Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 26 (1.7.1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-07-01
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Rr 26 haben und mit Enthusiasmus davon erzählen, haben unbegreiflicher Weise von ihren sicherlich sehr wirksamen Mitteln nicht den geringsten Gebrauch gemacht. Wo waren die Gemeinden bei den galizischen Judenexcessen?! Wo ist die vielgerühmte Apotheke? Warum sind die Gemeinden so schüchtern? Vielleicht sind die Hinterbeine der verschiedenen Cultusvorstände wirksamer, als die gleichwertigen Extremitäten jener jüdischen Vereine und Clubs, die sich als unzureichend erwiesen haben. Eines könnte man doch wenigstens thun, nachdem schon bei früheren, allerdings nicht so ernsten Gelegenheiten verschiedene Generalproben in diesem Abwehrresiort abgehalten wurden: Irgendwo, fern von Galizien, in einem geschloffenen. Local, womöglich Restaurant, eine gut besuchte Versammlung abhalten, und feierlichst und natürlich einstimmig gegen die ^ceffe, „protestieren". Die „Proteste" gehören doch auch zur Apotheke, nicht? Also warum zaudern die Cultusvorstände? . .. Judenexceffe sollen nie länger als eine Woche dauern Die Aufmerksamkeit der „Glaubensgenoffen" wird sonst abestumpft, besonders wenn sie etwas fern vom Schuss in der Nähe einer kalligraphisch geschriebenen Speisekarte sitzen. Die „Glaubensgenoffen" beginnen so gegen die Mitte der zweiten Woche zu gähnen. Nicht aus Langweile, beileibe nicht, aber aus Resignation. Re—sig—na—tion- J3J* Die jüdische ColomalM. (Mittheilungen des Bankcomites.) In der letzten Zeit war von Berlin aus das Gerücht verbreitet worden, dass R. Mohilewer von Bialystok gegen unsere Axtion gewesen sei. Diese Lüge wird am besten durch die nachstehenden Worte des verewigten Zionssreundes, die sich in seinem letzten Briefe finden, widerlegt: „Ich bitte alle unsere Brüder, die Zion wirklich lieben und an deffen Restauration treu arbeiten wollen, sich zu vereinigen und an diesem Werke mit allen Kräften (im Rahmen der Landesgesetze) mitzuarbeiten. Eine solche jüdische Bank unter der Leitung vertrauenswürdiger, Volk und Land liebender Männer, würde neues Leben für Zion und die Colonisation bringen. Es ist Pflicht jedes Einzelnen, an dieser Gründung mitzuarbeiten." Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Herrn D. Wolffsohn, Köln a. Rh. zu richten. Diejenigen Subscribenten, welche die zehnpercentige Anzahlung einer Bank in Deutschland zusenden wollen, können dies außer beim A. Schaasshausen'schen Bankverein in Köln auch noch bei der Norddeutschen Creditanftalt in Königsberg i. Pr., sowie beim Bankhause Gebrüder Arons in Berlin, Mauerstraße 34 thun. Der A. Schaaffhausen'sche Bankverein, die Centraldepotstelle, nimmt nur Anzahlungen von mindestens fünftausend Mark entgegen. Die Norddeutsche Crediianstalt und Gebrüder Arons nehmen schon Depots von hundert Mark und darüber, welche auf den Namen der Einzahler deponiert werden. Bon Mr. Bernard Bannett in Rossland (Canada) liegt die Anzeige vor, dass in Canada und den Bereinigten Staaten von Nordamerika eine bedeutende Betheiligung an der Subscription zu erwarten ist. Die Einsendung einer Anzahl von Listen mit Zeichnungen von 1 bis 1000 Psd. Stg. wird gleichzeitig angekündigt. Aus Jaffy wird mitgetheilt, dass zwölftausend Shares nur von mittelmäßig begüterten und armen Leuten gezeichnet wurden. Die zehnpercentige Anzahlung wird beim Jaffyer Banquier Herrn Leo Popper deponiert. Der Verein Chow'we Zion hat Commiffionen eingesetzt, welche die Zeichnungen aufnehmen und dann den Zeichnern die Quittung des Bankhauses zustellen. Die Herren I. Hirschensohn und I. Nacht arbeiten rastlos für die Sache. In der großen Synagoge sprachen die Rabbiner Adelsmann und Niemerower zu Gunsten der Banksubscription. * * * Unter den in dieser Woche eingetroffenen Anmeldungen ist die eines Subscribenten in Kiew hervorzuheben, welcher zehntausend Shares zeichnete. Aus Homel wird mitgetheilt, dass dort tausend, im Nachbarorte Nowosibkow 300, in Suras 200 Shares gezeichnet wurden. * * * So kommen Tag für Tag aus den Städten aller Länder erfreuliche Berichte über den Fortgang der Subscription. Wir bitten aber die Gesinnungsgenoffen, die an ihrem Wirkungsorte noch keine großen Resultate sehen, nicht müd^ zu werden. Auch die zahllosen kleinen Anmeldungen, die zu fünf, zehn, fünfzig oder hundert Shares in kleineren Ortschaften aufgebracht werden, haben ihren Wert. Diese kleinen Posten häufen sich allmählich zu einer stattlichen Summe an. Die Gesinnungsgenoffen müffen wiffen, dass in der gleichen Weise überall gesammelt wird. An vielen tausend Orten, wo Juden wohnen, wird jetzt ftir die jüdische Bank gearbeitet. Der Erfolg dieser volksthümlichen Sache ist sicher. Aus Triest kommt folgende Anregung: „Um den ärmeren Maffen der jüdischen Bevölkerung den Erwerb von Actien der jüdischen Colonialbank zu ermöglichen, glaube ich, dass es vortheilhaft wäre, wenn die kleinen Zeichner sich Postsparcastenbücher anlegten, wo Jeder täglich, wöchentlich oder monatlich einzahlen kann, bis er so viel beisammen hat, um die gewünschten Shares zu besitzen". Aus Krakau wird mitgetheilt, dass Herr I. Schönwetter mit Eifer und Erfolg für die Subscription wirkt. Aus Randfontein (Südafrika) wird gemeldet, dass auch dort wie in ganz Transvaal die Banksubscription sehr populär geworden ist. Anfangs Juni fand in Randfontein ein Meeting statt, bei welchem die Subscriptivn organisiert wurde. Nun ist die Bankbewegung auch in Oesterreich-Ungarn in ein lebhafteres Stadium getreten. Beim Bankreferenten für Oesterreich-Ungarn, Herrn Dr. Leopold Kahn, langen täglich nebst neuerlichen Anfragen und Ersuchen um Zusendung von Prospecten und Scheinen, auch schon gesammelte Zeichnungen ein, u. zw. nicht nur aus Galizien, Bukowina, Mähren, Steiermark und anderen Provinzen der diesseitigen Reichshälfte, sondern auch aus Ungarn, Bosnien und der Herzegowina. Auch aus Constantinovel hat sich Herr Jaques Baumgarten an Herrn Dr. Kahn gewendet, da auch dort unter en Gesinnungsgenossen reges Jntereffe für dieSache herrscht, und cs ist natürlich seinem Wunsche wegen Einsendung von Scheinen und Prospecten entsprochen worden. Bei den verschiedenen gesinnungsgenöffischen Vereinen in Oesterreich-Ungarn scheint in dem Umstande, dass das Actionscomitö und. der Bankreferent sich an einzelne bekannte Zionisten in verschiedenen Städten wegen Bethätignng bei der Sammlung von Subscribenten direct gewendet hat, ein Missverständnis Platz gegriffen zu haben, als wenn man nur diese einzelnen mit der Zeichnersammlung betrauen wollte. Dies ist jedoch nicht richtig, nachdem man ganz im Gegentheile von der Voraussetzung ausgegangeu ist, dass die einzelnen zionistischen und nationalen Vereine sich selbst durch die betreffenden Obmänner an den Bankreferenten um die die Bank betreffenden Drucksachen wenden würden. Es haben dies, wie erwähnt, sehr viele Vereine gethan. Die Zionsvereine, die es bisher Unterlasten haben, werden hiemit ersucht, sich selbst mit obgenanntem Bankreferenten ins Einvernehmen zu setzen.