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Die Welt · 1898-06-24 · 25 (24.6.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
25 (24.6.1898)
Date
1898-06-24
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Kedartion und Administration: Wien IX.. Türkenstraße 9. Telephon Ne. 8605. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petit- . Zeile 10 kr. Einzelne Nummern 15 kr.! Ausland: Deutschland , halbjährig 7 Shg., Russland „. „ _ _ _ö_. Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 25. Wien, 24. Juni 1898. 2. Jahrgang. WM- Da Ende dieses Monats eine größere Anzahl vorr Abonnements ab lauft, so werden die Betreffenden erinnert die Erneuerung rechtzeitig dorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung rintrete. Die Administration. Feuer in Galicien. Von Benjamin Seff. Der Pater Stojalowski hat seine Leute schlecht unterrichtet. Es ist in einem modernen Rechtsstaate nicht gestattet, zu sengen, zu morden und zu plündern. Der Bezirkshauptmann von Jaslo bezeichnet in einem amtlichen Rundschreiben die Gerüchte als „lächerliche und abenteuerliche", die „Gerüchte, als ob es gestattet wäre, an wem immer strafwürdige Handlungen, wie Raub, Gewaltthätigkeiten rc. zu begehen." Diese Nachricht war nämlich von einem Hetzkreis ausgegangen, als dessen Haupt- und Mittelpunkt der Pater Stojalowski von der öffentlichen Meinung ziemlich übereinstimmend bezeichnet wird. Eine Wahl steht im Sanoker Kreise bevor, und um die Gemüther für die Candidatur des Stojalowskischen Parteigängers richtig zu stimmen, die Juden einzuschüchtern, die Bauern zu gewinnen, wurde diese Hetze kunstvoll veranstaltet. Den einfältigen und grausamen Bauern spiegelte man vor, die Regierung habe gestattet, ab und zu die Juden zu plündern und zu niassacrieren. Einige wollten wissen, für diese Lustbarkeit sei die Frist von vierzehn Tagen eingeräumt. Andere behaupteten, es sei ein intermittierendes Fest: dreimal die Woche während eines Monats. Man musste endlich ziemlich starke Militärabtheilungen auf den blutgetränkten Schauplatz dieser vom Bezirkshauptmann von Jaslo mit Recht als lächerlich und abenteuerlich bezeichneten Gerüchte senden, um die Ruhe wiederherzustellen. Es kann in der That nicht gestattet sein, Raub, Gewaltthätigkeiten u. dgl. an wem immer zu begehen. Selbst an Juden nicht. Wir haben an solchem Ausgange des nicht nur lächerlichen, sondern auch grauenhaften Abenteuers von vorneherein nicht gezweifelt. Dass der alte Rebellengeist dieser slavischen Bauern, die manchmal aus ihrem dumpfen Brüten zu thierischen Gewaltsamkeiten auftaumeln, gebändigt werden würde, war vorauszusehen. Menschliche Rücksichten und Staatsnothwendigkeit gebieten es in gleicher Weise. Für die kurzsichtig in den Tag hineinlebenden Politiker ist damit der Zwischenfall erledigt. Höchstens triumphieren manche darüber, dass sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal die im Antisemitismus schlummernde Ordnungsgefahr gezeigt habe. Denn bei den jüdischen Hütten und Schänken beginne der Brand nur, um dann hinüberzufliegen auf das Dach der Schlösser. Die Edelleute und Herren müssten sich daher vorsehen, dass , sie nicht heimgesucht würden vom wildgewordenen. Bauer, der seine Sense zuerst beim Juden dengelt, um nachher auch die Herren niederzumähen. So kommt es, dass gewisse jüdische Politiker in einiger Entfernung vom Thalorte geradezu Sicherheit schöpfen aus solchen Ausschreitungen. Wer den Staat erhalten und die Ordnung bewahren will, müsse gegen die Judenfeindschaft früher oder später Stellung nehmen. Israel kann ruhig schlafen. Wenn ein Brand ausbricht, wird schon die Löschmannschaft ausrücken. Man wird die Spitzen und die Spritzen der Behörden auf dem Brandorte sehen, bis der letzte Rauch von den geschwärzten Trümmern verschwunden ist. Aber was würde man von einem Menschen oder einer Gemeinschaft halten, die ihre ganze Sicherheit bei einem brandgefährlichen Object in dem Eintreffen der Feuerwehr suchen würden. Die Feuerwehr kann sich einmal verspäten, sie kann an mehreren Orten zugleich in Anspruch genommen sein und beim besten Willen nicht rechtzeitig ankommen. Was dann? Die Vernichtung. Wir in unseren festen Häusern, mitten in der Cultur, bewahren sorgsam, wie es im Nachtwächterspruche heißt, „das Feuer und das Licht, dass Niemandem nichts g'schicht!" Zudem zahlen wir pünktlich unsere Beiträge zur Brandschadenversicherung. Das ist doch das Geringste an Vorsicht, was ein vernünftiger Hausvater aufbieten kann. Es gehört dazu nicht viel mehr als die Weisheit eines Nachtwächers. Und Israel, das Volk, das so viele Denker im Lauf einerlangen, rühm- und qualvollen Geschichte hervorgebracht hat, Israel hat nicht einmal die Weisheit eines ^Nachtwächters. Wir denken nicht vorher daran die Brandgefahr abzuwenden, und ist der Schaden angerichtet, so weiß Niemand, an wen er sich um Ersatz des Verlorenen wenden soll. Und wer vorher die Unverständigen mahnt, eine wechselseitige Brandschadenversicherung einzusetzen, der wird verlacht und bekämpft. Aber wir wollen jetzt nicht nur von dieser materiellen Seite unseres Zionismus reden. Der schon wieder gedämpfte Brand in Galizien gibt uns manchen anderen Stoff zum Nachdenken. Vor allem: wen hat auch dieses

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