Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 25 (24.6.1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-06-24
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 25 JPk^w«nr Tie getroffenen militärischen Anordnungen sollen bis zur vollständigen Beruhigung aufrecht erhalten werden. Welchen Umfang das militärische Aufgebot annahm, erhellt daraus, dass z. B. aus Schlesien Militär nach Galizien requiriert werden musste. Lemberg, 20. Juni. In den letzten Berichten wird übereinstimmend conftatiert, dass sich die Lage in den westgalizischen Bezirken gebeffert hat. In deu Bezirken I a s l v und Gorlice herrschte heute vollständige Ruhe. Nach S t r z y z 0 w, wo sich noch eine gewisse Erregung unter der Landbevölkerung bemerkbar macht, entsendete die Statthalterei von Lemberg aus den Bezirkshauptmann Korzeuiowski. Dem Kurjer Lwow wird aus Zagorz telegraphiert: Eine Anzahl von Burschen überfiel gestern zahlreiche von Juden bewohnte Häuser, zertrümmerte die Fensterscheiben und riss die Rahmen heraus. Kaufläden wurden geplündert. Heute Früh erneuerten sich die Excesse. Eine Compagie Infanterie wurde in den Eisenbahn-Werkstätten einquartiert. Momentan herrscht Ruhe. Die Excesie in Zagorz scheinen einen rein localen Charakter gehabt zu haben, da dieselben im Bezirke Sanok vereinzelt dastehen. „N. Fr. Pr." Lemberg, 20. Juni. Den polnischen Blättern zufolge hat der Bezirksobmann von Jaslo bei dem Statthälterei-Präsidium wegen der Durchführung der Reichsraths-Ersatzwahl aus der fünften Curie im Sanok-Jasloer Wahlkreise zu einer infolge der dortigen Unruhen bedenklichen Zeit Vorstellungen erheben und um die Verschiebung dieser, für den 23. d. M. anberaumten Wahl gebeten. Bon Rzeszow ist ein Bataillon Infanterie nach Krosno abgegangen. Militärabtheilungen wurden in Korczyn, Tnkla und Jedlicze dislociert. Den Militärpatrouillen, welche dort die Dörfer durchzogen, folgten die Tumultuanten und zerstörten hinter dem Rücken des Militärs zahlreiche Gasthäuser in Turoszowka, Ustrobna, Odrzykonie, Korczyn und Snchodole. „N. Fr. Pr." Lemberg, 20. Juni. Nach Brz 0 zow ist von Przemys! ein Jnfauteriebataillon zur Hintanhaltung von Ruhestörungen abgcrückt. Ans Nen-Sandec telegraphiert man den hiesigen Blättern, das? dort gestern eine Bauerinncnge eine drohende Haltung eingenommen habe. Das Militär erstickte die Bewegung im Keime. Fünfundzwanzig Excedeuten wurden verhaftet. Nach einem Telegramm der polnischen Blätter ans Krosno haben in Odrzykonie Excedenten vier Schankwirtschaften demoliert. Die Gendarmerie verhaftete zwanzig Individuen. In Niewodna (Bezirk Strzyzow) haben die Excedenten die von Juden bewohnten Häuser demoliert. Im Orte wurde Militär einquartiert. „dt. Fr. Pr." Krakau, 20. Juni. Hier verlautet, es habe im Aufträge des Ministerpräsidenten Grasen Thun der frühere Minister Dr. Rittner bei dem Fürstbischof Puzyna vorgesprochen, um diesen zu veranlassen, er möge die Geistlichkeit seiner Diöcese energisch auffvrderu, in den Kirchen gegen die Judeucxcesie zu predigen. In den polnischen Blättern wird ein schauerliches Bild der Zerstörung durch die Bauernbanden in den Bezirken Jaslo und Gorlice entworfen. Nach einem Berichte der „Reforma" aus Gorlice haben seit zwei Tagen keine Excesse stattgesunden, weil keine Schänke mehr zum Zerstören vorhanden ist. Seit Samstag wurden im Bezirke Gorlice hundert Excedenten verhaftet. Lemberg, 21. Juni. Nach den Versicherungen der galizischen Behörden ist seit 2 Tagen die Ruhe in den westgalizischen Bezirken nicht gestört worden. Gleichwohl traut man offenbar dem Landfrieden nicht und hat bedeutende militärische Verstärkungen herangezogen. Mehrere Städte werden eine ständige Garnison erhalten, vor allem Jaslo. Auch die Bitte des Statthalters Grasen P i n i n s k i an die Geistlichkeit, zur Beruhigung der Gemüther beitragen zu wollen, scheint gewirkt zu haben. Fürstbischof Puzyna soll bereits zur bischöflichen Visitation abgereist sein, während welcher er auch Gelegenheit haben dürste, die Geistlichkeit zu einer Beruhigungsaction zu verpflichten. Allerdings ist speciell von Puzyna s' Einschreiten nicht viel zu erwarten. Er gilt als Helfershelfer der am meisten verhassten Clique unter den „Herren", und wird schon infolge dessen überall, wenn auch nicht aus offenen, so doch sicher aus passiven Widerstand stoßen. — Die Nachricht, dass Kreisgerichtspräsident P 0 d w i n in I a s l o angewiesen worden sei, Vorbereitungen zur Verhängung des Standrechtes zu treffen, wird officiell nicht bestätigt. & Fürst Friedrich Wrede. Auch Fürsten haben gegen Vorurtheile zu kämpfen, die ihnen das Leben sauer machen. In der Gesellschaft ist es ja eine brillante Einführung, wenn Einer aus sein ruhmvolles altes Wappen Hinweisen kann. Aber in der Kunst und Literatur gilt das wenig. Da bedeutet Jeder nur so viel, als er selbst ist und vermag. Jedem nach seinen Werken! ist ein gar schöner Spruch, besonders wenn er nicht durch Kameradschaften gefälscht wird. Nun geht man aber in der Strenge gern weiter, und wenn ein hochadeliger Herr sich in Kunst und Schristthum zu bethätigen versucht, so findet er komischer Weise bei deu Zünftigen häufig dieselbe ablehnende Ironie vor, mit der sich die aristokratische Gesellschaft gegen Eindringlinge von unten zu wehren pflegt. Man findet es recht nett von ihm, dass er nicht Pferde rennen lässt, sondern sich für Höheres interessiert; aber auch das ist wohl nur Spiel und Sport bei ihm. Ein liebenswürdiger DilettantDer Fall ist erledigt. So hat auch Friedrich von Wrede, deyen Roman „Die Gvldschilds" wir zu publicieren begonnen haben und dessen Porträt wir heute bringen, mit dem Borurtheil seine rechte Mühsal gehabt. Aber durch eine rastlose Arbeit, deren Ergebnis heute schon in einer hübschen Anzahl von Bänden vorliegt, hat er sich die Achtung auch der Zünftigen erzwungen. Seine früheren Romane waren: „Das Laster", „Blutender Lorbeer". Eine Anzahl Novellen „Ter Liebe Weh", „Ein Räthsel", „Tie Gausse", „Ich?" sind bei Schottländer in Breslau erschienen. Interessante Beiträge lieferte er für „Ueber Land und Meer", „Gesellschaft", „Deutsche Revue", „Nord und Süd", „Berliner Tageblatt" und „Neue Freie Presse". Mit Glück hat er sich auch schon aus der Bühne versucht. Sein einaktiges Drama „Pflicht" ist von einer