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Die Welt · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Article
Ein russischer Schriftsteller über den Zionismus
Date
1898-06-24
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr 25 j*#nwr Seite 9 „Alle Völker der Erde'sind geradezu verpflichtet, von der Türkei Palästina durch Kauf zu gewinnen und es dem chdischen Volke zu übergeben. Wenn Europa Griechenland in Würdigung seiner classischen Cultur, Poesie und Kunst befreit hat, so ist es nicht weniger verpflichtet, den Juden wieder zu einer staatlichen Heimstätte zu verhelfen; denn die Juden haben dem Erdball drei Weltreligionen geschenkt, die Religion des Judenthums, des Christenthums und des Islam.... Percentvcrhältnis der Aerzte in Russland. Dem ,^Voschod" wird aus Odessa berichtet, dass in dem dortigen städtischen Allgemeinen Krankenhause, desien Directiön die jüdischen Aerzte, besonders die jüngeren, die eine Spitalspraxis ganz unentgeltlich anstreben, schon lange zurücksetzt und ohne Grund abweist, nunmehr ganz offen den jüdischen Aerzten bedeutet wird, dass künftighin ein jüdischer Arzt nur nach sechs christlichen zugelassen werde, und dass dafiir angeblich eine Verordnung bestehe, deren Wortlaut übrigens nie veröffentlicht wurde. Bei Besetzung der neu creirten und zahlreichen Posten der zweiten Secundarärzte wurde kein einziger jüdischer Bewerber ausgenommen. Die antisemitische Muse. Wie der „Voss. Ztg." telegraphiert wird, haben die „Libre Parole"- Mitarbeiter Grison und Dupuy ein antisemitisches Stück „Fergus" geschrieben, das sie als vaterländische Antwort auf das im Auslande, namentlich in Holland, mit großem Erfolge gespielte Drama „Dreyfus" bezeichnen. Die Censur verbot die Aufführung; diese wird nun vor einem geladenen Publicum stattfinden. Die Prager Proferiptiouslifte. An zahlreichen jüdischen Häusern und Wohnungsthüren fanden sich Zeichen, wie sie vor den vorjährigen Decemberexcessen gesehen wurden. Der jüdischen Bevölkerung bemächügte sich eine begreifliche Erregung. Wachleute entfernten von den einzelnen Häusern die Zeichen. Wasserstraßen in Palästina. Stur wenige Länder sind in Bezug auf natürliche Verkehrsmittel so günstig bedacht, wie Palästina. Vom Norden bei Dan bis an die Südgrenze beim Gebirge Se'ir zieht sich eine gewaltige Wafferstraße gerade durch die Mitte des Landes. Wenn nicht früher, so ist der Jordan nach dem Austritte aus dem Merom-See für die Schiffahrt geeignet und bildet im Vereine mit dem 75 Kilomeler langen todten Meer einen billigen Verkehrsweg, der höchstens einige wenig kostspielige Regulierungsarbeiten erfordert. Doch auch die Verbindung mit dem Mittelmeer ist trotz der scheinbar schwierigen Terrainverhältnisse nicht unmöglich, wenngleich hiezu schon größere Capitalien erforderlich sind. Bekanntlich ist das Jordanthal im Durchschnitte 200 Meter tiefer als das Meer, so dass ein Canal diese bedeutende Schwelle zu überwinden härte. Dass dies in der Technik nichts Neues ist, beweist der Erie-Canal in Nordamerika, welcher den in einer Seehöhe von 174 Meter gelegenen Erie-See mit dem Hudsonflusse und durch diesen mit dem atlantischen Ocean verbindet. Der Erie-Canal ist 548 Kilometer lang und hat in seiner ursprünglichen Breite von 12 Meter nur 17-5 Millionen Dollars gekostet. Heute ist derselbe bedeutend größer und trägt Boote von 225 Tonnen Inhalt. Ein Seekanal zum Jordan wäre viel kürzer, hätte eine einzige Senkung, die heute ohne Schleusen überwunden werden kann und hätte keine fünfmonatliche Winterpause, wie der amerikanische Canal, dem New-Dork seinen Aufschwung verdankt. J. L. Ein Geschenk des Sultans für den Deutschen Kaiser. Aus Constantinopel meldet die „Franks. Ztg.", der Sultan habe ein 300 Meter im Geviert umfassendes Landstück außerhalb Jerusalems bei Zion angekauft, um es dem Kaiser Wilhelm bei seinem Besuche Palästinas zu übergeben. Die Affaire Zola. Der Caffationshof verhandelte am itz. Juni über die Nichtigkeitsbeschwerde Zolas gegen den Beschluss des Gerichtshofes von Versailles, der sich für comvetent erklärt hatte. Die Nichtigkeitsbeschwerde Zolas wurde abgewiesen. Die neuerliche Verhandlung in Versailles wird am 14. oder 15. Juli beginnen. Todesfall. In Tarnöpol wurde am 7. Juni B. Golde n b e r g unter großer Betheiligung der jüdischen Bevölkerung zu Grabe getragen. Goldenberg, der ein Alter von 74 Jahren erreichte, war als Schriftsteller sehr bekannt. Seine Arbeiten ans philologischen! Gebiete fanden die Anerkennung der Orientalisten Delitzsch und Wünsche. Als Kämpfer für die Regenerierung des jüdischen Volkes trat er im Jahre 1883 mit einer Broschüre „Die Assimilation der Juden" auf, welche in schärfster Weise die Assimilationsbestrebungen verdammt. Seit damals war er unermüdlich thatig, die Wiedergeburt seines Volkes zu fördern. An der Bahre Goldenbergs sprachen Rabbiner Dr. S. A. Taub e l es, Rabbiner Dr. Dankowitz und der Schriftführer des Vereines „Bnei Zion", Herr Leon Adler, dessen in hebräische Sprache vorgetragene Rede einen tiefen Eindruck machte. & Die Duistische Bewegung. Spenden für zioniftifche Zwecke sind an Herrn Dr. D. Ko k c s ch, Hof- und Gerichts-Advocatc« in Wie», l., Singcrstraßc 25, zu senden. Wien. Der Einzelverein „Wien" des Verbandes „Zion" hielt am Samstag, den 11. d. M., in Mariahilf, dem <>. Wiener Bezirke, eine öffentliche Versammlung ab, welche als eine in jeder Hinsicht gelungene zu bezeichnen ist. Nachdem der Vorsitzende die Erschienenen begrüßt hatte, ergriff Herr Architect Oscar Marmor e k als Referent das Wort. Er sagte ungefähr Folgendes: „Ich soll Ihnen sagen, was wir unter Zionismus verstehen, was wir von ihm erwarten. Wir verstehen unter Zionismus die Befreiung, die Selbstemancipation des jüdischen Volkes, wir erwarten von ihm, und nur von ihm, das Ende der Judennoth, die ja heute nicht mehr wegzuleugnen ist. Wo Juden sind, und selbst wo keine Juden sind, ist der Antisemitismus vorhanden, keine locale Epidemie, sondern ein latenter, nickt zu tödtender Krankheitskeim, der die Welt durchdringt. Und hierfür sprechen Thalsachen. Wohin man blickt, immer dieselbe Erscheinung. Der arme Dreyfus in Frankreich leidet nur, weil er Jude ist. In Odessa erschien vor einiger Zeit ein kaiserliches Edict, welches vorschreibt, dass nur ein Zehntel der dort practicierenden Aerzte Juden sein dürfen. Nun waren bisher fast sämmtliche Aerzte daselbst Juden. Was soll nun mit den restlichen neun Zehnteln geschehen? Als man jüngst in Galizien eine jüdische Ackerbauschule gründen wollte, da hieß es: Die Juden, die uns alles rauben, wollen uns nun auch unser Land wegnehmen. Im liberalen Ungarn hat es die Regierung für gut befunden, die Grenzen gegen Galizien abzusperren. In Amerika gibt cs Hotels, in welchen „keine Farbigen und keine Juden" ausgenommen werden. Ebendort trat jüngst ein Gesetz in Kraft, welches die Einwanderung Armer -- der Wissende ergänzt: Juden — unmöglich macht. Und selbst in England drang eine Bill durch, welche der Einwanderung von Juden Halt gebietet. Ueberall ertönt das „Juden hinaus" aber die Antwort auf die Frage: „Wo hinein mit ihnen?" ist man ihnen schuldig geblieben. Modern denkende Menschen, die bisher vom Judenthum nichts wussten, haben mit freiem Muthe den kranken Baum an der Wurzel gefasst, um ihn in ein Erdreich zu verpflanzen, in dem er gedeihen kann. Sie sagten: Unsere armen Brüder müssen leben, und gerade wir, die wir an der Sonnenseite des Lebens stehen, haben die heilige Pflicht, jener zu denken. - Was haben nun bisher diejenigen gethan, welche den Namen „Führer des Judenthums" für sich usurpierten?. Sie protestierten und recurrierten, und wenn es schon nicht anders gieng, „gaben sie sich nicht zu erkennen". Und den Leidenden, den bei erbittertem Ringen um das trockene Brot Angelangten predigten sie Geduld, die Satten den Hungrigen Geduld. Sie, die des Lebens Roth nie kennen gelernt haben, sprachen, es sei die „höhere" Mission der Juden, zu leiden und zu dulden. Voltaire sagt, er werde nie daran glauben, dass die Menschen zu Knechten geboren seien, so lange nicht die Adeligen mit «poren und die Bauern mit Sätteln auf die Welt kämen. Und den armen Juden legen ihre reichen Brüder die Mission aus, Zattel zu tragen, geduldig zu tragen, bis sie zusammenbrechen. Und ist die Noth jetzt schon groß, wie groß wird sie erst werden. Es gibt gegenwärtig circa zehn Millionen Menschen, die sich Juden nennen. Nach dem normalen Vermehrungscoefficienten wird sich diese Zahl im Jahre N>50 verfünffacht haben. Der Kanrpf gegen die Juden wird umso schärfer geführt werden, jemehr Juden im Lande sein werden. Und darum werden die Söhne jener Väter, welche heute sagen, wir Zionisten seien Schädlinge des Judenthums, in Hellen Massen zu uns strömen, wenn die Judennoth auch für sie eine persönliche geworden ist. Die Zionisten haben Jinen Gedanken ausgegriffen, der ganz modern ist. Ueberall gibt es Colonisalionsvereme, welch» die

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