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Die Welt · 1898-07-08 · 27 (8.7.1898) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
27 (8.7.1898)
Article
Die heiligen Stätten
Date
1898-07-08
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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JPk^Wdr Nr. 27 Seite S leistet, ein Versprechen, das ein jüdischer Staat der Natur der Sache nach Hallen muss — katholische Staaten sind darin oft „vorurtheilsfreier" — so wird dem Vatican dieser Zustand vielleicht lieber sein, als wenn Palästina selbst einer katholischen Macht zufällt. Man denke daran, wie Frankreich und Italien, katholische Staaten, den Clerus bevormunden. Weniger noch wird der Protestantismus Schwierigkeit erheben. Die englischen Kirchen, insbesondere die zahlreichen Seelen, zeigen starke Sympathien für die Nachkommen des Volkes der Bibel. Für einen Quäker z. B. ist es noch heute eine große Schmeichelei, als Nachkomme eines Juden bezeichnet zu werden! Bei den eigenartigen religiösen Verhältnissen in England ist es zudem ganz unwahrscheinlich. dass man griechischen oder römischen Katholiken Palästina lieber gönnen sollte, als Juden. Und der Protestantismus selbst ist im Heiligen Lande viel zu schwach, um seinerseits irgendwie aussichtsreiche Hoffnungen hegen zu können. Es bliebe also nur ein Widerstand der griechischorthodoxen Kirche zu erwägen. Diese ist aber stets nur im Zusammenhänge mit der russischen Politik als Machtfactor aufgetreten. Wenn Russland sich der zionistischen Idee nicht feindselig gegenüberstellt, so werden die griechischen Manche es ganz gewiss auch nicht thun. Werden ihnen die nöthigen Garantien gegeben, so wird ein Wink von der Newa her genügen, um jegliche oppositionelle Strömung im Keime zu ersticken. Es wird also im Wesentlichen darauf ankommen, die Lage der orientalischen Christen thunlichst sicherzustellen und den einzelnen Kirchen klar zu machen, dass sie bei einer jüdischen Besiedlung des Landes nur gewinnen können. Eine jüdische Verwaltung Palästinas könnte vieles leisten. Heute sind die Verhältnisse der Gerichtsbarkeit, der öffentlichen Sicherheit, der Eigenthumsübertragung von Grundstücken noch durchaus verbesserungsfähig. Jedes neue Gebäude muss besonders concessioniert werden, ein Umstand, der den religiösen Instituten viele Kosten bereitet, jede Neuerung bedarf unendlicher Verhandlungen und schafft Weiterungen, die umso schwieriger zu beseitigen sind, als die Lokalbehörden stets nach Constantinopel berichten müssen. Eine jüdische, im modernen Sinne eingerichtete Verwaltung würde in allen diesen Beziehungen auch den christlichen Religionsgemeinschaften große Erleichterungen schaffen. Da überdies den Christen jede erdenkliche Freiheit in Bezug auf ihre Heiligthümer gelassen werden würde, so dürften sie einer jüdischen Colonisation ernstliche Schwierigkeiten nicht in den Weg legen. Es wird sich also im Wesentlichen darum handeln, sich auf rein weltlichem Gebiete mit den Großmächten auseinanderzusetzen. Das wird am besten geschehen, wenn man den Mächten die redliche Absicht zeigt, als Culturträger im Orient zu fungieren, berechtigte Interessen zu schonen und sich von jeder fanatischen Befehdung der religiösen Ueberzeugung Anderer fernzuhalten. In diesen Zielen weist sich der Zionismus einig. Das jüdische Volk hat zu viel gelitten, hat zu oft am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, ungerecht verfolgt zu werden, als dass es Andere in der Freiheit ihres Glaubens je beschränken, im Geisteskumpfe je anders als mit geistigen Mitteln befehden sollte. Missionskanonen wird das jüdische Gemeinwesen so wenig gießen lassen, wie es sich je in das Treiben von Griechen, Katholiken, Protestanten und Mohamedanern einmischen wird. Vielleicht ist dem Judenthume noch die „Mission" beschieden, anderen Völkern ein Vorbild dafür zu werden, wie man Toleranz übt! Darum verfolgen wir die Pläne zur moralischen Stärkung des Protestantismus im Osten mit Gleichmuth. Verstehen die evangelischen Mächte ihre eigenen Interessen — woran wir nicht zweifeln — so wird der Zionismus keinen Grund haben, die Kaiserreise zu bedauern. Die Verwirklichung dessen, was wir zum Heile unseres unglücklichen Volkes erstreben, würde allen christlichen Religionen die Garantie ungestörter, friedlicher Entwicklung liefern. Mögen die Festtage im October dazu beitragen, die Erkenntnis bei Allen zu mehren, die, von welchem Standpunkte immer, an der Zukunft des Heiligen Landes Antheil nehmen. & Dir argentinischen Greuel. Von Dr. S. Werner. (Fortsetzung.) Die „Arbeiter-Zeitung", deren Bericht über die Vorgänge in Moisesville so drastische Daten bringt, erscheint rn New-Iork. Es ist also der Einwurf nicht ausgeschlossen, dass sie über die Verhältnisse in Argentinien nicht so gut informiert sei, wie es die. argentinischen Blätter selbst sind. Nun hat zwar die New-Aorker „Arbeiter-Zeitung" ausdrücklich erklärt, ihr Berichterstatter habe läügere Zeit in Buenos-Aires geweilt und habe auf inständiges Bitten der Juden von Buenos-Aires die Vorgänge publik gemacht. Die Zeitung gibt auch den Namen und Wohnort ihres Berichterstatters an, der mit seiner Person für die Wahrheit seines Berichtes eintritt. Nichtsdestoweniger soll im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit — um diese allein handelt es sich ja bei Besprechung dieser Vorkommnisse — noch der Bericht eines argentinischen Blattes über die Verhältnisse in Moisesville wenigstens auszugsweise unseren Lesern vorgelegt werden. In der „Nueva Ep o ca", einem in Santa F6 erscheinenden, spanisch geschriebenen Blatte, berichtet ein Correspondent am 8. März 1898 Folgendes: Von meiner Reise in den (Kolonien sende ich eine Korrespondenz, die sich auf Mois esville bezieht, das einzige Cenlrum von Wichtigkeit im Departement San Cristobal, welches Aufmerksamkeit verdient. Es zählt an 150 Eolonisten-Familien. Während meiner Anwesenheit habe ich die Meinung fast aller Colonisren gehört. Ich konnte mich vonderunterihnen herrschenden Unzufriedenheit überzeugen, wie von der elenden Behandlung, der sie von Seiten des Administrators und des mit ihm verbündeten Eommissärs ausgesetzt sind. "Nun folgt ein kurzer Excurs über die Geschichte der Gründung der Colonie. Es wird berichtet, dass die Colonisten alle Misserfolge und Entbehrungen viele Jahre lang muthig ertrugen, da sie hofften, dass es endlich doch besser gehen werde. Sie verließen ihre Arbeit nicht. Im Gegentyeil. Sie waren noch eifriger und genügsamer. Auf einmal begann eine große Auswanderung. Darüber schreibt der Correspondent: Trotzdem die Periode von 1897 auf 1898 besser als die vorherigen gewesen ist, findet eine große Auswanderung statt, an welcher das Vorgehen des neuen Administrators den Colonisten gegenüber schuld trägt. Er ist ein junger Mann, er zählt kaum Jahre, stammt aus demselben Lande wie die Colonisten (aus Russland) und nützt den Umstand aus, dass die Leute arm und der Landessprache unkundig find, dass sie sich nicht an die competenten und richtigen Personen um Hilfe wenden können, um seine Macht zu missbrauchen. Er genießt den Beistand der Polizei, die er subventionieren soll. Wegen der fortwährenden Klagen wurde vom Gouverneur bereits im Jahre 1897 der Polizei-Chefinspector aufgesordert, an Ort und Stelle Erhebungen zu pflegen und das gesammelte Material vorzulegen. Das geschah. Dre Acten wurden ins^Archiv gelegt und — blieben auch dort. Auf diese Weise erlangte der Ätdministrator Kenntnis von den Angaben, die bei der Regierung und der Gesellschaft über ihn gemacht worden waren. Er konnte natürlich auch die Ramen der Unterzeichner in Erfahrung bringen. Die Armen wurden fürchterlich bestraft. Mannigfachsind die concreten Thal fachen, die ich vorzubrrngenhabe, damitdie Oeffentlichkeit und die neue Regierung, von der die armen Leute so viel erwarten, sich eine Idee von der elenden Lage der Colonisten bilden können. Ich

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