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Die Welt · 1898-07-01 · 26 (1.7.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
26 (1.7.1898)
Article
[Ohne Titel] / W.
Date
1898-07-01
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Seite 9 Die Anzahlungsquote von 10 Procent ist selbstverständlich wie bisher an die BankfirmaI. & A. Brecher, IX., Liechten st ein st raße 2 direct u. zw. je fl. 1.20 per Share einzusenden. Unsere Vertrauensmänner und Sammler in Oesterreich- Ungarn werden neuerlich dringend gebeten, die gezeichneten Scheine nebst einem Berzeichnifie an den Bankreferenten Herrn Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocat, II., Obere Donau st raße Nr. 47 jedesmal längstens am Donnerstag einzusenden, damit derselbe in der Lage ist, bei den am Montag stattfindenden Comitö- Sitzungen über die Bankbewegung im Jnlande zu referieren. Selbst diejenigen Vertrauensmänner in Oesterreich-Ungarn, welche die Subfcriptionen direct nach Cöln leiten, werden gebeten, eine Listenabschrift an genannten Referenten unter der obigen Adresse einzusenden. Köln, 29. Juni. (Telegramm.) Das Bankhaus S a l. Oppenheim jr. & Co. in Köln erklärt sich bereit, durch Rath und That bei der Begründung der Bank behilflich zu sein, und nimmt ebenfalls Depots für die projectierte Jüdische Colonialbank in jeder Höhe entgegen. — Die allgemeine Subscription macht gute Fortschritte. Aus England kommen jetzt viele Anmeldungen. In Manchester und Leeds haben die Vereine Zeichenstellen eingerichtet. — Auch in Deutschland haben die Zeichnungen mit gutem Erfolg begonnen. W. A Popslär-wiffenschaMche Rundschau. Telegraphie ohne Drath. Szczepanik, der Erfinder des Telektroskops, hat einen Apparat erfunden, der das Telegraphieren und Telephonieren ohne Drath auf die weitesten Entfernungen ermöglicht und von dem Marconi's ganz verschieden ist. Die Röutgenftrahlen und der Keirnungsvorgang. Französische Forscher haben in der letzten Zeit häufig die Wirkungen der X-Strahlen untersucht, so kürzlich Thouvinen und Maldineg den Einfluss auf den Keimungsvorgang. Samen der Winde, der drei Stunden den Strahlen ausgesetzt war, keimte schon nach 46 Stunden, während nicht bestrahlter erst nach 144 zu keimen begann. Bei der Gartenkreffe waren die entsprechenden Zahlen 40 und 144. Heber die nächsten Gründe der Erscheinung läßt sich noch nichts aussagen. Clektricität ohne Motor. Der Elektrotechniker und Ingenieur Josef Popper arbeitet gegenwärtig an einer hochwichtigen Erfindung, welche geeignet ist, eine ungeahnte Umwälzung in der ganzen Industrie hervorzurufen und namentlich die Herrschaft der Elektricität über alle anderen Kräfte zu befestigen. Von der wissenschaftlich feststehenden Thatsache ausgehend, dass fließendes Wasser oder strömender Dampf unter geeigneten Umständen einen elektrischen Strom induciert, will Ingenieur Popper auch im Großen elektrische Ströme dadurch erzeugen, dass eine Wasserkraft zwischen zwei Magneten hindurch geführt wird, wodurch in einem entsprechend situierten Jnductor ein Strom erzeugt wird, der sogleich weitergeleiter werden kann. Die Wichtigkeit dieser Erfindung liegt darin, dass die so kostspielige Anlage eines Wassermotors und einer Dynamomaschine entfällt und der erzeugte Strom höchstens transformiert zu werden braucht, um direct verwendet zu werden. Nachdem dieselbe Idee neuerdings auch von einem französischen Erfinde, zum Ausgangspunkte gleicher Versuche gemacht wurde, unterliegt es keinem Zweifel, dass die Sache eine Zukunft hat. Ingenieur Popper trat nur deswegen schon jetzt vor die Oeffentlichkeit, um sich die Priorität zu wahren, was jedoch den Vortheil haben wird, dass tausende von Erfindern an der Lösung dieses wichtigen Problems Mitarbeiten werden Gerade so wie fließendes Wasser soll auch bewegter Dampf Ströme inducieren, wobei also eine kleine Kesselanlage ohne Dampfmaschine und die mit derselben verbundenen Kraftverluste genügen würde, um beispielsweise elektrische Lampen zu speisen. Hieraus ist zu ersehen, welch' enormer Fortschritt mit der Durchführung dieser Idee verbunden wäre. Eise nordläadischc Süvpolarexpcdition. Die Südländer Mchen den Nordpol zu erforschen, die Nordländer den Südpol, ^.as Fernliegende interessiert. Unter dem Norweger Borchgrevink wird Anfangs Juli eine Ervedition von Christiania nach dem Südpol ausgehen. „The Southers Groß", auf dem die Fahrt unternommen wird, gehr zunächst nach Tasmania und von dort zu Beginn des antarktischen Sommers, im November, weiter südlich, um in die Gegend des magnetischen Südpols zu gelangen. Damit man unabhängig von den Schwierigkeiten, die einer Weiterfahrt zu Wasser entgegentreten können, möglichst weit Vordringen kann, find Schlittenexpeditionen geplant. Zu diesem Zwecke sind bereits 65 sibirische Hunde in Hüll eingetroffen, welche sammt den mitzunehmenden Rennthieren während der Fahrt in den Tropen in einem besonderen Kühlraum untergebracht werden sollen. Die Zahl der Theilnehmer an der kühnen Reise betragt insgesammt 52 Mann. Die nautische Leitung wird der mit den Verhältnissen in den arktischen Zonen bekannte Norweger Bernhard Jensen übernehmen. Das größte Fernrohr der Welt ist derzeit der Riesenrefractor des Herkers-Observatory in Chicago. Die Grenze der stärksten Vergrößerung, die man aus die Beobachtung der Himmelskörper anzuwenden vermag, ist damit ungeheuer gestiegen. Die theoretisch stärkste Vergrößerung des Riesenrefractors ist eine 4000sache, und mit einem Ocular von 3750facher Vergrößerung erzielt man noch so scharf und gut definierte Bilder von Himmelskörpern, dass damit sehr genaue mikrometrische Messungen ausgeführt werden können. K Eisenbahnbauteu in Palästina. Es ist ein sonderbares Spiel des Schicksals, dass zwischen einer Bahnlinie Palästinas und dem berüchtigten Panama-Unternehmen ein zufälliger Zusammenhang besteht. Auf der von Jaffa nach Jerusalem führenden Bahn verkehren Locomotiven und Wagen, die aus der Concursmaffe der berüchtigten Panamagesellschaft angekauft wurden und dementsprechend auch beschaffen sind. Von den Locomotiven musste ein Theil bereits ausrangiert werden, und die Wagen erfteuen sich keiner großen Beliebtheit. Die Bahn wurde bekanntlich im Jahre 1888 einer ftanzösischen Gesellschaft concessioniert und ist 86 Kilometer lang; die Verwaltung ist ganz sianzösisch. Trotz der geringen Länge und der sieben Stationen braucht man 3*/» Stunden für eine Fahrt, was einer Geschwindigkeit von etwa 30 Kilometer entspricht, wenn man 30 Minuten für Aufenthalte abrechnet. Der Berkeyr ist ziemlich lebhaft, doch verkehrt täglich nur ein Zug in jeder Richtung. Der Bahnhof Jerusalem ist von der Stadt ziemlich entfernt, und der Weg dahin recht beschwerlich. Als panamaartiges Unternehmen ist diese Bahn schlecht und theuer gebaut und trägt keine Zinsen. Ein zweites Unternehmen dieser Art, welches in anderer Weise lebhaft an Panama erinnert, ist die Eisenbahn von Haifa nach dem Hauran, für welche eine englische Gesellschaft die Concession besitzt. So unglaublich es klingt, ist es doch Thatsache, dass diese Gesellschaft mit dem Bahnbau nicht weiter kann, als 10 Kilometer von der Küste, womit ihr Capital zu Ende war; jetzt sind auch diese 10 Kilometer verlassen und die Eingeborenen benützen die Schwellen als billiges Holz zu verschiedenen Bauten. Und doch müsste diese Linie in einem cultivierten Lande zu den rentabelsten gehören, da sie die so fruchtbare Ebene Jesreel durchschneiden und nach Ueberschreitung des Jordans an der hierfür günstigsten Stelle in die wunderbare Berglandschaft Hauran, südlich von Damaskus, führen sollte. Hier ist selbst die arabische Bevölkerung so wohlhabend, dass sie schöne Steinhäuser als Wohnungen besitzt. Sollte es — was wir alle hoffen ----- zur ausgedehnten Colonisation kommen, so wird wohl Haifa wegen seiner günstigen Lage zum wichtigsten Punkte der Action werden, und die heute an Panama erinnernde Eisenbahn dürste zu den besten Unternehmungen des neuen Gemeinwesens zählen, ff. L. Jaures über die Juden. Der bekannte geistvolle Socialist Jauces, hat nach der „U.-W." in einem Pariser Blatte einen Artikel veröffentlicht, der unter anderem folgende Sätze enthält: „Die Antisemiten stecken mit den Juden unter einer Decke, natürlich nur mit den großen Juden, denn es gibt Großjuden und Kleinjuden. In der Zola-Sache zum

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