Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 28 (15.7.1898)
- Article
- Jüdische Neger?
- Date
- 1898-07-15
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 28 JPKOWC Sette 11 Berberei eine große Menge jüdischer Neger. Fast jede Familie besitzt eine große Pergamentcopie der Thora. Tie Propheten sind ihnen bekannt, deren Bücher fehlen ihnen. Ihre Gebete, von denen der anderen Inden ganz verschieden, enthalten viele Psalniftellen. Das Gebetbuch besteht ans zusammengehefteten Pergamentblättchen. Ihre abergläubischen Vorstellungen sind ein Gemisch von „mündlicher Ueberlieferung" und superstitiösen Anschauungen ihrer mohammedanischen und heidnischen Nachbarn. Sie genießen dieselbe Freiheit, wie die anderen Untergebenen der afrikanischen Häuptlinge, haben ihre Synagogen und Rabbiner. Ihre schwarze Farbe erklären sie durch folgende Historie: 'Nach der Zerstörung Jerusalems, zur Zeit des ersten Goluth, floh ein Theil der Juden, ganz von Mitteln entblößt, in die (afrikanische) Wüste. Bei dieser Flucht gierigen fast alle Frauen durch Erschöpfung zugrunde. Bon den Chamiteu aufgenommen, nahmen die Flüchtlinge die Töchter des Landes zu Frauen. Im Laufe der Generationen wurden dann die Eiugewandertcn ganz gleichfarbig mit ihren Wirten, nur die Gesichtsbildnng unterscheidet sie noch von den eigentlichen Negern. Schon um dieser höchst interessanten Thatsachen willen wäre es lebhaft zu wünschen, dass diese unerforschten Gegenden bald der civilisierten Welt erschlossen würden. Die erwähnten Bibelmanuscripte, die wahrscheinlich älter sind, als die uns bekannten, würden vielleicht für die Verbesserung des recipierten Textes für die Beleuchtung dunkler Stellen von großem Werte sein. („Atistralian Ilebrew Standard".) Maßnahmen gegen die Inden in Russland. Ter Minister der Volksausklärung hat soeben eine Anordnung getroffen, welche für die Beurtheilung der Judenfrage in Russland nicht ohne Bedeutung ist. Für die Moskauer Universität ergieng der Erlass, den Percentsatz der Juden bei der Jmmatriculation der Studenten genau einzuhalten. Nach früherer Vorschrift dürfen nämlich nicht mehr wie 3 Percent Juden in die Universität als Studenten ausgenommen werden. In der letzten Zeit hatte man diese alte Verordnung nicht mehr mit der früheren Strenge eingehalten, was den Uuterrichtsministcr bewogen hat, aufs neue die Anordnung in Erinnerung zu bringen. Es wurde außerdem hiuzugesügt, dass die Anzahl der Juden in den einzelnen Facultäten sich ebenfalls genau an die festgesetzten 3 Percent halten müsse; das gleiche gilt beim Uebertritt aus enier Facultät in die andere, so dass Juden nicht ohne weiteres imstande sind, ihr Studium zu bestimmen, beziehungsweise zu wechseln. Dadurch werden bei der im Herbste dieses Jahres vorzunehmenden Jmmatriculation nur verhältnismäßig wenig in Moskau zugelassen werden. Wenn man gerade für Moskau die schärferen Bestimmungen erlassen hat, so hat solches darin seinen besonderen Grund, dass in Moskau das Judenthum früher eine beffere Stellung besaß, die bekanntlich vom Großfürsten Sergius als Geueralgouverneur geändert worden ist. Ter Minister Bogoljepow kennt zudem die Verhältnisse in der alten Czarenstadt aufs genaueste und will den Befehl mit Strenge durchführen. Ein Geschenk Ottolevghis. Die unlängst in 'Asti enthüllte Statue der „Jtalia" verdankt ihre Errichtung der Freigebigkeit eines Juden, des Commandanten (Commodore?) Leonetto Ottolenghi, der die Kosten im Betrage von .300.000 Francs trug. Der König und mehrere königliche Prinzen wohnten zur großen Freude der jüdischen Gemeinde der Enthüllungsserer bei. Die Mußestunden Jaures. Zu den eifrigsten Vorkämpfern für die Unschuld des Dreyfus gehört der frühere französische Abgeordnete Jauräs. Dieser benützt jetzt seine Mußestunden, um in seinem früheren Wahlkreise Vorträge über die Affaire Dreyfus zu halten, wobei er den Standpunkt eiunimmt, der Deportierte sei wider Gesetz und Recht an Stelle Esterhazy's verurtheilt worden. Infolge dessen macht ,.Le Parti Ouvrier", das Organ der Allemanisten, den Vorschlag, ein Riesenmeeting in Paris zu veranstalten, wo Jaures vor Vertretern aller socialistischen Fractionen seine Idee darlegen und ein unparteiischer Meinungsaustausch über die Affaire Dreyfus im strengsten Sinne der Wahrheit stattfiuden könnte. Juden in China. In dem Berichte des britischen Consuls über seine Reise von Peking nach Shanghai wird von der jüdischen Colouie in Pien Liang Cheng erzählt, die als uralte bekannt ist. Sie befindet sich im mohametanischen Stadtviertel, hat nur schwache Erinnerungen an ihren alten Glauben und ist den Beamten fast unbekannt. J. W. Palestine Exploration Fand. Der Jahresbericht dieser, der Erforschung Palästinas dienenden Gesellschaft theilt einen Brief des britischen Consuls in Jerusalem mit. in welchem die Gesellschaft von der Erlaubnis des Sultans, in Palästina Ausgrabungen vorzunehmen, verständigt wird. Es sind bereits Vorkehrungen getroffen worden, die Ausgrabungen in der Nähe von Keostn-Süff, zwischen Jerusalem und Askalon zu beginnen. Die Kosten werden mit 100 Pf. monatlich berechnet. Strike jüdischer Arbeiter. 16.000 jüdische Arbeiter in B i a l y st o k haben die Arbeit eingestellt. Sie haben bereits eine Organisation gebildet und verlangen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit. Mehrere der Strikenden sind von der Polizei verhaftet worden. 3. \V Pilgerfahrt nach Palästina. Eine Anzahl jüdischer Studenten der Petersburger und Moskauer Universität haben von Odeffa aus auf der „Olga" eine Pilgerfahrt nach dem Heil. Lande unternommen. J. W. Cin Friedenseongrefs in Jerusalem Die „Universal Peace Union“ in Amerika beabsichtigt gegen Beginn des neuen Jahrhunderts eine große Versammlung für Friedens- und Schiedsgerichte in Jerusalem abzuhalten. Das vorbereitende Comite ist bereits ernannt. Die Düsseldorfer Heine-Furcht. Ein Akademikerstreich wurde in der Nacht zum Sonntag in Düffeldors verübt. Es ist bekannt, dass die Stadtverordneten in Düffeldorf dem Denkmal für Heinrich Heine einen Platz verweigert haben. Am Sonntag Morgen nun beaterkten Spaziergänger im runden Weiher an der Jägerhofallee, in deffen Mitte sich eine Grotte mit einer Fontaine befindet, dass dort eine lebensgroße männliche Puppe aufgestellt war, die ein Schild mit folgender In* schrist zu Füßen hatte: „Dem großen Heinrich Heine das dankbare Düsseldorf!" Ueber diesen Hohn aus die Düffeldorser Heine-Furcht wurde viel gelacht. Da die Polizei der Puppe nicht beikommen konnte, wurde die Feuerwehr geholt, welche die Fontaine ausdrehte und so das „Denkmal" in die Luft sprengte. & Dir sioniAchr Bewegung. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Ko kcsch, Hof- und Gcrichts Advocatcn in Wien. I., Tingcrftraße 25, zu senden. Wien Wir haben an den „Woschod" folgendes Schreiben gerichtet: Wien, > 1. Juli. Löbliche Redacrion des „Woschod" Peters bürg. Es wird uns mirgetheilt, dass im „Woschod" die Bbaupnmg stand, „Tie Welt" werde ans Schekelgcldern erhalten. Diese Behauptung ist unwahr, „Tie Welr" erhält keinerlei Subfidien, weder von der zionistischen Partei, noch von irgend einer anderen Seite. Der Eigenthümer der „Welt" hat "dieses Blatt geschaffen, damit die zionistische Bewegung ein vollkommen unabhängiges anständiges Organ habe, und er bringt auch weiter alle Opfer, die zur Erhaltung des Blattes nöthig sind, aus seinen eigenen Mitteln. Wir rechnen darauf, dass Sie loyal genug sein werden, um diese Erklärung vollinhaltlich abzudrucken und zeichnen in dieser Erwartung hochachtungsvoll Die Redaction der „W e l l".