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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
Convention der amerikanischen Orthodoxen
Date
1898-07-08
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr 27 jpkty** Seite 9 Convention der amerikanischen Orthodoxen. Nerv-Zsrk, Juni. DieConvention der amerikanischen Orthodoxen wurde in den letzten Junitagen in der Scheerith Israel-Synagoge abgehalten. Rev. Dr. H. Pereira.Mendes bewillkommte die Delegierten aus Buffalo, Baltimore, Charles ton, - Chicago, Cleveland, Dayton, Hartford, Jersey city, Lancaster, Louisville. Montreal, Newark, Newport, Newhaven, New-Hork, Philadelphia, Pittsburgh, San Antonio. Syracuse und Washington. Es waren etwa ILO Delegierte anwesend, darunter die Herren: Richard Mayer Sulzberger, Rev. MeldoladeSola aus Montreal, Doctor Klein und Sarahson aus Rew-Pork, Dr. Hertz, Doctor Solis Cohen, Dr. B. Drachman, Dr. Schaffer und Rev. Jacob Josephs. Im Laufe der Sitzung wurde folgende Resolution eingebracht, deren Auszug hier folgen möge: „Dass es wünschenswert und nothwendig ist, denjenigen unserer Brüder, die unter der Last drückender Gesetze leben, eine gesetzlich geschützte Zufluchtsstätte zu bieten, steht außer Frage. Die Logik der Thatsache weist auf Palästina und die angrenzenden, fruchtbaren Gebiete als auf das Land der Verheißung hin. Historische Bande und die Verheißungen der Propheten verleihen diesem Lande eine große Anziehungskraft für die Juden. Auch die Völker erkennen keinem Lande, so wie diesem, die Tauglichkeit für den angestrebten Zweck zu. Der Vorschlag, die schon bestehenden Colonien zu unterstützen sowohl durch Heranziehung tüchtiger Mitglieder als durch Eröffnung von Depots für Aufnahme und Absatz der Colonialproducte in den Handelscentren Europas und Amerikas — ist so außerordentlich praktisch und verheißungsvoll, dass er die allgemeine Billigung finden muss. Wir nehmen keinen Anstand zu versichern, dass die begeistertste Anerkennung des Zionismus mit dem glühendsten amerikanischen Patriotismus vollkommen vereinbar ist. Und was von uns amerikanischen Juden, das kann von unseren Brüdern in England und Europa ebenfalls behauptet werden. Im vollen Vertrauen auf die Verheißungen der Propheten, schaut der Jude vorwärts in jene Zeit, da alle Menschen in Eintracht und Frieden leben werden, ohne einander nach Rasse oder Geburtsland zu befragen. Während er aber auf die Erfüllung seines Ideals von der vollkommenen Brüderlichkeit der Menschen harrt, verbleibt er ein treuer und gesetzachtender Bürger jener Nation, in deren Mitte er eben lebt. Warum sollte ein Jude mehr zögern, Einwohner von. Palästina zu sein, als von Amerika, Groß-Brilannien oder sonst einem Lande? Man braucht die Situation nur von einem allgemeinen Gesichtspunkte zu betrachten, um einzusehen, mit welch' müßiger Chimäre unsere guten Freunde sich selber entmuthigen. Würde ein Judcnstaat, unabhängig oder dem Sultan unterthan, in Palästina etabliert werden, so würden die Juden der ganzen Welt an ihm ein besonderes Interesse nehmen, aus denselben Gründen, die ihren Patriotismus gegen ihre jetzigen Vaterländer inspirieren." Die Debatte wurde wieder eröffnet, und Mr. Drachman brachte das Amendement ein: „Allen Gemeinden sei dringend aufzutragen, den Zionismus zu begünstigen." Mr. S. M. R o e d e r hält es für gefährlich, diesen Gegenstand zu berühren. Mr. Max Cohen bringt ein Alternativ - Amendement ein : „alle zionistischen Bestrebungen in der Richtung der zionistischen Lehren der Bibel zu empfehlen, und die Thätig - keit der Gemeinden in dieser Richtung zu begünstigen." Das ist freilich einigermaßen unbestimmt, doch gaben sich alle begeisterten Zionisten damit zufrieden, und es wurde der Bericht mit diesem Zusatz angenommen. ...Jewish World". L Briefkasten der „Zionstöchter". Herrn F. Sch. in C. Innigsten Dank für die rege Theilnahme. Von meiner Dienstreise zurückgekehrt, komme ich erst jetzt zur Beantwortung des geschätzten Schreibens. — Es ist über die aufgeworfene Idee so vieles zu sagen, dass es im Rahmen dieser Zeitschrift kaum thunlich erscheint, sich auf den ganzen Complex unseres Arbeitsprogrammes zu erstrecken. Als Armen- und Kinderpflegerin vom Fach, sind mir die Klippen alle bekannt, welche ein jüdischer Pflegerinnen-Orden zu umschiffen hat, und darum muss ich auf dem religiösen Gefüge desselben bestehen. Dort wo die englischen Missionäre „koschere" Humanitätsanstalten besitzen, darf keine solche Jüdin als Armenpflegerin thätig sein, an deren Aufführung das äußerst scrupulöse Chaluka-Publicum etwas auszusetzen hätte. Auch kann ich nur von einer religiösen Jüdin erwarten, dass sie den Kampf gegen den Pauperismus der jerusalemischen Juden mit Erfolg aufnehmen kann, denn es gehört eine gute Dosis Gottergebenheit dazu, sich für seine Wohlthat verflucht und beschimpft zu wissen, wie es bei Professionsbettlern zu erwarten ist, wenn man deren Kinder zu nützlichen Menschen erziehen will. Eine nicht religiös beanlagte Schwester würde gar bald Reißaus nehmen, wenn sie das Elend in seiner Nacktheit kennen lernt, und darum reflectieren wir lieber auf wenige, aber nach jeder Richtung hin verlässliche Kräfte. Wie mir von einem unserer ungarländischen Gesinnungsgenossen mitgetheilt wird, hat ein Krakauer Organ meine Bestrebungen angegriffen, ohne uns mit einem Exemplar dieses Angriffes zu beehren. Ich kann es niemanden verdenken, wenn er aus der engen Welt des galizischen Globus nie herausgetreten ist und nicht weiß, dass in Deutschland die religiösen Schwestern evangelischen Bekenntnisses und auch die jüdischen Schwestern in Frankfurt und Berlin, jeden Tag in ihren Familienverband zurücktreten können und ihnen die Verehelichung nicht verwehrt ist. Wenn ich für eine regelrechte Handhabung des Armenpflegedienstes eintrete, so geschieht dies aus so vielen Gründen, dass ich dieselben nur in einer speciellen Abhandlung näher erörtern könnte. Wer aus unserem Statutenentwurf herausklügeln will, dass wir: 1. nicht heiraten dürfen: 2. von früh bis abends das „Korban-Minchsi Szidiir- oder den „Zeeno Weureno“ blättern müssen und X nonnenhafte Allüren zur Schau tragen und ein unthätiges Klosterleben führen möchten, ist auf dem Holzwege. Wer aber glaubt, dass wir unter dem Titel „Humanitäres Wirken" einen Freibrief ausstellen wollen, für alles was unser Ritualgesetz wohlweislich verbietet, irrt sich ebenso. — Man hat innerhalb des Ordens diejenigen Gebote zu beobachten, welche das Speisegesetz und die Gesetze für Moral und Menschenliebe vorschreiben. Verheiratete Frauen, Verlobte, Mütter von Kindern u. dgl. sind schon darum nicht zum Dienste als berufsmäßige Pflegerinnen geeignet, weil ihre körperliche und geistige Thätigkeit ganz und gar im allgemeinen Wohl aufgehen muss, was bei anderweitig gebundenen Individuen nicht leicht möglich ist. Eine fixe Zeit wäre unsererseits auch nicht für die Ausübung des Schwesterndienstes bestimmt, wenn es ausgeschlossen wäre, dass eine oder die andere Dame auf Vereinsunkosten eine kleine Lust- oder Studienreise nach Palästina unternehmen möchte. Mit den Kosten der Beförderung nach dem heiligen Lande und der Ausbildung steht daher eine Minimaldienstzeit von zwei Jahren doch wohl im Einklänge. Wünscht eine Dame keine ständige Dienstpflicht einzugehen, so möge sie dem Vereine eine Caution in der Hohe der Reise-, Ausbildungs¬ und Ausrüstungskosten leisten. Die im Dienste erworbene Invalidität bedingt die lebenslängliche Versorgung in einer Vereinsanstalt. Was die Einwendung betrifft, dass die Ausbildung der Schwestern in einer europäischen Stadt geschehen und sich auch auf die Erlernung des Französischen und Hebräischen erstrecken sollte, bemerke ich, dass die Ausbildung sich nach den Bedürfnissen des heiligen Landes zu richten und daher an Ort und Stelle stattzufinden hat. Jeder Schwester wird von der Leiterin der Platz angewiesen werden, wo sie am Besten entspricht. Hebräisch und Französisch lernt sich am Besten dort, wo es als Umgangssprache gebraucht wird. Um das Um und Auf des Pflegedienstes wird theoretisch dem Pseiffer'schen Taschenbuche, praktisch aber den faktischen Bedürfnissen entnommen. Mit diesen Erörterungen glaube ich den allerseitigen Anfragen und Bemerkungen entsprochen zu haben und bemerke schließlich, dass ich eine religiöse Jüdin bin, welche von ihren Glaubens- resp. Gesinnungsgenossen nicht missverstanden werden will. Wenn ich die Angelegenheit vor den Congress in Basel zu bringen wünsche, so liegt dies darin, dass ich kein anderes Forum kenne, welches sich derzeit aus den Juden aller Länder zusammensetzen und allgemein giltige Beschlüsse fassen würde. Vielleicht wird mir bis dahin möglich sein, alle gegnerischen Einwendungen entkräften und das wahre Ziel der jüdischen Philanthropie seiner Verwirklichung entgegen führen zu können. Mehreren Interessenten. Die Statuten werden, sobald sie in Basel gutgeheißen oder modificiert wurden, zur Genehmigung der für Jerusalem competenten politischen Behörde unterbreitet werden. Das Comit^ wird in Europa, der Orden in Palästina thätig sein. Mit den europäischen mächtigen Organisationen wollen wir nicht concurrieren. Dort muss man beginnen, wo's am nöthigsten ist, in den Reihen der jerusalemitischen Hilfsbedürftigen. Die angemeldeten Schwestern wurden in Vormerkung genommen. D r e P r o j e c t a n t i n. Tribüne. An die jüdischen Rechtspraktikanten'. Bor nicht langer Zeit wurden mehrere jüdische Rechtspraktikanten zu Auscultanten ernannt. Diesem ungewöhnlichen Ereignisse scheint in weiteren Kreisen symptomatische Bedeutung beigelegt worden zu sein, indem sich jetzt jüdische Praktikanten in größerer Anzahl um die Aufnahme in den Richterdienst bewerben. Angesichts dessen erachte ich es für meine Pflicht, die

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