständnis ähnlich, erhalten. Paris. Bor wenigen Tagen haben die Blätter des Generalstabes und der Clericalen die Phrase gebraucht, nach den Erklärungen Cavaignac's sei die Dreyfussache endgiltig abgethan. Und nun sehen sie sich gezwungen, zu erklären, dass die Affaire Dreyfus beunruhigende Dimensionen annehme. Die Schuld an diesem totalen Meinungsumschwunge trägt die Verhaftung — Esterhazy's. Der Mann, ven Machten Dreyfus, der Bruder des Deportierten von der Teufelsinsel, öffentlich beschuldigte, der Schreiber des famosen Bordereaus zu sein, der von den D r u m o n t's, R o ch e f o r t's in den Himmel erhoben wurde, dem selbst die „Uhlanenbriefe" und alle nachgewiesenen Lumpereien nickt schaden konnten, er ist seit der Nacht vom 12. im Gefängnisse. Wie jeden „homuten" Mann fasste man auch ihn bei seiner Geliebten ab, die gleich ihm ins Gefängnis wanderte. Der Mann, der die ekelste, traurigste Figur im Dreyfusprocesse gespielt, der sie trotz aller geschickten Souffleure und eines ihm gewogenen Galeriepublrcums so elend durchgeführt, soll wirklich vor Gericht erscheinen. Wird es denn wirklich einmal Tag in Frankreich? Hat das machtvolle „ J’accuse-1 Zo la's doch als Weckruf für viele Gewissen gewirkt? Vorläufig müssen auch wir sagen, wie die bestürzten Generalstabsblätter: „Unerklärliche Verhaftung". So kurze Beine hat die Lüge nicht. So rasch ist der Tag des Gerichtes nicht zu erwarten! O, wäre er es doch! Paris, 13. Juli. Piquart wurde 7 Uhr abends verhaftet. England. London, 6. März — 1. Juli! Während dieser Zeitstrecke hat sich so vielerlei ereignet, dass mancher wahrscheinlich den Beschluss der englischen Conferenz vergessen hat, wonach ein alle Meinungsschattierungen repräsentierendes Comite ein Schema zur Zusammenfaffung all dieser Meinungsschattierungen aufzustellen hatte. Bier Monate vergiengen, den activen Zionisten waren durch die Verzögerung die Hände gebunden, da die Loyalität sie in gewissen Angelegenheiten von vitaler Bedeutung zur gänzlichen Unthätigkeit zwang. Schließlich wurde das Schema aber doch fertig. Hoffentlich werden diese Verzögerungen, an welchen übrigens mancherlei Umstände schuld sind, durch die Bereitwilligkeit der verschiedenen Körperschaften, das Schema anzunehmen, wettgemacht. Die „Chovevi Zion Headquarters" sind bereits schlüssig geworden; gestern Nacht gieng nämlich folgende Resolution durch: „Das „Headquarters Tent" nimmt das englisch-zionistische Föderationsschema an, unter Vorbehalt etwaiger Berbefferungen, welche durch die „Headquarters" nach Erwägung der von den Einzel-Tent's vorgeschlagenen Verbesserungen daran vorgenommen würden, und unter der Bedingung, dass die Föderation die Verbindlichkeiten, Activa, Unternehmungen, Zuwendungen rc. der „Chovevi Zion Association" gutheiße. Das Schema, kurz charakterisiert, ist ein solches, dass es jeder, der auf seiner Grundlage affiliierten Körperschaften die äußerste Freiheit lässt. Die Föderation wird davor sichergestellt, zu einer „Ein es-Mannes"-Bewegung auszuarten,^und lediglich befähigt, mit den, vom Baseler Congress eingesetzten Comites zusammen zu arbeiten. Es ist im ganzen ein einfacher Entwurf: trifft er's mit der Annahme, so dürften seine Grundlinien als Basis einer weiteren Föderation aller bestehenden Landesorganisationen dienen. Ich kann nicht sagen, dass der Entwurf seitens der „Chovevi Zion" einmüthige Annahme gefunden — wie er es verdiente — das war aber auch kaum zu erwarten. Ein gewisser Grad von Marionettenspielerei — um einen Ausdruck der Staatsklugheit zu brauchen — wenig geeignet, unser Land zur Einmüthigkeit zu begeistern, ist zwar nicht von den Londoner Organisationen, doch von den sestländischen geduldet worden und trägt die Schuld an gewissen in London zutage trelenden Erscheinungen. In ganz kurzer Zeit werden wir so manches zu sehen bekommen. Zur Sammlung von Shares-Anmeldungen werden in London demnächst entscheidende Schritte unternommen werden. Es wird sich zeigen, dass London zu diesem nothwendigen Unternehmen seine hübsche Quote beizusteuern bereit ist. I. de H. Dkrkmsmchlichteu. Wien Die akademische Verbindung „K a d i m a h" beehrt sich, mit;ulheilen, dass ihr Sommersemester am 4. Juli geschlafen worden ist und dass in die Ferialleitung gewählt wurden die Herren: jur. Max Bernhard, niecl. öicgmunb Kr ausz tnod. Aron Brod, techn. M a x Silberberg. Wien. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am 31. Mai 1838 seine achte ordentliche Generalversammlung ab. In Vertretung des Präsidenten Baron A. G. v. Suttner erstattete der Vicepräsident Dr. Freiherrv. Seiller den Rechenschaftsbericht. Dem Vorstande wurde dasAbsolutorium ertheiltund in den Ausschuss wurden folgende Herren gewählt: Präsident Baron A. G. v. Suttner, Vicepräsident £>. v. Kiesling und Freiherr v. Seiller, 1. Schriftführer Balduin Groller, 2. Schriftführer Jnspector Engel, Eassier A. B e i l i n g und sechs Vorstandsmitglieder, lieber die Förderung der Vereinslhätigkeit entwickelte sich dann eine Discussion, an welcher die Herren Welsch, Groller, die Abgeordneten W r a b e tz und Kronawerter, die Herren Enget und Hetsey, Superintendent Seberiny :c. theilnahmen. Dann wurde die Versammlung geschlossen. Büchrrwelt. Das Neschomoh-Licht. Von Dr. Adolf Kur re in. Frankfurt a. M. I. Kaufs mann, 1898. Octav. Das Anzünden des Seelenlichts ist eigentlich nur ein Minhag, welcher auf keinem Religionsgesetze beruht. Gleichwohl muss es als ein echt jüdischer Gebrauch bezeichnet werden, welcher sowohl in der Bibel als auch im Talmud seine tiefe Begründung findet; denn das Licht ist ein heiliges Symbol, wie dies namentlich daraus erhellt, dass die heilige Schrift es bei den drei größten und bedeutendsten götttichen Weltschöpfungen bei der Schöpfung

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