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Die Welt · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Article
Wieder eine Aufklärung
Date
1898-07-15
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Sette 6 Nr. 28 ein angebliches Interview mit dem türkischen Gesandten in Washington über den Zionismus. Dieses Interview tauchte in einem amerikanischen Blatte auf und wurde von den zionistischen Gegnern mit Lust und Liebe nachgedruckt. Der Gesandte sollte gesagt haben, dass die zionistische Bewegung den Juden in der Türkei schaden würde. Der Sultan, der den Juden sonst so gewogen sei, werde dadurch verstimmt werden. Die Einwanderung der Juden nach Palästina werde weiters erschwert werden u. dgl. m. Der „Jewish World" erhält nun über die Aeußerungen des Gesandten folgende Mittbeilungen aus New-York: „Das Interview erschien zuerst in einem Blatte der gelben Presse*) und kam von da in die jüdischen Zeitungen, welche die ganze Sache vergröberten. Es scheint, das Interview war schwindelhaft gemacht, und eine verbürgtere Aeußerung wird jetzt veröffentlicht. Der „Sun" ist nämlich zu der Erklärung ermächtigt, dass sich der türkische Gesandte nur als Privatmann äußerte und keineswegs in seiner ofsiciellen Eigenschaft. Seine privaten Aeußerungen bezogen sich aber auch nur daraus: 1. dass der Gesandte die Zwecke der zionistischen Bewegung nicht verstehe, 2. dass er über die Ausführbarkeit des Planes nicht diskutieren könne, 3. dass es bekannt sei, welche gütigen Gesinnungen der Sultan den Juden entgegenbringe, 4. dass er (der Gesandte) weiter nichts zu sagen habe." Nehmen wir aber an, diese vom Gesandten in Washington offenbar gewünschte Richtigstellung wäre im New-'Iorker „Sun" nicht erschienen. Nehmen wir an, der Gesandte in Washington wäre wirklich ein Gegner des Zionismus und hätte das in der schroffsten Weise gesagt. Ja, was folgt daraus? Doch nicht, dass der politische Zionismus in Sack und Asche aus dem Grabe aller Hoffnungen trauern müffe. Wer so kleinmüthig ist, der darf sich allerdings nicht auf Unternehmungen von der gewaltigen Art des Zionismus einlaffen. Noch ganz andere Herren als ein Gesandter in Washington könnten kommen und sich gegen uns aussprechen, so würden wir doch unbeugsam, ja voll Siegeszuversicht unsere Fahne weiter Hochhalten und weitergehen. Ein Volk erreicht immer, was es will. Der Volkswille ist alles. Darum sind auch nicht jene unsere schlimmsten Feinde, die uns äußere Schwierigkeiten in den Weg legen, sondern die sind die Aergsten, die das glücklich entstehende Bolksbewußtsein untergraben und den Bolkswillen durch Lügen schwächen wollen. Sonderbar ist es nur, wenn auch die Parteigänger der „Colonisation im Kleinen", der „Infiltration" solches Zeug Nachreden. Von diesen wollen wir wenigstens annehmen, dass sie guten Glaubens sind. Aber wie schwach ist ihr Raisonnement. Wer eine dauernde Sicherung unserer Colonien will, muss die rechtlichen Zustände der Ansiedler vor der Einwanderung mit den competenten politischen Factoren ordnen. Wenn die Ansiedler einmal dort sind, so sind wir bei den Unterhandlungen in einer viel ungünstigeren Lage. Die politischen Zionisten find nicht leichtsinnig genug, um ein solches Experiment zu wagen. Wir sind darum nach wie vor unverbrüchlich gegen die Infiltration, und alles, was eine leichtsinnige Infiltration hindert, kann uns folglich nur erwünscht sein. Ja, wir zögern nicht, zu sagen, dass wir die Meldung von einer unbeschränkten Einwanderung unserer Ansiedler in Palästina für die ungünstigste Nachricht halten müssten, wenn nicht die öffentlich rechtliche Sicherung der Verwaltung vorausgegangen wäre. In einer anderen Richtung wieder bewegen sich „ungünstige Nachrichten" über die angebliche Religionsfeindlichkeit des Zionismus. Das sind Agitationsmittelchen der verächtlichsten Art. Es genügt wohl, wenn allen solchen Unterstellungen die Worte entgegengehalten werden, die der Präsident des ersten Zionistencongresses auf eine Anfrage des orthodoxen Rabbiners *) „Gelbe Presse" nennt man die mit unverbürgten S cn sarionsnachrichten arbeitenden Journale in Amerika. Anm. der Redaction. Cohn von Basel erwiderte. Diese Worte sind nach dem stenographischen Protokoll die folgenden: „Ich danke Seiner Ehrwürden Herrn Dr. Cohn für sein loyales Auftreten als unser bisheriger Gegner und für die Offenheit seiner Anfrage, die ich in ihren Einzelheiten gewiss nicht beantworten werde. Ich kann Sie versichern, der Zionismus beabsichtigt nichts, was die religiöse Ueberzeugung irgend einer Richtung innerhalb des Judenthums verletzen könnte." Diese Erklärung wurde bekanntlich vom Congress mit einhelliger Zustimmung ausgenommen und befriedigte auch den Fragesteller vollkommen. Nichts hat sich darin geändert, und die Jntriguanten werden sich schon um andere Kniffe bemühen müssen, wenn sie dem Zionismus hinterrücks etwas anhaben wollen. Auch auf die Zwistigkeiten im zionistischen Lager dürfen unsere Feinde nicht rechnen. Jede Landesconferenz von Delegierten ergibt die volle Einmüthigkeit der Zionisten in der Hauptsache. Es mag hie und da in Fragen zweiter oder dritter Ordnung unbedeutende Meinungsverschiedenheiten geben. In den wichtigen Fragen marschieren alle wie Ein Mann. Es hat vereinzelte Disciplinbrecher gegeben. Sie wurden und werden ausgeschieden. Der Zug geht weiter. & Die jüdische Colinialbank. (Mittheilungen des Bankcomites.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Hern: D. Wolffsohn, Köln a. Rh., zu richten. * * Die Subskribenten, welche die zehnpercentige Anzahlung einer Depotstelle in Deutschland überweisen wollen, senden die Beträge: von fünftausend Mark aufwärts an den A. Schaaffh a u s e n'schen Bankverein in Köln; von einhundert Mark aufwärts an die Norddeutsche E r e d i t a n st a l t in Königsberg i. Pr., an das Bankhaus Gebrüder Arons in Berlin oder an das Bankhaus Sal. Oppenh e i m j u n. & Comp, i n Köln. * * Die Sammler von Subscriptionen werden hiemit aufgefordert, das Verzeichnis der Subscribenten bis s p ä t e st e n s 5. August an Herrn D. Wolffsohn einzusenden. Die Anzahlungen sind jedoch nicht mitzuschicken, sondern bleiben an den Depotstellen weiter liegen. Für die Berathungen der Banquiers, die Mitte August in Köln Zusammentreffen werden, ist es nothwendig, dass das Subscriptionsmaterial bereits übersichtlich geordnet vorliege. Darum werden die Vertrauensmänner nachdrücklichst erinnert, die Ablieserung der Subscribenten-Berzeichnisse bis 5. August sicher vorzunehmen. An der Kölner Conferenz, welche die Grundlage der jüdischen Colonialbank schaffen soll, werden hervorragende deutsche, englische und russische Finanzmänner theilnehmen. Der Vorsitzende des Bankcomitüs hat bereits die festen Zusagen der Herren erhalten. Aus Petrikau meldet Herr M. Feinkind, dass sich dort ein Comitö für die Banksubscription gebildet habe, bestehend aus den Herren Dr. med. Hirschberg, Rechtsanwalt Landsberg, Gemeindevorsteher Fränkel und Banquier Sussmann. Als erster subscribierte Herr M. Braun hundert Shares. — In Moinesti hat das Comite „Näss Zionahu die Subscription mit Erfolg betrieben. Die Anzahlungen wurden bei der Bankgesellschaft „Harmonia" deponiert. — In Cairo ist das Resullat, dank der Agitation im Vereine „Bar Kochbah" ein befriedigendes. — Aus zahlreichen Orten, wo unsere Vertrauensmänner thätig sind, wird berichtet, dass die Subscription erfreulich ihren Fortgang nimmt. — Aus Berlin schreibt die Ortsgruppe I

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