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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
Eine Thora [Nachricht]
Date
1898-07-08
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 27 Seite 11 Eine Thor« nahmen sich die nach China mit ihren russischen Regimentern kommandierten 100 jüdischen Soldaten mit. Der commandierende General gab hiezu die Erlaubnis. Ueberfall Esterhazys ans Pieqnart. Oberst Picquart wurde am 3. Juli Nachmittags um 5 Uhr auf der Place Victor Hugo von Esterhazy überfallen. Picquart vernahm Schritte hinter sich, drehte sich mechanisch um und erblickte Esterhazy, der unter dem Ausrufe: „Da, was ich Dir versprochen habe!" mit einem Knüttel zum Schlage ausholte. Picquart parierte den Hieb mit den linken Arm, während er gleichzeitig mit dem Spazierstock rasch mehrere Hiebe gegen Esterhazy führte. Beide Personen trugen Civilkleidung. Mittlerweile sammelten sich Leute an, welche Esterhazy, indem er seinen vom Kopf geschlagenen Hut aufhob und sich zum Gehen anschickte, mit den Worten aufzuhetzen suchte: „Ich bin Esterhazy und das ist Picquart!" Keine der umstehenden Personen zeigte sich bereit, auf den Wunsch Picqnart's, eventuell Zeugenschast abzugeben, einzugehen, bloß die Straßenkehrer stellten sich Picquart zur Disposition, um den Ueberfall zu bezeugen. Wachleute wohnten nicht der Scene bei. Picquart begab sich in die Apotheke, um sich den linken Arm, der den Schlag erlitten, verbinden und hierüber ein Attest ausstellen zu lassen. Picquart beabsichtigt, gegen Esterhazy Klage zu führen. Personalnachricht. Die Hörer der Jsr. theologischen Lehranstalt in Wien, die Herren I. L. Landau, S. Rosenzweig, H. Chajes und M. Steif wurden am Samstag den 2. Juli zu Doctoren der Philosophie promoviert. Die zionistische Kewegmz. Spende» für zionistische Zwecks sind an HerrnDr. O. Kokösch, Hof- »nd Gerichts-Advoeaten in Wie«. 1-, Singerstraße 25, zu sende». Moinesti (Rumänien). Der Verein „Rees Zionah" hat Samstag den 28. Mai in der großen Synagoge eine Massenversammlung veranstaltet. Zweck derselben war die Erklärung des zionistischen Programmes im allgemeinen und des Schekels und der Colonialbank im besonderen. Es sprachen die Herren H. L e v e n t e r, I. S ch a p i r a, M. Birnbaum. C. Rabin o v i c i und A. Storch. Mit einem Nachruf für Professor Schapira wurde die Versammlung geschlossen. Dorohoi. Hier hat sich bald nach dem Baseler Congresse ein zionistischer Verein gegründet, der jetzt bereits unter dem Präsidium des Herrn M. Baumöl 130 Mitglieder zählt und eine lebhafte Propaganda in allen Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung entfaltet hat. Die Jugend ist in 3 Vereinen organisiert, Benei Zion und Dorschei Zion, aus jungen Männern bestehend, und Benoth Zion, der aus Mädchen besteht. Die drei Vereine, zählen circa 200 Mitglieder. In der Stadt und in der Umgebung wird jetzt eifrig für die Zeichnung von Actien der Colonialbank agitiert. Lausanne. Herr Jlia G rünberg hat hier eine zionistische Ortsgruppe gebildet. London. Dem „I. SS." wird aus Manchester berichtet: Letzten Samstag hielt Rem I. Simon eine Rede zum Andenken Mohilewer's. Anknüpfend an den Wochenabschnitt, führte der Redner aus, Mohilewer sei ein neuer Caleb gewesen. Caleb's Worte: „Lasst uns hinausziehen und Kanaan in Besitz nehmen" klingen wie ein Aufruf des modernen politischen Zionismus, für welchen der fromme Rabbi Samuel so viele Herzen zu begeistern gewusst". Von David Wolfse erhält der „I. SS." folgende Reminiscenz an Rabbi Mohilewer: „Vor meiner Ankunft in der Colonie Chedereh an einem schönen Apriltag des Jahres 18«7 bemerkte ich in einiger Entfernung Gebäude und große Gärten. Mein Führer belehrte mich, das sei der Gan Schemuöl, sogenannt nach dem Rabbi Mohilewer, welchem diese Colonisten zu besonderem Dank verpflichtet Md. Sie bemerkten mir. wie wünschenswert es sei, dass der Verkauf von Palästina-Esrogim prosperiere. Dadurch würde Mohilewer's Andenken, dem diese Gärten geweiht sind, verewigt werden". ClMkspINldkllM. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Centralregierung hat das Standrecht über Sandec und Limanowa und den Ausnahmszustand über dreiunddreißig Gerichtsbezirke Galiziens verhängt. Doch die Regierung in Wien denkt, und die Oberregierung in Galizien lenkt. Ein jeder Bürger, dem das Wohlergehen des Vaterlandes keine leere Phrase oder ein Aushängeschild ist, unter dem man private Geschäfte betreibt, hätte erwartet, dass man jetzt trachten werde, die galizische Bevölkerung zu beruhigen, dass man vernünftige Reformen ankündigen und dem Volke aus jede Weise begreiflich machen werde, dass es ernster Wille der maßgebenden Kreise sei, die Ursachen der Unzufriedenheit so rasch als möglich zu beseitigen. Ein jeder Vernünftige hätte erwartet, dass man gerade die antisemitischen Hetzer und Hetzblätter strenge überwachen und ihre weitere angestrengte Thätigkeit im Jnteresie — ihres Sackes unmöglich machen werde. Aber das fällt den Behörden Galiziens nicht ein. Sie denken nur daran, die günstige Gelegenheit zu ergreifen, um ihre Gewaltherrschaft zu sichern. Mit Behagen gehen sie daran, jede freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, welche die Wahrheit über die schändlichen Berhältnisie in dieser Satrapie der galizischen Schlachta zur allgemeinen Kenntnis bringen möchte. Ans einer Maßregel, die Ruhe und Ordnung zu schaffen bestimmt ist, schmieden sie sich eine Waffe, um missliebige Zeiturrgen, Vereine, Corporationen und Einzelpersonen damit zu treffen. Es ist ein schändliches Gaukelspiel, das in Galizien unte^der Maske des Ordnungmachens getrieben wird. Es ist ein Spiel, das dadurch nicht reiner wird, dass die Arrangeure sich im Hintergrund halten und die Regierung die Kastanien aus dem Feuer holen lasten. . Wenn die Regierung den galizischen Selbstherrschern aufsitzt oder gar aufsitzen will, so muss man es laut und öffentlich sagen: Es ist nicht wahr, dass man in Galizien die Ordnung wieder Herstellen will. Wahr ist, dass man die Unzufriedenheit in immer weitere Kreise verbreitet, wahr ist, dass man unter der Angabe, den antisemitischen Exceffen ein Ende zu machen, auch solche Bevölkerungsschichten mit Erbitterung erfüllt, welche an den Exceffen nicht Theil hatten. Wahr ist,, dass man das Odium, dieses Vorgehens auf die Juden überwälzt und so neuen Zündstoff anhäuft, der bei Aufhebung des Ansnahmszustandes sofort in Brand gerathen wird. Wahr ist, dass in den antisemitischen Blättern weiter fortgehetzt wird, während man andere Blätter eingestellt hat. Wahr ist, dass der Ausnahmszustand benützt wird, um die Bevölkerung auf Jahre hinaus wieder der Willkür der galizischen Behörden gefügig zu machen. Wahr ist, dass jeder Patriot mit Abscheu diese Campagne der galizischen Machthaber betrachtet. Ordnung sollte die Negierungsmaßregel bringen, und Unordnung und Hass muss eine solche Ausführung derselben Hervorrufen. Das ist ein trauriger Schutz für die Juden, wenn man ihnen die Verantwortung für solche Maßnahmen zuschiebt. Gegen ein solches Manöver muss schon heute nachdrücklichst Stellung genommen werden. Lemberg, 4. Juli. Der Specialberichterstatter des ,.Sto\vo polskie“ schreibt unter gestrigem Datum Folgendes: Die Exceffe im Sandecer Gebiete, welche das Standrccht zur Folge hatten, sind ganz ähnlich den ihnen vorangegangenen in Jaslv, Gorlice und Strzyzow. Wie diese beruhten auch jene ans einer vermeintlichen Erlaubnis von Seiten des Staates und des Papstes, die Juden zu plündern. — Ein Unterschied liegt jedoch darin, dass die Sanvecer Exceffe größere Dimensionen angenommen und mit drohenderer Gewalt auftraten, dass sie gut organisiert, sich nicht auf die Zerstörung jüdischen Eigeuthums beschränkten, sondern mit allgemeinem Rauben und Plündern endigten. Hier genügt es nicht, bloß vvn blindem Racen-

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