Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-07-01 · 26 (1.7.1898) · p. 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
26 (1.7.1898)
Article
[Kommentar]
Date
1898-07-01
Page
15 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
table
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315769--06839-3360991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr 26. Jfc&wde Seite 15 die Ausführungen des antimarxistischen Socialisten Belfort B a x in den „Socialistisch en Monatsheften". Im Laufe desselben sieht sich Bernstein auch veranlasst, die persönlichen Angriffe Äax' gegen seine jüdische Abstammung zurückzuweisen. Er thut es in einer äußerst charakteristischen und in den Kreisen seiner gesinnungsgenössischen „Glaubensbrüder" sehr seltenen Weise, wenn er sagt: „Den Borwurf des gemäßigten Antisemitismus habe ich deshalb erhoben, weil schon bei einer früheren Polemik mit mir Bax ohne jeden sachlichen Anlass das Judentum in einer Weise in die Debatte gezogen hat. die eine antisemitische Deutung zuließ. So musste mir die Wiederholung als ein ungeziemender Versuch erscheinen, aus der THatsache, dass ich Jude bin, Capital gegen mich zu schlagen. Wer mich näher kennt, weiß, dass ich in diesem Punkte durchaus nicht empfindlich bin, aber es ist mir unter den heutigen Verhältnissen ein kategorischer Imperativ, jedem Antisemitismus gegenüber Philosemit zu sein". Das Juniheft der in New-Zork erscheinenden Monatsschrift „Der Zionist" (Jargon), enthält eine Reihe ausgezeichneter publicistischer Arbeiten, von denen besonders hervorzuheben sind: „Der Zionismus" von Prof. Gottheil. „Der jüdische Stolz" von dem hebräischen Dichter I. Rabbinow.itz. „Der Meschumed" Erzählung von Dr. B l a u st e i n und „Die Sephira", historische Betrachtungen von demselben. „Juden, es tagt!" von D. M. H a r m e l i n und „Editorial Notes" vom Redacteur Vor uns liegt der „Zion News", das officielle Organ des Verbandes der Zionistenvereine in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Das Blatt, das vorzüglich redigiert ist, zeigt neben seinem instructiven Inhalt eine entsprechende, äußere Ausstattung. Es enthält gediegene Aussätze aus der Feder bewährter Gesinnungsgenossen und bringt eine interessante Uebersicht über die zionistische Bewegung in Amerika. & BücherweU. rßü von W. Schur, Redacteur der „Hapisgoh", Chicago 5057. Selbstverlag des Verfassers. Die jüdische Literatur ist an apologetischen Schriften so ziemlich reich. Gab es ja Zeiten — und diese sind mit Blut in den Blättern unserer Geschichte verzeichnet — wo uns Päpste, Kaiser, Könige und Fürsten gezwungen haben, auf die Anklage des ersten besten verrätherischen Apostaten hin, uns einer öffentlichen Discussion mit einem solchen oder irgend einem Mönche über die „Inferiorität" der jüdischen Religion zu unterziehen. Wir sagen: über die „Inferiorität" der Religion, denn nur so weil durste sich der disputierende Rabbi vorwagen; war es ihm aber gelungen, anderes zu beweisen, dann bezahlte er seine Rechthaberei mit den erdenklichsten Strafen seitens der mächtigen „Sucher der Wahrheit". Man durfte eben nicht alles sagen! Diese Art der erzwungenen Disputation kennen wir heute nicht, aber das Bedürfnis nach apologetischen Schriften ergibt sich aus unseren eigenen inneren Verhältnissen, da wir in einer Zeit leben. Fruit Die Goldschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts von Friedrich Fürst Wrcdc. (8. Fortsetzung.) II. Buch. I. Fünf Jahre waren seit jener Maiennacht vergangen, in der David und Raphael Goldschild Chiesch heimlich verlassen. Ein wariner Septemberabend lachte über Wien. Außerhalb der Basteien spielten noch die letzten, rothen, zuckenden Strahlen der Sonne in den Kronen der Bäume, während in den engen Straßen der inneren Stadt bereits das Abendgrauen sein dunkles Scepter schwang. Im ersten Stockwerke des Hauses Nr. 4-, einer dieser lichtberaubten Gaffen, befand sich damals die Redaction des „Freien Blattes". Die Wahl des Lokales war keineswegs ungünstig. wo man sich einfach schämt, Jude zu sein, wo man aus Unkenntnis des Judenthums allen möglichen Zuflüsterungen bei der ersten passenden Gelegenheit Gehör schenkt, um sich des unmodernen veralteten Judenthums zu entledigen. Nun versucht es die uns vorliegende Arbeit, nach einer gründlichen Umschau auf dem Gebiete aller herrschenden Religionen darzuthun, wie wenig unsere Brüder sich gerade des alten und ältesten Judenthums zu schämen haben und wie viel Erhabenes, besonders was die Ethik betrifft, im Judenthum noch heute zu finden ist. Wenn auch mancher Brauch und manche rituelle Ceremonie der Reform bedarf, so dürfen doch diese Reformen nicht in der die Grundprincipien des Judenthums erschütternden Weise vorgenommen werden, wie es leider z. B. in mancher jüdischen Reformgemeinde Amerikas und anderwärts zu geschehen pflegt. Eines dieser verkannten oder absichtlich vcrleugneten Grundprincipien, das von den reformlüsternen Helden mit Füßen getreten wird, ist die Hoffnung auf eine buchstäbliche körperliche Erlösung aus dem Golus, wie sie die Thora und die Propheten ausschließlich verkündet haben, die aber ungerechtfertigter Weise, durch das erfundene Märchen von einer „Mission in der Zerstreuung", einem „idealen geistigen Jerusalem" und ähnliche Schwärmereien, die nichts weniger als jüdisch sind, verdrängt werden soll Das Judenthum ist von gar vielen Seiten in seinem Bestände bedroht. Das gibt der Autor zu und das sieht jeder ein, dem das Judenthum am Herzen liegt Aber es kann und wird auch hoffentlich vermöge seiner inneren ethischen Kraft erhalten bleiben, wenn es auf dem historischen Boden seiner Gesetzgebung wieder eine vor Verfolgungen gesicherte Heimstätte gesunden, wenn die Zerstreuten wieder gesammelt, gekräftigt und verjüngt, unbehindert, ihrer Lehre und ihrer Ethik leben können. Eine schönere Mission haben sich unsere Propheten aller Zeiten niemals gedacht. kl. U. Ei« Staatsstreich im alten Aegypten. Von Leopold Mandl. Wien, Verlag von M. Waizner^- Sohn. Der im Geiste der Gottesgesetze erzählende Geschichtsschreiber hat auch unschönen Episoden Raum gegeben. Das sind die Punkte, wo die Gegner des alten Testamentes gewöhnlich einsctzen. So bleiben die Schicksale Josefs, des hebräischen Hirten, unverständlich, wenn man den zeitgeschichtlichen Hintergrund nicht kennt. Der Verfasser ist in seinem Werkchen bemüht, alle diese dunklen Punkte aufzuhellen, um so einer böswilligen Bibelkritik jeden Boden zu entziehen. Sch. & Buchrrrinlauf. Das Heft VI des nSw.“!: Juni 1898. blü'uX"/ Vierteljahrbuch für Wissenschaft und Literatur, Herausgeber I. S. Fuchs und Dr. E. G ü n z i g, Krakau 1898. v. A. I. Schlesinger, Jerusalem 5<:-r8. Verlag des Verfassers. Mitwirkung der Juden an der freiwilligen Krankenpflege in den Befreiungskriegen. Beiträge von Theodor Z l o c i st i. Berlin. Druck und Verlag von Max Hoffschläger, 1898. l e t o n. Denn abgesehen davon, dass man in wenigen Minuten den belebtesten Mittelpunkt der Residenz erreichen konnte, herrschte in der finsteren, abgelegenen Straße fast lautlose Stille und selbst in den Tagen drückender Hitze angenehme Kühle. Uebrigens hätte sich das „Freie Blatt" nicht den Luxus eines vornehmen Qnartiers erlauben dürfen. Es feierte erst seinen zweiten Geburtstag und musste daraus bedacht sein, das verfügbare Bargeld ans Erwerbung tüchtiger Kräfte statt ans hohe Miethe zu verwenden. Damals genügte es noch nicht, eine leidenschaftliche, freche Sprache zu führen, um für einen politisch reifen Mann zu gelten. Die Einrichtung der Räume entsprach vollkommen diesen misslichen pecuniären Verhältnissen. Nur das Zimmer des Chef-Redacteurs — Kuno Müller — kannte den Luxus gepolsterter Möbel. Die übrigen Mitarbeiter mussten sich' mit hölzernen Schemeln begnügen und sich je zwei oder drei in eine Stube theilen. Zu dieser Stunde waren nur wenige der Herren anwesend.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.