Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Article
- Fürst Friedrich Wrede
- Date
- 1898-06-24
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seitens Nr 25 merkwürdigen Energie in der Charakterzeichnung und bringt einen sehr menschlichen Conflict wahr und stark zur Lösung. Ein abendfüllendes Schauspiel Wredes soll in der nächsten Spielzeit im Deutschen Bolkstheater in Wien aufgeführt werden. Das beste und reifste Werk, das wir bisher von ihm kennen, ist aber der Roman „Die Goldschilds". Eine großartige Auffassung der Bedeutung und der Aufgaben Israels am Ende des neunzehnten Jahrhunderts durchzieht dieses Werk, von dem man noch viel sprechen wird. Fürst Wrede ist nicht blind gegen die Fehler der Juden; wir wären auch zu unbescheiden, wenn wir das von ihm verlangten. Hane veniam daraus, petimusque vicissim. Wir urtheilen ja auch ganz frei über andere Menschen. Aber wenn er den jüdischen Schädling darstellt — es ist zufällig derselbe Schädling, den auch wir von unserem zionistischen Standpunkte bekämpfen — so verweilt er doch lieber und länger bei den „gerechten Israeliten". Es wird im Verlaufe des Romans manche Capitel geben, zu denen unsere Freunde den Kopf schütteln werden. Mögen sie nicht ungeduldig werden und den Schluss abwarten, in welchem sich die Meinung des Dichters ganz entfaltet. Drei Typen von Juden hat er mit Kunst und Kraft herausgearbeitet: den niedrig materialistischen, den mystischen, der aus unklarem Gefühlsdrang auf Abwege geräth, den innerlich freien Juden endlich, der im Romane die sympathische Hauptperson ist. Man hat in den ersten Capiteln gesehen, mit welcher Aufmerksamkeit Wrede die Verhältnisse armer Juden im kleinen Dorfe studiert hat. Weiterhin entrollt sich ein immer größeres Weltbild. Es. ist das Werk eines wahren Dichters. & Tribüne. Die Erben des Rabbi Samuel Mohilewer erklären hiermit: 1. Dass sie das Recht zur Herausgabe seines Bildes sich allein Vorbehalten, was in kürzester Frist geschehen wird. 2. Dass der Ertrag davon zur Bildung eines Fonds für die Herausgabe sammtlicher von ihm hinterlassenen Manuscripte bestimmt ist. Josef Mohilewer, B i a l y st o k. Geehrter Herr Redacteur! In Nummer 22 der „Welt" spricht Herr B. Sopher in seinem Artikel „Die Arbeiter" von den Trades-Unions in Manchester und erwähnt eine Union, die nicht existiert hat. Vermuthlich meint er aber eine öffentliche Versammlung des „Jewish Trades Council*, der einige Zeit vorher bestand. Auf einem öffentlichen Meeting dieses letzteren im Juni 1897 wurde beschlossen, dass oie jüdischen Trades-Unionisten von Manchester bereit seien, mit ihren englischen Brüdern Hand in Hand zu gehen. Doch wollen sie ihre eigenen Angelegenheiten für sich besorgen. Von den fünf Vereinen, die damals bestanden, ist namentlich noch die Genossenschaft der jüdischen Schneider aufrecht und ist zionistisch. Mit Zionsgruß M. S ortmann Secretär der „Dorshei Zion", Manchester. A PoMr-mssknschaMche Rundschau. Ein neues Riescnluftschiff ans Aluminium wird gegenwärtig für die Luftschiffer-Gesellschaft in San Franzisko gebaut. Dasselbe soll eine Länge von 195 und eine Breite von 60 Fuß erhalten und wird ohne Zweifel das große Luftschiff seiner Art sein. Der cylindrische Theil, der eigentliche Rumpf, wird 100 Fuß Länge und 35 Fuß im Durchmesser haben, er läuft in zwei kegelförmige Spitzen aus, die mit dem Rumpfe noch besonders verbunden sind Der ganze Körper ist aus einzelnen Aluminium- Platten von nur Va mm Dicke zusammengesetzt, die untereinander durch Aluminiumnieten verbunden sind. Das Luftschiff wird durch einen Gasolin-Motor mit zwei Kolben, der 300 Umdrehungen in der Minute erzeugt, betrieben sein und ebenso wie die Wellen und die an diesen angebrachten Schraubenflügel aus Aluminium bestehen, auch die Steuervorrichtung wird aus demselben Metall hergestellt werden. Hoffentlich hat dieses Aluminium- Luftschiff ein besseres Schicksal als dasjenige des verstorbenen Ingenieurs Schwarz, das bei seiner ersten Versuchsfahrt in Berlin in Trümmer gieng. Kaltes Licht. Es würde einen ungeheuren Triumph der Technik bedeuten, wenn eine Beleuchtungsart gefunden werden könnte, bei der nur Licht und keine Wärme erzeugt wird. Abgesehen von der Feuersgefahr, die jede der bisherigen Beleuchtungsarten mit sich bringt, geht durch die entwickelte Wärme auch ein großer Theil der zur Erzeugung des Lichtes aufgewandten Kraft verloren. Bei einer Petroleumlampe beträgt der Wärmeverluft auf Kosten des Lichtes nicht weniger als 99 Percent, bei Leuchtgas 9S‘/2, bei der elektrischen Glühlampe 97 und bei der Bogenlampe noch immer 90 Percent. Nun soll ein junger amerikanischer Gelehrter, I. Haines in New-Iork, nach achtjähriger Arbeit jenen kühnen Traum der Wissenschaft, ein wärmeloses Licht zu erzeugen, zur Verwirklichung gebracht haben; der von ihm beschrittene Weg ist derselbe, den Tesla in seinen berühmten Versuchen mit leuchtenden Röhren angebahnt hat. Haines führte neulich einen Versuch vor, bei dem vier Herren, die nntereinander mit einer elektrischen Leitung verbunden waren, in jeder Hand eine vervollkommnete Crookes'sche Röhre hielten, während noch drei Röhren auf ihren Köpfen angebracht waren. Das von diesen Röhren ausstrahlcnde Licht soll außerordentlich stark sein, indem der elektrische Strom mit einer Spannung von einer Million Volt durch dieselben hindurch geleitet wurde. Der Kraftverlust durch Wärmeentwicklung beträgt bei diesen Röhren nur fünf Percent, das Licht ist also fast vollständig kalt und bringt kaum eine Temperaturveränderung der umgebenden Lust hervor/Es soll sich bereits eine Gesellschaft mit einem Capital von 40 Millionen Mark zur Ausbeutung der Entdeckung gebildet haben. Diese Mittheilungen sind zwei Pariser Fachzeitschriften entnommen. Der Thespiskarren im Wasser. Ein schwimmendes Theater existiert bereits feit einigen Jahren in Sibirien auf der Lena. Der Unternehmer desselben ist der Schauspieler Korßakow, der jährlich bei Beginn des Frühjahrs eine Schauspielertruppe engagiert, eine große Barke miethet, auf derselben ein Theater einrichtet und seine Kunstreise auf der Lena beginnt. Im L-ommer werden in Sibirien in den Städten und Niederlaffungen zahlreiche Jahrmärkte abgehalten, die von Korßakow und seiner Truppe besucht werden. Die Vorstellungen erfreuen sich eines recht, zahlreichen Besuches. Der Spielplan des schwimmenden Kunsttempels umfasst nur Lustspiele leichteren Genres und derbe Possen. Eine neue Milchprobe. Man schreibt uns aus Kopenhagen v. 23. Mai: Der hiesige Professor Storch hat eine bedeutsame Entdeckung gemacht, durch die es möglich wird, mit der größten Leichtigkeit zu constatieren, ob Milch Tuberkelbaccillen enthält. Der Vorgang ist folgender: Einige Löffel voll der zu untersuchenden Milch werden in ein Reagensglas gegossen, einige Tropfen Wasserstoffsuperoxyd (H2 02) werden zugethan, dann einige Tropfen Paraffinglendiamin (C6 H4 (NH2).,). Die Milch im Reagensglas ändert ihre Farbe nicht, wenn keine Tuberkelbaccillen vorhanden sind; im entgegengesetzten Falle nimmt sie sofort, wenn das Glas geschüttelt wird, eine grau-grünliche Farbe an. Eine ganze Stadt mit Dampfheizung. Eine Gesellschaft in der Stadt Geneve (New-Iork) hat sich das Recht gesichert, den ganzen Ort durch eine besondere Anlage mit Dampfheizung zu versehen. Der Dampf wird ebenso wie Elekiricität, Wasser und Gas den Wohnungen und Häusern zugeleitet. Es ist dies übrigens nicht die erste Stadt, die durchwegs mir Dampfheizung versehen sein wird. Die Kosten belaufen sich pro Tag und pro Haus aus 6 Mark. & Mellchromk. Ci» russischer Schriftsteller über den Zionismus. In kurzer Zeit wird die hebräische Uebersetzung der Erzählung „Zwischen Hammer und Amboss" (Bon Hamzorim) erscheinen, welche der bekannte ruffische Schriftsteller und Orientreisende Daniel Mordowzeff veröffentlicht hat. In den Briefen, welche der Schriftsteller an den Uebersetzer, Herrn I. L e w i t geschrieben hat, sinden sich zahlreiche Stellen, in denen Herr Mordowzeff, seine Ansichten über Juden und Judenthum ausspricht. Einige davon wollen wir schon jetzt unseren Lesern übermitteln. Er sagt unter anderem: „Meine Ansichten über das Judenthum habe ich in meiner Erzählung „Zwischen Hammer und Amboss" klargelegt, indem der Held der Erzählung, der Rabbiner Jacob Josef Cohen, meine "Ansichten vertritt. Er spricht meine tiefe Ueberzeugung aus, dass man die Geistesgröße und Widerstandskraft Ihres Volkes bewundern muss, das sich einer Welt zum Trotze ungebeugt erhalten hat". „Ich lege Gewicht darauf, die Sympathien Ihres Volkes gewonnen zu haben und bin ihm sehr dankbar dafür. Mit meiner bescheidenen Thätigkeir möchte ich immer zu seinem Besten beitragen . . . ." Ueber den politischen Zionismus äußert er sich mit folgenden Worten: