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Die Welt · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1898-06-17
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 Seite IS J*$Wdr könnte n." Das ist es. Die „anderen Leiden schäfte it" haben die Herren vom Polenclub plötzlich zu judenfreundlicheu Vorstellungen bewogen, und die jüdischen Abgeordneten im Polenclub werden es ihren Wählern klar machen, wie nur durch ihr thatkräftiges Eingreifen die Inden Galiziens gerettet wurden. „Lieben wir uns!" Lernberg, 15. Juni. Ueberfälle und Plünderungen haben in folgenden zweiunddreißig Ortschaften stattgefunden: Jaslo, Kolaczyce, Tebowicc, Zmigrod, Brzostek, Olpiny, Krajowice, Kowalowy, Ulaszowice, Brzoski, Blazkowa, Binsbin gorny und dolny, Lipnica gorna und dolna, Lisowek, Siepietnica, Skolyszyn, Trzcinica, Czermna, Sobniow, Zolkow, Topoliny, Brzyscie, Lichtarz. Pohulanka, Wolica, Lapiguz, Hankowka, Kaczorowy, Majscawa, Zarzyce und Swierchowa. , Krakau. Herr Redacteur I. Fuchs constatiert, dass in der auch in der „Welt" veröffentlichten Uebersetzung seiner Protesterklärung Fehler vorgekommen seien. Er habe nicht von einem speciellcn Redacteur, sondern von Zeitungen im allgemeinen gesprochen, wenn auch kurz vorher eine Zeitung spcciell erwähnt war. Unter „Erwachen des Zionismus" versteht er den Zionismus, der vor circa 20 Jahren erwacht sei. Gleichzeitig verwahrt er sich dagegen, zu den principiellen Gegnern des poliüschen Zionismus gezählt zu werden. Auch „Hintermänner" habe er keine, „da seine Zeitungen absolut unparteiisch und auf Subventionen nicht angewiesen" seien. Wenn auch im Blatte „Hamagid" Gegner znnl Worte kämen, so beweise das eben seine Unparteilichkeit. Im übrige« sei Israels Heil im Lande seiner Väter auch sein Ideal. Deutschland. Berlin. Der Eindruck, den die Erklärung des Rabbinertages gegen den Zionismus hervorgerufen hat, ist gleich Null. Zwar erklärte Herr Dr. May bäum, als er seinen mit Strenge geführten Vorsitz niederlegte, dass „nun der Zionismus endgiltig in Deutschland beseitigt sei", merkwürdigerweise aber ist von einem Erfolge dieses delphischen Ausspruches bisher nichts zu bemerken, vielmehr wird hier mit Brochureu, Flugblättern und Versammlungen eifrigst agitiert. Es scheint fast, als ob auch ein Berliner Rabbiner falsch weissagen könne, und als ob die Erinnerung an einen gewissen, allbekannten Talmudspruch, der sich ziemlich unhöflich über diejenigen auslässt, die sich nach den Zeiten der Propheten aufs Prophezeien verlegen wollen, sehr angebracht gewesen wäre. Zu den Reichstagswahlen sind nunmehr die Ausrufe sämmtlicher Parteien versandt. Die Juden sind zumeist geduldig und unentwegt Eugen Richters Fahne gefolgt, der für die Wahlzeit sehr philosemitisch thut. Vor mir liegt der Aufruf der freisinnigen Volkspartei an die Wähler des zweiten Reichstags-Wahlkreises. Mehr als ein Viertel der Unterzeichneten sind Juden, die ihren Namen, Geld und Zeit der unpopulärsten, einflusslosesten und verhasstesten Partei des Reiches opfern, um die „Reaction" zu bekämpfen. Für sich selbst oder für das jüdische Volk verlangen diese bescheidenen Politiker nichts — nicht einmal ein Mandat, um die Ahlwardt'schen Lügen von der Reichstags - Tribüne zurückweisen zu können. Wozu auch? Wenn erst das „Junkerthum und die Reaction" von den Mannen des „großen Eugen" vernichtet sind, muss ja der Antisemitismus von selbst schwinden. Und bis dahin warten wir geduldig, dass sich die Verhältnisse beffern. Wir haben ja seit 2000 Jahren gelernt, Geduld zu üben! Außerdem ist der Antisemitismus im Niedergange, wie deutlich aus dem Umstande erhellt, dass die preußische Regierung mehreren Rechtsanwälten den Justizrathstitel verliehen hat, kurzum, es wird schon besser. Berlin. Folgendes Flugblatt wurde am zweiten Berhandlungstage der Protestrabbiuer-Versammlung an die ISO anwesenden Rabbiner vertheilt: An die Mitglieder des „Allgemeinen deutschen Rabbi nerbuu de s". Der deutsche Rabbinertag hat in der gestrigen Sitzung den im vorigen Jahre von seinem Vorstände erlassenen Protest gegen den Zionismus bestätigt. Mit Entschiedenheit weisen wir diese unberechtigten Vorwürfe zurück. Konnte man d .. vorjährigen Protest damit entschuldigen, dass damals nur die für die Partei unverbindlichen Meinungsäußerungen einzelner Personen Vorlagen, so wirkt die diesjährige Bestätigung umso unverständlicher, als zu Basel das folgende Programm der zionistischen Partei einstimmig fcstgelegt wurde: „Ter Zionismus e r st r e b t für das j ü d i s .h e Volk d i e S ch a f f n n g einer öffentlich-rechtlich gesicherten H e i m st ä t t e in P a l ä st i n a. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Cvngress folgende Mittel in Aussicht: I. Tie zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. II. Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamwten Judenheit durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach Maßgabe der Landesgesetze. III. Die Stärkung des jüdischen Selbstgefühls und VKksbewusstseins. I V. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Rcgiernngszustimmungen, die nöthig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen." — Nur auf Grund dieses Programmes ist die Partei zr beurtheilen. Wir constatieren daher mit Genugthuung, dass auch seitens der Referenten nicht das Geringste vorgebracht wi rdcn konnte, um dieses Programm zu erschüttern. In diesen Beschlüssen ist das einzige Mittel angegeben, der von allen 'Leiten anerkannten furchtbaren Judcnnvth zu steuern, ein anderes Mittel hat auch keiner der Herren Referenten anzugeben vermocht. Wir sind aber auch davon überzeugt, dass ein großer Theil der hier versammelten Herren Rabbiner innerlich dieses Programm billigt oder ihm doch nicht fernsteht. Wir glauben an die unverwüstliche Lebenskraft des jüdischen Volkes, an die Ewigkeit des Judenthums und darum an den unausbleiblichen Sieg des Zionismus. Die Berliner Ortsgruppen der „Zi onrsti scheu Vereinigung für Deutschland" Frankreich. Paris. Tie liberalen Zeitungen der verschiedenen Länder haben nach der Wahl D r u m o n t s ihren Lesern erzählt, wie schlecht es mit dem Antisemitismus in Frankreich stehe oder vielmehr mit der antisemitischen Fractivn. Als Beleg für diese Behauptungen, bei denen der Wunsch der Vater des Gedankens war, möge folgendes dienen. Ter neue Kammerpräsident D e s ch a n e l hatte bet dem entscheidenden Wahlgang um zehn Stimmen mehr als B r i s s o n, sein Gegencandidat. Die Drumont'sche Gruppe ist neunzehn Mann stark. Zum Dank für die Zusage des Jnstizministers M i l l i a r d, dass die algerischen Diebe und Mörder befreit würden, welche anlässlich der letzten Judenexceffe der Justiz in die Hände gefallen waren, stimmte Trumonts Gruppe mit der Regierungspartei, und Meli ne verdankte also seine Majorität den Antisemiten. Man ist allgemein der Ansicht, dass die Antisemiten ihre ausschlaggebenden Stimmen sich theuer werden bezahlen lassen. Alan sieht, in welche Hände Frankreichs Schicksal gelegt ist. Nichtsdestoweniger wild man in gewissen Kreisen den „lächerlichen" und „einflusslosen" Drumont weiter bespötteln. Und es wird Leute geben, die daran glauben. England. London, den 10. Juni. Da ich diese Mittheilung niederschreibe, treten hier alle Ereignisse vor den Schatten des Todes zurück. Die Nachricht von dem Tode Rabbi MohilewerS hat in den weitesten Kreisen tiefen Schmerz verursacht. Der Verstorbene war hier vor 8 Jahren anwesend und sprach in einer öffentlichen Versammlung für die Cvlonisation. Sein Name war hier geachtet und geehrt, und alle Zionisten empfinden aufs Schmerzlichste diesen tiefen Schlag. J. de IJ. London. Soeben erfahre ich, dass unter den Bene Israel in Indien eine Agitation behufs Betheilignng am nächsten Cvngress eingeleitet wurde. Eine zionistische Confer-mä nu-

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