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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
Die Conferenz der Zionisten Galiziens und der Bukowina
Date
1898-07-08
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27. Wühlarbeit, welche während der letzten Monate gegen das Wiener Actionscomite unternommen worden war. Die Sitzungen fanden in den überraschend comfortablen Räumlichkeiten des Vereines „Beth Israel" statt. Im großen Saale hatten sich die Delegierten versammelt; die angrenzenden Zimmer bis hinaus zum Borsaal füllte eine hundertköpfige Menge. Dank den Bemühungen des Herrn Löbel Taubes herrschte eine musterhafte Ordnung. Als der Ehrenpräsident Herr Rabbiner Schreier erschien, erhob sich die ganze Versammlung von den Sitzen. Nach Bildung des Bureaus schritt man sofort zur Erledigung der Tagesordnung. Der Vorsitzende richtete an die Versammlung einige einleitende Worte. Sodann nahm Herr Dr. Mintz das Wort, um zum ersten Punkte der Tagesordnung (Organisation des Schekels) zu sprechen. Man hatte Auftlärungen über die Verwendung der Schekelgelder gewünscht: in dieser Richtung war gegen das Wiener Comite der Vorwurf erhoben worden, dass sein Vorgehen den Intentionen des Congreffes nicht entspreche. Herr Dr. Mintz erklärte, dass die Conferenz nicht das Forum sei, vor welchem ein Rechenschaftsbericht zu erstatten wäre; allein er nehme keinen Anstand, die gewünschten Aufklärungen zu ertheilen. Die detaillierten Ausführungen des Herrn Dr. Mintz lohnte reicher Beifall. Der Vorsitzende gab unter lauter Zustimmung seitens der Versammlung die Erklärung ab, dass die erhaltenen Aufklärungen wohl alle Anwesenden durchaus beftiedigt hätten. Hierauf sprach Herr Dr. Salz und nach ihm Herr Dr. Ebner. Ersterer stellte den Antrag, dass 25 Percent der in Galizien und der Bukowina gesammelten Schekelgelder für Zwecke der Provinzialagitation vorweg in Abzug gebracht und nur 75 Percent an das Wiener Comite abgeführt werden sollen. Herr Dr. Ebner trat in seinem Antrag dafür ein, dass zwar die volle Schekelsumme nach Wien gesendet werden möge, dass aber das Wiener Comite von Fall zu Fall gewisie Subventionen den Landescomites in Galizien und in der Bukowina bewilligen solle. Herr Dr. Mintz erklärte demgegenüber, dass das Wiener Comite sich nicht für berechtigt halte, einen Theil des Schekels für die erwähnten Zwecke zur Verfügung zu stellen. Sollte aber in dieser Richtung wirklich ein Bedürfnis vorliegen, so möge dieses in einem auf dem zweiten Congress zu stellenden Antrag seinen Ausdruck finden. Nur der Congress sei competent, das Schekel-Institut zu reformieren. Hierauf trat Herr Dr. Ebner für die Fasiung einer Resolution ein, laut welcher beim z w e i t e n C o n g r e s s ein Antrag des Inhaltes einzubringen sei, dass das Actionscomite einen Theil der Schekelgelder für Zwecke der Provinzialagitation überlasse. Dieser Antrag, den Herr Dr. Mintz unterstützte, wurde mit überwältigender Majorität angenommen. Es folgte ein Referat des Herrn Dr. Schur über die Colvnialbank. Herr Dr. Schur behandelte dieses Thema mit bemerkenswerther Sachkenntnis und in vorzüglicher Form. Nachdem ihm durch den Vorsitzenden der Dank der Versammlung votiert worden war, stellte Herr Dr. Z i p s e r (Kolomea) mehrere Anfragen an den Referenten, welche die Banksubscription betrafen. Nach Beantwortung dieser Anfragen erbat sich Herr Dr. Mintz das Wort und bot der Versammlung eine« Ueberblick über die in der Banksache unternommenen Schritte und über den Stand des Unternehmens. Nach seinen mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgten Ausftihrungen brach stürmischer Beifall aus. Als wieder Stille eintrat, erhob sich Herr Rabbiner Schreier und erklärte, dass er beschlossen habe, eine Rabbinerversammlung einzuberufen, um das große Werk der Bankgründung auf das kräftigste zu unterstützen. Nach dieser gleichfalls enthusiastisch aufgenommenen Erklärung trat ein Red.ner nach dem anderen fiir die Förderung des Bankprojectes ein, und die Sitzung fand in einer Resolution ihren Abschluss, laut welcher die Versammlung die Gründung der Colonialbank als ein für die Interessen des Zionismus außerordentlich wichtiges Unternehmen fteudig begrüßt und sich für die Bildung von Subscriptionscomites und für die -intensivste Agitation zur Förderung des Unternehmens ausspricht. In der nächsten Sitzung stand die Stellungnahme zum zweiten Congress auf der Tagesordnung. Herr Dr. Rosenheck erstattete ein ausführliches, wohldurchdachtes Referat. Es wurde beschlossen, einen Punkt dieses Referates, nämlich die Colonisationsthätigkeit des Tarnower Vereines „Ahawath Zion" zum Gegenstände specieller Berachung zu machen und insbesondere den Antrag des Herrn Dr. Roseuheck, die Versammlung wolle beschließen, dass die vorerwähnte Action eiftigst zu unterstützen sei. Als erster nahm hierauf Herr Dr. Salz das Wort und erstattete der Versammlung einen detaillierten, zisiermäßig belegten Bericht über das von ihm geleitete Colonisationsnnternehmen; dieser Bericht wurde sehr beifällig ausgenommen. Herr Dr. Mintz entwickelte sodann den Standpunkt des Actionscomites in dieser Frage. Das von dem ersten Congress festgestellte Programm habe eine divergierende Interpretation gefunden, theils im Sinne einer Fortsetzung, theils im Sinne der Sistierung aller auf die „Infiltration" abzielenden Bestrebungen. Das Wiener Comite müsse auf dem Standpunkte, dass die „Infiltration" zu unterbleiben habe, vor allem deshalb verharren, weil das Einwanderungsverbot noch immer zu Recht bestehe. Im übrigen mangle der Versammlung die Competenz, die principielle Seite der Frage zu erledigen; hierzu sei einzig und allein der Congress berufen. Herr Dr. Mintz sprach die Erwartung aus, dass Herr Dr. Salz selbst sich damit einverstanden erklären werde, dass der Congress die definitive Entscheidung treffe. Nach einer stellenweise höchst erregten Discussion ergriff Herr Dr. Salz neuerlich das Wort und stellte den Antrag: „Die Versammlung wolle beschließen, dass die definitive Entscheidung der Frage, ob die Colonisationsvereine ihre Thätigkeit fortsetzen oder aufgeben sollen, dem zweiten Congresse über lassen bleibe." Dieser Antrag wurde von der Versammlung mit allen Stimmen gegen drei zum Beschluss erhoben. Hiermit war der wichtigste Punkt der Tagesordnung erschöpft. Es folgten nur noch Berathungen über die Förderung der hebräischen Sprache, Provinzialorganisation rc. Als Herr Dr. Mintz in seiner Eigenschaft als Vertreter des Wiener Comites sich von der Versammlung verabschiedete, wurde er nochmals jubelnd begrüßt. Ueber Aufforderung des Vorsitzenden Herrn Dr. Men czel erhob sich die ganze Versammlung und brachte ein Hoch auf das Wiener Comite und deffen Vertreter aus, und der Vorsitzende gab die feierliche Erklärung ab, dass die Delegierten Galiziens und der Bukowina mit dem Wiener Comite solidarisch seien und ihm das vollste Vertrauen entgegenbringen. ' Dann gab es ein herzliches Abschiednehmen, jeder wollte dem Vertreter des Wiener Comites einige freundliche Worte sagen, jeder wollte chm warme Grüße mit auf die Reise geben. Es war ein voller Erfolg der guten Sache! &

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