Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 24 (17.6.1898)
- Article
- Zur Frage der "Trades Unions"
- Date
- 1898-06-17
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 11 Nr. 24 Zur Frage der „Trsdes Uniuns". Schon mebreremale fand ich unter der Spitzmarke „Trabes Unions" diese für die Verhältnisse der Arbeiter im zukünftigen Judenstaate wichtigen Organisationen discutiert. Doch geschah dies bisher noch von keinem „Arbeiter", und das veranlasst mich, meiner Ansicht darüber Ausdruck zu geben. Ich muss vorausschicken, dass ich sozusagen noch Neuling im Zionismus bin. Das aber ist sicher, dass ich meine jüdische Nationalität und als jüdischer Arbeiter die Nothwendigkeir einer Beseitigung der Sclaverei, unter welcher ganz besonders der Proletarier leidet, erkannt habe. Nichtsdestoweniger erkläre ich, dass ich nie und nimmer eine Losung dieser Frage darin erblicken werde, als palästinensischer Arbeiter einem wie immer genannten Institute zu dienen, das dann statt des mir zu verabreichenden Lohnes allergnädigst für meine „Bedürfnisse" sorgen wollte. Daran kann auch der Umstand nichts ändern, dass man den Arbeitern einen Siebenstundentag oder noch kürzere Arbeitszeit in Aussicht stellt. Denn es ist gewiss eine falsche Auffassung, zu glauben, der socialistische oder classenbewusste Arbeiter erstrebe den Achtstundentag, um eine oder mehrere Stunden auf der Bärenhaut liegen zu können. Vielmehr wird diese Forderung durch den uneigennützigen Trieb hervorgerufen, allen Arbeitern Brot zu schaffen, was sich bei der riesenhaften Arbeitsleistung der so vielfältigen Maschinen nur durch Verkürzung der Arbeitszeit bewerkstelligen lässt. Das aber ist noch kein Grund, zu glauben, der in irgend einem europäischen Culturstaate lebende Arbeiter sei gewillt, unter Zusicherung lebenslänglicher Beschäftigung auf die allerdings sehr geringen persönlichen Rechte, die er sich bisher erkämpft hat, zu verzichten; er will sie vielmehr erweitert wissen. Und wäre es ein anderes Verhältnis, als das devotester Abhängigkeit, auf die gekennzeichnete Weise versorgt zu sein? Dies geht auch schon deshalb nicht, weil die Leistungsfähigkeit der Einzelnen ebenso verschieden ist, als es ihre Bedürfnisse sind. Es muss also vor allem Aufgabe der zionistischen Parteileitung, die den Arbeitern ein einladendes Programm vorlegen will, sein, Zustände zu schaffen, welche neben der Lebensfähigkeit auch einige persönliche Freiheit erwarten lassen. Hoffen wir also, dass es gelingen wird, ein „demokratisches" Programm vorzulegen, dann wird es nicht schwer werden, Arbeiter dafür zu gewinnen; denn der jüdische Arbeiter steht heute in den socialistischen Reihen gewiss nur aus folgenden zwei Gründen: 1. Weil der socialistische Arbeiter jeden, der nicht seines Sinnes ist, befehdet, der jüdische Arbeiter also unter der Ausbeutung seines Brotgebers und noch außerdem unter den Ehicancn seiner College« leidet; 2. Weil er hofft, dadurch in freier Zeit Linderung seiner Leiden zu finden, dabei jedoch vergisst, dass der noch lebende Antisemitismus bis dahin vielleicht andere Wege zur Bethätigung einschlagen wird, ohne jemals vom Schauplatze zu verschwinden, so lange es Juden geben wird. Mar Schlesinger, Schriftsetzer in Wien. Anmerkung der Redaction. Da wir allen auf dem gemeinsamen Boden des Zionismus stehenden Anschauungen in unseren Spalten gerne Raum geben, so haben wir keinen Anstand genommen, diese Zuschrift des zionistischen „Neulings" zu veröffentlichen. Es wäre leicht, viele polemische Bemerkungen zurückzuweiscn; wir überlassen jedoch den Gesinnungsgenossen aus Arbeiterkreisen früher das Wort. Popnlär-wiffenschaMcht Rundschau. Die größte« Schiffe. Der neue Dampfer, den die Hawburg-Amerikalinie bauen lässt, wird alle jetzt schwimmenden Handelsdampfer an Geschwindigkeit übertreffen. Diese soll *3-5 Seemeilen betragen. Das Schiff erhält eine Länge von 20!»*1 Meter und eine Breite von 20 Meter. Die beiden vierfachen Expansionsmaschinen sollen 36 OuO Pferdekräfte entwickeln. An Größe wird dieses Riesenschiff aber noch von dem im Bau befindlichen „Oceanic" der „White Star"-Linie in England übertroffen werden. Denn dieses Schiff erhält bei gleicher Breite wie der deutsche Dampfer eine Länge von 213-3 Meter. Mit diesem Schiffe ist man wieder auf die Größe von „Great Eastern" zurückgekommen, der im Jahre 1860 von Scot Ruffel als Rad- und Schraubendampfer erbaut, eine Länge von 207 Meter, eine Breite von 25-3 Meter und ein Deplacement von 27.000 Tonnen besaß. Die Maschinen indicierten zusammen 7650 Pferdekräste und verliehen dem Schiffe eine für damalige Verhältnisse ganz außerordentliche Geschwindigkeit von 14-5 Seemeilen. Der Pa«amaca»al ist durch den spanisch-amerikanischen Krieg wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt. Bei der riesigen Entfernung der Ost- und Westgeschwader an beiden Küsten Amerikas werden die großen Mängel der Verbindung der beiden Meere von den Amerikanern sehr übel empfunden, und die strategischen Rücksichten sollen nun, wie es heißt, den Anlass dazu geben, das Lesseps'sche Werk fortzuführen. Nunmehr wird aber Amerika an die Ausführung desselben gehen, wahrend es bisher von Europa in Angriff genommen war. ' Nach genauen, bereits früher aufgestellten Berechnungen soll die Vollendung des Werkes die Summe von 600 bis 800 Millionen erfordern. Ein elektrischer Baum. In den Urwäldern Indiens soll nach den Mitteilungen des „Eentralblattes für das gesammte Sorstwesen" ein Baum mit ganz merkwürdiger und uneälärlicher igenschaft entdeckt worden sein. Die Blätter dieses Baumes sind nämlich im hohen Grade elektrisch, so dass die Hände, die sie berühren, einen heftigen elektrischen Schlag empfangen. Auch auf die Magnetnadel hat der merkwürdige 'Baum, der den Namen „Philötacea electrica* erhalten hat, eine starke Wirkung, indem er sie schon auf eine Entfernung von 20 Meter zur Ablenkung bringt Die Spannung der elektrischen Kraft des Baumes ändert sich mit der Tageszeit mehrmals. Am stärksten ist sie um die Mittagszeit, während sie um Mitternacht fast ganz zu verschwinden scheint. Auch bei Regenwetter verliert der Baum seine Electricität, so dass man eine Magnetnadel, ohne dass sie abgelenkt wird, ganz in seine Nähe bringen kann. Die Thierwelt scheint die dem Baume innewohnende Kraft zu kennen, denn man hat niemals einen Vogel oder ein Jnsect sich auf ihn setzen sehen. Diese Schilderung ist so unerklärlich, dass man sich des Zweifels an ihrer Wahrheit nicht erwehren kann. Falls die Sache sich wirklich so verhält, ist der electrische Baum sicherlich eine der wunderbarsten Naturerscheinungen die die größte Aufmerksamkeit verdient. & Mkltchronik. Ein originelles Geschenk. Tie Stadt Washington sandte dem Admiral Samp so n ein Kinn eines Esels in zierlicher Fassung von Gold und Edelsteinen mit der Inschrift: „Mit dem Kinn eines Esels schlug und besiegte einer „deiner Vorfahren" die Feinde; so mögst auch du unsere Feinde besiegen." Aus dieser Thatsache schließen die Blätter, dass der Admiral von jüdischer Abkunft oder selbst noch Jude sei. — b — Spanien und die Inden. Für den Fall, als Spanien gegen Amerika unterliegen sollte, ist ein Sündeubock bereits in Bereitschaft — die Juden. Mehrere spanische Blätter machen sie auch thatsächlich für den Krieg verantivortlich. Die Juden hätten den Krieg angestiftet, die nothwendigen Gelder zur Kriegführung herbeigeschafft — wahrscheinlich im Wege eines Syndicats — unt ihre alte Rache an Spanien zu befriedigen. Das Los der jüdischen Einwohner ist unter solchen Umständen kein beneidenswertes. Zum Glücke befinden sich die wenigen ausländischen Juden, größere Kaufleute, unter dem Schutze ihrer Consulate. Hingegen mussten sich die armen Juden von Marocco, die als Hausierer in Spanien ihren Geschäften nachgiengen nach Gibraltar zurückziehen. Wie Spanien, so zählen auch seine Inseln am atlantischen Oceau nur sehr wenig Juden. In der Stadt Portorico 23—25 Familien und ans der Insel Cuba 31 Familien. Hingegen ist Melilla, die spanische Colonie in Afrika, zahlreich von Juden bewohnt, ungefähr von 80.000. Und von diesen Unterrhanen verlangt jetzt Spanien die Blutsteuer, es hätte gewiss auch nichts dagegen, wenn sie Geld hergeben würden. Ein jüdischer Litteratur-Vcrband in Australien. Die an verschiedenen Orten Australiens bestehenden jüdischen Litteratur-Vereine haben sich vereinigt. Die Leitung übergeht an eine Centrale, zu der jeder Verein zwei Vertreter delegiert. Wenn man uns braucht. Wie oft hielten es die russischen Behörden für nöthig, die Passvorschriften für die ausländischen Juden zu verschärfen, um ihnen den Eintritt nach Russland vollständig zu verwehren. Und nun wenden sich die angesehenen Landwirte und landwirtschaftlichen Corporationen in Russland an das Finanzministerium mit dem Ersuchen, in Anbetracht des bedenklichen Rückganges des russischen Exporthandels mit den landwirtschaftlichen Prvducten, besonders mit Hopfen, das Verbot wenigstens für die ausländischen Geschäftsreisenden trnd Importeure jüdischen Glaubens völlig aufzuheben, da es unter gegenwärtigen Verhältnissen unmöglich ist, neue Absatzgebiete im Auslande anders zu erlangen. Emigranten aus Rumänien. Die rumänischen Juden greifen angesichts der furchtbaren Verfolgungen iu