Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 23 (10.6.1898)
- Article
- Aus Transvaal
- Date
- 1898-06-10
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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JTK&WdC Nr 23 Aus Transvaal. Dem Briese eines derzeit im Transvaal, in Johannesburg, lebenden, angesehenen Wiener Juden entnehmen wir solgende Bemerkungen: . . . Aus den Zionismus wollen wir nicht mehr zurückkommen. Es berührt mich nur komisch, wie Du in Wien, der Du niemanden kennst als eine Anzahl sreigeistiger Agnostiker, die nur noch nicht ausgehört haben, sich Juden zu nennen, der Du also gar keinen blauen Dunst davon hast, wie die Frage eigentlich steht, so schroff aburtheilst. Für Dich und mich und unseren Bekanntenkreis hat der Zionismus kein oder blos ein theoretisches Jntereffe. Lerne aber einmal den englischen oder polnisch-russischen Juden kennen, lies „The Jewisli World*1, dann wirst Du ein anderes Bild bekommen. Du weißt, es hat sich hier auch ein zionistischer Verein gebildet (an dem ich mich nicht betheilige). Dr. K. nun sammelt Beiträge. Er hatte eine lange Besprechung mit Sam. Marx (von der Firma Lewis & Marx, hier, die reichste Firma im Transvaal — kamen vor 25 Jahren als Hausierer her, sind die größten Industriellen und Concessionäre). Sam Marx wird um 8000 Lire Grund und Boden kaufen in Jerusalem, und sie der Gesellschaft zur Verfügung stellen und sagte zu : „Wenn die Sache unter Leitung des englischen Gouvernements stände, würde er alle seine Interessen im Transvaal liquidieren und hinziehen. Die englischen und ruffischpolnischen Juden sind ja keine modernen, sondern noch rechte Khille-Juden, unter diesen erweckt die Idee eine wahre Begeisterung. Ich glaube, ich darf mir doch auch eine richtige Beurtheilung zusprechen, und wenn ich behaupte, dass diese Bewegung in der Judenschast der Welt eine tiefgehende ist, so ist mein Urtheil ebensoviel wert als das Eure, die Ihr nichts wisst und nichts wissen wollt. Doch jetzt einfür allemal genug davon. Ich interessiere mich auch blos theoretisch für die Sache, aber ich interessiere mich dafiir." Ein jüdischer Gesandter in CouftantinopcI. Oscar Strauß ist wiederum zum amerikanischen Gesandten am Hose des Sultans ernannt worden. Der Washingtoner Correspondent des „Standard" bemerkt dazu, dass diese Erneuerung in erster Linie dem Umstande zuzuschreiben ist, weil der Jude Strauß am türkischen Hose genehmer iit, als ein Christ. Gelegentlich sei noch hier bemerkt, dass der Chef des marine-ärztlichen Osficierscorps der Türkei sowie der Leiboculist des Sultans Juden sind. Die Ehrung des Andenkens Schapira s in Russland. Der Tod des Prof. Schapira hat die gesammte jüdische Bevölkerung Russlands in tiefe Trauer versetzt. Alle jüdischen Blätter widmen dem Verstorbenen tiefempfundene Rachrufe und heben seine unermüdliche Thätigkcit für das Wohl des Judeuthums bis zu den letzten Augenblicken seines Lebens hervor. Fast in allen Städten, großen und kleinen, werden Trauerseierlichkeiten veranstaltet; die jüdischen Bewohner der Stadt Sekurjany in Bessarabien ehrten das Andenken Schapira's ganz im Sinne des unvergesslichen Vorkämpfers für das geistige Wohl des Judenthums, indem sie eine Talmud-Thoraschule gegründet haben, die seinen Nanien trägt. Arabien als Colonisationsstätte sür die Inden. Wenn es sür uns noch eines Beweises bedürfte, wie wenig auch irgend ein Punkt der Halbinsel Arabiens für die Ansiedlung von Juden in Betracht kommen kann, so könnten die blutigen Judenexcesse in Jemen die Richtigkeit dieser unserer Ueberzeugung nur bestärken. Die fast völlig unabhängigen, stets unbotmäßigen arabischen Stammeshäuptlinge verjagen aus den befestigten Städten die türkischen Garnisonen, die in Arabien numerisch sehr schwach sind, und ihre Wuth kehrt sich vor Allem gegen die Juden, die entweder zu Tode gemartert werden oder den Wauderstab ergreifen, um nur das nackte Leben zu rclten. Unlängst kam ein Trupp solcher Flüchtlinge ans der Stadt Zana-Jemen nach längerer Wanderung durch die arabische Wüste nach Palästina. Ihr Anblick ist ein grauenerregender und ihre Berichte lauten trostlos. Im ganzen Lande herrscht eine völlige Anarchie. Pockenepidemic «nd Judcnscuchc. „Pridnjepr. Kraft berichtet über einen interessanten Fall der Verbreitung der Pockenepidemie durch die Juden auf Grund eines Answeisungserlasses der Behörde. In dem größten Marktflecken Südrusslands, Werchny Rogatschik, mit einer Bevölkerung von über 17000 Menschen, grassiert die Pockenepidemie in ihrer schwersten Form. Die ganz jungen Leute und Kinder sterben massenhaft. Die ganze Bevölkerung lebt in steter Angst. Die Vaccination und Revaccination werden mit größtem Eifer ausgeführt. Und unter diesen schrecklichen Verhältnissen erinnern sich die Localbehörde, dass einige jüdische Familien kein gesetzliches Anfenthaltsrecht in diesem Flecken haben, und nun wird schleunigst deren Ausweisung veranlasst, damit noch zu der Pockenepidemie nicht die Judenseuche hinzukommt. In zwei Familien sind aber pockenkranke Kinder, wobei in einer dieser beiden Familien die Mutter seit 5 Jahren wegen tuberculöser Fußgeschwüre bettlägerig ist. Draußen herrscht ein Unwetter, die Landstraßen sind durch Koth unpassierbar, man kann nicht einmal aus einem Hause in das andere gelangen. Was ficht das alles die braven Dorfpolizisten an. Man packt die pockenkranken Kinder, die kranke Mutter, sie sollen zuerst in ein am Ufer der Dnjepr liegendes Dorf gebracht werden und dann mittels einer Flussfähre auf das Territorium des benachbarten Gouvernemenrs gesetzt, das seuchenftei ist. Alle Vorbereitungen sind bereits getroffen, als der Arzt des Äccisenwesens sich in die Sache einmengt und dank seiner Intervention gelingt es, den Bezirksamtmann zu einer Verschiebung der Ausweisung zu veranlassen. So geschah es mit den Juden im Jahre des Heiles 1808. Die Angst vor dem jüdischen Schützenkönig. Die Schützengilde in Gnesen hielt eine außerordentliche Generalversammlung ab. Es waren etwa 45 polnische und neun deutsche Mitglieder erschienen. Unter den Anträgen befand sich auch ein Aufnahmegesuch eines Juden, des Kaufmannes I. Hamburger. Von einem Mitglieds der Gilde wurde das Gesuch warm befürwortet. Herr Malermeister und Stadtverordneter Gosinecki, ein Pole, erwiderte darauf ungefähr Folgendes: „Die hiesige Schützengildc sei bereits mehrere hundert Jahre alt und habe bisher noch keinen Juden als Mitglied gehabt. Würde die Gilde heute einen Juden ausnehmen, dann würden sich immer mehr Inden melden, und schließlich bekäme die Schützengilde noch obendrein einen jüdischen Schützenkönig, er sei mithin gegen die Ausnahme des I. Hamburger." Herr Hamburger wurde darauf nicht aufgen online n. Die jüdische Volksküche in Wien ist jüngst aus Anlass des 50jährigen Kaiserjubiläums in erweitertem und renoviertem Zustande ihrer Bestimmung übergeben worden. Sie umfasst somit jetzt 200 Plätze. Aber auch jetzt ist der Saal kaum in der Lage, den zahlreichen Gästen auf einmal Platz zu gewähren. Tie Besucher gehören zumeist dem Arbeiterstande an, neben denen die galizischen Inden am zahlreichsten vertreten sind. Man findet oft Väter mit ihren Frauen und Kindern gemeinsam beim mit Blech beschlagenen Tisch ihr Mittagmahl verzehren. Tie Küche ist streng rituell und schmackhaft. Leider aber im Verhältnis zu den Preisen in den Volksküchen anderer Länder etwas zu thener. So kostet die Suppe 3 kr., Fleisch mit Gemüse 9 kr. Beides zusammen kostet aber beispielsweise in Lodz und Warschau nur 4 Kopeken (5 kr.). Rach dem letzten Jahresberichte betrug der Speisemarkenerlös 33.100 fl. gegen 31.575 fl. im Jahre 1890. Hingegen betrugen die Auslagen sammt Regie (7201 fl.) 34.763 fl. Das Deficit wird vom „Verein zur Errichtung von Volksküchen (nach israelitischem Ritus)" gedeckt; dasselbe betrug 1359 fl. Es ist zu bedauern, dass der Bericht gar keine statistischen Daten enthält über den Tages- und Gesammtbesuch der Volksküche. Wenn es möglich ist, die verkauften Portionen zusammenzuzählen unter Berücksichtigung jeder einzelnen Speisesvrte, so würde die Feststellung der Besuchsziffer keine erhebliche Schwierigkeit verursachen. Also, vielleicht macht'» der Vorstand'. Fort mit den Assimilarrten! Der Assimilationsschwindel jüdischer Streber findet bei der christlichen Bevölkerung die gehörige Abfertigung. Der ehemalige Depnticrre Fernand Cremieux gab bei den französischen Wahlen seinen Wählern folgende Versicherung: „Um Verleumdungen und Lügen kurz abzuthnn, erkläre ich aus Ehrenwort, dass ich, vor allem Patriot, von der ersten Stunde an jenen haffenswerten Feldzug verabscheut habe, den man gegen die Armee der Republik gerichtet hat, und ich verpflichte mich in aller Form, gegen die Revision des Processes Dreyfns zu stimmen." Die Folge davon war, dass er durchfiel.