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Die Welt · 1898-07-15 · 28 (15.7.1898) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
28 (15.7.1898)
Article
Der zweite Baseler Congreß
Date
1898-07-15
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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J*J>WdC Nr. 28 8 31. Nach geschlossener Berathung verkündet der Präsident, in welcher Reihenfolge er die fragen zur Abstimmung zu bringen gesonnen ist; eine Debatte über diese Anordnung rst unzulässig. 8 SS. Das Stimmrecht ist von allen Delegierten persönlich auszuüben; keinem in der Sitzung anwesenden Delegierten ist gestattet, sich der Abstimmung zu enthalten. Die Abstimmung findet durch Aufstehen und Sitzenbleiben statt. Ist das Ergebnis nach der Ansicht des Präsidenten zweifelhaft, so findet die geheime Abstimmung mittelst Stimmzettel statt. Letztere tritt auch regelmäßig bei Wahlen ein. Bei Stimmengleichheit gilt ein Antrag als abgelehnt. In allen Fällen kann die Beschlussfall ung ohne weitere Förmlichkeit mittelst Acclamation erfolgen. 8 36. Der jeweilige Vorsitzende stimmt mit Ausnahme von Wahlen niemals mit. 8 37. Jede Wahl, mit Ausnahme der des Präsidenten wird mit relativer Stimmenmehrheit entschieden. Die Wahl des Präsidenten erfolgt mit absoluter Majorität. Bei Resultatslosigkeit der Wahl in Ansehung des einen oder anderen Amtes, entscheidet zwischen je zwei Candidaten, welche die meisten Stimmen aus sich vereinigten, resp. zwischen denjenigen Candidaten, welche sämmtlich die gleiche höchste Stimmenanzahl erzielten, das durch die Hand des jeweiligen Vorsitzenden gezogene Los. VI. Geschäftsvorschrifte» über die Ausschusssitzungen. 8 38. Insofern« diese Geschäftsordnung keine Vorschrift über die Mitgliederzahl eines Ausschusses enthält, bestimmt oer Congress dieselbe von Fall zu Fall. 8 39. Den gewählten Ausschüssen steht es frei, aus der ganzen Versammlung solche Delegierte, denen sie besondere Kenntnis des Gegenstandes Zutrauen, zur Theilnahme an den Sitzungen mit berathender Stimme beizuziehen. 8 40. Ueber die Sitzungen der Ausschüsse werden Protokolle geführt, welche — nach erfolgter Genehmigung durch den Ausschuss — dem Präsidenten übergeben werden. Dieselben enthalten' alle im Verlaufe der Sitzung gestellten Anträge und gefassten Beschlüsse. 8 41. Jeder Beschluss der Ausschüsse wird mit absoluter Stimmenmehrheit gefasst. Der Vorsitzende einer Ausschussfitzung hat sein Stimmrecht nur bei Gleichheit der Stimmen auszuüben. Der Ausschuss wählt einen Berichterstatter, der das Ergebnis der Beratung in einem Berichte zusammenfasst und die Beschlüsse der Mehrheit des Ausschusses in der Plenarsitzung zu vertreten hat. & Mt Woche. Wien, 13. Juli 1898. Die Kunde, dass ein gewisser Cornelius Herz in Bournemouth sein Zeitliches gesegnet habe, wurde in einem Theile der Presse mit großem Nachdruck dahin ergänzt, dass der Verstorbene auch ein Jude gewesen sei. Der genannte Theil der Presse legte auf die Constatierung dieser Thatsache deshalb sehr viel Gewicht, weil die Totenklage, die von allen Blättern anlässlich des Trauerfalles angestimmt wurde, in den sehr deutlichen Accord ausklang, Cornelius Herz wäre bei Lebzeiten ein nicht zu unterschätzendes Gaunertalent gewesen. Der Mann, der abseits vom breiten Tugendpfade so üppige Lorbeeren einheimste, ist also ein Jude gewesen. Angesichts dieses niederdrückenden Umstandes hätte die gesammte Judenheit eigentlich sofort ihr Haupt luftdicht verhüllen und sich gründlich, recht gründlich schämen sollen. Aber wie nun die Juden schon einmal sind — von einer Schamröthe nicht die blässeste Spur. Leugnen die Inden, dass jener Verblichene ein „Jude" war? Durchaus nicht! Oder wollen sie etwa gar leugnen, dass jener Verblichene jahraus, jahrein rastlos bemüht war, das Zuchthaus mit dem Aermel zu streifen? Durchaus nicht! Warum sollte denn gerade ein Jude nicht an dieses Gebäude ankommen dürfen, da doch unter den übrigen Menschenkindern unzählige nicht weiter davon sind? An kein einziges Wesen werden so curiose Anforderungen gestellt wie an den Juden. Jeder hat an dem Juden etwas anderes auszusetzeu. Der nichtjüdische Kaufmann geräth außer sich, wenn ein Jude auf die tolle Idee verfällt, sich an irgend einer Straßenecke ein Kaufgewölbe einznrichten. Der nichtjüdische Arzt kann es nicht fassen, dass auch ein Jude Recepte schreiben will; der nichtjüdische Schuster regt sich ungemein auf, wenn ein Jude der Menschheit die lädierten Schuhe ausbessern will, und die antisemitische Presse verübelt es dem Cornelius Herz, wenn er sich der Gaunerei widmet. Gewiss, es gibt auch unter den Juden Individuen, die ihren Nebeumenschen in gelegenen Momenten über's Ohr hauen. Es fällt uns gar nicht ein, uns auf Pagina so-und-so, Zeile so-und-so zu berufen, woraus unwiderleglich hervorgeht, dass der Jude allen moralischen Vorschriften zufolge das Ohr seines Nächsten überhaupt nicht in der angegebenen Weise behandeln kann. Wir wollen auch nicht die staunende Mitwelt mit der Nachricht überraschen, dass wir, wie aus einem zweifellos verlässlichen, statistischen Material hervorgeht, der Tugend und dem Edelsinne viel leidenschaftlicher ergeben sind, als die anderen Mitgeschöpfe. Nein, wir geben es gelassen zu: auch unter den Juden gibt es Gauner. Und wer Gelegenheit gehabt hat, Juden dieser Sorte im persönlichen Verkehre oder aus den gedruckten Erzeugnissen ihres Empfindungslebens näher kennen zu lernen, der wird erklären müssen, dass mancher Jude sogar ein ganz hervorragender Lump sein kann. — Ueber die Grundsätze des jüdischen Gauners circulieren die seltsamsten Gerüchte. Man will wissen, dass er nicht in allen Districten der menschlichen Gesellschaft seine Thätigkeit entfaltet, sondern dass er gewisse Partien meidet. Nämlich jene Partien, die von „Glaubensgenossen" besiedelt sind. Das soll gewissermaßen ein sympathischer Zug im Charakter des jüdischen Gauners sein. Er hat zwar eine über und über schwarze Seele, aber ein Lichtfleck ist doch da, die Rücksicht für die „Seinen". Dieser ideale Zug, mit dem der antisemitische Balladensänger den jüdischen Gauner ausstattet, muss leider in's Gebiet der Räuberromantik verwiesen werden. Der verklärende Lichtfleck, von dem das Volkslied singt, ist Poesie, nichts als Poesie. Der jüdische Gauner ist nicht besser als sein nichtjüdischer Standesgenosse. In der Ausübung ihres Berufes kennen sie absolut keine nationalen oder confessionellen Vorurtheile. Parteiische Voreingenommenheit trübt den Blick, beschränkt den Horizont, beeinträchtigt das klare Denken. Und gerade der Gauner muss mehr als jeder andere Mensch einen freien Kopf haben.-— Die „Abwehr" liebt es, Gaunerstreiche, die jüdischer Abkunft sind, zu verheimlichen oder zu entschuldigen oder gar zu beschönigen. Die „Abwehr" hat dabei gar nichts Böses im Sinne, sie thut das nur aus Angst. Sie kalkuliert nämlich folgendermaßen: Wenn ein Jud über die moralische Schnur .haut, so sagen die fürchterlichen Antisemiten gleich, alle Juden sind Gauner. Man muss also pfissig sein und über den jüdischen Gauner in aller Hast, eh' es zu spät ist, ein großes Tuch werfen und auf diese Weise macht man sich um das Hinsiechen des Antisemitismus und natürlich auch ums Judenthum sehr verdient.-Durch diesen primitiven Gedankengang gelangt die „Abwchr" zur Rolle des Hehlers. Man verstecke das Gaunerthum, statt sich von chm durch einige regelrechte Fußtritte loszusagen. Man will.das Judenthum nicht compromitlieren lassen, aber man schüttelt den sauberen „Glaubensgenossen" nicht offen ab, sondern bietet ihm heimlichen Unterschlupf, damit nichts ans Tageslicht komme. Man macht

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