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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-07-08
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 Seite 7 Schon jetzt, nach der Subscriptionsbewegung, die auf die bloßen Bekanntmachungen von der bevorstehenden Gründung der Jüdischen Colonialbank überall entstanden ist, lässt sich ein großer Erfolg der Subscription Vorhersagen. Es ist vielleicht noch nie vorgekommen, dass so weite Kreise auf eine Ankündigung dieser Art mit solchem Enthusiasurus in eine Subscription eingetreten wären. Die Betheiligung ist nach den einzelnen Ländern verschieden. Am stärksten ist sie in Russland und verhältnismäßig am schwächsten in Oesterreich. Doch wird sich wohl in den nächsten Wochen noch manche, bisher zurückgebliebene Gegend mit ansehnlicheren Beträgen melden. Wenigstens kommen viele Briefe an das Bankcomite, in denen man starke Zeichnungen für den Moment der Verlautbarung des endgiltigen Prospectes in Aussicht stellt. Hier einige Subscriptionsresultate der abgelaufenen Woche, wie sie dem Bankcomitö der Reihenfolge nach zugekommen sind: Ein bekannter Zionist in Jassy zeichnet vorläufig 800 Shares. — Ein anderer hervorragender Genosse in Dwinsk für sich und seinen Sohn 1200 Sh. — Ebenfalls inDwinsk von kleinen Zeichnern 900 Sh. — Aus der kleinen Stadt Broskurow 300 Sh. — Aus Manchester neuerlich 235 Sh. — Posten von 5 Sh. bis zu 500 Sh. aus Sch abatz (Serbien), Ragy Saros (Ungarn), I a m b o l i (Bulgarien), Filchuc, Botosani, Bar Podvlien, Poltawa. — In Moskau haben elf Personen 800 Sh. gezeichnet. — InGrodno wurden bisher 600 Sh. gezeichnet, man erwartet 1500. — Aus Belgrad bestellen zwei Herren 100 'Sh. — Ans Smolensk einer ebenfalls 100 Sh. — In Pinsk verläuft jetzt die Subscription besser als man anfangs glaubte. 1200 Sh. sind jetzt gezeichnet worden. Man erwartet noch mehr. — Aus kleinen Orten der Umgegend, wie Lumnitz, Jelichau und Ch omsk werden auch 200 bis 300 Sh. aufgebracht. — Aehnliche Meldungen liegen ans Kiew und Kis chineff über die Zeichnungen in den kleinen Ortschaften vor. — In Leeds (England) haben die „Chovevi Zion" beschlofien, dass die Comitemitglieder von Haus zu Haus gehen sollen, um Subscriptionen zu sammeln. Am ersten Tag wurden so zweihundert Shares gezeichnet. — In Poltawa haben die Herren Leon Lew und Schilansky fünfhundert Shares gesammelt. — In Bobrinsk wurden bei Herrn B. Katzenelsohn am ersten Tage der Subscription dreihundert Shares eingezahlt. — Aus Jacobsdaal (Südafrika) sendete Herr Goldinger die erste Subscription nach Köln. — In Tomaszow (Gouv. Petrokow) 600 Sh. — In Schabatz bemühen sich die Herren RaphaelPapo, M.Alcalay und L. Schindler um die Subscription. Aus Wien meldet der Referent Herr Dr. Leopold Kahn: In Lemberg, Kolomea, Brünn haben sich Comiti-s für die Banksubscription gebildet. Bei der zionistischen Deleaierten-Conferenz in Kolomea befürwortete der allgemein verehrte Rabbiner Schreier die Banksubscription lebhaft. Ter Brünner Zionsverein will in nächster Zeit eine große Volksversammlung veranstalten, in der Herr Dr. L. Kahn über die Jüdische Colonialbank sprechen wird. — Die Obmänner der österreichischen Zionsvereine, welche noch nicht für die Banksache thätig sind, mögen sich baldigst an den Referenten Hern: Tr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, II., Obere Donaustraße 47, wenden. Die zehnpercentigen Anzahlungen sind dem Bankhause I. & A. Brecher, Wien, IX., Liechtensteinstraße 2, zu übermitteln. Dir Conferenz der Zionisten Galiziens und der Bukowina. Die Conferenz der Zionisten Galiziens und der Bukowina, welche am 28. und 29. v. M. in Kolomea stattfand, nahm einen glänzenden Verlauf. Zwei Tage zuvor hatten sich 30 Delegierte Galiziens in Stanislau zu einer Vorconferenz vereinigt, bei welcher in erster Linie ein Punkt erledigt werden sollte: Die Einleitung einer Hilfsaction für die Opfer der westgaliz'schen Exceffe. Durch die Beschlüsse, welche dieser Frage galten, wuchs die Stanislauer Conferenz über den Nahmen einer bloßen Vorbesprechung hinaus. Gleich die erste Sitzung war der Berathung über diesen Gegenstand gewidmet, sie verdient daher eine ausführlichere Schilderung. Tie Sitzung wurde durch den Herrn Rabbiner Schreier aus Bohorytschani eröffnet, einem ehrfurchtgebietenden Greis, der in ganz Galizien das höchste Ansehen genießt. Hierauf hielt Herr Dr. S. S ch u r (Stanislau) eine Begrüßungsrede, in welcher er unserer dahingeschiedenen Gesinnungsgenossen Professor S ch a p i r a und Rabbi Samuel Mohilewer gedachte und die außerordentlichen Verdienste pries, welche Herr Dr. Theodor H e r z l sich um das jüdische Volk erworben habe. Unter begeisterter Zustimmung aller Anwesenden wurde auf Antrag Dr. S chur's die Absendung eines Telegrammes beschlossen, in welchem die Versammlung Herrn Dr. Herzl ihre Verehrung und ihr Vertrauen bekundet. Sodann ergriff Herr Dr. Kornhäus er (Jaslo) das Wort, um in einer überaus eindrucksvollen Rede die furchtbaren Jasloer Excesse zu schildern, deren Augenzeige er gewesen. Auf seinen Antrag wurde eine Resolution gefasst, welche sich in scharfen Worten gegen die Indolenz der jüdischen Functionäre in Galizien wendet. Weiters wurde einhellig beschloffen, eine Hilfsaction zugunsten der obdachlosen Juden Westgaliziens einzuleiten und zu diesem Zwecke Comites in allen Städten des Kronlandes zu bilden, sowie Auftufe in allen Zeitungen des In- und Auslandes zu veröffentlichen. Der zweite Tag der Stanislauer Vorconferenz brachte ein sehr interessantes Referat des Herrn K o w l e r (Lemberg) über die Organisation der jüdischen Handwerker und Arbeiter nach zionistischen Grundsätzen; die Versammlung beschloss, den Lemberger Verein „Jvria" kräftig zu unterstützen. Hierauf trat die Versammlung in die Discussion über den zweiten Congress ein. Nach längerer Debatte einigte man sich auf zwei Resolutionen, welche die Organisation des Schekels und die Colonisationsthätigkeit des Tarnower Vereines „Ahawath Zion" betrafen; allein das entscheidende Wort über diese Fragen sollte bei der Conferenz in Kolomea gesprochen werden, wohin sich der größere Theil der in Stanislau versammelten Delegierten begaben. Dortselbst trafen auch am 28. v. M. die Delegierten der Bukowina ein, welche den Stanislauer Vorbesprechungen fern geblieben waren, und der Vertreter des Wiener ActionscomitOs, Herr Dr. Alexander M i n tz. Die Zahl der Delegierten, welche sich in Kolomea versammelten, betrug 75. Den Sitzungen gieng ein Festcommers voraus, welchen die akademische Jugend zu Ehren der Delegierten veranstaltete. Der Comnlers hatte ein ernstes, feierliches Gepräge. Aus allen Reden sprach der Enthusiasmus für die zionistische Sache, aber gleichzeitig die tiefe Trauer über die Leiden unseres Volkes. Den Reigen der Toaste eröffnete Herr Dr. Rosenheck (Kolomea). Im folgten die Herren Dr. S a l z, K o w l e r, Löbel Taubes (deffen Trinkspruch zündend wirkte), Dr. Mintz, Dr. Schur, Tr. Zipfer, Menczel, Maiblum, Dr. Menczel u. A. Der Toast auf Herrn Dr. Herzl entfesselte jubelnde Begeisterung. Den Herren Dr. Salz und Dr. Mintz wurden laute Ovationen dargebracht. Man schied mit dem Wunsche, dass die Conferenz dazu beitragen möge, das Band der Einigkeit zu festigen. Und dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen — trotz der

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