Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 28 (15.7.1898)
- Article
- [Ohne Titel] / W.
- Date
- 1898-07-15
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 28. Seite 7 der zionistischen Bereinigung für Deutschland, dass die am 26. Juni versammelten Mitglieder erklärt haben, der Verbreitung des Gerüchtes, als habe R. Mohilewer sich gegen die Begründung der Colonialbank ausgesprochen, völlig ferne zu stehen. Alle solche Unterstellungen erklärt die II. Berliner Ortsgruppe für böswillige Erfindungen. Köln (Telegr.). 13. Juli. Die Berichte lauten allerorts sehr günstig, größere Zeichnungen werden aus London gemeldet. Aus Amerika und Südafrika wird berichtet, dass Zeichenftellen von den Vereinen errichtet werden, die großen Erfolg versprechen. Ueberall wird die Verlängerung des Termins verlangt. Es ist aber dringend erwünscht, dass sämmtliche Listen bis spätestens 5. August hier eintreffen. Bedeutende Banquiers aus England, Deutschland und Russland haben ihr Erscheinen zur Conserenz bereits zugesagt. W. $ Die arsenfimfdjen Greuel. Von Dr. S. Werner. (Schluss.) Bei der Conserenz der Anglo-Jervish Association, die vor wenigen Tagen in London stattfand, sprach auch Mr. Claude Montesiore einige Worte über die Zustände in Argentinien. Als Vertreter der A nglo-Jewish Association hat Mr. Montefiore bei den Berathungen der I e w i s h C o l o n i s a t i o n Association ein Wort von Bedeutung zu sprechen. Er bebegnügte sich, in einem kurzen Satze seine Stellungnahme zu den Berichten über die argentinischen Colonien zu kennzeichnen. Nach seiner Meinung handelt es sich um böswillige Nachrichten, die aus einer und derselben Quelle stammen. Mr. Claude Montefiore soll ein sehr unterrichteter Mann sein. In Bezug auf Argentinien aber scheint er nicht nur schlecht unterrichtet, sondern auch gewillt zu sein, sich nicht besser unterrichten zu lassen. Seine wenigen Worte sind geeignet, das höchste Befremden hervorzürufen. Gewiss! Die traurigen Nachrichten über Argentinien stammen aus einer Quelle. Diese eine Quelle sind die Colonisten. Dass die Administratoren Mr. Claude Montefiore und seinen Freunden nur Günstiges zu berichten wissen, wird vielleicht nicht einmal die Herren selber wundern. Dass sie sich aber für diese Administratoren soweit engagieren, dass sie eine jede Klage als unbegründet oder böswillig bezeichnen, ist mehr als seltsam. Wir haben früher den amtlichen Ausweis der Schiffslisten publiciert, welche die Namen der Colonisten angeben, die — wahrscheinlich auch aus Böswilligkeit — seit Mitte Februar Argentinien verlassen mussten. Vielleicht meint Mr. Montefiore auch, dass die Schiffslisten den Herren Administratoren oder Directoren der I. 6. A. feindlich gesinnt seien und nur aus Böswilligkeit und ohne jeden Grund gerade die Namen von Hunderten von siiehenden Colonisten aufweisen. Diese Meinung Mr. Montefiores wird aber kaum genügen, um die große Oeffentlichkeit oder gar die verfolgten Colonisten von der Beunruhigung zu befreien, in welcher sie sich seit dem Bekanntwerden so vieler trauriger Details befinden. Es liegt viel mehr als Bequemlichkeit in der Art und Weise, in welcher die verschiedenen, sonst sehr correcten Gentlemen sich über alle die Klagen hinwegsetzen. Die Herren geben damit dkeVorbilder ab für die Centrale in Buenos-Aires und die Comitvs in Petersburg und an anderen Orten, wo nach demselbenRecepte verfahren wird und wo man gerne alleKlagen als unbegründet bezeichnen möchte. Wenn aber die Vorgänge doch zu crasse geworden sind, um vertuscht werden zu können, dann erklären die Herren Directoren, dass die Schuld gar nicht an ihnen, sondern an der argentinischen Regierung liege. Diese wiederum lässt genau das Gegentheil feststellen. So spielt sich zwischen diesen beiden Factoren ein artiger Wettstreit darüber ab, wer für die vielen schlimmen Vorkommnisse in den Colonien verantwortlich zu machen sei, und die Colonisten sind es, welche die Kosten dieses neckischen Spieles zu tragen haben. Sollte aber nicht dieses Hinüber und Herüber von Noten und inspirierten Zeitungsartikeln vielleicht doch ein Zeichen dafür sein, dass auch begründete und nicht böswillige Klagen vorliegen? Und meint denn Mr. Montefiore, dass es nur die Klagen über die Administratoren sind, welche zur Unzufriedenheit Anlass geben? Wir wollen noch einige argentinische Zeitungsstimmen citieren, die sich wieder mit einer anderen traurigen Seite der argentinischen Colonisation befassen. „La Nacion" und das „Argentinische Tageblatt" berichten über die scheußlichen Verbrechen, welche in der großen Colonie „C l a r a" die Colonisten andauernd in Schrecken versetzen und vielen das Leben in den Colonien zu einer Kette von Furcht und Sorge machen. Diesen Berichten der übrigens mit den Directoren der I. 0. A. in recht freundschaftlicher Verbindung stehenden Journale entnehmen wir Folgendes: Die Verbrechen in der Colonie Clara. „Schon vor einiger Zeit war hier das Gerücht verbreitet, dass in der Colonie „Clara" (Departement Villaguap, Provinz EntreRios) in der Zeit von wenigen Monaten eine große Anzahl der abscheulichsten Verbrechen venibt worden sind, ohne dass die wie immer höchst saumselige und mangelhaft organisierte, sowie jämmerlich bezahlte Polizei sich Mühe gegeben hatte, den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Am 21. Februar d. I. wurde der. Colonist Jungel, der mit seinem Karren nach der Station Äominguez gefahren war, um daselbst eine Ladung Getreide abzuliefern, und hierfür nach erfolgter Abrechnung die Summe von 106 Dollars erhalten hatte, todt aufgefunden. Das Geld und die Kleider des Unglücklichen waren verschwunden. Derselbe hinterlässt Frau und vier Kinder. Von dem Verbrecher, jedenfalls einem herumlungernden Gaucho, keine Spur. Am 26 März setzte ein anderes, noch scheußlicheres Verbrechen die Bewohner der Colonie und der benachbarten Stadt Villaguap in die größte Aufregung. Diesmal waren ein Mädchen von 12 und ein Knabe von 14 Jahren die Opfer. Letzterer konnte noch kurz vor seinem, im Hospital der Colonie erfolgten Tode den vollen Hergang erzählen, ganz so wie er später von dem Vater der beiden Kinder bestätigt wurde. An dem genannten Tage stellten sich im Hause des Colonisten N e i m a n n zwei Individuen ein und baten um Arbeit. Der Colonist wies sie zurück. AlsNeimann sie abgewiesen hatte, zogen sie sich zurück und versteckten sich im Gebüsch. Als der Mond untergegangen war, kehrten die Banditen nach dem Hause zurück. Ohne die geringste Schwierigkeit drangen die Verbrecher in das erste Zimmer und stahlen dort, was nicht niet- und nagelfest war. Hierauf öffneten sie die Thüre zum zweiten Zimmer, in welchem drei Kinder, ein Knabe von 12 und zwei Mädchen von 14 und 8 Jahren schliefen. Der Knabe erwachte bei dem Geräusch und fragte: „Wer ist daEiner der Banditen feuerte nach der Richtung, aus welcher die Stimme gekommen war, einen Revolverschuss ab, während der andere ein Streichhölzchen entzündete. Aus diese Weise konnten sie das Theater ihrer Schlächterei genügend übersehen. Nun stürzte sich der eine auf das 11jährige Mädchen und schnitt ihm mit einem gewaltigen Schnitte den Hals durch. Der andere fiel über den Knaben her, fand aber an demselben einen nicht geahntem kräftigen Widerstand. Er versetzte dem Kinde eine Anzahl von Stichen in Brust, Nacken und in die Arme und ließ es schließlich für todt liegen. Jetzt wollten die Banditen fliehen, aber da stellte sich ihnen der Vater entgegen. Diesem versetzten sie einen Peitschenhieb ins Gesicht und machten ihn auf diese Weife vertheidigungsunfähig. Die Mörder konnten sich und ihren Raub in Sicherheit bringen, während Neimann die Hilfe der Nachbarn in Anspruch zu nehmen gieng. Erst später sollte er die Größe seines Unglücks erfahren. Das auf eine wunderbare Weise gerettete, von den Banditen wahrscheinlich übersehene 8jährige Mädchen hatte vor Schreck keinen Laut von sich gegeben. Die Polizei schritt ein und stellte zunächst eine Razzia auf die als Vagabunden bekannten Individuen an. Sie brachte binnen kurzem die e rkleckiche Anzahl von 80 dieser verdammten Species zusammen,, unter diesen auch einen der Mörder. Das Scheusal trug noch einige, dem Neimann geraubte Gegenstände bei sich. Dem Polizeichef vorgeführt, legte der Mörder ein umfassendes Geständnis ab und nannte ohne Zögern den Namen feines Spießgesellen. Dieser ist denn auch bald darauf abgefasst worden . .. Die Colonie „Clara" scheint ein sehr ungünstiges Feld für friedliche Äckerbauer zu sein, so