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Die Welt · 1898-06-17 · 24 (17.6.1898) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
24 (17.6.1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-06-17
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 Seite 5 reichen Galizien, wo doch das Gute so nahe liegt, ist noch fast gar nichts geschehen. Und da überkommt es den christlichen Mitbürger wie fieberhafte Reue, und er stürzt sich allerorts auf die Juden, um das Versäumte nachzuholen, um noch an Judenexcefien zu retten, was zu retten ist. Noch ist es nicht zu spät. Der christliche galizische Mitbürger kann, nachdem er einmal weiß, wo sein Wirkungskreis ist, noch gar viel leisten. Die prächtigen Kraftproben, die er in den letzten Tagen gegeben, berechtigen zu den schönsten Hoffnungen. Noch ist Polen nicht verloren! Ja, die Noth ist groß, und es ist wirklich ein Glück, dass es innerhalb des leidenden Judenthums noch Pferde gibt, die unserem umflorten Blick einen tröstlichen Ruhepunkt bieten. Außer dem Rothschild'schen Roste hat auch noch ein Baron Königswarter'scher Einhufer einen ausgiebigen Freudentropfen in den Schmerzenskelch des Judenthums rieseln lasten. Mit Heu und Hafer ringt der eine um die Achtung der Feinde, während der andere zu gleicher Zeit den Schweiß seines theuersten Hansthirres als Opfergabe auf den Altar des Judenthums niederlegt. Wir sind stolz auf unsere wackeren Pferde, wir werden es ihnen nie vergesten, dass sie die compliciertesten Beinbriiche riskiert haben, um uns Ehre zu machen. Noch einige solche Siege, und Israel erfteut sich wieder der Hochachtung, wie einst in besteren Tagen. In dem selbstbewussten Wiehern des Siegers liegt Zukunftsmusik, und mancher Protestrabbiner, an dessen kundiges Ohr die Stimme des Einhufers dringt, wird uns mühelos „auslegen" können, dass im Zeichen des Rossschweifes ein Theil unserer „Mission" sich erfüllen wird. Me Mische Colomalbmk. (Mittheilungen des Bankcomites.) Alle Zuschriften und Anmeldungen sind an Herrn D. Wolffsohn, Köln a. Rh. zu richten. Durch einen Druckfehler in der letzten Nummer der „Welt" wurde eine für die Subscribenten wichtige Mittheilung mangelhaft wiedergegeben. Wir wiederholen sie hiemit: Der in Aussicht genommene Eiirzahlungsmodus ist der folgende. Es sollen im ersten Jahre int Ganzen nur fünfzig P e r c e n t des Grundcapitals einberufen werden. Nach der zehnpercentigen Anzahlung also noch vierzig Vercent im ersten Jahre vom Zeitpunkte der definitiven Gründung an gerechnet. Auch diese vierzig Percent sollen nicht aus einmal, sondern in noch zu bestimmenden Fristen einberufen werden. Der Zweck ist dabei, die Shareinhaberschaft auf eine populäre Grundlage zn stellen und die Erwerbung der Actien den breitesten Schichten zu ermöglichen. Die allmähliche Einberufung des Grundcapitals ist aber auch darum wünschenswert, weil die Bankverwaltung die nutzbringende Verwertung des Gesellschaftsvermögens auch nur allmählich einleiten kann. Das Bankcomitö kann mit Genugthuung die Thatsache verzeichen, dass die Subscriptionsbewegung überall wächst. Die Zionsvereine sowohl wie die einzelnen Vertrauensmänner betreiben die Sache mit löblicher Energie. Demgemäß gestaltet sich der Einlauf von Tag zu Tage großartiger. Aus den Bereinigten Staaten, aus Argentinien, Südafrika, Egypten, Palästina sind bereits Subscriptionen eingetrosten. Nach den bisherigen Anmeldungen zu urtheilen wird aber doch Russland die größten Ziffern beistellen. Auch in Rumänien werden bedeutende Anstrengungen gemacht, insbesondere wird in Galatz und Braila rastlos gearbeitet. Das Bemerkenswerte bei dieser neuartigen Banksubscription ist, dass die Shareaumeldungen bereits auf die bisherigen nur in großen Umrissen gehaltenen Bekanntmachungen erfolgen. Die Kraft der jüdischen Volksbewegung offenbart sich darin, dass schon vor der Erlassung des förmlichen kaufmännischen Prospectes und vor der definitiven Angabe des geschäftlichen Emistionsconsortiums die Beiträge Heranströmen. Es ist eben von vornherein klar, welche Bedeutung diese Bank für das jüdische Berkehrsleben aller Länder haben wird. Die Zweigniederlaffungen an den wichtigsten Punkten des jüdischen Geschäftsverkehrs werden die jüdische Bank hoffentlich bald zu einem Machtfactor werden lasten. Auch diejenigen, die unserem geplanten Unternehmen anfänglich spröde und ablehnend gegenüberstauden, beginnen durch die nachweisbar großen Subscriptionsresultate schon der ersten Wochen aufmerksam zu werden. Es muss sich in der That die Frage aufdrängen, ob es nicht auch für die finanziell Mächtigeren gut sein dürfte, einem Bankunternehmen sich zu nähern, welches die finanzielle Organisation des national gesinnten jüdischen Mittelstandes vorzustellen berufen ist. Gegenwärtig schweben Unterhandlungen, welche den Eintritt eines der hervorragendsten Financiers Norddeutschlands in das Emistionsconsortium zum Zwecke haben. Das Bankcomite in Radom berichtet: „Wir haben in zwei Städten die Subscriptionen geprüft und gefunden: u) die Mehrzahl zeichnet einen Theil der bisher in Sparcasten hinterlegten Ersparniste für die jüdische Bank; b) die Wohlhabenden zeichnen ihre Betrüg k fonds perdu." Dieses Localcvmits meint auch, dass nur eine vierpercentige Verzinsung gesichert werden und der eventuelle Ueberschuss des jährlichen Bankgewinnes dem Nationalfonds zugeführt werden sollte. Aber dies wäre gegen den Charakter der Bank als eines rein geschäftlichen Unternehmens. Der zu erwartende Geschäftsgewinn muss unter die Shareinhaber vertheilt werden. Die Nationalsache wird schon durch die Existenz und das Walten der jüdischen Bank Bortheile haben. In Wilna sind die Herren Goldberg, I. Salmen Gurland und Adolf Gordon eifrig am Werk. — Aus Sofia wird um die Berichtigung gebeten, dass Herr I. Felmigi mit der Subscription nichts zu thun hat. — In Moinesti wird auch energisch und mit gutem Erfolge für die Subscription gearbeitet. — Aus Sichron Jakob sendeten fünfzehn Colonisten Sharesanmeldungen. Andere nennenswertere Anmeldungen der letzten Tage aus Warschau, Berlin, Frankfurt a. M., Brünn, Wien, Zürich, Bamberg, Hamburg :c. rc. In Lemberg hat Herr Julius Hoch feld ein Subscriptionscomite gebildet. Im Transvaal agitiert nach eingetroffenen Berichten Mr. Lennox Loewe sehr wirksam. Auch in Oesterreich-Ungarn wächst das Jntereste für die jüdische Colonialbank von Tag zu Tag. Der vom Actionscomitö für Oesterreich-Ungarn bestellte Bankreferent Herr Dr. Leopold Kahn erhält täglich von allen Seiten Anftagen und Ersuchen um Einsendung von Prospecteu und Subscriptionsscheinen. Nebstdem melden sich bei ihm noch fortwährend neue Zeichner, die Colonialbank-Actien in Stücken von 1 bis 100 zeichnen und auch sofort die lOpercentige Anzahlungsquote erlegen, worunter sich in dieser Woche wieder ein christlicher Zionsfteund mit einer Zeichnung von hundert Shares einstellte. Unsere Vertrauensmänner, sowohl in Wien, als auch in den Provinzen der gesammten Monarchie werden dringend gebeten, allwöchentlich am Donnerstag die aufgenommenen Subfcriptionen nebst einer Liste, welche Namen und Stückzahl enthält, an Herrn Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien, II. Obere Donaustraße 47 einzusenden, damit eine genaue Uebersicht über die Bankbewegung in Oesterreich-Ungarn erreicht und zur geeigneten Zeit publiciert werden könne. — Diejenigen, welche die Subscriptionsscheine vom Bankcomits in Köln bezogen haben, wollen die vom Subscribenten gezeichneten, mit deffen Adreste versehenen Scheine nach Köln dirigieren, jedoch die Güte haben, eine Liste auch an Dr. Kahn einzusenden. Für jene Vertrauensmänner, welche die Scheine von

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