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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
An die jüdischen Rechtspraktikanten!
Date
1898-07-08
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 JfcOWdT Nr 27 jüngeren College» auf die näheren Umstände der erwähnten Ernennungen aufmerksam zu machen. Durch die Einführung der neuen Civilprocessordnung, wodurch der Schwerpunkt des Processes in die mündliche Streitverhandlung verlegt wurde, die genau protokolliert werden muss, ist der Bedarf an Schriftführern ein sehr großer geworden. Zum Schriftführeramte eignen sich bekanntlich am besten Rechtspraktikanten und Auscultanten, erstens aus dem Grunde, weil sie juristische Vorbildung haben und selber imstande sind, das Protokoll zu verfassen, wodurch sie die Vorsitzenden der lästigen Pflicht entheben, alles dem Protokollanten zu dictieren; zweitens weil diese Schriftführer nicht viel kosten. Der Rechtspraktikant als solcher und geraume Zeit nach der Nomination zum Aiiscultanten ist unbesoldet;- nachdem er einige Monate Auscultant gewesen, bekommt er einen Gehalt von etwa 500 fl. jährlich. Wie gesagt, ist und war nach Einführung der Civilprocessordnung der Bedarf an Ausculranten ein so großer, dass man auch die sich darum bewerbenden Juden zu Auscultanten beförderte. Wohl gemerkt, weil man sie unbedingt brauchte. Was geschieht aber mit den jüdischen Auscultanten? Auf diese eigentlich naive Frage ist die Antwort kurz und bündig: sie bleiben sitzen. Das ist es, worauf ich die jüngeren College» aufmerksam machen will; die jüdischen Auscultanten werden nach zwei und mehrjähriger Wartezeit zu wiederholtenmalen präteriert, nach beendeter Wartezeit sehen sie sich gezwungen, nachdem die erhoffte Ernennung zum Avjuncten einfach ausbleibt, einem anderen Berufe sich zu widmen. Und das ist nicht etwa der Fall bei minder begabten Juristen, nein, einige jüdische Auscultanten, deren bedeutende Fähigkeiten den maßgebenden Persönlichkeiten sehr wohl bekannt wurden, sind demselben Schicksal preisgegeben und nur weil sie Juden sind. Meiner Pflicht habe ich als älterer College durch Veröffentlichung dieser Zeilen Genüge gethan, die jüngeren mögen daraus ihre Konsequenzen ziehen. Dr. Goldberg Für die geplünderten galizischeu Juden. Herrn Dr. Alexander Mintz sind bisher zugekommen: Von Adolf Schallinger, Brünn, 2 fl.; S. K. durch Adolf S ch a lli n g er 1 fl.; A. Lawetzky in Nachod 10 fl.; Berthold Feiw el in Brünn IO Mark 5 fl. 87 kr.; Emil Menzel es, Ung.-Hradisch, 1 fl.; Frieda Krasny, Mähr.-Ostrau, 1 fl.; C. T a u s i k, Mähr.-Wcißkirchen, unter dem Motto: „Groß die Noth und klein die Gabe, doch spende ich freudig was ich habe", 50 kr.; Gustav Kohen, Hamburg, 100 fl.; Brüder H i r s ch e n s o h n, Jassy, 50 Lei - 23 fl. 80 kr.; Bildhauer Beer, Paris, unter dem Motto: „Den Opfern der Gräuelthaten in Galizien" 20 Frcs. ---- 9 fl. 52 kr.; Gustav Hirschseld in Wien als Ergebnis einer . Sammlung (Alfred Mayer: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit- 1 fl.; G. H. 2 fl.; Ludwig H i r s ch f e l d 1 fl.; Alexander Hirschfeld 2 fl.; Adolf H i r s ch f e l d 2 fl.) 8 fl.; Familie Klein, Linz 5 fl.; Robert Rappaport, Wien, 5 fl.; G. in Wien 20 fl.; Dr. Leopold Kahn in Wien 25 fl.; Dr. Adolf Friedemann, Berlin, 10 Mk. -- 5 fl. 87 kr. Mit den bereits früher ausgewiesenen Spenden beträgt dies: 643 fl. 56 kr. K PopMr-mffkuschaMche Rundschau. Die größte Locomotive der Welt, der „Riese" genannt, ist von der belgischen Staatseisenbahnverwaltung erbaut worden zur Ueberwindung einer starken Steigung auf der Bahnlinie bei Lüttich. Sie ruht auf 6 Paar Rädern und hat ein Gewicht von 2130 Zentnern. Die Bertheilung des Gewichts ist derart getroffen, dass jedes Räderpaar gleichmäßig mit 3ö5 Zentnern belastet ist. Die Ausnutzung der Nilkatarakte. Professor Forbes, der englische Elektriker, der Anfangs Mai aus Wady-Halfa zurückgekehrt ist, hat sich über den Plan, die Wasserkraft der Nilkatarakte zur Erzeugung der Elektricität auszunützen, überaus günstig ausgesprochen; er ist der Ansicht, dass auch die allgemeinen Bedingungen für ihren Gebrauch als Betriebskraft in Aegypten ungewöhnlich günstig liegen. Seiner Meinung nach würde die Wasserkraft im Stande sein, das ganze Jahr hindurch die ^Eisenbahn, die Baumwollmühlen, Zuckerfabriken, die Bewässerungsmaschinen u. s. w. zu treiben, auch würde die Kraft über Entfernungen von einigen hundert englischen Meilen zu übertragen sein, ohne dass die Kosten der gelieferten Kraft die der Kohle erreichten. Professor Forbes befindet sich auf dem Heimwege nach England, wird jedoch im September nach Aegypten zurücKehren, um die Untersuchungen zu vervollständigen und der ägyptischen Regierung ein Project zu unterbreiten. Gepanzerte Eisenbahnwagen bilden zur Zeit das treueste auf den: Gebiete des Transportwesens. Wie bekannt, gehören im Lande des Sternenbanners erfolgreiche Ueberfälle auf die meistens hohe Summen, beziehungsweise Wertgegenstände enthaltenden Eisenbahn-Packwagen keineswegs zu den Seltenheiten. Um nun die Sicherheit der ihr anvertrauten Wertsendungen während des Transportes zu erhöhen, hat die Pittsburg- und Lccke-Erie-Eisenbahn-Gesellschaft wirklich fahrbare Festungen mit Kasematten und Thürmen in ihre Züge eingestellt. Der ganze Packwagen ist mir einer Stahlpanzerung versehen, welche von Schießscharten durchbrochen ist. Am vorderen und Hinteren Ende des Wagens sind kleine, ebenfalls gepanzerte Thürme vorgesehen, von welchen aus die Kugeln der Bedeckungsmannschaft die ganze Umgebung des Wagens bestreichen können. Die Mitte des Wagens nimmt eine Stahlkammer, die eigentliche Kasematte, ein, deren Wandungen aus drei Centimeter starken Stahlplatten bestehen. Ein künstlicher Mond. Durch einen künstlichen Mond wird der große Lesesaal des Bibliotheksaebäudes der Columbia- Universität zu New-Iork in sehr gelungener Weise erleuchtet. Das Verlangen nach einem milden, farblosen, keinen Schatten werfenden, gleichmäßig zerstreuten Lichte hat zu folgender Anordnung geführt. In der Rotunde der Bibliothek ist in einer Höhe von 26 Meier eine weiße, undurchsichtige Kugel von 2,13 Meter Durchmesser an einem 6 Millimeter dicken Stahldrahte so aufgehängt, dass sie frei im Raume zu schweben scheint Das darüber befindliche Kuppelgewölbe hat das Aussehen mattgeschliffenen weißen Glases. Die Kugel wird nun der Bestrahlung von 8 elektrischen Projectionslaternen ausgesetzt, die sich in gleicher Entfernung von der Kugel an.8 verschiedenen Punkten der oberen vier Gallerien befinden und rundum verschlossen sind, so dass nur die Projectionslinien sichtbar sind. Dre auf die Kugel geworfenen Lichüegel überschneiden sich theilweise. Die Wirkung ist außerordentlich schön. Die im weißen Lichte erstrahlende Kugel übt auf das Auge des Beschauers die eigenthümliche Täuschung aus, als ob ein wirklicher Mond auf ihn herabstrahle. Tie Leuchtkraft der Kugel beträgt 500 Normalkerzen, und soll eine sehr gute Ausnützung des Lichtes ergeben, da die Verhältnisse genau denen bei dem Monde gleich sind. Sk Zionismus im Transvaal. Auf einem Meeting des Transvaaler Zionisten-Comites wurden folgende Cougress- Delegierte gewählt: Dr. M. Gaster, Dr. M. Nordau, Dr. Hirsch, David Wolffson und H. Bentwich. Es wurde beschlossen, 100 Bankshares zu nehmen und folgende Herren zur Entgegennahme von Subscriptionen und Depots bestimmt: H. Salomon, Stock Exchange; N. Richardson, Stock Exchange; S. Goldreich, Goldreich's Buildings; S. Lennox Loewe, 7, Saville Honse, Fraser Street, Chains. Mehrere Lud-Comites wurden eingesetzt, darunter ein Finanz-, Versammlung^- und Bergnügungs-Comite. Es besteht die Absicht, musikalische Unterhaltungen zu veranstalten und die Frauen und Mädchen zur thättgen Antheilnahme an der Bewegung heranzuziehen. Zur Paläftinareise des deutschen Kaisers. Das deutsche Consulat in Jerusalem hat dieser Tage die erste officielle Verständigung von. der Reise des deutschen Kaiserpaares nach Jerusalem erstatten. Sie wird flir den October angekündigt. Die Kaiserin beabsichtigt, einige össenrliche Anstalten zu besuchen, der Kaiser wird einige Excursionen unternehmen. Die Reise geht von Cvnstantinopel nach Haifa, von dort zu Land nach Jaffa. Das Kaiserpaar wird entweder auf dem Wege von Haifa nach Jaffa oder auf der Rückreise nach Haifa eure Nacht in der Colonie Samarin (-Sichren Jacob) zubringen. „I. Ch." . Znm Präsidenten der „Alliance Israelite Universelle14 ist Mr. Narciffe Leven gewählt worden. Derselbe ist auch Präsident der I. C. A. Zu Bice-Präsidenten wurden die Herren Jules O p p e r t und Salomon R e i n a ch berufen. Ahlwardt, der Crkorene der Inden. In Arnswalde haben die jüdischen Wähler in der Stichwahl zwischen Ahlwardt und Ring für den ersteren gestimmt. Motiv der That unbekannt.

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