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Die Welt · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Article
Der zweite Baseler Congreß
Date
1898-06-24
Page
3 (sequence 1)
Language
German
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Nr 25 .Pk^WC Sette 3 Der zweite Baseler Congress. In zwei Monaten wird der zweite Zionistencongress stattfinden. In diesen zwei Monaten werden also unsere Gegner alle Anstrengungen machen, um das, was sie nicht verhindern können, wenigstens herabzusetzen, so gut oder so schlecht es geht. Und es scheint schlecht zu gehen; denn die Lügen, mit denen fie zu reüssieren trachten, werden schon handgreiflich. So suchen angebliche Anhänger der zionistischen Bewegung das Gerücht zu verbreiten, dass der verstorbene Rabbi Mohilewer aus dem Actionscomite ausgetreten sei und jede fernere Mitarbeit mit demselben abgelehnt habe. Das ist natürlich nichts anderes als eine plumpe Erfindung. Wir wollen darüber kein Wort verlieren. Es hieße, das Andenken Mohilewers besudeln, wenn man seinen Verleumdern die Ehre erwiese, ihn gegen sie zu vertheidigen. Die russischen Zionisten, zu deren Beunruhigung dieses Märchen dienen soll, wißen sehr gut, was sie davon zu halten haben. Sie arbeiten in streng gesetzlicher, unermüdlicher Weise an dem Ausbau des zionistischen Erlösungswerkes. Vor dem Congresse noch wird eine Vorconserenz der russischen Zionisten abgehalten werden, welche alle Programmpunkte des zweiten Baseler Congresses berathen und den Delegierten die nöthigen Weisungen zukommen lassen soll. Die Beschlüße der Vorkonferenz sollen für die Delegierten aus Russland maßgebend sein, ohne ihnen die Möglichkett zu benehmen, bei wichtigen Punkten auch eine andere Entscheidung zu treffen, als sie die Vorkonferenz im allgemeinen bestimmt hat. Eine andere Vorkonferenz soll am 26. August, in Basel tagen. Die Colonisationsverbände, Gesellschaften und Vereine sollen über die Form schlüssig werden, in welcher ihre Cooperation mü dem künftigen Actionscomite stattzufinden habe. Es kann sich nur um 'die Feststellung principieller Hauptpunkte handeln, da die zionistische Partei in jedem Lande für sich ein Ganzes bilder und sich nach den Landesgesetzen zu richten hat. Das Actionscomite wird dieser Conferenz seine formulierten Anträge vorlegen. Bon denselben Principien wird die Conferenz der Zionisten Galiziens und der Bukowina gelettet sein, welche am 28. und 29. Juni in Kolomea stattsinden wird. Ein Mttglied des Actionscomites wird den Berathungen beiwohnen und die eventuell nothwendigen Aufklärungen im Namen des Comites geben. Der Entwurf der Geschäftsordnung des zweiten Congresses wird in der nächsten Nummer der „Welt" publiciert werden. Er wurde in der Wiener Vorkonferenz, die Ende April d. I. stattfand, von sämmtlichen Delegierten acceptiert und dürste deshalb auch ohne wesentliche Aenderungen vom Congreße angenommen werden. Die von dem bekannten* zionistischen Pariser Bildhauer Friedrich Beer über Wunsch des Actionscomites entworfene Congressmedaille wurde vom Comtte bereits den betreffenden Etabliffements zur Fertigstellung übergeben. Die Aversseite der Medaille zeigt eine symbolische Gruppe, die Reversseite einen von der Wiener Vorkonferenz gewählten hebräischen Spruch. An das Bureau des Zionistencongreßes in Basel sind bereits zahlreiche Schekeljuxten eingelaufen. Besonders stark ist der Einlauf aus Russland, Rumänien, Frankreich, Nordaftika (Alexandrien und Cairo), England, Irland, den Bereinigten Staaten Nordamerikas, der Schweiz und Oesterreich- Ungarn. Gleichwohl sind noch lange nicht alle ausgegebenen Schekelblocks eingelaufen. Das Congressbureau publiciert deshalb folgende Aufforderung: „Da eine größere Anzahl von Schekelblocks noch ausstehen, machen wir unsere Vertrauensmänner und Schekelblock- Jnhaber daraus aufmerksam, dass auch nicht ausgefüllte Blocks an das Bureau des Zionistencongreßes in Basel eingeschickt werden müssen, da dieselben zur Controle und Rechnungsablegung dringend benöthigt werden. In den ersten Wochen des Monats Juli werden die nach Ortsgruppen gesonderten Schekelzahlerlisten an die Blockinhaber zur Bertheilung an die Schekelzahler vom Baseler Bureau abgehen. Zu gleicher Zeit werden auch die näheren Informationen über die Art der Wahlvornahme und über die Zahl der zu wählenden Delegierten versendet werden. Der Einlauf der Blocks der orientalischen Juden ist noch nicht angekommen. Doch melden die Vertrauensmänner aus Palästina und Aegypten, dass an die Juden des Orientes 10.000 Druckschriften zionistischen Inhalts abgegangen seien. Die Agitation unter den orientalischen Juden, die infolge der großen räumlichen Entfernungen und der schweren Zugänglichkeit besonders große Aufmerksamkeit erheischt, wird in arabischer, hebräischer und französischer Sprache durchgeführt. Es ist zu erwarten, dass auch Vertreter der orientalischen Juden am zweiten Congreße werden theilnehmen können. SS Die Woche. Wien, 23. Juni 1898. Als die Prager Juden vor einigen Tagen ihre Thüren betrachteten, da entdeckten sie auf ihnen verschiedene, seltsame Zeichen. Eine ftemde, symbolistische Kunstneigungen verrathende Hand war nächtlich erschienen und hatte die Hieroglyphen zurückgelaßen. Andere Juden, die noch nicht so hingebungsvoll auf den Trümmern demolierter Kaufgewölbe geseßen sind, wie die Prager Juden, wären vielleicht an den Zeichen achtlos vorbeigegangen oder sie hätten sich mit einem Versuche der Entzifferung vergebliche Mühe gemacht. Die Prager Juden hingegen verstanden auf den ersten Blick die Dekorationen ihrer Thüren. Diese Fertigkeit im Dechiffrieren ist freilich nicht das ureigenste Verdienst der Prager Juden. Hätten sie seinerzeit in den tschechischen Pöbelmaßen nicht so gewißenhafte, ja pedantische Instruktoren gehabt, so wäre ihnen diesmal das Verständnis der Symbole sicherlich nicht so leicht gefallen. Und daun liegt ja die Zeit des Unterrichtes nicht gar so fern. Bor mehreren Wochen war es, als die Prager Juden zum erstenmale..die ftemdartigen Zeichen auf den Thüren fanden. Die Juden grübelten nach, was das heißen solle, und auf einmal erschienen die nachlässig gekleideten Schriftkundigen vor den gekennzeichneten Thüren und begannnen den Unterricht. Ihre ohnehin anschauliche Lehrmethode unterstützten die Prager Pöbelmassen noch durch eine Menge mnemotechnischer Behelfe, die in zwangloser Reihenfolge dazu benützt wurden, die Zeichen zu deuten. Käse, Petroleumflaschen, alte Westen, Mehlsäcke — was immer bei der Hand war, wurde herangezogen, um den dunklen Sinn der Hieroglyphen zu erläutern. — Aber wie gesagt, diesmal konnten sich die Prager Juden die Proscriptionszeichen schon ohne ftemde Hilfe erklären, und da sie den Schriftgelehrten die Mühe weiterer Unterrichtsstunden ersparen wollten, so ließen sie von der Polizei die Thüren reinigen. Die Hieroglyphen an den Prager Judenhäusern sollen den gelben Fleck, der sich um die Kennzeichnung der Juden so große Verdienste erworben hat, ersetzen. Sowie im Orient der Aussätzige seine Klapper in der Hand trägt, sowie der ehemalige Bagnobewohner sein Merkmal im Fleisch eingebrannt hat, damit die übrige Menschheit in der entsprechenden Weife mit ihm verkehre, so muss auch der Jude gestempelt sein. Auch die Wiener antisemitischen Schriftgelehrten, die sich von den Prager Wanderlehrern hauptsächlich durch die sitzende Lebensweise unterscheiden, haben das Bestreben, den Juden durch besondere Symbole kenntlich zu machen. In den Zeitungen, die von den Wiener Schriftgelehrten redigiert werden, wird der unbefangene Leser eine auffallende Menge von Ausrufungs-

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