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Die Welt · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Article
Emigranten aus Rumänien [Nachricht]
Date
1898-06-17
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 Nr 24 Massen zum Wanderstab. Seit Ostern haben über 300 Familien (circa 2000 Persvneu) die rumänische Grenze überschritten, um sich nach Westeuropa oder 'Amerika zu begeben. Die CoLonistcn ans Argentinien sind nach ihrer Rückkehr in Cherson am 27. Mai sofort in Hast genommen worden. Ueber Intervention einflussreicher Personen wurden schließlich 58 Personen befreit, die übrigen 78 jedoch in Haft behalten. Sie werden per Schub in ihre Heimatsorte zur weiteren Amtshandlung geschickt werden. Bekanntlich verliert jeder russische Unterthan, der durch Jahre von Russland abwesend ist und sich beim Consu! nicht meldet, die russische Staatsangehörigkeit. Die begnadigte» Judenmörder. Die Regierung begnadigte sämmtliche Berurtheilte und Angeklagte in Sachen der algerischen Judenplündernngen und Morde. Nur dreißig Beschuldigte sind von der Maßregel noch ausgenommen. Statthalter Lepine befürwortete diese. Er begründete seine Empfehlung hauptsächlich mit den Zuständen in den algerischen Gefängnissen, wo Hunderte von Häftlingen nicht dauernd untergebracht werden können, ohne Seuchen hervorznrufen. Jüdische Auswanderer. Während des Monates April landeten in Philadelphia 144 jüdische Einwanderer; 113 waren aus Russland, 24 ans Oesterreich-Ungarn. Dieselben vertheilten sich über 16 Städte der Bereinigten Staaten. Personalnachricht. Mittwoch, den 8. Juni d. I., fand die Promotion des i. a. B. der jüdisch-akadem. Verbindung „Jvria", des Herrn Felix Rosen fe ld, zum Doctor beider Rechte an der Universität in Wien statt. Todesfall. Im Alter von 72 Jahren ist in Wien am letzten Montag der bekannte jüdische Gelehrte Samuel Mödling e r verschieden. Er starb arm und verlassen, wie es schon einmal das traurige Schicksal jüdischer Gelehrter ist. Seine vorzüglichen Arbeiter: aus dem Gebiete der Bibelkritik, sowie seine Biographie Aristoteles' waren nur den Fachgelehrten und dem hebräisch lesenden Publicum bekannt. Er war zu unpraktisch, um seine Schriften in der bekannten Weise zu verwerten und zu bedeutend, um sich vorzudrängen. Es fehlte ihm daher am Nothwendigsten, und niemand nahm sich seiner an in dieser großen Stadt, wo Juden so sehr mit ihrer Unterstützung von Kunst uild Wissenschaft protzen. Unter den hinterlassenen Mannscriptcn befindet sich auch eine Antwort auf Güdemaun's „Nationaljndenthum", die der Verstorbene jedoch aus Mangel au Mitteln nicht herausgeben konnte. Friede seiner Asche! & Die zionistische Lewegmig. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Kokesch, Hof- und Gerichts-Advocaten in Wien. 1., Singerstraßc 25, zu senden. Wien. Dem Aclionscomitö ist folgendes Schreiben zugekommen: „Löbliches Comitö des Zionislencongresses! »Hiemit erkläre ich mich bereit, sänrmlliche zur Bearbeitung der uns heiligen Scholle dienenden Werkzeuge ohne persönlichen Nutzen abzugeben. Zu diesem Ende wolle das löbliche Comitö nur Muster der im heiligen Lande usuellen Werkzeuge einsenden, damit ich den Preis für Lohn und Material berechnen kann. Den so berechneten Preis werde ich ohne Gewinnzuschläge dem löblichen Comitü mittheilen und als bindende für mich erachten. Hochachtungsvoll Joses Lazarus S t a b i l i m e n t o Lazarus, Fiume Lemberg. Hier hat sich noch ein zionistischer Verein „D o rf cf> e i Schlom Zion" auf Grundlage des Baseler 'Programmes gebildet. Der Verein umfasst bereits 150 Mitglieder, die fast ausschließlich der conseroatioen Richtung angehören. L. L G. Hun (Rumänien). In der Hauptsynagoge fand vorige Woche eine Versammlung statt, in der der unermüdliche Agitator für Zion, B. « o r e s aus Vaslni, über den Zionismus iprach. Das Resultat der Versammlung war die Gründung eines Vereines „>Lchalom Jeruscholajm", der strenge auf den Bestimmungen des Baseler Gongresses basiert. Das Comitö besteht aus den Herren A. H. Joses, Js. Joses, A. Rubin, N. Lobe l, B. F r i s ch h o s, M. Silbermann, CH. S ch o r r und A. Srei n b erg. Schnmla (Bulgarien). Herr Boschanoff gründete in unserer Stadt den Verein „Zion". Präsident desselben ist Herr N. Grünberg. Widdin (Bulgarien). Dank der Intervention des Varnaer Delegierten, Herrn K. Ch. Boschanoff, constituierte sich hier ein zionistischer Verein, dem Herr I Steiner, Secretär des Deutschen Gonsulates vorsteht. London. Die „Bnei Zion Association" arrangiert demnächst einen Ausflug nach dem östlichen Theil Londons: Epping Forest. In allen zionistischen Organisationen werden bereits die Vorbereitungen zur Wahl von Delegierten getroffen, und es ist anzunehmen, dass in Basel nicht nur aus England, sondern auch aus Schottland und Irland Vertreter erscheinen werden. J <le H: Galveston (Texas). Hier hat sich eine zionistische Vereinigung „Bnei Zion Association" aus Grundlage des Baseler Statutes gegründet. Leider ist unsere Verbindung mit der Centrale in New-Pork eine sehr lose, da unser Staat eine der entlegensten Provinzen der Union bildet. Die Schskelsammlung wurde eingeleitet. Das Ergebnis haben wir direct nach Wien abgeliefert. Montreal. (Canada). Die zionistische Bewegung ist in ihrem Siegeslauf bis nach Canada gedrungen und als der beste Beweis hiefür gelten unsere glänzend besuchten zwei Massenversammlungen, von denen die erste der Gründung eines zionistischen Vereines und die zweite einer Discuffion und den Wahlen gewidmet war. In dieser letzteren Versammlung, bei der Dr. David Hart den Vorsitz führte, wurde von allen Rednern unter lebhaftem Beifall der Versammlung der Zionismus als die einzige moralische, wirtschaftliche und politische Rettung des Judenthums gepriesen. Schon der Präsident erklärte in seiner Einleitung, dass der neugegründete Verein für die Verwirklichung der vom Baseler Congress aufgestellten Postulats eintreten wolle. Reo. Meldola de Sola betonte, dass die Zionisten keineswegs unreligiöse Bestrebungen verfolgen; Reo. Ashinsky unterstützte ihn. Reo. Kaplan zeigte die Absurdidat der Behauptungen, dass der Zionismus dem Patriotismus widerspreche. Das sei falsch uns lächerlich. Es sei ganz gut compatibel, die Loyalität gegenüber England oder einem Staaie,deffenVerband einJude angehört, milder Unterstützung armer verfolgter Glaubensgenoffen behufs Ansiedlung in Palästina zu vereinigen. Mr. Cohen, S ch a p i r a, Vineb e r g und Clarence de Sola beleuchteten dann die zionistischen Bestrebungen nach verschiedenen Richtungen. Der letzte Redner schilderte die Entwickelung der palästinensischen Colonien und deren gegenwärtigen Stand. Er erklärte dann der Versammlung die Organisation der zionistischen Partei, die Bedeutung des Actions-Comil>-s und des Congresses, zu dem auch Montreal einen Vertreter delegieren wird. Dieser Partei müssten sich auch die Juden von Montreal anschlicßen — alle, denn es gelte einer großen Sache: eine Arbeit für die gehetzten, verfolgten Brüder. In begeisterter Weise zollte die Versammlung diesem Redner ihren Beifall uno schritt dann an die Wahl des Ausschusses und des Agitattons-Comitc-s Dem Vereine traten an diesem Abende mehrere hundert Mitglieder bei. Roodcpoort (Transvaal). Hier ist ein aus dem Boden des Baseler Congresses stehender zionistischer Verein thätig, der den Namen „Leman Zion Association" führt und gegen 200 Mitglieder zählt. Sämmtliche Mitglieder haben den Schekel entrichtet und werden durch 2 Delegierte am 2. Baseler Congresse vertreren sein. Der Hon. Secretary B. Coffee vermittelt die Verbindung mit dem Congressbureau in Wien. CorrchllndenM. Oesterreich-Ungar«. Wien. Die Exceffe iu Galizien haben nunmehr auch die Entrüstung des Pvlenclubs erregt. Die Herren und ihre ergebenen Dienen haben ihr Herz für das Judenthum entdeckt. Es ist ihnen natürlich leicht geworden, auch die Regierung plötzlich mit banger Sorge ob der Geschehnisse in Galizien zu erfüllen. Wieso das so plötzlich gekommen ist'? Sehr einfach. Bei den Excessen der letzten Tage überzeugten sich die patriotischen Plünderer bald, dass bei den Juden nicht soviel zu holen sei, als man ihnen weisgemacht hatte. Ein paar Stückchen Ware, ein elender Hausrath, der oft dem Plünderer zu schlecht war, um ihn mitzunehmen, konnten den hochgespannten Erwartungen der Befreier von der Judenherrschaft nicht genügen. Vom Hass allein aber kann man schwer leben und noch weniger Beute machen. Ta kamen findige Köpfe daraus, die Berbindung einzelner Juden mit der Schlachta in ihre Combination zu ziehen, und frei nach Ahlwardt erscholl der Ruf: „Wider Juden und Schlachta!" So kam es zu Ausschreitungen, welche — wie ein officiöses Blatt sehr fein bemerkt — „die Ruhe des Landes nachhaltig zu gefährden geeignet sind und die bei fernerer Dauer auch noch andere Leidenschaften entfesseln

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